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Inhalt
URSL 2000:
Vorwort, Interview mit T.A.G., Abschiebepraxis,
NPD-Bundeszentrale, Buchtip: White Noise,
Chronologie 1999-2000, Opferperspektive,
EXPO 2000, Mumia Abu Jamal
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TOP
Die U.R.S.L.
ist unsere Antwort auf die zunehmenden neofaschistischen Aktivitäten
in Treptow. Wir, Jugendliche aus Treptow, werden nicht länger zuschauen
und den Nazis unseren entschlossenen Widerstand entgegensetzen. Wir rufen
alle auf, die sich noch nicht dem rechten Mainstream angepaßt und
resigniert haben, selbst aktiv zu werden und klare Akzente gegen Nazis
zu setzen. Es reicht uns schon lange! So wie es ist, muß es nicht
bleiben!
Wozu eigentlich
antifa? ,weils so nicht bleiben kann.
Hallo &
Herzlichen Glückwunsch,
Ihr haltet die erste Ausgabe der "Uns Reichts Schon Lange" in
den Händen. Mit dieser Zeitung wollen wir dem rechten Konsens in
Treptow, in Berlin und in Deutschland etwas entgegensetzen. Wir denken,
daß es schon lange nicht mehr ausreicht gegen Nazis zu sein und
ansonsten wieder zur Tagesordnung überzugehen. Faschistische und
rassistische Morde wie in Guben, Kolbenmoor, Eberswalde und Dessau gehören
mitttlerweile wieder zur deutschen Tagesordnung, ohne größere
Proteste auszulösen. Sie sind die tödliche Auswirkung von den
tagtäglichen Anschlägen, Bedrohungen, Angriffen und Pöbeleien
gegen Flüchtlinge, ImigrantInnen und alternative Jugendliche, welche
durch organisierte Faschisten und ihr subkulturelles Umfeld begangen werden.
Auch an vielen
Orten in Treptow ist es für Nicht-Deutsche oder alternative Jugendliche
nahezu unmöglich sich ungefährdet aufzuhalten. Kneipen wie das
"Fliegerheim" in Johannisthal oder das "Johannis Stübel"
am S-Bahnhof Schöneweide bergen ein dauerhaftes Bedrohungspotential
für alle die nicht in das beengte Weltbild der Nazis passen. Aus
diesen Kneipen heraus kommt es immer wieder zu gewalttätigen Übergriffen
durch Mitglieder der organisierten Naziszene in Treptow und ihrem Umfeld.
Auf, vor und nach Schülerpartys kommt es ständig zu Angriffen
von irgendwelchen Nazis auf Jugendliche, welche von den Nazis als Feinde
angesehen werden. Organisierte Faschisten wie Marco Oemus aus Oberschöneweide
versuchen gezielt alternative Jugendliche einzuschüchtern. All dies
reicht uns schon lange !
Deshalb wollen
wir den Nazis in Treptow keine Ruhe mehr lassen . Wir wollen nicht länger
zusehen, wie sie immer stärker werden und immer mehr Ärger machen.
Wir wollen, daß sie endlich begreifen, daß sie mit ihrer bekloppten
Meinung nichts in der Öffentlichhkeit zu suchen haben. Daher ist
endlich offensiver antifaschistischer Widerstand angesagt. Denn die Stärke
der Faschisten ist es, daß die Leute sie in Ruhe lassen, daß
sie sie nicht zur Rede stellen, sie nicht aus ihren Kneipen, Jugendclubs
und Feten rauswerfen, sondern sie einfach machen lassen und verharmlosen.
Aber die Nazis sind für uns auch "nur" die verschärfte
Version dessen, was uns in dieser Gesellschaft grundsätzlich ankotzt:
Rassismus, Antisemitismus, patriachale Strukturen, Kapitalismus, Egoismus,
Frauenfeindlichkeit und eine nie wirklich aufgearbeitete NS-Vergangenheit.
Die rassistische Gesetzgebung durch diesen Staat, platte CDU-Parolen wie
"Kinder statt Inder" und die alltägliche Diskriminierung
Nicht-Deutscher durch diese Gesellschaft unterscheiden sich für uns
nicht wesentlich von dem primitiven "Ausländer Raus"-Gebrüll
eines besoffenen Nazis. Eine ständige Militarisierung wie z.B. auf
der ILA in Schönefeld oder bei den alljährlichen Gelöbnissen
sind für uns nicht weniger schlimm, als irgendwelche Nazis, die immer
noch nicht einsehen wollen, daß ihre Großväter in der
Wehrmacht einen verbrecherischen Vernichtungskrieg gegen die halbe Welt
geführt haben. Eine aggressive Außenpolitik wie z.B. gegen
Jugoslawien stört uns wesentlich mehr als ein Nazi-Aufnäher
der Deutschland in den Grenzen von irgendwann fordert. Eine repressive
Innenpolitik, die immer mehr Freiheitsrechte abschafft, kommt den faschistischen
Schlägern die andere Meinungen einfach wegprügeln wollen immer
mehr entgegen. Eine gesellschaftliche Ausgrenzung aller, die nicht in
die kapitalistische Verwertungsideologie passen (z.B. sogenannter Penner
auf Bahnhöfen) erinnert uns an das "Recht des Stärkeren"
der Nazis.
Kurz gesagt: Auch den herrschenden Verhältnissen wollen wir unseren
linksradikalen, antiautoritären, solidarischen und emanzipatorischen
Widerstand entgegensetzen.
Wenn auch du Lust hast irgendwie aktiver zu werden und nette Antifas aus
Treptow kennenzulernen dann schreib uns, ruf uns an oder schicke uns eine
E-Mail. Bis dahin: Viel Spaß erstmal beim Lesen.
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Gespräch
mit Anna und [zwei Treptower Antifas]
Schön,
dass Ihr bereit seid, mit uns ein Interview zu machen.
Arthur: Kein Problem!
Anna: Geht`s etwas schneller? Die Revolution wartet.
Wer seid Ihr und was macht Ihr?
Anna: Also, ich bin 17 Jahre alt, bin Schülerin an einem Treptower
Gymnasium und in meiner Freizeit arbeite ich in der Treptower Antifa Gruppe
mit. Ansonsten mach ich das Übliche: in der Stadt rumheizen, bei
FreundInnen abhängen, Partys, gut Essen und viel Politik - lesen,
zugucken und selbst machen.
Arthur: Bei mir fast das Gleiche, nur dass ich 15 bin und wahrscheinlich
noch nicht so lange Politik mache.
Was bedeutet es für Euch politisch zu sein? Und warum seid Ihr in
der Treptower Antifa Gruppe organisiert?
Arthur: Also, politisch heisst für mich, dass ich versuche linke
Positionen öffentlich zu machen zum einen über Aufkleber und
Plakate, die wir kleben und zum anderen über Gespräche und Diskussionen.
In der Gruppe bin ich, weil viele Leute mehr Ideen, mehr Kraft, mehr Wissen
und mehr Erfahrungen als Einzelpersonen haben. Allein kommt man sowieso
nicht aus`m Arsch und alles läuft koordinierter ab in`ner Gruppe.
Anna: Und in Treptow sind wir aktiv, weil wir von hier kommen und weil`s
einfach mal sauviele Nazis gibt. Für mich heisst Politik auch eigene
Aktionen machen, wie Demos, Blockaden, Veranstaltungen, Infotische und
Flugblätter verteilen. Selbstverständlich gehört auch Bündnisarbeit
und das Unterstützen anderer antifaschistischer und antirassistischer
Gruppen dazu.
Zu welchen Themen arbeitet Ihr? Wo ist der Unterschied
zu anderen Berliner Gruppen?
