Pressearbeit
Im folgenden sind die Presseartikel dokumentiert, die sich mit Nazis in Treptow beschäftigen bzw. Reaktionen auf Pressemitteilungen der Treptower Antifa Gruppe beinhalten.

1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005
2006

1997

Neonazis erstechen Neonazis > Jungle World 19.04.1997
Tödlicher Kampf unter Neonazis > TAZ 19.04.1997
Tödliche Verlobung > Jungle World 11.10.97
Aktivitäten rechtsextremer Gruppierungen in Treptow > Treptower Stachel, 12/1997
Der Verfassungsschutz wußte mehr > TAZ 17.12.1997
Bombiger Zufallsfund bei der Kameradschaft Treptow > Jungle World 18.12.97
"Kampfblatt mit aggressiver politischer Position" > TAZ 31.12.1997

Jungle World 19.04.1997
Neonazis erstechen Neonazis

Zwei Tote bei Auseinandersetzung in Berlin

Zu eine Streit mit tödlichem Ausgang kam es in der Nacht von Mittwoch zu Donnerstag zwischen Mitgliedern der neofaschistischen Kameradschaften Wittenberg und Treptow im Berliner Bezirk Treptow. Kurz nach der Tat wurden zunächst fünf Personen festgenommen, darunter auch die zwei mutmaßlichen Täter.
Nach einer Verlobungsfeier im Umfeld der "Kameradschaft Treptow", an der fünf Wittenberger Neonazis teilgenommen hatten, stiegen auf dem Rückweg der bekannte Berliner Neonazi Kader Detlef Nolde, ehemals Cholewa, sowie dessen Gesinnungskamerad Lutz Schillock ins Auto der Wittenberger. Im Auto soll es nach Angabe der Berliner Justizpressestelle zu einer Auseinandersetzung gekommen sein, in deren Verlauf Nolde und Schillock ihre Messer zogen und den Kameradschaftsführer der "Kameradschaft Wittenberg", Chris Danneil, sowie den 32jährigen Bordell-Türsteher Olaf Schmidke erstachen. Nolde und Schillock sowie die drei weiteren Wittenberger Insassen des Autos versuchten zu flüchten, wurden aber kurze Zeit später von der Polizei festgenommen. Der 34jährige Detlef Nolde gehört seit Anfang der achtziger Jahre zum harten Kein der militanten Berliner Neonazi-Szene. Bis zum Verbot der Freiheitlichen Arbeiterpartei (FAP) agierte Nolde zusammen mit dem Anti-Antifa-Kader Olaf Schweigert, einem der führenden FAP-Kader in Berlin. Darüber hinaus gehörte er zu den AntiAktivisten, die im August 1994 aus der Wohnung des Berliner Neonazi-Kaders Arnulf Priern heraus eine antifaschistische Demonstration und Journalisten angriffen. In diesem Zusammenhang wurde Nolde ebenso wie Kay Diesner, Oliver Schweigert und zehn weitere führende Berliner Neonazi-Kader wegen "Bildung eines bewaffneten Haufens" 1995 zu einer Geldstrafe verurteilt. Nach dem Verbot der FAP schloß sich Nolde dem Umfeld der neofaschistischen Bewegung "Die Nationalen" und deren Führungskadern Frank Schwerdt und Christian Wendt an, für deren Propagandablatt, die Berlin-Brandenburger Zeitung, er zeitweise