Der
Vietnamkrieg

 
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  Die amerikanische Kriegsphase
  1965-1975

I. Zwischenkriegsjahre 1954-1965

Nach der Niederlage Frankreichs (1954) und der Unterzeichnung des Waffenstillstandabkommens in Genf lösten die USA, unter allgemeiner Zustimmung des Westens, Frankreich als Schutzmacht in Südvietnam ab. Damit sollte die weitere Ausbreitung des Kommunismus verhindert werden. Nordvietnam wurde weiter von China und der Sowjetunion unterstützt.

1955 kam der Katholik Ngo Dinh Diem, 1954 und 1955 Ministerpräsident von Südvietnam, auf Druck der Amerikaner an die Macht. Er erklärte Südvietnam zur Republik und sich selbst zum Staatspräsidenten. Diem war ganz auf die USA eingeschworen und ein Antikommunist. Er hatte sich stets gegen das französische Protektorat ausgesprochen. Nach dem Machtantritt Diems musste Frankreich seine Truppen abziehen. Den Abzug aus dem Norden benutzten etwa eine Million Menschen, Angehörige der katholischen Minderheit in Nordvietnam, zur Flucht in den Süden. Diese stärkten die Regierung Diems, der, mit Rückendeckung der USA, zunehmend ein autoritäres Regime aufbaute. Diem holte nach Abzug der Franzosen amerikanische Militärberater ins Land und baute eine starke Nationalarmee von rund 300 000 Mann auf. Neben den Militärberatern, die die Ausbildung der Soldaten übernahmen, schickten die USA gewaltige Mengen von Kriegsmaterial nach Südvietnam. Das Regime Diems unterdrückte jede Art von Opposition. Die im Genfer Waffenstillstandsabkommen von 1954 vorgesehenen gesamtvietnamesischen Wahlen zur Wiedervereinigung Vietnams im Jahr 1956 scheiterten am Widerstand Diems. Der Vietminh, der kommunistische Norden, konnte sich auf die Zustimmung einer breiten Mehrheit in der bäuerlichen Bevölkerung verlassen. Die Regierung Diem hingegen verfügte nur über eine schmale Basis, und konnte fast nur auf die Unterstützung der katholischen Minderheit zählen. Diem begründete seinen Entscheid mit nicht gewährleisteter Meinungsfreiheit und mit vorabsehbaren Wahlfälschungen im Norden.

Ab 1957, nur drei Jahre nach dem vereinbarten Waffenstillstand, begann der südvietnamesische Vietcong (südvietnamesische Kommunisten) gegen Diems Regime und amerikanische Einrichtungen vorzugehen. Der Vietcong konnte dabei auf Unterstützung durch den Norden zählen. Für die Gewährleistung des Nachschubes wurde der sich schon im Krieg mit Frankreich bewährte Ho-Chi-Minh-Pfad benutzt. Der Ho-Chin-Minh-Pfad wurde aber erst jetzt richtig bekannt. Der Vietcong kämpfte im Guerillasystem und wurde mit der Zeit immer stärker. 1960 wurde die „Front National de Libération du Viet-Nam Sud, FNL“ vom Vietcong gegründet. Sie war eine von Nordvietnam abhängige politische Organisation.

Im Norden Vietnams lebte die Demokratische Republik Vietnam unter Ho Chi Minh weiter. Die anfängliche Euphorie war nach dem Sieg rasch weitgehend verflogen. Ho Chi Minh hatte die Kollektivierung der Landwirtschaft verfügt. Diese radikale Bodenreform wurde von der offiziellen Propaganda unterstützt, stiess aber auf verzweifelten Widerstand der Bauern im Delta des Roten Flusses. Das kommunistische Regime zeigte sich aber unerbittert hart. Grossgrundbesitzer, aber auch Bauern, die ihr Land nicht abgeben wollten, wurden in Schauprozessen einer ideologisch aufgeheizten Bevölkerung vorgeführt. Ab 1959 sickerten, auf Anweisung Ho Chi Minhs, nordvietnamesische Guerillakämpfer via Ho-Chi-Minh-Pfad in Südvietnam ein und unterstützten die dortige Aufstandsbewegung.

Anfangs 1961 hatte John F. Kennedy Dwight D. Eisenhower als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika abgelöst. Kennedy war angesichts der zunehmenden Angriffe des Vietcongs auf die süd-vietnamesische Armee nicht länger bereit, tatenlos zuzusehen. Die USA bekräftigten erneut die Unterstützung für Südvietnam und schlossen im April 1961 mit dem noch regierenden Regime Diems einen Freundschafts- und Wirtschaftsvertrag ab. Dem wachsenden Druck des Vietcongs versuchte das Regime Diems mit allen Mitteln entgegen zu halten. Die Truppen Südvietnams mussten sich aber immer weiter zurückziehen und nach kurzer Zeit hatte der Vietcong den grössten Teil der ländlichen Gebiete Südvietnams unter seiner Kontrolle. Der Vietcong begann zudem mit dem Aufbau einer eigenen Verwaltung, zum Verdruss des Machthabers Diem. Ab Dezember 1961 verstärkten die USA stetig ihre Truppenpräsenz in der Region. Ende 1962 waren es bereits 11 200 Soldaten. Neben dem Vietcong bildete sich nun weiterer Widerstand gegen das Regime Diems, vor allem in der buddhistischen Bevölkerungsmehrheit, die ohne Zweifel vom Vietcong unterwandert war. Infolge dessen liessen sich immer mehr buddhistische Mönche in den Strassen als Zeichen des Protestes mit Benzin übergiessen und steckten sich selbst in Brand. Madame Nhu, die Schwägerin Diems, soll dazu in ihrer zynischen Art gesagt haben: “Was haben diese Buddhisten getan? Sie haben einen ihrer Mönche als Barbecue geröstet, nachdem sie ihn vorher irregeführt hatten. Und selbst für diese Barbecue haben sie importiertes Benzin verwendet.“