Anna: Gut dass Ihr danach fragt. Antifaschismus steht bei uns an
erster Stelle, aber wir arbeiten auch gegen Rassismus, Nationalismus,
Sexismus, Überlegenheitsdenken, Überwachung, staatliche Repression
und imperialistische Auswüchse.
Kannst Du das genauer erklären?
Anna: Ja, natürlich. Also im Prinzip ergibt sich unsere antifaschistische
Arbeit aus den anderen genannten Bereichen. Wir gehen davon aus, dass
allen Menschen, das heisst also wirklich allen die gleichen Rechte zustehen.
Niemand kann schliesslich was dafür, wie, wo und wann er oder sie
auf die Welt gekommen ist. Deshalb gibt es keinen Grund dafür, Menschen
aufgrund ihrer Hautfarbe, ihres Geschlechts, ihrer Sexualität oder
aufgrund ihrer Herkunft zu diskriminieren oder etwa besser zu behandeln.
Arthur: Der Staat behindert uns durch seine Gesetze und seine Repressionsmaßnahmen
an unserer Arbeit. Man darf beispielsweise nur an bestimmten Stellen plakatieren,
Aufkleber sind Sachbeschädigung, die Blockade eines Naziladens ist
Landfriedensbruch, eine Spontandemo gegen einen rassistischen Mord ist
schwerer Eingriff in den Strassenverkehr und immer so weiter. Es gibt
Gesetze, wie den §129 und §129a, d.h. Bildung einer kriminellen
und Bildung einer terroristischen Vereinigung. Wann so ein Verfahren eingeleitet
wird, kann man nie genau sagen. Viel gehört jedenfalls nicht dazu.
Es ist so, dass jedeR, der oder die politisch aktiv ist damit rechnen
muss von den Bullen überwacht zu werden.
Hört sich ja übel an. Was ist in Treptow
anders als in anderen Bezirken?
Anna: Wir haben hier zum Beispiel viel mehr Nazis als in anderen
Stadtteilen, d.h. auch viel mehr Übergriffe und Bedrohungen. Dazu
hat die T.A.G. auch eine Chronologie erstellt.
Was können Leute machen, die Euch unterstützen wollen?
Arthur: Naziaufkleber durch linke ersetzen. Geht ganz einfach.
Kann man zum Selbstkostenpreis bei uns bestellen. Das Strassenbild ist
wichtig. Die Leute können Naziaktivitäten bei uns melden. Sie
können zu Demos und Veranstaltungen kommen. Oder sich Bücher
und Broschüren durchlesen. Und was ganz wichtig ist, sie sollten
sich nicht einschüchtern lassen.
Was macht Ihr mit Leuten,die sich bei Euch melden?
Anna: Na das kommt ganz drauf an, wie sie sich bei uns melden und
vor allem wer sich bei uns meldet. Also wenn eineR am Telefon sagt: "Ihr
scheiss Zecken, wir kriegen Euch alle!", dann lachen wir über
den oder die. Wenn eineR schreibt, dass er oder sie Interesse an unseren
Aufklebern hat, dann schicken wir einfach welche und wenn eineR mitmachen
will in der T.A.G., dann fragen wir rum, ob das 'ne bekannte Person ist
und dann treffen wir uns zu einem Gespräch. Genauso ist das wenn
jemand einfach nur Stress mit Nazis hat. Dann bieten wir Hilfe an. Eins
steht jedenfalls fest. Wir freuen uns über jedeN der oder die sich
meldet und finden eine Möglichkeit alle in unsere Arbeit einzubeziehen.
Und wenn jemand Fragen hat, kann er oder sie uns einfach schreiben.
Na ich glaub das wars fürs Erste. Ich bedanke
mich bei Euch! Und viel Spass an der Arbeit.
Arthur: Bitte, bitte.
Anna: Wir werden dafür sorgen, dass wir Spass haben.
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TOP
Von
rassistischer Abschiebepraxis, Folter und Mord
Beim Geschäft
mit Abschiebungen lassen sich Fluggesellschaften wie
Lufthansa durch Todesfälle nicht weiter stören.
In den letzten
10 Jahren hat sich die Zahl der Abschiebungen verzehnfacht.Heute werden
jährlich ca. 35 000 Menschen abgeschoben. Das bedeutet, daß
jeden Tag rund 100 Menschen aus der BRD abgeschoben werden, fast alle
davon mit dem Flugzeug. Dabei sind diejenigen, die direkt an den Grenzen
aufgegriffen und gleich zurückgeschickt werden, nicht einmal inbegriffen.
"Unerwünschte
Personen"
Um die Ausreisepflicht für "unerwünschte" Ausländerlnnen
durchzusetzen, scheint inzwischen fast jedes Mittel recht. Die meisten
Abschiebungen laufen zwar in aller Stille ab, doch ist es eine mörderische
Stille. Allein in den letzten sechs Jahren wurden europaweit fünf
Menschen bei versuchten Abschiebungen im Flugzeug umgebracht, zwei davon
in Deutschland. So starb im Mai letzten Jahres der sudanesische Asylbewerber
Aamir Ageeb an Bord einer Lufthansa-Maschine nach Kairo. Drei Beamte des
Bundesgrenzschutzes (BGS) hatten dem 30-jährigen einen Motorradhelm
aufgesetzt, ihn an Händen und Füßen gefesselt und ihn
beim Abflug der Maschine so in den Sitz gedrückt, daß er dabei
erstickte.
Er war nicht
das erste Opfer bundesdeutscher Abschiebepraxis. Im August 1994 starb
der Nigerianer Kola Bankole - ebenfalls in einer Lufthansa-Maschine. Er
wurde vom BGS wie ein Paket verschnürt und ihm ein Strumpfknebel
in den Mund geschoben. Ein Arzt gab dem herzkranken Asylbewerber darüberhinaus
noch ein eine Beruhigungsspritze. Er starb noch auf dem Frankfurter Flughafen.
Nach Angaben des Bundesgrenzschutzes (BGS) fliegen etwa 90% der Abgeschobenen
ohne Begleitung, d.h. es wird nur der Einstieg ins Flugzeug überwacht.
Und in der Tat fliegen viele insofern "freiwillig" mit, da ihnen
sonst nur die Fortsetzung der oft schon mehrere Monate dauernden Abschiebehaft
droht. Bei den restlichen 10%, die als widerständig oder gar potenziell
gewalt- tätig eingestuft werden (wobei die "Gewalttätigkeit"
darin besteht, sich körperlich und verbal gegen die Abschiebung zu
wehren), fliegen immer mehrere BGS Beamte mit. Diese versuchen mit verschiedensten
Methoden, die als widerständig eingestuften "Abschüblinge"
ruhig zu stellen:mit Mund- knebeln, Fesseln an Rollstühle, Aufsetzen
von Motorradhelmen oder auch Beruhigungsspritzen. Da scheint es eher ein
Wunder, daß es nicht noch mehr Tote gab.
Stille
Abschiebung per Charterflug
Gerade aufgrund von Kritik und Protesten nach den erwähnten Todesfällen
soll weitere Öffentlichkeit nun zunehmend vermieden werden. Zwar
werden nach wie vor bei begleiteten wie auch bei unbegleiteten Abschiebungen
Linienmaschinen der Lufthansa oder anderer größer Airlines
genutzt. Doch immer häufiger chartern die Behörden Flugzeuge
bei kleineren Fluggesellschaften zu reinen Abschiebezwecken. Mit Hilfe
dieser Charter-Flieger werden dann größere Gruppen von Migrantinnen
mit einer entsprechenden Überzahl an BGS-Beamten abgeschoben. Das
findet in der Regel unter Ausschluß jeglicher Öffentlichkeit
auf den Frachtflugterminals der Flughäfen statt. Ein Beispiel war
die Abschiebung von 60 nigerianischen Männern im März 1999.