schrieb. Er beteiligte sich an dem Konzept, in Berlin "unabhängige Kameradschaften" aufzubauen und rekrutierte rechte Jugendliche und Naziskins im Berliner Stadtbezirk Treptow, wo er 1996 formal die "Kameradschaft Treptow" aufbaute.Darüber hinaus wurde Nolde im rechtsextremen "ThuleNetz" von unbekannten "Kameraden" vorgeworfen, er habe gemeinsam mit Christian Wendt und Frank Schwerdt die nationalsozialistischen "Schulungsbriefe" verfaßt, für deren Erstellung Wendt im Januar 1997 zu einer einjährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Mit Schwerdt und Wendt verbindet Cholewa sein eindeutiges Bekenntnis zum Nationalsozialismus und die Ablehnung von "nationalrevolutionären" Positionen führender Berliner Kader der Jungen Nationaldemokraten (JN).Auch Lutz Schillock ist ein langjähriger FAPetwas stiller geworden war, der aber unter anderem über gute Kontakte zu militanten skandinavischen Neonazis verfügt. So hielt Schillock als "Abgesandter aus der Reichshauptstadt" am 20. April 1995 bei der dänischen Neonazi-Gruppe DNFB eine der "Festreden". Auch die "Kameradschaft Wittenberg" gehört im übrigen zu den neonazistischen "Aufbauprojekten" Schwerdts und Wendts. Nach Informationen des Brandenburger Verfassungsschutzes wurde der Aufbau der "Kameradschaft Wittenberg" durch Frank Schwerdt und Christian Wendt seit Anfang der neunziger Jahre direkt betreut. Schwerdt hat in Wittenberg mehrfach Schulungen durchgeführt. Die "Kameradschaft", die nach vorsichtigen Schätzungen auf ein enges Umfeld von rund 50 Mitgliedern zählen kann, ist in Wittenberg immer wieder durch brutale Überfälle und paramilitärische Wehrsportübungen aufgefallen. Ende 1996 hat es erste Anzeichen von internen Konflikten in der "Kameradschaft" gegeben, nachdem der langjährige Kameradschaftsführer Danny Thüring offenbar auf Anweisung aus Berlin von dem Neonazi Andreas Neugebauer abgelöst wurde. Danneil soll den Posten als "Kameradschaftsführer" erst seit wenigen Wochen von Neugebauer übernommen haben. Die Aktivitäten eines Teils der "Wittenberger Kameradschaft" verlagerten sich mehr und mehr ins Drogenhändler und Zuhältermilieu-einige Neonazis sollen als Türsteher in Wittenberger Bordellen gearbeitet haben. Über das Motiv für die Auseinandersetzung zwischen Nolde und Schillock auf der einen und den Wittenberger Neonazis auf der anderen Seite kann momentan nur spekuliert werden. Möglicherweise wurden Danneil und Schmidke für V-Leute des Verfassungsschutzes aus Sachsen-Anhalt gehalten. Aber auch eine normale Party-Auseinandersetzung kann bei Detlef Nolde, der dafür bekannt war, daß er - außer bei Gerichtsverhandlungen - überall mit einem langen Fahrtenmesser im Hosenbund auftauchte, tödliche Konsequenzen nach sich gezogen haben.