Angesichts der zunehmenden Unruhen und des immer stärker werdenden Vietcongs wurde Diem am 1. November 1963 von der südvietnamesischen Armee geputscht und ermordet. Erst nach der Veröffentlichung der geheimen Pentagon-Papers im Jahre 1971 erfuhr die Öffentlichkeit, dass die Amerikaner im Vorfeld vom Putschversuch gewusst, wenn nicht sogar selber angeordnet hatten, und sich bereits auf die Zusammenarbeit mit der Nachfolgeregierung vorbereitet haben. Drei Wochen nach dem Putsch wurde der amerikanische Präsident John F. Kennedy in Dallas während einer Parade von einem Heckenschützen erschossen. Viele Vietnamesen sahen im gewaltsamen Tod Kennedys eine Art Nemesis, eine ausgleichende Gerechtigkeit. Kennedys Nachfolger wurde Lyndon B. Johnson.

Nach dem Tod Diems folgten weitere Militärputsche und zehn Regierungen innerhalb von 18 Monaten. 1965 übernahm Nguyen Van Thieu die Regierung. 1967 wurde er ausserdem Staatspräsident von Südvietnam.

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II. Hintergründe zum Engagement der USA

Ihr Engagement in Vietnam rechtfertigten die USA einerseits mit der Truman-Doktrin, andererseits mit der Dominotheorie Eisenhowers.

Die Truman-Doktrin ist die Bezeichnung für das vom amerikanischen Präsidenten Harry S. Truman anlässlich einer Kongressrede vom 12. März 1947 vorgestellte aussenpolitische Programm, das später auch unter dem Namen Containment-Politik gegenüber der Sowjetunion und allen kommunistischen Ländern in der Zeit des Kalten Krieges bekannt wurde. Damit sollte die Ausbreitung des Kommunismus verhindert werden. Die USA sahen sich verpflichtet, alle freien, das heisst kapitalistischen, Völker zu unterstützen, die sich der Unterwerfung durch bewaffnete Minderheiten oder durch Druck von aussen widersetzen. Truman meinte damit in erster Linie Griechenland und die Türkei. Mit der Truman-Doktrin wurde aber auch das Eingreifen in Vietnam gerechtfertigt.

Die Dominotheorie wurde anlässlich einer Pressekonferenz im Jahre 1954 vom damaligen US-Präsidenten Eisenhower begründet. Wie der Name schon sagt, ist diese Theorie an das Dominospiel angelehnt, wo ein Stein eine ganze Reihe von benachbarten Steinen der Reihe nach zum Fall bringen kann. Nach dieser Theorie besteht die Möglichkeit, dass ein kommunistischer Umsturz weitere in angrenzenden Ländern zur Folge haben könnte. Diese Befürchtung des Westens, insbesondere der USA, bezog sich konkret auf Indochina, wo der französische Widerstand gegen die kommunistischen Truppen Nordvietnams nachzulassen begann.

Die Truman-Doktrin wie auch die Dominotheorie wurden von Eisenhowers Nachfolger Kennedy übernommen.

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III. Kriegsablauf

Kriegsausbruch (1965)
Die USA konnten aufgrund ihres bisherigen Engagements in Vietnam nicht mehr zurückweichen, zu sehr waren sie in den Konflikt verstrickt. Anfang August eskalierte die Situation in Folge des so genannten „Tonking-Zwischenfalles“. Nordvietnamesische Torpedoboote hatten am 2. und 4. August zwei Zerstörer der USA im Golf von Tonking angegriffen. Dieser Vorfall wurde von Präsident Johnson als Vorwand zur militärischen Eskalation benutzt. Der amerikanische Kongress erteilte Johnson am 7. August 1964 eine Generalvollmacht zur Kriegsführung gegen Nordvietnam. Damit trat nun Amerika auch offiziell in den Krieg ein. Dem Zwischenfall im Golf von Tonking, der als Vorwand für den Kriegseintritt der USA diente, ging eine amerikanische Provokation in Form einer Geheimoperation gegen Nordvietnam voraus. Dies wurde aber erst viel später bekannt.

In den USA wie auch im restlichen Westen glaubte man aufgrund der materiellen und zahlenmässigen Überlegenheit an einen schnellen Sieg der Amerikaner. Der amerikanische Verteidigungsminister Robert McNamara glaubte sogar, diesen mittels Computern mathematisch errechnet zu haben. Der Sieg über die Kommunisten sollte mit flächendeckenden Bombardements im Norden und gezielten Aktionen gegen den Vietcong im Süden erreicht werden. Nordvietnam sollte in die Steinzeit zurückgebombt und der Vietcong vernichtet werden. Im Februar 1965 begannen die ersten systematischen Bombenangriffe auf strategisch wichtige, militärische und wirtschaftliche Ziele in Nordvietnam. Neben Nordvietnam wurde auch der durch Laos und Kambodscha führende Ho-Chi-Minh-Pfad, über den der Vietcong weiterhin Nachschub aus dem Norden erhielt, flächendeckend bombardiert.