Sie wurden gefesselt und in Begleitung von etwa 100 BGS-Beamten von München
aus nach Lagos geflogen. Zunehmend werden aber auch Fluggesellschaften
mit Abschiebungen beauftragt, die ihr eigenes Sicherheitspersonal zur
Verfügung stellen, wie die staatliche rumänische Fluggesellschaft
TAROM. Sie führen wöchentlich eine Sammelabschiebung von Düsseldorf
aus durch, und die Sicherheitsleute von TAROM sind dabei u.a. mit Elektroschockgeräten
bewaffnet.
Auch
bei sogenannten "Rückübernahmeabkommen" werden immer
öfter die Abschiebemodalitäten mit einbezogen. So ist im deutsch-algerischen
Abkommen festgelegt, daß bei Abschiebungen mit dem Flugzeug nur
Linienflüge genutzt werden dürfen, mit maximal 30 Abzuschiebenden
pro Flug und nur unter Begleitung von "spezialisiertem Sicherheitspersonal".
Im Klartext heißt das: Abschiebungen finden nur mit der algerischen
Fluggesellschaft AIR ALGERIE statt und das "spezialisierte Sicherheitspersonal"
wird von algerischer Seite gestellt, da sich der BGS weigert, nach Algerien
zu fliegen. Die Abzuschiebenden werden also schon auf deutschen Flughäfen
an die algerischen Behörden ausgeliefert.
Was tut
die Lufthansa?
Auch die deutsche Fluggesellschaft Lufthansa mischt in diesem Geschäft
kräftig mit. Mittlerweile wurde von dem Unternehmen selbst bestätigt,
daß es 10- 16.000 der jährlichen Abzuschiebenden außer
Landes bringt. Rund die Hälfte aller Abschiebungen werden also mit
Lufthansamaschinen durchgeführt. Da verwundert wenig, daß die
zwei Flüchtlinge, die bei Abschiebungen aus Deutschland umgebracht
wurden, in Flugzeugen der Lufthansa saßen.
Wegen dieses wichtigen Anteils am Abschiebegeschäft der Fluggesellschaften
und wegen ihrer zahlreichen Direktverbindungen in alle Teile der Welt
wurde exemplarisch gegen die Lufthansa die öffentliche Kampagne "Stop,
Deportation Class" gestartet. Mit Aktionen auf der Tourismusmesse,
auf Flughäfen, in Lufthansa-eigenen Ausbildungszentren und nicht
zuletzt auf der Lufthansa-Aktionärsversammlung Mitte Juni diesen
Jahres wurde und wird Lufthansa immer weiter unter Rechtfertigungsdruck
gesetzt. Es handelt sich dabei nicht um eine Boykott- Kampagne, vielmehr
werden Fluggäste und Flugpersonal zum Handeln gegen Abschiebungen
aufgerufen. Die Lufthansa soll durch Image-Beschädigung solange unter
Druck gesetzt werden, bis sie sich aus diesem schmutzigen Geschäft
zurückzieht. Auch wenn der Versuch, Lufthansa zur Aufgabe der Abschiebeflüge
zu zwingen, nur beispielhaften Charakter haben kann: Ziel der Initiative
"Stop Deportation Class" ist es, Sand ins Getriebe der Abschiebemaschinerie
zu streuen.
Flughäfen und Fluggesellschaften bleiben ein wichtiger Bestandteil
beim reibungslosen Ablauf von Abschiebungen. Wenn also eine Fluggesellschaft
wie die Lufthansa dem Beispiel anderer Gesellschaften folgen und sich
weigern würde, weiter als Handlanger staatlicher Politik zu fungieren,
wäre immerhin schon ein Rädchen der mörderischen, staatlichen
Abschiebemaschinerie blockiert.
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Widerstand...ist
machbar - do the right thing
Die
NPD-Bundesgeschäftsstelle zog Ende letzten Jahres von Stuttgart nach
Berlin-Köpenick.
Der NPD-Rentner
Carl-Arthur Bühring aus Stuttgart hat in der Seelenbinderstr. 42
ein Haus gekauft. Dieses wurde unter der Organisation hochrangiger NPD-
FunktionärInnen wie Susann Bauer, Erwin Kemna, Ulrich Eigenfeldt
und Udo Voigt für fast 10.000 Mark ausgebaut. Nun ist neben der NPD-
Bundeszentrale auch der Deutsche Stimme- Verlag der NPD hier beheimatet.
Gegen die neue Zentrale regen sich mittlerweile Proteste verschiedener
Art. Die Köpenicker Bezirksverordnetenversammlung gründete ein
Bündnis für Demokratie, Toleranz, gegen Fremdenfeindlichkeit
und Rassismus, welches eine Ausstellung des Verfassungsschutzes nach Köpenick
holte.
Verschiedene Jugendclubs gründeten ein Köpenicker Jugendbündnis
gegen Rechtsextrernismus. Dieses organisierte bereits eine Protestdemonstration
unter dem Motto "Vielfalt statt Einfalt Bunt statt Braun - der NPD
keine Chance" mit über 1000 TeilnehmerIn neu. Das "So oder
So"-Bündnis organisierte mit Unterstützung der Treptower
Antifa Gruppe (T.A.G.) eine Informationsveranstaltung zur NPD. Autonome
Antifas führten bereits kurz nach dem Bezug der neuen Zentrale eine
Spontan-Demonstration zur Seelenbinderstr.42 durch. Unbekannte bewarfen
das NPD-Haus mit Farbeiern. Am 7.10.00 demonstrierten über 5000 Menschen
gegen die Zentrale und den Abschiebeknast in Grünau.
Die Aktivitäten
gegen die NPD- Zentrale müssen allerdings noch um einiges zunehmen
und einen langen Atem haben, um wirklich wirksam zu werden und der NPD
ihre Zentrale streitig zu machen. Dies ist dringend notwendig. Es liegt
auf der Hand, daß mit dem Zuzug der NPD-Zentrale die Aktivitäten
der NPD in Berlin zunehmen. Auch die Organisation bundesweiter Nazi-Demonstrationen
und Kampagnen gehen von der Seelenbinderstrasse aus. Es ist die Aufgabe
aller AntifaschistInnen dafür zu sorgen, daß dies nicht ungestört
möglich ist.
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"White
Noise" - eine Buchbesprechung
"Wenn
man der White-Power-Szene das Rückgrat brechen kann, würde das
erhebliche Auswirkungen auf die Neonazi-Organisationen haben, die von
ihr finanziert werden." Zu diesem Ergebnis kommen die HerausgeberInnen
des Buches "White Noise", einer überarbeiteten Übersetzung
der 1998 von Searchlight herausgegebenen gleichnamigen Originalausgabe.
Was
dieses Buch von anderen Büchern zum Thema Rechtsrock unterscheidet,
wird nicht erst in der Schlussfolgerung deutlich: Fundierte Recherchen
und Analysen zeigen auf, dass die Neonazi-Musik-Szene sich nicht auf den
beschränkten Kreis einer Subkultur reduzieren lässt und es sich
bei Neonazi- Skins nicht nur um eine Protesthaltung handelt. Klaus Farin,
Herausgeber des Buches "Die Skins", beschreibt zum Beispiel
die rechtsextreme Musikszene als eine relativ kleine Gruppierung, die
derzeit gesellschaftlich kein "relevantes Probleme" darstellt.
Damit liegt er auf einer Linie mit den staatlichen Behörden, die
die WhitePower-Bewegung nicht als die Bedrohung ansehen, die sie tatsächlich
darstellt.
Anders
hingegen die Autoren von "White Noise". Sie zeigen auf, dass
Rechtsrock mittlerweile zu einem Millionengeschäft geworden ist,
in dessen Produktions- Vertriebsnetz organisierte Neonazis eine herausragende
Stellung einnehmen. Besorgniserregend ist dabei vor allem die Verbindung
zwischen White-Power-Musik und den politischen Organisationen der Neonazis,
die diese Musik für ihre Zwecke nutzen. Alleine für Deutschland
muss von einer Gesamtmenge von 1,5 Millionen produzierter CDs ausgegangen
werden, bei den enormen Gewinnspannen fällt so eine Menge Geld an.