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TAZ 19.04.1997
Tödlicher Kampf unter Neonazis

Zwei Opfer bei Messerstecherei. Zusammenhang mit rechtsextremem Polizistenmord.
Staatsschutz ermittel
t

Berlin (taz) - Sie kamen von einem Polterabend. Sieben Rechtsextremisten, zwei aus Berlin, fünf aus dem sachsen-anhaltinischen Wittenberg. Sie hatten viel getrunken und verließen die Feier in einem Auto. Im Auto gab es Streit, und am Ende der Fahrt lag einer der Wittenberger tot im Auto, der andere starb auf der Straße. Die Polizei hat bereits zwei mutmaßliche Täter festgenommen.In der Nacht zum Donnerstag wurden Olaf Schmidke und Chris Danneil, der eine Führer der rechtsextremen "Kameradschaft Wittenberg", der andere Wittenberger "Kameradschafts"-Mitglied, nach dem derzeitigen Ermittlungsstand der Polizei von Gesinnungsgenossen durch Messerstiche umgebracht. Gegen die beiden mutmaßlichen Täter, Detlef Nolde, ehemals Cholewa, und Lutz Schillock, hat die Staatsanwaltschaft Berlin gestern Anklage wegen gemeinschaftlichen zweifachen Mordes erhoben.Die beiden Verdächtigen, die noch in der Nacht in unmittelbarer Nähe des Tatortes im Ostberliner Bezirk Treptow verhaftet wurden, sind in der rechtsextremistischen Szene keine Unbekannten: Nolde, ehemals Schulungsleiter der inzwischen verbotenen "Freiheitlichen Arbeiterpartei" (FAP) und führender rechtsextremistischer Kader in Berlin, gehört zum Umfeld von Kai Diesner. Diesner, Mitglied des "Weißen Arischen Widerstands" (WAW), ist wegen des Mordes an einem Polizisten in Schleswig-Holstein im vergangenen Februar angeklagt. Zuvor hatte er einen der PDS nahestehenden Buchhändler durch Schüsse aus einer Schrotflinte schwer verletzt. Cholewa wurde gemeinsam mit Diesner im August 1994 im Haus des ehemaligen Berliner Neonaziführers Arnulf Priem verhaftet und wegen Bildung eines "bewaffneten Haufens" angeklagt. Schillock war nach Informationen des Antifaschistischen Infoblattes Berlin ebenfalls bei der FAP und hält Kontakte zu dänischen Neonazis.Die beiden mutmaßlichen Täter waren zunächst, so die Sicherheitsbehörden, nicht vernehmungsfähig, da sie unter erheblichem Alkoholeinfluß gestanden hätten. Der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, die die Ermittlungen übernommen hat, sagte, derzeit sei davon auszugehen, daß die tödlichen Messerstiche einem Streit folgten. Über was man sich stritt, ist derzeit noch unbekannt. Einen politischen Hintergrund schließt die Staatsanwaltschaft jedoch nicht aus.Der Chef des sachsen-anhaltinischen Landesamtes für Verfassungsschutz, Wolfgang Heidelberg, nannte als möglichen Auslöser der Auseinandersetzung einen Streit um ein Fußballspiel. Er dementierte zugleich gegenüber der taz einen Bericht der Bild-Zeitung, demzufolge die beiden Opfer V-Männer des Verfassungsschutzes gewesen seien: Für seine Behörde hätten sie nicht gearbeitet. Der sachsen- anhaltinische PDS-Abgeordnete Matthias Gärtner wies demgegenüber darauf hin, daß die Informationen der Landesregierung Sachsen-Anhalt über die "Kameradschaft Wittenberg" äußerst präzise seien. Deshalb geht Gärtner davon, aus, daß in der Kameradschaft V-Männer aktiv seien.Barbara Junge Bericht

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Jungle World 11.10.97
Tödliche Verlobung

Wurden zwei führende Neonazi-Kader ermordet, weil sie für den Verfassungsschutz arbeiteten?