Das vermeintliche Siegesrezept gegen den Vietcong hiess „search and destroy“, suchen und vernichten. Die Partisanen des Vietcongs sollten aus der Luft mit Hubschraubern aufgespürt und eliminiert, Dörfer, in denen Partisanen des Vietcongs vermutet wurden, abgebrannt und zerstört werden. Mit diesen Hubschrauberangriffen sollte der Vietcong in die Knie gezwungen werden. Dieser zog sich aber in ein unterirdisches Tunnelsystem im Mekongdelta zurück. Den Amerikanern gelang es während des gesamten Kriegs nicht, dieses „Eiserne Dreieck“ zu knacken. Der Vietcong und die aus dem Norden eingesickerten Soldaten kämpften weiter im Guerillasystem und schossen aus dem Hinterhalt auf die US-Truppen oder stellten im Dschungel tödliche Fallen auf.

Ab März 1965 gingen die ersten US-Marines in Südvietnam an Land. Diese bildeten die Vorhut für eine gewaltige Kriegsmaschinerie. Bis Ende 1965 verstärkten die USA ihre Truppen auf 185 000 Mann. Ende 1968 waren es schon über eine halbe Million. Militärische Unterstützung erhielten die USA zudem von ihren SEATO-Verbündeten, vornehmlich von Australien, Neuseeland und Südkorea. Den USA und ihren Verbündeten gelang es jedoch nicht, eine Entscheidung zu ihren Gunsten herbeizuführen. Ab 1966 signalisierten die USA mehrmals Verhandlungsbereitschaft. Nordvietnam lehnte aber jedes Mal strikte ab. 1967 traf sich Johnson mit dem sowjetischen Ministerpräsidenten Aleksej N. Kossygin. Die Hoffnung der Amerikaner beruhten darauf, dass Kossygin Ho Chi Minh an den Verhandlungstisch bringen würde. Diese Hoffnungen wurden jedoch nicht erfüllt.

Zur gleichen Zeit erhöhten die USA den Druck auf Nordvietnam mit einer Intensivierung der Bombardements. Ganze Teile des Landes glichen inzwischen einer Mondlandschaft. Nordvietnam war nach den zahlreichen Bombenteppichen schliesslich fast vollständig auf Militär- und Wirtschaftshilfe aus der Volksrepublik China und der Sowjetunion angewiesen. Dies hatte zur Folge, dass Nordvietnam dauernd mit Waffen, vor allem aus der Sowjetunion, beliefert wurde. Mit Hilfe sowjetischer Raketen wurde beispielsweise die nordvietnamesische Luftabwehr perfektioniert. Das ermöglichte den Abschuss einzelner B-52 Bomber. Die Besatzung der jeweils abgeschossenen Flugzeuge wurde der nordvietnamesischen Bevölkerung, die mit Hass und Wut auf die amerikanischen Bombardements reagierte, vorgeführt. Ho Chi Minh gelang es, im eigenen Land eine patriotische Kriegsstimmung zu schüren und die Bevölkerung zu motivieren.

Im Süden konnte das „search and destroy“-Prinzip nicht die wunschgemässe Wirkung entfalten. Die Infanterieplatoons der US-Streitkräfte erlitten hohe Verluste. Viele der vermeintlich für Angehörige des Vietcongs Gehaltenen waren unschuldige Zivilisten, da vor allem die Amerikaner oftmals nicht Freund von Feind unterscheiden konnten. Die am Krieg beteiligten Parteien gingen, je länger der Krieg dauerte, desto brutaler vor. Wer die südvietnamesischen und amerikanischen Streitkräfte unterstützte, wurde zur Zielscheibe des Vietcongs. Diejenigen, die den Vietcong unterstützten, wurden von den Amerikanern und Südvietnamesen erbarmungslos gejagt. Den traurigen Höhepunkt dieser Kriegsführung bildet das Massaker von My Lai 1968, begangen von US-Truppen nach der so genannten Tet-Offenive. Die USA setzten im Rahmen ihrer „search and destroy“-Aktionen gegen den Vietcong zusätzlich Napalmbomben und das Entlaubungsmittel Agent Orange ein. Diese Waffen verfehlten ihr Ziel und trafen häufig nicht die Partisanen des Vietcongs und die nordvietnamesischen Kämpfer, sondern die Zivilbevölkerung.