Auf diese Art konnte sich die Produktion und der Vertrieb von rassistischer
Neonazimusik zur Hauptfinanzierungsmethode der Neonaziorganisationen entwickeln.
Wie dieses Netzwerk funktioniert, welche Personen und Organisationen dahinter
stehen, wird in diesem Buch anhand von Beiträgen aus verschiedenen
Ländern beleuchtet. Dabei zeigt sich, dass es gerade die internationale
Vernetzung ist, die es der neonazistischen Bewegung ermöglicht, Produktion
und Vertrieb über Grenzen und Gesetze zu gewährleisten und dadurch
nationale Verbote und Indizierungen zu umgehen.
Neben
Beiträgen aus Schweden, USA und Polen nehmen die Artikel aus England
und Deutschland den größten Platz ein. Die aus der Originalausgabe
übernommen und aktualisierten Beiträge zu England beschreiben
dabei die Wurzeln der Skinheadkultur und die Entwicklung des Blood &
Honour Netzwerkes welches in der letzten Zeit die vorherrschende Rolle
in der europäischen Neonazi-Musik übernommen hat. Am Beispiel
von LSD-Records, dem Plattenlabel der englischen Neonazi-Terrorgruppe
Combat 18, wird deutlich, welche wirtschaftliche Potenz in dem neuen Markt
steckt.
Der umfangreiche Beitrag zu Deutschland straft die Bezeichnung der Rechtsrock-Szene
als Subkultur-Lüge und beleuchtet, wie stark die Entwicklung dieser
Jugendkultur an einen gesamtgesellschaftlichen Rechtsruck gekoppelt ist.
Ein Artikel zu Neonazi-Musik im Internet bringt Beispiele verschiedener
neonazistischer Seiten im Netz und zeigt auf, wie durch das MP3Format
jedes noch so üble Machwerk seine Verbreitung findet.
Alles in Allem ein sehr gutrecherchiertes Buch, das trotz der Fülle
an Fakten unterhaltsam zu lesen ist und in keinem antifaschistischen Bücherschrank
fehlen sollte. Als Standardwerk für Lehrer und allen in der Jugendarbeit
Tätigen nur zu empfehlen!
Searchlight,
Antifaschistisches, Infoblatt, Enough is enough, rat, (Herausgeber): "White
Noise" rat, - Reihe antifaschistischer Texte/ Unrast Verlag, Hamburg/Münster,
2000, 160 Seiten, 19,80DM
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Chronologie
- Der alltägliche Naziterror in Treptow
Als Antwort
auf eine kleine Anfrage eines Berliner Abgeordneten an den Berliner Senat
erklärte dieser am 17.04.2000 für das Jahr 1999 seien dem Senat
in Treptow und Köpenick "nur" 19 rechtsextreme Straftaten
und fremdenfeindliche Straftaten bekannt. Von diesen 19 Fällen seien
14 Fälle auch "nur" Propagandadelikte . Für die ersten
zwei Monate des Jahres 2000 seien dem Senat "nur" drei Propagandadelikte
bekannt geworden. Diese Einschätzung scheint uns höchst unwahrscheinlich
! Kommt es doch fast an jedem Wochenende zu Naziübergriffen in Treptow.
Daher haben wir beschlossen eine Chronologie rechtsextremer Übergriffe
zu erstellen, um der staatlichen Verharmlosung zukünftig etwas entgegensetzen
zu können. Diese erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit
und dokumentiert sicherlich auch nur einen Bruchteil der rechtsextremen
Gewalt in Treptow.
20.03.99:
Die "Kameradschaft Mahlsdorf" veranstaltet einen Liederabend
mit 75 Nazis in einer Treptower Kleingartenkolonie.
10.07.99: Nach einer Nazidemo in Hamburg überfallen 16 Nazis
der "Kameradschaft Germania" in Stolpe eine Gruppe von Punks.
Unter den festgenommenen Tätern befinden sich die beiden Treptower
Nazis Marco Oemus(19) und Martik Mkrttschjan(22).
07.10.99: Nach einer Wahlveranstaltung am Coustau-Gymnasium in
Johannisthal werden ein CDU-Politiker und seine Begleiter von Nazis fotografiert
und verfolgt.
Oktober 99: Ca. 20 Nazis verlassen mit Knüppeln bewaffnet
die Kneipe Johannisstübel am S-Bhf Schöneweide und jagen ca.
7 unpolitische Jugendliche, die ihnen wohl zu alternativ erscheinen. Anschließend
hängen sie Wahlplakate der NPD in Treptow auf.
17.12.99: 30 Nazis bedrohen Besucher der A-Party in den Rheinbeckhallen
in Schöneweide. Die Nazis werden auch handgreiflich und zeigen Nazi-Fahnen
(White-Power, Reichskriegsflagge).
Februar 00: Im Burger King wird ein Mädchen von ca. 5 Nazis zusammengeschlagen.
Sie kann eine längere Zeit über nicht mehr zu Schule gehen.
Februar/März 00: In Altglienicke wird eine Frau von Nazis
zusammengeschlagen und schwer verletzt. Ihr wurde irrtümlicherweise
unterstellt, antifaschistische Aufkleber verklebt zu haben.
25.02. 00: Nach der A-Party werden mehrere Jugendliche von Nazis
angegriffen. Anwesende Polizisten können dies nicht verhindern.
26.02.00: Nazi überfallen eine unpolitische Party in der Feuerwache
in Schöneweide, bedrohen die Gäste und versuchen einigen ihre
Handys zu rauben. Außerdem werden mehrere Gäste von den Nazis
fotografiert. Mit den Fotos wird eine Fotokartei angefertigt in denen
alle mißliebigen Personen registriert werden.
10.03.00: Am S-Bhf Schöneweide überfallen ca. 10 Nazis
einen türkischen Imbiß und verprügeln den Imbiß-Betreiber.
Am S-Bhf Baumschulenweg werden Parolen wie "Nationaler Widerstand"
und "Eins war uns schon immer klar: Dumm, dümmer Antifa"
gesprüht. Außerdem wurden Plakate der NPD verklebt.
12.03.00: Treptower Nazis (z.B. Marco Oemus, Christian Ortmann,
Steve Haberkorn und Fabian Müller) beteiligen sich an einer NPD-Demonstration
am Brandenburger Tor. Abends fotografieren sie linke Demonstranten in
Köpenick.
16.03.00: Unter Leitung des NPD-Kaders Andrew Stelter wird ein
Stützpunkt Treptow/Köpenick der Jungen Nationaldemokraten (JN)
gegründet. Andrew Stelter ist mit seinen 33 Jahren nämlich auch
Vorsitzender des Regionalverbandes der JN in Berlin. Der JN-Stützpunkt
Treptow/Köpenick will nun mit "viel Opferbereitschaft und Mut
zur Tat seine Aufgaben erledigen". Zu diesen gehört u.a. "den
Freizeitpunkern der Antifa zu zeigen, daß es in Treptow und Köpenick
wieder eine nationale Kraft gibt". Außerdem wird begonnen an
eigenen Aufklebern und Flugblättern zu basteln.
18.03.00: Im Vorfeld einer Demonstration gegen die NPD-Zentrale
in Köpenick wird das Denkmal der Köpenicker Blutwoche von Nazis
mit Nazi-Parolen beschmiert. Am Rande der Demonstration wird eine Foto-Journalistin
von Nazis angegriffen und ihre Kamera kaputtgeschlagen.