Die Morde hatten Schlagzeilen gemacht: Anfang April dieses Jahres wurden der Chef der Kameradschaft Wittenberg, Chris Danneil, und sein Begleiter Olaf Schmidke in Berlin-Adlershof nach einer Neonaziverlobungsfeier von zwei Berliner Nazikadern erstochen. Seit Oktober wird gegen Detlef Nolde, ehemals Cholewa, und Lutz Schillock wegen zweifachen Mords vor dem Landgericht Berlin verhandelt. Sowohl Nolde als auch Schillock sind seit Jahren in der Berliner Naziszene aktiv: Der 28jährige Nolde war ehemaliger Ostberliner NPD-Vorsitzender, führender FAP-Kader, gehörte zu den Hauptakteuren der Anti-Antifa-Kampagne in Berlin, kandidierte für die Nationalen bei den Kommunalwahlen und war zuletzt Kameradschaftsführer der Kameradschaft Treptow. Und der 34jährige Schillock kann auf eine zehnjährige Karriere in den diversen militanten Berliner Neonazirkeln, zuletzt in der mittlerweile verbotenen FAP, zurückblicken. Trotz des öffentlich verkündeten Ausschlusses von Cholewa und Schillock aus dem Zusammenschluß der Nationalen e.V. - den deren "Pressesprecher" Christian Wendt, frisch aus der Haft entlassen, pünktlich zu Prozeßbeginn noch einmal in der Nationalen-Postille Berlin-Brandenburger Zeitung (BBZ) bekannt- gab, werden beide Angeklagte durch die Neonazianwälte Hans-Günther Eisenecker, Wolfram Nahrath und Joachim Ehlk vertreten. Trotz mehrerer Verhandlungstage sind die tatsächlichen Gründe für den tödlichen Streit zwischen den Berliner und den Wittenberger Neonazis nach wie vor nicht vollständig geklärt. Deutlich wurde bisher nur, daß der ebenfalls in jener Nacht im Auto anwesende Danny Thüring, der 1996 vor Chris Danneil Kameradschaftsführer in Wittenberg gewesen war, für den Verfassungsschutz von Sachsen-Anhalt gearbeitet hat. Inwieweit Chris Danneil und Olaf Schmidke, der schon zu DDR-Zeiten für den Staatssicherheitdienst tätig war, ebenfalls als Zuträger des Verfassungsschutzes agierten und die Messerstecherei daher als Racheakt dienen sollte, ist unklar. In einer Einlassung behauptete Lutz Schillock vor Gericht jedenfalls, zu dem Streit im Auto sei es gekommen, weil die Wittenberger Neonazis den beiden Berlinern bohrende Fragen nach ihrer persönlichen und politischen Vergangenheit gestellt hätten. Auf Nachfragen wollte sich Schillock allerdings nicht mehr an den Wortlaut der Fragen erinnern. Er behauptete vielmehr, als er mit Nolde aus dem Auto ausgestiegen sei, hätten ihn Danneil und Schmidke angegriffen. Daraufhin habe Nolde ihn durch das Sprühen von Tränengas verteidigt, und der Rest sei "ein schwarzes Loch". Sein Mitangeklagter Nolde hatte vor Gericht eine noch einfacherere Version des Streits parat: Er belastete in erster Linie Schillock - "Ich denke, daß Lutz das Stechen zu Hause geübt hat" -, und erklärte, schon während einervorangegangenen Verlobungsfeier völlig betrunken gewesen zu sein. Für diese Behauptung präsentierte Nolde dann auch gleich die gesamte Naziprominenz jenes Abends als Zeugen: Der Berliner Vorsitzende der Nationalen e.V., Frank Schwerdt, der ehemalige Kameradschaftsführer Beusselkiez und Gastgeber der Verlobungsfeier, Mike Penkert, und der Anti-Antifa-Aktivist Hans-Jörg Rückert bestätigten vor Gericht einhellig, Nolde sei schon vor der Abfahrt betrunken gewesen. Dieser Version stehen allerdings die Aussagen mehrerer Polizeibeamter entgegen, die übereinstimmend erklärten, daß beide Angeklagte nach ihrer Festnahme klar sprechen und sicher laufen konnten. Nolde habe sogar noch versucht, in der Zelle heimlich mit seinem Handy zu telefonieren. Und Schillock habe sich für den üblen Gestank entschuldigt, den er mit seiner vollen Hose im Polizeirevier verbreitete. Die drei Wittenberger Neonazis, die den Streit im Auto überlebten, sagten darüber hinaus auch aus, daß Nolde den Bordellbesitzer Schmidke festgehalten habe, während Schillock zustach. Demgegenüber behauptet Noldes Verteidiger Eisenecker, nicht Nolde, sondern die ebenfalls im Auto anwesende Wittenbergerin Manuela Groß habe Schmidke festgehalten, während Schillock zustach. Auch die Frage, ob die Messerstiche Folge eines Streits über das Verbotsdatum der FAP waren, konnte bisher nicht endgültig geklärt werden. Während die Zeugen aus Wittenberg angaben, Schillock habe mit seiner führenden Rolle in der FAP geprahlt, aber auf Nachfragen das Verbotsdatum nicht nennen können und sei deshalb von Schmidke und Danneil kritisiert worden, bestreiten sowohl Nolde als auch Schillock, daß der Streit darüber ausbrach. Ein Urteil wird Anfang November erwartet.