Die Moral der US-Truppen war nach drei Jahren Krieg dramatisch geschwächt worden, währendem die Nordvietnamesen ideologisch aufgeheizt und in Kriegsstimmung waren. Im November 1967 gab das Pentagon die Gesamtzahlen der bisherigen Verluste seit 1961 auf Seiten der USA bekannt. Sie beliefen sich auf 15 058 Tote und 109 527 Verletzte. Angesichts dieser Zahlen wurde in den USA allmählich die Forderung nach einer sofortigen Beendigung des Krieges laut. Auch die jährlichen Ausgaben von 25 Milliarden US-Dollar trugen ihren Teil zu dieser Forderung bei.
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Propaganda
Die USA versuchten mit Einsatz von Propaganda die Bevölkerung weiterhin für die Notwendigkeit eines Vietnamkrieges zu gewinnen. Das geeignete Medium war das Fernsehen. Zum ersten Mal konnte der Krieg praktisch live zu Hause mitverfolgt werden. Die USA und ihre Verbündeten versuchten die Weltöffentlichkeit vom erfolgreichen Fortschritt des Feldzuges zu überzeugen. Zu diesem Zweck wurde beispielsweise ein „body count“, die Zählung der feindlichen Leichen, eingeführt. Die Wirkung des Fernsehens entfaltete sich aber nicht auf gewünschte Weise. Die gezeigten Bilder von erschossenen Frauen, Kinder und alten Männern, niedergebrannten Dörfern, den eigenen Gefallenen und den verstümmelten Kriegsveteranen lösten eher Entsetzen als Kriegsfreude aus. Auch kamen in manchem Soldaten Zweifel am Glauben an das eigene Gesellschaftsmodell und an der Gerechtigkeit der eigenen Sache auf, übrigens auch in der amerikanischen Bevölkerung. Die Kraft der bewegten und unbewegten Bilder sollte sich im weiteren Kriegsverlauf immer mehr gegen die amerikanische Regierung richten.
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Tet-Offensive (1968)

Das Tetfest 1968 führte die Wende im Krieg herbei. Im Januar 1968 unternahm der Vietcong zusammen mit den nordvietnamesischen Truppen eine gross angelegte und überraschende Offensive, die später als Tet-Offensive bekannt geworden ist. Benannt ist sie nach dem Monat Tet des vietnamesischen Kalenders. Die Amerikaner hatten nicht mit einem Angriff gerechnet, da in Nordvietnam üblicherweise das chinesische Neujahr, das so genannte Tetfest, gefeiert wurde. Die südvietnamesischen und amerikanischen Truppen, die sich bisher, trotz Verlusten, als Herren der Lage fühlten, wurden völlig überrumpelt. Die kommunistischen Kämpfer bewegten sich mit zahlreichen, gut bewaffneten Stosstrumps auf die südvietnamesischen Städte zu. Die alte Kaiserstadt Huë wurde im Handstreich von der nordvietnamesischen Armee eingenommen. Der Gegenschlag erfolgte aber umgehend.

In der Hauptstadt Südvietnams Saigon wurden Angehörige des Vietcongs an Ort und Stelle erschossen. Der Polizeichef von Saigon erschoss vor laufenden Kameras einen gefesselten Vietcong. Die amerikanische Kriegsmaschinerie brauchte rund 30 Tage um die Nordvietnamesen aus Huë wieder zu vertreiben. In der Befreiung Huës verloren viele US-Soldaten ihr Leben. Mit enormem Aufwand wurde jedes Dorf zurückerobert. Als die Offensive militärisch erfolgreich abgewehrt war, kamen Massengräber von Zivilisten, die den Straf- und Racheaktionen der Kommunisten zum Opfer gefallen waren, zu Tage. Im zunehmenden Masse gelangten aber auch Gräueltaten der amerikanischen Soldaten an der Zivilbevölkerung an die Öffentlichkeit, wie das schon erwähnte Massaker von My Lai beispielsweise.

Militärisch war die Tet-Offensive zwar gescheitert. Sie zeigte aber die mögliche Schlagkraft Nordvietnams und war politisch und psychologisch sehr erfolgreich. Nach der Tet-Offensive verschärfte sich die internationale Kritik an der Vietnampolitik der USA. Nicht nur im Ausland, auch in den Vereinigten Staaten selbst wuchs die Kritik. Dies nicht zuletzt wegen der hohen Anzahl von Toten auf amerikanischer Seite während der Tet-Offensive. Protest regte sich auch gegen die amerikanische Kriegsführung, insbesondere gegen den Einsatz chemischer Kampfstoffe (Agent Orange) und gegen die bekannt gewordenen Übergriffe auf die Zivilbevölkerung. An den Universitäten bildeten sich pazifistische Jugendbewegungen, die den sofortigen Rückzug aus Vietnam forderten. Liberale Politiker schlossen sich dieser Meinung an. Neben den Jugendlichen ging auch die schwarze Minderheit auf die Strassen, da an vorderster Front sehr viele Schwarze kämpften und starben. Die Friedensbewegung griff nach Westeuropa über.

In den USA setzte sich im Frühjahr 1968 die Erkenntnis durch, dass der Vietnamkrieg nicht zu gewinnen sei. Die Verhandlungsbereitschaft bei den Amerikanern war nun so hoch wie nie zuvor. Am 31. März 1968 wurden, als Bedingung für die Aufnahme von Friedensgesprächen, die Luftangriffe auf Nordvietnam eingestellt. Johnson hatte resigniert und liess verlauten, dass er sich nicht zur Wiederwahl stellen würde. Johnsons Nachfolge trat Richard M. Nixon an. Am 13. Mai 1968 wurden in Paris die Waffenstillstandsverhandlungen aufgenommen. Vorerst ohne den Vietcong und Südvietnam, die erst 1969 dazu stiessen. Da keine Ergebnisse erzielt wurden, gingen die Kämpfe in Südvietnam in unverminderter Härte weiter. Nach der Offensive hatten sich die Vietcongkämpfer den Amerikanern und Südvietnamesen zu erkennen gegeben. Auf sie wurde nun unerbittlich Jagd gemacht. Diese wurde als Operation „Phoenix“ bekannt. An Stelle der gefangen genommenen oder ermordeten Vietcongkämpfer traten nordvietnamesische Funktionäre. Die Nordvietnamesen erlangten so die totale Beherrschung des Vietcongs.