April 00: Im 163-Bus werden zwei Jugendliche von Nazis angegriffen.
07.04.00: Auf einer Party werden drei Personen von Nazis angegriffen.
09.04.00: Auf das "Cafe" (alternativer Treffpunkt) in
Köpenick wird ein Brandanschlag verübt.
19.04.00: Im Umfeld der Archenhold-Party im Come-In werden mehrere
Jugendliche von Nazis (u.a.: von Steve Bäumler und Nils Hiller) angegriffen
und verletzt. Der Nazi Fabian Müller aus Treptow-Plänterwald
bedroht einige Gäste des Audios und wird von der Polizei festgenommen.
20.04.00: In Treptow-Johannistal wird ein Obdachloser von Nazis
zusammengeschlagen. Zusammenrottungen von Nazis sind überall in Treptow
zu sehen.
Ende April 00: Der NPD-Kreisverband Treptow/Köpenick führt seine
Jahreshauptversammlung in Treptow durch. Der Nazikader Andrew Stelter
(33) wird als Kreisvorsitzender bestätigt. Früher war er Aktivist
der verbotenen Nationalistischen Front (NF) in West-Berlin. Zusätzlich
landen sieben neue Mitglieder im Kreisvorstand.
05.05.00: In der Kiefholzstrasse in Baumschulenweg wird ein Angestellter
im Döner-Imbiß von Nazis (u.a. Steve Haberkorn) bedroht.
06.05.00: Am Rande eines Antirassistischen Straßenfestes
in Treptow-Adlershof versuchen einige Nazis um Marco Oemus zu provozieren.
12.05.00: In Treptow-Johannisthal werden massiv Aufkleber der NPD
verklebt.
19.05.00: 10 Nazis spielen im Kino Astra in Johannisthal mit ihren
Waffen rum und werden schließlich von der Polizei kontrolliert.
26.05.00: Im Umfeld der A-Party in Johannisthal werden Besucher
von Nazis bedroht.
05.06.00: Gründungsreffen der Kameradschaft Adlershof. Mitglieder
sind u.a. Marcel Keckel, Marco Wald, Sven Schultz, Thomas Snoppek, Arved
Degebrodt, Manuel Walzel und Daniela Macher.
09.06.00: 15 Nazis versammeln sich vor der Feuerwache und bedrohen
Jugendliche.
11.06.00: In Treptow-Adlershof tauchen Aufkleber der "Kameradschaft
Adlershof" auf.
13.06.00: Der JN-Bundesvorsitzende fordert in einem Schreiben alle
JN-Aktivisten auf, als "Mindestanforderung" JN-Aufkleber zu
bestellen und zu verbreiten. Dieser Aufforderung kommen JN-Aktivisten
z.B. in Adlershof nach.
01.07.00: NPD/JN-Propagandaaktion in Berlin-Adlershof.
02.07.00: Treffen der Kameradschaft Adlershof bei Marco Wald. Dieser
versuchte in den letzten Jahren immer wieder Informationsmaterial linker
Gruppen zu bestellen.
06.07.00: In Treptow-Adlershof zieht ein Mob von Nazis um den Adlershofer
Nazi Christian Ortmann duch die Gegend und sucht nach Opfern. Schließlich
gehen die Nazis in Ortmanns Wohnung zurück.
14.07.00: Auf der Archenhold-Party wird ein jugendlicher Punk von
dem Nazi Norman Soluger mit einem Totschläger angegriffen. Er erleidet
bleibende Verletzungen im Gesicht.
21.07.00: 15 jugendliche Nazis greifen am S-Bhf Adlershof einen
Tunesier unter rassistischen Beschimpfungen mit Steinen und einem Verkehrsschild
an. In der gleichen Nacht werden an diesem Bahnhof, in Schöneweide
und in Baumschulenweg Plakate der NPD verklebt.
24.07.00:
In der Otto-Franke-Strasse in Adlershof zerstören acht Nazis unter
"Heil-Hitler"-Gebrüll eine Baustelle.
29.07.00: Sechs Nazis ziehen gröhlend durch die Dörpfeldstrasse
in Adlershof.
05.08.00: Mitglieder der NPD/JN verteilen unter Führung von
Andrew Stelter NPD/JN-Propaganda am S-Bhf Grünau.
09.08.00: Der Treptower Nazi Nick Greger (22) steht wegen dem Bau
einer Rohrbombe und der Verbreitung von illegaler Nazipropaganda vor Gericht.
17.08.00: Am S-Bahnhof Grünbergallee wird die Gedenkstätte
für den Antifaschisten Alfred Grünberg zerstört nachdem
sie schon mehrmals mit Nazisymbolen beschmiert worden war.
28.08.00: Die Nazi-Brüder Arved (19) und Danny Degebrodt (23)
beschallen von ihrer Wohnung aus die Nipkowstraße in Adlershof mit
Nazimusik. Ein Polizeieinsatz endet in einer gewalttätigen Auseinandersetzung.
Anschließend werden noch Waffen und Bombenteile bei den Degebrodts
gefunden. Der vorbestrafte Arved (Kameradschaft Adlershof) bleibt trotz
laufender Bewährung auf freiem Fuß.
02.09.00: Nach einem Fußballspiel von Tennis Borussia gegen
den 1. FC Union versuchen Treptower Nazis(Union-Anhänger) am S-Bhf
Schöneweide linke und ausländische TB-Fans anzugreifen.
08.09.00: In der Ekkehardstrasse in Baumschulenweg werden Hakenkreuze,
"NSDAP" und "HAHA-Antifa" gesprüht.
In Altglienicke versuchen Nazis die Feuerwache anzugreifen.
09.09.00: Am S-Bhf Grünau führt die NPD einen Infotisch
durch.
23.09.00: Einige Jugendliche werden in der S-Bahn von zehn Nazischlägern
verprügelt.
30.09.00: Ein weiterer NPD-Infostand in Altglienicke
13.10.00: Zwei alternative Jugendliche werden am S-Bhf Adlershof
von Nazis angegriffen. Die herbeigerufene Polizei interessiert sich nicht
für den Überfall.
28.10.00: In der Dörpfeldstraße in Adlershof bedrohte
ein Nazi eine 17-jährige mit einem Messer.
10.11.00: Sechs Jugendlich werden am S-Bhf. Schöneweide von
Nazis angegriffen.
Ihr seht
hier in Treptow passiert leider doch noch eine ganze Menge. Daher fordern
wir alle auf nicht zu resignieren, sondern den Mund aufzumachen, einzugreifen,
sich zu wehren, Übergriffe öffentlich zu machen und sich gegen
den Naziterror zu wehren. Bei all dem sind wir natürlich gern behilflich.
Wenn euch noch weitere Übergriffe bekannt sind, meldet euch bei uns,
um die Chronik fortzusetzen. [treptowerantifa@systemli.org]
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Die Opfer
in den Blickpunkt rücken
Der folgende
Beitrag wurde von einem vierköpfigen Team mit dem Namen "Opferperspektive"
verfaßt. Es beschäftigt sich seit Mitte 1998 im Bundesland
Brandenburg mit der Organisation von Hilfe und Unterstützung für
Menschen, die Opfer von rechtsextrem oder rassistisch motivierter Gewalt
geworden sind. Ausgangspunkt dieser Arbeit war die Motivation, den zum
Alltag gewordenen Zustand einer permanenten Bedrohung und Ausgrenzung
bestimmter Bevölkerungsgruppen nicht hinnehmen zu wollen.
Von der Analyse
der Tätergesellschaft zur Förderung von Solidarisierungsprozessen
mit den Betroffenen
Fast jede Woche werden Menschen aus rechtsextremistischen Motiven, aus
Haß gegen alles vermeintlich "Undeutsche" angegriffen.