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Treptower Stachel, 12/1997
Aktivitäten rechtsextremer Gruppierungen in Treptow


Bürgermeister antwortet auf Anfrage der PDS


Welche Erkenntnisse besitzt das Bezirksamt zu Aktivitäten militanter rechtsextremer Gruppierungen im Bezirk? Neben der Gruppierung "Die Nationalen", deren zumindest zahlenmäßige Bedeutung kontinuierlich zurückgegangen ist, betätigt sich in Berlin Nach unseren Beobachtungen fällt die Gruppe auf durch Verbreitung ihrer Ansichten durch Aufkleber, Publikationen und Musik, Bedrohung von einzelnen Jugendlichen oder Gruppen, Versuch von Nachwuchsrekrutierung in Ortsteilen, Jugendfreizeiteinrichtungen, Schulen usw. In dem Zusammenhang wird auf die Bedrohung von Inserenten der Treptower Schülerzeitung "Die Unbunte", Beschimpfungen und zumindest verbale Bedrohungen, körperliche Gewalt gegen eine Schülerin der Anne.
Wo liegen die Schwerpunkte dieser Aktivitäten? Aktuell in den Ortsteilen Treptow, Adlershof und Johannisthal. Wo liegen die Schwerpunkte der Nachwuchsgewinnung dieser Gruppen? Grundsätzlich versuchen die Anhänger der rechten Szene jedes Umfeld zu nutzen, in dem sie sich gerade aufhalten. Mitglieder der "Treptower Kameradchaft" haben dies vor allem in den Jugendfreizeiteinrichtungen "Bullinger", "JuJo" und "Walter Kroh" betrieben. Dabei geht es vor allem um die Herstellung "kameradschaftlichen Gruppengefühls", ideologische Infiltrierung und das Vorbereiten gemeinsamer Aktivitäten außerhalb der Jugendfreizeiteinrichfungen (wie gemeinsame Unternehmungen, Demonstrationsteilnahme, "Geburtstagsfeiern" ...).
Welche Strategien entwickeln die Fachbereiche in diesem Zusammenhang? Entsprechende Konzeptionen werden naturgemäß vor allem in den Bereichen Schule und Jugend entwickelt. Im Bereich des Bezirksamtes handelt es sich dabei schwerpunktmäßig um kontinuierliche Fortbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Erweiterung der Arbeitsgruppe Jugendgewalt mit dem Aufgaben-Erfahrungsaustausch zum methodischen Umgang mit rechtsextrem orientierten Tendenzen, Erarbeitung gemeinsamer Handlungsstrategien in den Einrichtungen und Projekten, Informationsgewinnung über Tendenzen, Strukturen und Kommunikationsträger der rechtsradikal orientierten Szene-Wissensvermittlung historischer Hintergründe und Zusammenhänge. Entwicklung von geeigneten Methoden demokratisch orientierter Jugendarbeit und von Angeboten, die eine Alternative zur rechten Szene bieten, Zusammenarbeit mit anderen an dieser Thematik arbeitenden Institutionen und Grernien, z. B. die regionale Arbeitsgruppe für Ausländerfragen, die bezirkliche Arbeitsgruppe Jugendgruppengewalt, die Arbeitsgruppe Jugendgruppengewalt bei der Polizei, das Landesamt für Verfassungsschutz, zur gegenseitigen Information, zum Erfahrungsaustausch und zur fachlichen Unterstützung, Fallbesprechung in Krisensituationen und Supervisionen auch mit Hilfe externer Fachleute.