Mit Aufnahme der Verhandlungen von Paris machten sich bei den Südvietnamesen, vor allem aber bei den Studenten und Angehörigen der Verwaltung, Verzweiflung und Angst breit. Der etappenweise Abzug der US-Streitkräfte als Schutzmacht und ein aussichtsloser Bürgerkrieg gegen Hanoi waren nur eine Frage der Zeit.
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Vietnamisierung
Johnsons Nachfolger Nixon erkannte, dass sich die Voraussetzungen für den Krieg in Vietnam grundlegend verändert hatten. In der Zwischenzeit war zwischen der Sowjetunion und China eine tiefe Feindschaft entstanden und die anfängliche Unterstützung des Westens wandelte sich in antiamerikanische Proteste um. Wenige Monate nach seinem Amtsantritt legte Nixon sein Programm der Vietnamisierung vor, mit dem die Beendigung des amerikanischen Engagements und der Rückzug der Amerikaner eingeleitet wurden. Das Programm sah einen stufenweisen Abzug von 90 000 US-Soldaten aus Vietnam bis Ende 1969 sowie den Ausbau der südvietnamesischen Streitkräfte vor. Die Verantwortung für die Kriegsführung sollte der südvietnamesischen Regierung sukzessive übertragen werden.

Am 3. September 1969 starb Ho Chi Minh in Hanoi. Die ausweglose Situation in den mittlerweile seit Mai 1968 andauernden Friedensgespräche von Paris konnte weder mit dem Tod Ho Chi Minhs noch mit den Teilabzügen der US-Truppen überwunden werden. Im April 1970 fielen US-Truppen nach dem antikommunistischen Putsch der Militärs zugunsten der neuen Regierung in Kambodscha, das während des Vietnamkriegs eine friedliche Idylle geblieben war, ein. Den Hintergrund für die Invasion der Amerikaner bildete der Ho-Chi-Minh-Pfad, der während der ganzen Jahre stetig ausgebaut worden war und den Vietcong immer noch mit Nachschub versorgte. Die Neutralitätspolitik Kambodschas bevorzugte die Kommunisten, indem sie ungestört an der Grenze zu Vietnam über kambodschanisches Territorium marschieren konnten. 1971 wurde auch Laos bombardiert, um den Vorstoss nordvietnamesischer Truppen entlang des Ho-Chi-Minh-Pfades zu unterbinden. Beide Aktionen wurden international verurteilt und intensivierten die Proteste. Militärisch waren sie zudem kaum erfolgreich, im Gegenteil. Ganz Kambodscha wurde in den Konflikt hineingezogen. Der Krieg wurde noch brutaler geführt als derjenige in Vietnam. Eine neue kommunistische Gruppe, die Rote Khmer, entstand und der Einfluss des Kommunismus weitete sich nach Westen aus. Die Dominosteine begannen umzufallen. Der erste Stein aber wurde von den kapitalistischen Amerikanern zu Fall gebracht.

In der Zwischenzeit liefen die Verhandlungen in Paris weiter. Die Fäden in Hanoi hatten nach dem Tod Ho Chi Minhs der Ministerpräsident Pham Van Dong, Verteidigungsminister Vo Nguyen Giap und der Generalsekretär Le Duan in die Hand genommen. Die Friedensverhandlungen in Paris kamen zwischenzeitlich zum Stillstand. Am 25. Januar 1972 legte Nixon einen Achtpunkteplan zur Wiederherstellung des Friedens in Vietnam vor. Am 23. März 1972 wurden die Verhandlungen in Paris abgebrochen. Nixons Friedensplan folgte eine überarbeitete Version des Vietcongs im Juli 1972. Dieser sah unter anderem den sofortigen Rücktritt des südvietnamesischen Präsidenten Thieu und den Abzug der gesamten US-Streitkräfte vor. Saigon wurden zudem Verhandlungen im Falle der Aufgabe der Kriegspolitik zugesichert. Am 30. März 1972 startete Nordvietnam eine breit angelegte Offensive. Die Kommunisten griffen die überraschten Amerikaner von Norden her mit sowjetischen Panzern, von der kambodschanischen Grenze her mit Stosstrupps an. Die Amerikaner erlitten, wie schon in der Tet-Offensive, grosse Verluste. Die Gegenoffensive der Amerikaner erfolgte im April mit der Wiederaufnahme der Bombardements auf Nordvietnam und Verminung der wichtigsten nordvietnamesischen Häfen. Mit diesen Aktionen beabsichtigten Hanoi und Washington sich gegenseitig unter Druck zu setzen und bei den Verhandlungen vom andern Zugeständnisse zu erzwingen. Die Nordvietnamesen wollten die Verhandlungen beschleunigen, weil sie einen Stimmungswandel der Chinesen zu ihren Ungunsten befürchteten. Nixon war im Februar 1972 in Peking zu Gast und traf Mao Tsetung. Die neuen Machthaber in Hanoi hatten nun Angst, Peking könnte nun einen Verrat vorbereiten, da sie es nicht verstanden, China und die Sowjetunion auf gleicher Distanz zu halten.