Beleidigungen, Drohungen, Körperverletzungen oder Mord gehören
zur Tagesordnung. Sie sind insbesondere gegen Menschen aus anderen Herkunftsländern,
aber auch gegen Behinderte, Obdachlose oder alternative Jugendliche gerichtet.
In Politik, Sozialarbeit und Medien wird das Handeln der rechtsextremistischen
Täter überwiegend mit ihren schlechten Berufsperspektiven, fehlenden
Jugendeinrichtungen und Versäumnissen im Elternhaus erklärt
und ein Handlungsbedarf in diesen Bereichen verortet. Demgegenüber
geraten die Opfer der Taten und dringliche Veränderungen ihrer Lebensumstände
allzu häufig aus dem Blickfeld. Die Arbeit des Projektes "Opferperspektive"
hat das Ziel, den Betroffenen zu helfen, sich nicht in einer passiven
Opferrolle einzurichten, sondern aktiv zu werden, gemeinsam Perspektiven
zu entwicklen. Dazu gehört, über die Vermittlung der Lebensrealität
potentiell Betroffener Solidarisierungs-
prozesse im sozialen Umfeld auszulösen oder zu fördern. Ziel
dabei ist nicht nur, die Anteilnahme am Schicksal einzelner zu erwirken.
Es geht auch darum, die mit Ausgrenzung von Menschen verbundene Gefahr
für das System einer demokratischer Zivilgesellschaft zu erkennen.
Eine Parteinahme für die von rechter Gewalt Betroffenen und die gleichzeitige
Entwicklung von Initiativen, die sich gegen Ausgrenzungsbestrebungen richten,
schaffen Handlungsalternativen anstelle eines individuellen Gefühls
von Ohnmacht und Angst. Rückwirkend bedeutet das Schaffen von Bündnissen
gegen Ausgrenzung eine Verminderung des Einflusses rechter Ideologie,
den Entzug vermeintlicher Zustimmung zu rechter Gewalt in der Öffentlichkeit
und damit eine Schwächung rechter Machtpositionen.
Der gesellschaftliche
Kontext rassistischer Angriffe
Im Jahr 1998 zählte die brandenburgische Polizei 100 rassistische
und rechtsextreme Gewalttaten. Die Dunkelziffer ist weitaus höher,
da viele Betroffene keine Anzeige stellen, oder die Polizei diese schlichtweg
nicht aufnimmt. Die Täter sind meist männliche Jugendliche,
die rechtsextremen Cliquen angehören; aber solche Angriffe werden
erst in einem gesellschaftlichen Klima, das von Rassismus und völkischem
Nationalismus geprägt ist, möglich. Menschen, die dem typischen
Querschnitt der Bevölkerung Brandenburgs entsprechen, verweigern
den Angegriffenen Hilfe oder werden durch rassistische Pöbeleien
zu Teilnehmern. Es ist die "Mitte der Gesellschaft", aus der
der Rassismus kommt. Nach Meinungsumfragen ist die Hälfte der Bevölkerung
der Meinung, Ausländer seien Sozialschmarotzer und würden den
Deutschen die Arbeitsplätze wegnehmen. Kein Wunder, daß sich
die rechtsextremen Gewalttäter wie Vollstrecker des Volksempfindens
fühlen.
Ein rechtsextrem oder rassistisch motivierter Angriff betrifft nicht nur
das individuelle Opfer. Getroffen wird ein einzelner, gemeint sind alle.
Alle, die nach den Feindbildern der Rechtsextremisten zu bestimmten Gruppen
gehören: Migranten, alternative und linke Jugendliche (im Nazi-Jargon
"Zecken"), Behinderte, Obdachlose, Schwule und Lesben. Angst
macht sich breit, viele sind eingeschüchtert. Sie meiden die Orte,
an denen sie befürchten angegriffen zu werden . Das kann ein Bahnhof
nach Anbruch der Dunkelheit oder ein Platz vor dem Einkaufszentrum sein.
Das Land wird durchzogen von "No-Go Areas" für die Gruppen
potentieller Opfer. Viele können sich nicht mehr frei bewegen, manche,
besonders Flüchtlinge in Heimen, leben wie im Gefängnis, andere,
etwa Migrantinnen aus Berlin, fahren nicht mehr nach Brandenburg.
Organisierten Rechtsextremisten kommt diese Entwicklung gelegen. Was aus
der Sicht der Opfer "No-Go Areas" sind, nennen sie "national
befreite Zonen". Sie meinen damit, daß sie es sind, ihre Kameradschaften
und ihr soziales Umfeld, die die soziale Kontrolle ausüben, nicht
mehr staatliche Institutionen. Sie haben die Hegemonie vor Ort, sei es
kulturell, indem sie Vorreiter eines völkisch-nationalistischen Lebensstils
sind, sei es repressiv, indem sie Abweichler von diesem Lebenstil verfolgen
und einschüchtern. Der Kampf um die Hegemonie wird in fast jeder
Schule, jedem Jugendclub, in vielen Dörfern und Stadtteilen geführt,
und die Rechtsextremisten erobern sich immer mehr Terrain. An vielen Orten
in Brandenburg ist der rechtsextreme Mainstream alternativlos. Rechts
zu sein, ist Normalität. Wer keinen Ärger will, paßt sich
an.
Gewalt
und rechte Hegemonie
Gewalt spielt bei der Durchsetzung und Aufrechterhaltung rechter Hegemonie
eine zentrale Rolle. Durch Drohung mit Gewalt und gezielten An- griffen
wird versucht, Jugendliche, die sich dem rechten Diskurs nicht anpassen,
zu verdrängen. Jeder Jugendliche, der sich nicht zumindest "neutral"
verhält, sondern rechte Gewalt und rechtes Denken kritisiert, jeder
Schüler, der offen demokratische, "linke" Ansichten vertritt,
läuft Gefahr; dem rechten Feindbild "Zecke" zugeordnet
und angegriffen zu werden. Vergitterte Jugendclubs und bewaffnete Jugendliche
sind nicht Ausdruck generell gestiegenen Gewalt- potentials unter Jugendlichen
sondern Resultat eines demokratischen Abwehrkampfes, der viel zu oft als
"Links gegen Rechts" stigmatisiert wird.
Die Arbeit
des Projektes "Opferperspektive"
Es muß zunächst betont werden: Angriffe auf die körperliche
und persönliche Integrität eines anderen, im Text Gewalttaten
genannt, sind für uns lediglich der Anlaß für ein konkretes
Eingreifen. Projekte und Initiativen, die im Kontext Rechtsextremismusbekämpfung
rein auf die Verhinderung von Gewalt als Mittel der Auseinandersetzung
gerichtet sind, tragen dazu bei, Rechtsextremismus in seinen politischen
und sozialen Zusammenhängen zu verschleiern. Im Unterschied zu einer
gewöhnlichen Straftat beinhaltet ein rechtsextremer Angriff zusätzlich
eine ausgrenzende Botschaft. Den für "undeutsch" befundenen
Angegriffenen soll vermittelt werden, sie gehören nicht hier her,
sie seien als Mensch weniger wert. Allein daraus und wegen der damit verbundenen
und bereits beschriebenen Folgen ergibt sich die Notwendigkeit über
die gewöhnlichen Maßnahmen der Strafverfolgung und Opferbegleitung
hinaus, tätig zu werden. Insofern ist immer zunächst der rechtsextreme
oder rassistische Charakter einer Tat objektiv festzustellen. Wenn wir
von einem Angriff über Medien, Dritte oder den Betroffenen erfahren,
versuchen wir einen Kontakt zu dem Angegriffenen und dessen Umfeld aufzunehmen.