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TAZ 17.12.1997
"Verfassungsschutz wußte mehr" Grüne: Gefahr von rechtsextremistischen Kameradschaften bekannt

"Der Verfassungsschutz ist schon wieder zu spät aufgewacht" - so faßt die justizpolitische Sprecherin der Bündnisgrünen, Renate Künast, den Umgang der Sicherheitsbehörden mit dem Rechtsextremismus zusammen. Anläßlich des aufgedeckten Anschlagsplanes zweier Rechtsextremisten der Kameradschaft Treptow auf ein PDS- Mitglied in der vergangenen Woche, erklärte Künast gestern, das Attentat habe nur durch Zufall verhindert werden können. "Das Amt wußte mehr", so Künast, "behauptete aber noch im Herbst, daß die Gefahr von links größer sei." Den Behörden sei die Entwicklung im rechtsextremen Bereich bekannt, immer mehr gewaltbereite Personen sammelten sich in Kameradschaften, auch der Polizeiliche Staatsschutz gehe von einer Gefährdung von Personen aus, deren Namen auf den Listen von Rechtsextremisten auftauchten. "Dabei", so Künast, "zeugen die zahlreichen Straftaten in und um Berlin außerdem von einer großen Gefahr für Ausländer." babs

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Jungle World 18.12.97
Bombiger Zufallsfund bei der Kameradschaft Treptow

Zwei Berliner Neonazis wollten einen Rohrbomben-Anschlag auf ein aktives PDS-Mitglied verüben