Ab 8. Oktober 1972 fanden zwischen dem amerikanischen Sicherheitsberater Kissinger und dem nordvietnamesischen Unterhändler Le Duc Tho wieder vertrauliche Friedensgespräche statt. Nordvietnam stimmte in der Folge einem Friedensplan zu, der getrennte Vereinbarungen für den militärischen und den politischen Bereich vorsah. Am 26. Oktober 1972 gab Kissinger den Neunpunkteplan bekannt. Technische Fragen blieben jedoch ungelöst und der südvietnamesische Präsident Thieu, nicht so amerikatreu wie es einst Diem war, betrachtete diesen Friedensplan als Verrat. Im Dezember 1972 war erstmals seit 1968 ein Zustandekommen eines Abkommens in Sicht. Am 16. Dezember stagnierten die Verhandlungen wieder. Die USA reagierten mit massiven Bombenangriffen, die als schwerste des gesamten Krieges gelten.

Die Friedensgespräche wurden aber weitergeführt und am 27. Januar 1973 konnte in Paris das Waffenstillstandsabkommen von Vertretern der USA, Nord- und Südvietnams und der provisorischen Revolutionsregierung Südvietnams unterzeichnet werden. Nordvietnam unterzeichnete das Abkommen auf Rat von den Sowjets und den Chinesen, die USA auf Druck der Öffentlichkeit, der Proteste und der Friedensbewegung. Das Abkommen sah unter den wesentlichsten Punkten die sofortige Einstellung der Kampfhandlungen, den Abzug der gesamten Truppen der USA und ihrer Verbündeten innerhalb von 60 Tagen, die Herausgabe der Kriegsgefangenen auf beiden Seiten innert der gleichen Frist, die Anerkennung der entmilitarisierten Zone als einer nur provisorischen und nicht politischen oder territorialen Grenze und den Verbleib von 145 000 nordvietnamesischen Soldaten in Südvietnam vor. Weiter sollten in Südvietnam allgemeine Wahlen stattfinden, die jedoch scheiterten.

Mit dem Abkommen war das Todesurteil Saigons besiegelt. Die Befürchtungen der südvietnamesischen Bevölkerung hatten sich bewahrheitet.
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Der Rückzug der USA und der Bürgerkrieg (1973-1975)
Bis Ende März 1973 hatten die USA alle ihre Truppen aus Vietnam abgezogen. Sie sicherten Südvietnam jedoch weiterhin wirtschaftliche und militärische Hilfe zu. Für die USA war der Krieg aber vorbei. Kissinger legte das Friedensabkommen als Erfolg aus. Ihm und dem nordvietnamesischen Unterhändler Le Duc Tho wurde sogar der Nobelpreis verliehen. Die Unterzeichnung des Abkommens stellt aber faktisch eine Niederlage für die USA dar. Die Supermacht litt darunter, dass das vermeintlich schwache kommunistische Nordvietnam nicht besiegt werden konnte. Das Gerücht einer Art amerikanischer Dolchstosslegende wurde in die Welt gesetzt, vergleichbar mit den Ausführungen Hindenburgs nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg. Das Abenteuer Vietnam wurde für die USA zum Trauma. Besonders gut lässt sich das an den Hollywoodproduktionen wie Rambo, in welchen ein Einzelner ganze Hundertschaften Vietcongkämpfer auslöscht, erkennen. Diese Filme haben bekanntlich nichts mit der Realität zu tun.