Wir suchen sie vor Ort auf und bieten unsere Unterstützung an. Das
direkte Zugehen auf die Betroffenen macht es ihnen leichter, Schwellenängste
zu überwinden. Sich vor Ort mit den Angegriffenen zu treffen, verschafft
uns darüber hinaus eine gute Möglichkeit, die Gesamtsituation
besser zu erfassen. Zu Beginn aller Gespräche, ob mit einzelnen oder
in Gruppen, steht immer die konkrete Tat und die Lage vor Ort im Vordergrund.
Dabei zeigt sich immer wieder, daß es für die Betroffenen oft
schon sehr viel bedeutet, daß sich jemand von außerhalb für
ihr Problem interessiert. Wie wir die Menschen dann konkret unterstützen,
richtet sich vor allem danach, was sie selbst möchten. Da nur die
wenigsten schon zuvor Erfahrungen mit dem Rechtssystem hatten, erklären
wir ihnen dessen Aufbau und Funktion.
Wir
erörtern mögliche juristische Schritte, suchen gegebenenfalls
Zeugen der Tat, helfen ihnen, einen Anwalt zu finden, der sie bei einer
Nebenklage gegen den Täter vertritt, organisieren, wenn notwendig,
einen Dolmetscher. Mit dem Einreichen einer Nebenklage nehmen die Opfer
eine aktive Rolle im Strafverfahren ein und können somit der Gefahr
begegnen, in der Verhandlung als Zeuge "auseinandergenommen"
zu werden. Ist ein Prozeßtermin festgesetzt, besprechen wir mit
ihnen den Ablauf. Eine Begleitung zu einem Prozeßtermin gerade von
nichtdeutschen Opfern gewährt ihnen Schutz auf dem Weg zum Gericht
und im Gebäude und führt häufig dazu, daß sie sich
überhaupt trauen, in Anwesenheit der Täter vollständig
auszusagen. Weiterhin ist eine gerichtliche Verhandlung häufig eine
gute Gelegenheit eine mediale Öffentlichkeit herzustellen.
Beratung
beim Stellen von Anzeigen, Anträgen usw.
Nur ein kleiner Teil der Angriffe wird allerdings angezeigt. Gerade Jugendliche
sehen in einer polizeilichen Meldung oft keinen Sinn oder haben Angst
vor Racheakten der Täter. Wir erörtern die Bedingungen vor Ort
und versuchen zu einer realistischen Einschätzung der Folgen einer
Anzeige bei der Polizei oder bei einer anderen zuständigen Behörde
zu kommen. Wenn Angriffe nicht angezeigt werden, werden rechte Täter
nicht mit den Konsequenzen ihres Handelns konfrontiert und fühlen
sich, wie beschrieben, in ihrer scheinbaren Unangreifbarkeit bestätigt.
Polizei oder andere öffentliche Institutionen begründen mit
dem Nichtvorliegen von Strafanzeigen einen fehlenden Handlungsbedarf.
Angegriffene Flüchtlinge unterstützen wir bei ihrer Umverteilung
in ein anderes Heim, wenn sie im Ort bedroht werden und helfen ihnen beim
Ausfüllen von Anträgen, die mit dem Angriff in Zusammenhang
stehen. Oft sind Flüchtlinge als Folge eines Angriffes psychisch
traumatisiert, und wir helfen ihnen, eine therapeutische Behandlungsmöglichkeit
zu finden. Eine weitere Möglichkeit ist, sich mit lokalen Initiativen
oder Einzelpersonen zusammenzusetzen und die Lage vor Ort zu besprechen.
Die konkrete Situation, die Stärke von rechten Gruppen realistisch
einzuschätzen, ist Voraussetzung dafür, mögliche Handlungsoptionen
aufzuzeigen. Oft ist es sinnvoll Medien in einen Prozeß miteinzubeziehen.
Häufig stellt sich heraus, daß es noch weitere potentielle
Bündnispartner oder öffentliche "Fürsprecher"
gibt, die zuvor von den Angriffen und Drohungen noch nichts erfahren hatten.
Ausschnitte
aus einem Artikel für das Buch "Was tun gegen rechts",
hg. von Jens Mecklenburg, erschienen beim ELEFANTEN PRESS VERLAG, Herbst
1999. Mehr Infos unter: www.Operperspektive.de
oder Opferperspektive c/o RAA
August-Bebel-Str. 88, 14482 Potsdam, Tel. 0171-1935669
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No!EXPO
und wieso wir diese Zukunft nicht wollen
Sie sind
Euch sicherlich nicht besonders aufgefallen, die EXPO-Projekte in Adlershof.
Ein Landschaftspark ist hier z.B. aus dem Boden gestampft worden. Nun
ja, nicht weiter schlimm mag man sich erstmal denken. Doch wer sich kritisch
mit dem Thema EXPO beschäftigt wird merken, daß mehr hinter
diesen "harmlosen" Projekten steckt.
Die EXPO
hat lediglich die Funktion, für die "neue Weltordnung"
zu werben, Akzeptanz zu schaffen, die Weltsicht der Mächtigen in
Millionen Hirnen zu verankern - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Großkonzerne
und Regierungen präsentieren uns mit immensem Aufwand einen kompletten
Zukunftsentwurf, der die verschiedenen Aspekte der herrschenden Politik
in Zusammenhang setzt - einen Entwurf, der sämtliche gesellschaftliche
Bereiche umfaßt. Tatsächlich ist die EXPO 2000, wie auch schon
die erste Weltausstellung von 1851 in London, nichts anderes als ein Schaufenster
der sog. "industriellen Revolution" und des Imperialismus, eine
Selbstinszenierung von patriarchalem Technikfetischismus und kapitalistischer
Macht. Daran hat sich bis heute wenig geändert. Bei Weltausstellungen
geht es darum, Fortschrittsglauben zu verbreiten und Identifikation mit
dem Kulturverständnis der Mächtigen zu festigen. Früh in
der Geschichte der EXPOs wurde von den MacherInnen erkannt, daß
die Präsentation technischer Neuerungen allein nicht ausreicht, sondern
zur Akzeptanzschaffung ideologisch untermauert werden muß. Ein recht
passendes Beispiel dafür ist das Motto der Weltausstellung in Brüssel
1958, "Bilanz der Welt für eine menschlichere Welt". Mit
dem Wahrzeichen des Atomiums wurde damals für die "friedliche"
Nutzung der Atomenergie geworben, so wie heute in Hannover unter dem Vorzeichen
der Agenda 21 für die Gentechnologie geworben wird. So kann es kaum
verwundern, daß als Wahrzeichen der EXPO 2000 eine riesige Darstellung
des menschlichen DNS-Strangs in der Diskussion war. Die Wölfe haben
Kreide gefressen. Während sich im Zeichen von "Globalisierung"
und "Neoliberalismus" Armut, Ausbeutung und Unterdrückung
weltweit verschärfen, geloben sie Besserung und malen die Zukunft
in den rosigsten Farben. "Wir haben verstanden!" und "Die
tun was" - mit den gleichen Slogans, mit denen im Fernsehen Autos
beworben werden, soll auch im globalen Maßstab Vertrauen in die
Problemlösungskompetenz des - heute als alternativlos zu gelten habenden
- Kapitalismus erzeugt werden. Während die bestehenden patriarchalen,
rassistischen und kapitalistischen Herrschaftsverhältnisse immer
unerträglicher werden, soll das Bewußtsein dafür durch
modische Modernisierungsfloskeln zum Verschwinden gebracht werden. Krieg
heißt heute "Humanitäre Mission", die verschärfte
Ausbeutung von Mensch und Natur "Nachhaltige Enwicklung", rassistische
und soziale Ausgrenzung "Innere Sicherheit", Imperialismus "Globale
Verantwortung". Und das Patriarchat gilt spätestens dann als
abgeschafft, wenn auch Frauen "ihren Dienst an der Waffe" versehen
dürfen.