Der Anlaß für die Durchsuchungen waren Aufkleber mit Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, doch gefunden wurde wesentlich Brisanteres. Die Ermittler von Polizei und Staatsanwaltschaft dürften nicht schlecht gestaunt haben, als sie am Montag vergangener Woche im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens gegen die Berliner Kameradschaften Köpenick und Treptow bei 17 Mitgliedern der beiden Neonazi-Gruppierungen in Treptow, Köpenick und Marzahn Hausdurchsuchungen durchführten - fanden sie doch nicht nur zahlreiche Unterlagen über die beiden Gruppierungen sowie Waffenansammlungen, die man bei Neonazis schon fast als Standard bezeichnen kann und zu denen in diesem Fall unter anderem Schlagwaffen, ein Karabiner und ein abgesägter Revolver gehörten. Bei dem 20jährigen Carsten M. wurden zusätzlich auch Materialien zur Herstellung von Rohrbomben sichergestellt, über deren geplante Verwendung der 17jährige Patrick D. schließlich aussagte. Ein Anschlag auf ein Mitglied der PDS-Jugendorganisation AG Junge GenossInnen Treptow sei geplant gewesen, auf dessen Balkon sollte die Höllenmaschine installiert werden. Während Polizei und Justiz davon ausgehen, daß die beiden Nazis ihr anvisiertes Opfer wohl zufällig persönlich kannten, bezeichnete die PDS das betroffene Mitglied als politisch "sehr aktiv" und schließt deshalb auf einen länger geplanten Anschlag auf das gezielt ausgewählte Opfer. Offenbar in Vorbereitung auf den Anschlag waren bereits zwei Probesprengungen in einer Telefonzelle und in einem Waldstück in der Königsheide durchgeführt worden, ein dritter Versuch im Treptower Park war von Passanten gestört worden. Die beiden Bombenbastler, die Mitglieder der Kameradschaft Treptow sein sollen, wurden in Untersuchungshaft genommen; ein Ermittlungsverfahren wegen Vorbereitung und Verabredung zur Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz wurde eingeleitet. Im dichten Geflecht der Berliner Neonaziszene ist die Kameradschaft Treptow mit mehreren Dutzend Mitgliedern und ihren beiden Ortsgruppen eine der größten Gruppierungen. Mitglieder der Neonazitruppe waren in der Vergangenheit immer wieder bei Angriffen und Überfällen in Erscheinung getreten. Ein Sprecher der Treptower PDS bezeichnete die Kameradschaft als "Gruppierung mit starken Strukturen und dementsprechenden Aktivitäten". Daß diese Aktivitäten sich nicht nur auf die Rekrutierung rechter Jugendlicher und die Verbreitung von Propaganda beschränken, wird angesichts des geplanten Anschlags deutlich. Ihren Hang zum Terrorismus und zu Tätlichkeiten mit tödlichem Ausgang haben die Berliner Neonazis und insbesondere die Kameradschaft Treptow schon des öfteren unter Beweis gestellt. Erst unlängst wurde in Lübeck der Berliner Neonazi Kay Diesner wegen Mordes und versuchtem Mord an zwei Polizisten und einem linken Buchhändler zu lebenslänglicher Haft unter besonderer Schwere der Schuld verurteilt. Ebenfalls zu Haftstrafen verurteilt worden waren kurz zuvor die beiden langjährigen Neonazi-Kader und leitenden Mitglieder der Kameradschaft Treptow, Lutz Schillock und Detlef Nolde. Schillock hatte im Frühjahr zwei Gesinnungsgenossen aus Wittenberg wegen einer Meinungsverschiedenheit kurzerhand erstochen, während Nolde den Opfern Tränengas ins Gesicht sprühte und sie festhielt. Bereits im August 1994 hatte die Polizei bei Hausdurchsuchungen bei nahezu jedem der über zwanzig betroffenen Neonazis, die zum harten Kern der rechten Szene Berlins gezählt werden können, und wegen eines geplanten Angriffs auf eine Antifa-Demo festgenommen worden waren, zahlreiche Waffen gefunden. Einen Schlag ins Gesicht muß der jüngste Fund bei den beiden Bombenbastlern von der Treptower Kameradschaft für Innensenator Jörg Schönbohm bedeuten, der das Bestehen von terroristischen Tendenzen in der rechten Szene wiederholt abgestritten hat und bereits nach dem Attentat Kay Diesners auf den der PDS nahestehenden Buchhändler Klaus Baltruschat in Bedrängnis geraten war. Kritik an der Berliner Polizei äußerte der Bezirksvorsitzende der Treptower PDS, Michael Schneider: Es sei in hohem Maße leichtsinnig, daß er als Bezirksvorsitzender aus der Zeitung von dem geplanten Anschlag erfahren mußte und nicht sofort von der Polizei informiert worden sei. Vorwürfen seitens der Berliner PDS-Vorsitzenden Petra Pau sah sich auch das Berliner Landesamt für Verfassungsschutz ausgesetzt. Pau kritisiert, daß es unverständlich bleibe, warum das Landesamt in seinem Lagebericht vom August quasi Entwarnung suggeriert habe, was die Neonazis angehe, und bezeichnete das Attentat auf den Buchhändler Baltruschat als "bisherige Spitze neofaschistischer Gewaltbereitschaft in Berlin".

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TAZ 31.12.1997
"Kampfblatt mit aggressiver politischer Position"

Eine Broschüre klärt über die neonazistische "Berlin-Brandenburger Zeitung" auf.