Amerika hat den Krieg zu Hause verloren. Die Proteste waren gewaltig, die Friedensbewegung fand immer mehr Zulauf. Für dieses, aus der Sicht der amerikanischen Kriegsführung gesehene Debakel, waren einerseits die Methoden der USA, andererseits aber auch die hohen Verluste in den eigenen Reihen, schuld. Die heimgekehrten Veteranen, viele verstümmelt, trugen ihren Teil zum Umschwung der öffentlichen Meinung bei.
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Amerikanische Dolchstosslegende
Zu Beginn der siebziger Jahre entstand eine Art Dolchstosslegende über den Vietnamkrieg. Im Nachhinein waren sich die USA sicher, dass sie den Krieg gewonnen hätten, wenn sie nur mit voller Kraft zugeschlagen hätten. Die Zahlen sprechen aber eine andere Sprache. Hätten die Amerikaner und ihre Verbündeten eine Landung auf Hanoi geplant, hätten sie schätzungsweise eine halbe Million Soldaten mehr benötigt. Die abgeworfene Bombenlast übertrifft sogar die während des gesamten Zweiten Weltkrieges. Die Möglichkeit des Abwurfs einer Atombombe wurde zwar in Erwägung gezogen, jedoch bald wieder fallen gelassen. Zu ungewiss wäre die Reaktion Chinas gewesen. Für die USA kam noch die globale Friedensbewegung hinzu, die das Fass zum Überlaufen brachte.
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Der Bürgerkrieg
Nach dem Abzug der USA stand die südvietnamesische Armee dem Vietcong und den regulären nordvietnamesischen Streitkräften alleine gegenüber. Die Kämpfe gingen auch nach dem unterzeichneten Waffenstillstandsabkommen weiter. Jetzt versuchten die beiden Kriegsparteien ihre Gebiete zu verteidigen bzw. auszuweiten. Die Nordvietnamesen konnten ihre Truppen, die langsam an Saigon herankamen, über den Ho-Chi-Minh-Pfad massiv verstärken. In Saigon war von dieser schier ausweglosen Situation kaum etwas zu spüren. Trotzdem wusste jeder, dass es nur noch eine Frag der Zeit war, bis Nordvietnam zuschlagen würde. Die nordvietnamesische Armee brauchte etwa zwei Jahre zur Vorbereitung. Ende 1974 begann sie eine Grossoffensive gegen den Süden. Die südvietnamesischen Streitkräfte sollten sich geordnet in Festungen zurückziehen. Die mehr als eine Million Mann starke südvietnamesische Armee löste sich aber buchstäblich auf. Die Soldaten flüchteten in kopfloser Panik zu den Küsten. In der nordöstlich gelegenen Hafenstadt Danag spielten sich unglaubliche Szenen ab. Bei der Flucht war jede Disziplin und Selbstachtung verloren gegangen. Soldaten warfen die zivilen Flüchtlinge über Bord. Viele Frauen wurden von den Soldaten vergewaltigt. Im vietnamesischen Fernsehen gestand Präsident Thieu seine Niederlage ein und trat zurück. Die letzten verbliebenen Amerikaner und ein Teil der südvietnamesischen Kollaborateure wurden unter chaotischen Umständen evakuiert. Dabei kam es zu beschämenden Szenen. Nur diejenigen Südvietnamesen, die von den Kommunisten das Schlimmste zu befürchten hatten, wurden mitgenommen. Viele wurden an den unerbittlichen Feind ausgeliefert.

Unterdessen rückte die nordvietnamesische Armee beinahe kampflos nach Süden vor. Am 30. April 1975 nahmen nordvietnamesische Panzer Saigon, das unbenannt in Ho-Chi-Minh-Stadt wurde, ein. Am selben Tag kapitulierte Südvietnam und die provisorische Revolutionsregierung übernahm die Führung. Am 2. Juli 1976 wurde der gesamtvietnamesische Staat mit der Errichtung der Sozialistischen Republik Vietnam wieder hergestellt.
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IV. Das Gesicht des Krieges