Am
1. Juni 2000 hat in Hannover die "erste Weltausstellung auf deutschem
Boden", die EXPO 2000, ihre Pforten geöffnet. Fünf Monate
lang wollen rund 200 Regierungen und Großkonzerne ersehnten 40 Millionen
BesucherInnen "aus aller Welt" unter Aufwendung der modernsten
und teuersten Multimedia-Präsentationstechniken eben dieses Bild
der Zukunft schmackhaft machen. Sie versprechen "Lösungsbeiträge
für die drängenden Menschheitsfragen" und verstehen darunter
Marktwirtschaft, Gentechnik, Informations- und Kommunikationstechnologien
und "Bevölkerungskontrolle" in den arm gehaltenen Ländern
des Südens. Und ganz nebenbei veranstaltet die BRD dieses "weltoffene
und fröhliche Fest der Völkergemeinschaft", um das häßliche
braune Deutschlandbild der Vergangenheit weiter zu übertünchen,
um als "ganz normaler Partner" (mit Führungsanspruch) in
der Staatengemeinschaft dazustehen, für den es schließlich
auch schon wieder ganz normal ist, Kriege zu führen. Weltausstellungen
sind Messen des Kapitalismus - und sie predigen seine Alternativlosigkeit.
10 Jahre "Wiedervereinigung" Deutschlands sollen auf der EXPO
abgefeiert werden und damit gleichzeitig der Triumph über die Niederlage
aller sozialistischen Experimente. "Lust auf Zukunft" soll sie
machen, die EXPO. Wenn alle die Ärmel hochkrempeln und ihren Teil
zur Rettung des Planeten beitragen,
wird schon alles gut - als wären die heutigen Verhältnisse Ergebnis
mangelnden Wissens oder Willens. Das Eingeständnis der "Krise"
dient vor allem der Herstellung von Leistungs- und Anpassungsbereitschaft
für die gemeinsame große Sache. Arme, Alte, Kranke, "Behinderte",
Asylsuchende - kurz: alle, die nicht verwertbar sind - können da
nicht länger auf das "Mitleid" des Staates bauen, sondern
werden zur Bedrohung aufgebaut und kriminalisiert. Diese Ausgrenzungspolitik
hat nicht zuletzt das Ziel, identitätsstiftend für die Eingegrenzten
zu wirken und deren Leistungsbereitschaft zu erhöhen. Und wer nicht
mitmachen will, macht sich schuldig am Elend in der Welt und hat in der
neuen Mitte der wohligen Weltrettungsgemeinschaft nichts verloren.
Wir werden trotzdem nicht mitmachen. Mehr noch halten wir diese Propagandaveranstaltung
der herrschenden Weltordnung - ebenso wie die bekannteren Inszenierungen
kapitalistischer Macht wie EU- und "Welt"wirtschaftsgifel oder
WTO-Tagungen - für ein Ereignis, gegen das es Widerstand zu entwickeln
gilt.
Der Text
setzt sich aus einem gemeinsamen Aufruf des bundesweiten Anti-EXPO-Treffens
und des regionalen Anti-EXPO-Bündnisses "Tipp-Ex" zusammen.
Mehr zum Thema unter: WWW.EXPO-NO.DE
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Freiheit
für den zum Tode verurteilten
Revolutionären Mumia Abu Jamal
Mumia Abu-Jamal,
ein afro-amerikanischer Journalist, der seit 18 Jahren unschuldig in der
Todeszelle gefangen und immer noch von der Hinrichtung bedroht ist- aber
das ist nicht alles. Denn Mumia ist nicht nur Opfer rassistischer Willkür.
Auch wenn es bei vielen nichtweißen so war, soll nicht zufällig
Mumia sterben. Er kämpft seit seiner Jugend mutig und konsequent
gegen Ungerechtigkeit. Und trotz der 19jährigen Haft in der Todeszelle
hat er nicht aufgegeben, sondern kämpft weiter und fordert und ermutigt
auch andere dazu auf.
Und darum gilt ihm unsere Solidarität.
Der Kampf für Mumia vereint viele Menschen. Christen, Moslems, Atheisten,
Frauen und Männer, "Schwarze", "Weiße",
und "Rote" Menschen... Demokraten, Antifaschisten, "Unpolitische"
und Revolutionäre, junge und alte, sie alle stehen gemeinsam und
fordern "Justice for Mumia". Denn dieser Kampf gegen Rassismus
und für Menschlichkeit geht uns alle an. Und dieser "Internationale
Spirit" zeigt sich auch auf der Weltkarte. Auf allen fünf Kontinenten
dieser Erde gibt es Menschen, die für Mumia auf die Strasse gehen.
Auch in Deutschland und auch in Berlin ist Mumias Fall aktuell- und das
nicht erst seit heute. Schon seit Jahren finden bundesweit Aktionen für
Mumia statt: z.B. gab es 1995 eine Demo in Berlin mit mehreren tausend
TeilnehmerInnen.
Der Kampf für Mumia und er selbst spricht ganz besonders die Jugend
an. Denn schon seit jeher sind es die Jugendlichen, die gesellschaftliche
Ungerechtigkeiten aufnehmen und spontan dagegen vorgehen. Die Jugend hat
sich zu einer treibenden Kraft in der Kampagne für Mumia entwickelt.
Darum gründete sich im September unsere Gruppe "Schüler
aktiv für Mumia". Wir sind ein unabhängiges Jugend- und
Schülerbündnis aus verschiedenen Jugendlichen verschiedenen
Alters und mit verschiedenen Motivationen und Hintergründen, sich
für Mumia zu engagieren. Unser ziel ist es Mumias Fall (hauptsächlich)
unter den Jugendlichen bekannt(er) zu machen. Dafür verteilen wir
Flugblätter, machen kleinere Veranstaltungen, sammeln Spenden, plakatieren
oder viele andere Sachen. Wir haben auch schon größere Aktionen
organisiert. So gab es am 2. Dez. `99 eine Schüler-Demo mit ca. 50%
Schülern und Schülerlinnen. Die Vorbereitung ging von einigen
Mumia-AGs und unserer Gruppe aus. Das ganze lief während der Schulzeit
ab, durch mehrere Stadtteile hindurch endete sie am Rathaus Kreuzberg.
Oder wir beteiligten uns an der bundesweiten Demo am 5. Feb.`00 in Berlin
mit mehr als 5000 Teilnehmerlinnen. Aktuell mobilisieren wir mit dem "Aktionsbündnis
für Mumia" gemeinsam zum Tag X vor der US-Botschaft.
Und Du?
Wir denken, dass jeder Mensch für den das Wort Gerechtigkeit eine
Bedeutung hat, klar Stellung zu (für) Mumia beziehen sollte. Denn
Mumia vertritt das, wofür das Wort Gerechtigkeit steht. Und Mumia
ist unschuldig. Darum braucht Mumia einen neuen fairen Prozess, den wir
zusammen erkämpfen müssen. Freiwillig werden die Regierenden
in den USA ihn nicht freilassen. Und gerade darum braucht Mumia deine
Stimme- nicht auf dem Wahlzettel, sondern in direkter Aktion. Mache Mumias
Fall überall bekannt, denn je mehr Menschen über Mumia Abu-Jamal
Bescheid wissen, um so mehr Druck ist das für die USA. Informiere
dich und spreche mit "deinen" Leuten darüber, halte Referate
im Unterricht, zeige den Film (gibt es bei uns) in der Schule, in deiner
Gruppe oder im Freundeskreis, trage einen Mumia-Button und verbreite ihn,
verteile Flugblätter, gehe plakatieren und/oder unterstütze
sonstwie Aktionen. Wenn du dich informieren willst - komm bei uns vorbei.
Dafür haben wir Freitags ein Mumia-Info-Cafe:
Freitags
16 - 20 Uhr TEK Oranienstrasse.36 U-BHF Kottbusser Tor (U1 und U8)
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