"Die Berlin-Brandenburger Zeitung ist ein Forum, das im Kern nationalsozialistische, völkische und rassistische Positionen vertritt." Zu diesem Schluß kommt eine Broschüre mit dem Titel "Von der Legalität neofaschistischer Propaganda", die das "Antifaschistische Presse-Archiv und Bildungszentrum e.V." mit Sitz in der Kreuzberger Falckensteinstraße kürzlich vorgestellt hat. Die Textsammlung befaßt sich mit der Berlin-Brandenburger Zeitung (BBZ), einem der erfolgreichsten Neonaziprojekte. Das Landesamt für Verfassungsschutz bescheinigt dem als Herausgeber fungierenden Frank Schwerdt, daß ihm "unter den verschiedenen Vorhaben, eine eigene rechtsextremistische Publizistik aufzubauen (...) der erste Platz" gebühren. Die Auflage der seit fast fünf Jahren erscheinenden BBZ beträgt nach Eigenangaben mehrere zehntausend Exemplare. Damit ist das Blatt das auflagenstärkste der bundesdeutschen Neonaziszene. Hinter dem Projekt scheint auch ein durchdachtes Konzept zu stehen: Die rechten Schreiber wollen neben Gesinnungsgenossen auch breite Bevölkerungsschichten erreichen. Daher erscheint die BBZ im professionell aufgemachten Gewand, und die Autoren sind bemüht, ihre Propaganda unterschwellig unterzubringen.Drei Beiträge in der Textsammlung über die BBZ beschäftigen sich daher vorrangig mit den Inhalten der Zeitung. Der Parteienforscher und wissenschaftliche Angestellte der Freien Universität, Richard Stöss, kommt zu dem Schluß, daß die Beiträge von einem "abgrundtiefen Haß auf Fremde und Asylbewerber" gekennzeichnet sind, eine "antisemitische Grundstimmung" verbreiten und "den Nationalsozialismus verherrlichen".Für den wissenschaftlichen Mitarbeiter an der Technischen Hochschule in Aachen, Michael Kohlstruck, der sich mit der völkischen Ideologie und dem Rassismus in der BBZ beschäftigt, ist die Zeitung ein "Kampfblatt" mit einer "aggressiven politischen Position". Rainer Erb, Soziologe an der Potsdamer Universität, hat einen Antisemitismus ausgemacht, der von der "Diffamierung prominenter Juden" bis zur Verbreitung der "Wahrheit über Auschwitz" reicht.Ulli Jentsch vom "Antifaschistischen Presse-Archiv", der sich mit der organisatorischen Entwicklung der BBZ befaßt, hält die "Außenwirkung, für die die Autoren versuchen, soziale Nöte und Stimmungen aufzugreifen und das Projekt in eine Massenzeitung münden zu lassen, für relativ begrenzt". Für ihn liegt der Erfolg vielmehr in der organisatorischen Funktion für die Neonaziszene. Den Machern der BBZ sei es gelungen, "Potentiale zu bündeln" und in einem "informellen Netzwerk zusammenzuführen". Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Seit 1996 erscheinen fünf Tochterzeitungen der BBZ in anderen Bundesländern. Im Herbst ist außerdem eine professionell erstellte Internet-Domain der BBZ hinzugekommen.Der Berliner Verfassungsschutz faßte bereits zu Jahresbeginn zusammen: "Im BBZ-Verbund arbeiten bundesweit organisationsübergreifend Rechtsextremisten zusammen." Welche Früchte dies trägt, zeigte sich kürzlich, als bei Hausdurchsuchungen bei Neonazis Material zum Bau von Rohrbomben gefunden wurde, mit dem ein Anschlag auf ein PDS-Mitglied verübt werden sollte. Die
beiden Beschuldigten sollen Mitglieder der Kameradschaft Treptow sein. Deren Chef Detlef Nolde wurde nicht nur selbst kürzlich im Zusammenhang mit dem Tod von zwei Neonazis zu einer Haftstrafe verurteilt. Sein Name taucht auch im Impressum der BBZ auf.Gegründet worden war die BBZ als Wahlkampfblatt des Vereins "Die Nationalen", dessen Vorsitzender ebenfalls BBZ-Herausgeber Schwerdt war. Später erschien das Blatt dann formal unabhängig. Der Verein hat sich im November aufgelöst. Die Neonazis der "Nationalen" wenden sich seitdem verstärkt der NPD zu, und auch die BBZ berichtet auffallend oft und positiv über Aktivitäten der rechtsextremen Partei. Mit ihren starken Strukturen hätten die ehemaligen "Nationalen" gute Chancen, zumindest den Berlin- Brandenburgischen Landesverband der NPD zu übernehmen. Die Gründung eines eigenständigen Landesverbandes Brandenburg haben sie bereits angekündigt. Dieter Neudorf



Treptower Antifa Gruppe (T.A.G.)
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