Die Vietnamesen kämpften für ihre „Freiheit und Unabhängigkeit“, sie verteidigten ihre Heimat, während sich die Amerikaner oft fragten, was sie in Südostasien überhaupt machten. Die schlechte Motivation der US-Soldaten wurde zudem durch die zahlreichen Opfer verstärkt. Sie konnten einen kommunistischen von einem kapitalistischen Vietnamesen nicht unterscheiden, deshalb hiess es in ihren Kreisen einfach „Schlitzaugen abknallen“. So kam es, dass sie unzählige ihrer Verbündeten eliminierten.
Ihre harte Ausbildung hatte die amerikanischen Soldaten fast zu gefühllosen Maschinen gemacht. Sie töteten ihre Feinde, deren Kinder und Frauen, ohne mit der Augenwimper zu zucken. Vergewaltigungen hatten ihrer Ansicht nach den Zweck der Motivation und gehörten zu ihrer Praxis.
Die Vietnamesen waren sich der technischen Überlegenheit des Gegners bewusst und griffen deswegen meistens aus dem Hinterhalt an. Ihren raffinierten Fallen, welche sie im Dschungel legten, fielen unzählige US-Soldaten zum Opfer. Vereinzelt gelang, dank besserer Taktik, auch in offenen Schlachten ein Sieg über den meistens zahlenmässig überlegenen Gegner.
Zudem waren die Mitglieder des Vietcongs bereit, für ihr Land und dessen Unabhängigkeit ihr Leben zu lassen, was ebenfalls ein entscheidender Faktor war.
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Der Dschungelkrieg
Der Vietnamkrieg wurde durch den Dschungelkampf geprägt, in welchem sich die US-Soldaten keineswegs zurechtfanden. Ihre extrem harte Ausbildung fruchtete überhaupt nicht, denn eine solche Form des Krieges war ihnen fremd: Der Gegner griff stets aus dem Hinterhalt an und zog sich rasch zurück. Im Normalfall hinterliess er zahlreiche Opfer, ohne dass er überhaupt gesehen wurde.
Die primitiven Fallen des Vietcongs wurden den Amerikanern oft zum Verhängnis: Eine gespannte Schnur löste eine Handgranate aus, zahlreiche mit Stacheln versehene, getarnte Gräben machten den Soldaten kampfunfähig, wenn sie ihn nicht gleich töteten. Beim Drauftreten auf einen gut versteckten Auslöser wird eine Munitionspatrone ausgelöst, welche dem Soldaten den Fuss zerschmettert.
Zudem war das Klima in den Urwäldern Vietnams für die US-Soldaten völlig ungewohnt.
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Rolling Thunder
Im März 1965 startete die US-Luftwaffe die Operation Rolling Thunder, das amerikanische Flächenbombardement Nordvietnams. Ein amerikanischer General meinte dazu, Ziel sei es, die Kommunisten in die Steinzeit zurück zu bombardieren. Dabei wird einfach ignoriert, dass derartige Vorgehensweisen im Krieg gemäss Genfer Konventionen untersagt sind.
In den nächsten 3½ Jahren werden über Nordvietnam doppelt so viele Bomben abgeworfen, wie im gesamten Zweiten Weltkrieg.
Obwohl Nordvietnam eine Dezentralisierung der Wirtschaft und Evakuierung der Bevölkerung einleitete, damit sowohl Industrieanlagen als auch die Menschen ein weniger leichtes Ziel abgeben, fielen unzählige Zivilisten den Bomben zum Opfer.
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Agent Orange
Die Amerikaner versprühten mit Flugzeugen und Hubschraubern während dem Vietnamkrieg über 72 Millionen Liter giftigste Herbizide über den Wäldern, Reisfeldern und Dörfern Nordvietnams. Mehr als 40 Millionen Liter der verwendeten Herbizide waren so genanntes „Agent Orange“. Dieses enthielt Dioxin, die giftigste Substanz, welche der Menschheit bekannt ist.
Auch hier verstiess man gegen die Genfer Konventionen, welche offensichtlich für die Amerikaner nicht zu gelten scheinen.
Noch heute leiden nach Angaben des Vietnamesischen Roten Kreuzes über eine Million Menschen an den Spätfolgen des Dioxins, darunter über 100 000 Kinder. Diese äussern sich durch Missbildungen, verschiedene Krebsarten sowie eine starke Schwächung des Immunsystems.
Nach US-Angaben wurden über 14 % der vietnamesischen Wälder durch Agent Orange zerstört. Zudem hatte sich die Anzahl diverser Tierarten drastisch verringert.
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Massaker von Mai Lai (1968)
Nach der Tet-Offensive fielen amerikanische Soldaten am 16. März 1968 im südvietnamesischen Dorf My Lai ein und richteten ein Massaker an der Zivilbevölkerung an. Was zuerst offiziell als normale „search and destroy“-Aktion galt, ging als das Massaker von My Lai in die Geschichte ein und wurde zum Symbol für die Leiden der Zivilbevölkerung.
Das Dorf stand unter dem Verdacht, den Vietcong zu unterstützen. Das Vorgehen der Amerikaner war äusserst brutal. Die Soldaten hatten den Befehl, alles niederzuschiessen, was sich bewegt, egal ob Vietcongangehöriger oder einfacher Zivilist. Als die US-Soldaten das Dort stürmten, begannen Sie ohne Vorwarnung auf die Bewohner zu schiessen. Es wurde selbst noch auf die Menschen geschossen, als sie schon zusammengebrochen auf dem Boden lagen. Als das Gemetzel zu Ende war, wurde das Dorf in Brand gesteckt und verwüstet.
Am Ende der Operation waren auf brutalste Weise 507 Menschen ermordet worden, darunter 173 Kinder, 76 Kleinkinder, 182 Frauen und 60 Männer über sechzig Jahre (Quelle Tagesschau der ARD). Dieses Vorgehen sollte eine abschreckende Wirkung auf die übrige Zivilbevölkerung, welche die Kommunisten unterstützten, haben. Washington stellte die als Säuberungsaktion deklarierte Operation zunächst als Erfolg dar.
Einziger anwesender Nichtmilitär war der Fotograph Ronald Haeberle. Er war im Auftrag eines Militärmagazins unterwegs und sollte publikumswirksame Fotos schiessen. Dies tat er auch und übergab den zuständigen Militärs rund 40 Schwarzweissfotos. Er hatte aber noch 18 Farbfotos geschossen, die er für sich behielt. Haeberles Fotos zählen heute zu den bekanntesten des Vietnamkriegs. Haeberle erzählte später einem Journalisten, wie eine Frau, die ein kleines Kind zu beschützen versuchte, von Einheiten der USA umstellt war. Als er seine Fotos gemacht und sich umgedreht hatte, hörte er Schüsse. Als er zurückblickte, waren die Frau und das Kind tot.
Erst eineinhalb Jahre nach dem Massaker wurde, auf Druck eines jungen Soldaten Namens Roland Riedenhour, von der amerikanischen und südvietnamesischen Regierung eine Untersuchung eingeleitet. Am Ende dieser Untersuchung wurde der damalige Befehlshaber William Calley jr. wegen vorsätzlicher Tötung von 22 Vietnamesen von einem Militärgericht zu lebenslanger Haft verurteilt. Calley wurde wenig später aber von Präsident Nixon begnadigt.
Die Meldung von Calleys Verurteilung fand zunächst in der amerikanischen Presse keine Beachtung. Am 13. November 1971 aber erschien in der New York Times und anderen Zeitungen inhaltlich identische Artikel zum Massaker von My Lai. Die Menschen im In- und Ausland waren schockiert über die Vorgehensweise der Amerikaner. Das Bekanntwerden des Massakers führte zu einem verstärkten Antiamerikanismus in der Welt und zu einer ernormen Pazifismusbewegung, die sich rund um den Globus erstreckte.
Die Welt war entsetzt über das Massaker von My Lai als einzelnes Ereignis. Nachforschungen ergaben aber, dass My Lai offensichtlich kein Einzelfall war, sondern zur militärischen Praxis amerikanischer und südvietnamesischer Truppen gehörte.
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