Pressearbeit
Im folgenden sind die Presseartikel dokumentiert, die sich mit Nazis in Treptow beschäftigen bzw. Reaktionen auf Pressemitteilungen der Treptower Antifa Gruppe beinhalten.

1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005
2006

2002

Berlin: Gewaltorgie aus Langeweile > Junge Welt 6.2.2002
Heldengedenken in Halbe geplant > Junge Welt 6.11.2002
Antifa macht mobil gegen Nazi-Aufmarsch in Halbe > ND 7.11.2002
Tausende von Menschen sinnlos geopfert > Maerkische Allgemeine 8.11.2002
Gericht gestattet Nazi-Marsch in Halbe > Neues Deutschland 16.11.2002

Junge Welt 6.2.2002
Berlin: Gewaltorgie aus Langeweile

Die alltägliche Grausamkeit einer Berliner Skin-Gang. Gerichtsbericht Harald Mühle

War son richtiger Scheißtag, dieser 12. August 1999. Keine Fidschis zum Abziehen, keine Negerweiber zum Vergewaltigen und keine Juden zum Verbrennen der Hand. Die zwei Kästen Bier waren fast alle, der Apfelkorn auch. Gerade noch rechtzeitig fiel da Hans-Dieter O., damals 27, ein, daß Desdemona A. ihm ja noch 300 DM schulde. Also setzte sich die ganze Skin-Clique aus Berlin-Oberschöneweide in die Bahn, ab nach Adlershof, wo die damals 35jährig Heim für betreutes Wohnen der Bürgerhilfe Hebron GmbH lebte. Die Clique: Das war ihr Führer Hans-Dieter O., geborener Kölner, Glatze, groß, massig, Springerstiefel und Brillengläser dick wie eine Lupe. Marcel K. damals 21 Jahre alt, Glatze, schlank, mit verschlagenen Augen. Ferner David K., mit gerade 18 der jüngste im Bunde, der Adlatus, mit Glatze und komplette Montur, klein, schmächtig, kindliches Gesicht. Und schließlich Mandy W., eine damals 19jährige, Mutter, stämmig, gepierct und mit kurzem Strubbelkopf. Alle kannten sich seit vier Jahren. An diesem Tag wollte noch einer dazugehören: Daniel B., zur Tatzeit knapp
20, ebenso arbeitslos wie die anderen, dem es in Hellersdorf zu langweilig geworden war. Nicht gerade ein Skin. Zufällig traf er auf die vier anderen, der zuvor nie gesehen hatte. Mandy hatte es ihm wohl angetan, ihretwegen vor allem wollte er mit von der Partie sein. Das Opfer: Das war Desdemona A., eine Frau auf der Schattenseite des Lebens. Sie ist geistig behindert und von erheblicher Leibesfülle. Ihr Leben kann sie nicht allein bestreiten, ist auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen. Ihre wichtigste Vertrauensperson ist Detlef P., der Heimleiter. Der teilt auch ihr Geld ein. An diesem Augustabend war er gerade nach Haus gefahren, als die Bande so gegen 18 Uhr im Heim eintraf. In der Gemeinschaftsküche fanden sie ihr Opfer. O. brüllte gleich nach seinem Geld, schlug die verängstigte Frau, die sich nicht an Schulden bei O. erinnern konnte. Mandy W. griff schlichtend ein, redete mit ihr allein, bekam auch kein Geld. So schleiften die Männer Desdemona in ihr Zimmer, begannen
auf der Suche nach Geld alles zu durchwühlen, beschimpften und bespuckten ihr Opfer. Das Machtgefühl gegenüber der wehrlosen, behinderten Frau führte zu einer Orgie des Grauens. Aufgefordert von O., verging sich David K. brutal an Desdemona. Er nötigte sie unter Schlägen zum Oralverkehr, nur, um dem Anführer und der Gruppe zu imponieren.

Tiefe Menschenverachtung
Als die fünf nun, am 29. Januar und 1. Februar, vor Gericht standen, hatte zumindest David K. sein Aussehen gründlich verändert. Er trug, lässig verknotet, eine Krawatte und einen dunkles, viel zu großes Sakko über dem sch Hemd. Die Springerstiefel hatte er mit Nike-Turnschuhen vertauscht, dazu eine modisch-kurze Frisur. In den Pausen spreizte er sich wie ein Pfau, vermutlich, um sein Unsicherheit zu verbergen. David K. wurde als Erster vernommen. Er sprach mit weinerlicher Stimme. Mehrfach mußte ihn die Vorsitzende Richterin Gabriele Eschenhagen auffordern, lauter zu sprechen. Auf der Anklagebank gelang es ihm nur mühsam, die Worte
"orale Befriedigung" auszusprechen, seine Tat zu beschreiben. Er beschuldigte Hans-Dieter O., ihn unter Androhung von Schlägen zum Oralverkehr gezwungen zu haben. Das veranlaßte diesen zu dem Zwischenruf "du kleener Wichser". Als dan alle anderen das Gegenteil ausgesagt hatten, widerrief David K. am Ende des
ersten Verhandlungstages einen Teil seiner Aussagen. So richtig Mitleid hat er offenbar nur mit sich selbst. Mandy W. erzählte dem Gericht, an jenem Augusttag den Ort der Quälerei frühzeitig verlassen zu haben: "Weil mir das ein bißchen zu blöde war." Ausgerechnet Mandy, die nach eigenen Worten mit zehn Jahren eine ähnliche
Vergewaltigung erleben mußte, unternahm nichts gegen die rasende Bande. Auch voller Angst gewesen vor O. "Wer den richtig kennt, mußte Angst vor ihm haben versuchte sie, ihr Verhalten zu erklären. Besonders aggressiv sei er im Rausch das bestätigten auch andere über ihren Anführer. Und das passierte oft, bei einem Alkoholiker wie ihm. Der Rest der Gang tobte sich am Tattag weiter aus. Marcel K., angeblich sturzbesoffen und, wie er selbst sagt, in diesem Zustand unberechenbar, griff sich eine umherliegende Sprayflasche, drückte deren Kopf und entzündete das austretende Gas mit seinem Feuerzeug. Mit der Stichflamme verbrannte er der F den Bauch. David K., der kleine, um Anerkennung bemühte Mann, setzte noch eins drauf. Er vergewaltigte Desdemona A. und mißhandelte sie sexuell. Erst nach vier Stunden ließ die Meute von ihrem Opfer ab. Bevor sie gingen, streute Hans-Dieter O. Salz aus einem Salzstreuer über die Wunden von Desdemona. Als wäre nichts geschehen, zog die Clique von dannen. Am nächsten zeigte Desdemona A. ihre Peiniger an. Es ist bezeichnend für die Situation, daß Frau A. vor Gericht nur Hans-Dieter O. wiedererkannte. In einem Gemisch aus Wut und Angst blickte sie wieder zu dem Kopf der Bande. Der lachte höhnisch, als sie den Zeugenstand verließ. Aufgebracht rief sie ihm durch den Gerichtssaal zu: "Dir wird im Kna das Lachen noch vergehen." O. präsentierte eine "perfekte" Vorstellung. Cool und gelangweilt ließ er den Prozeß über sich ergehen. Gelassen bestätigte er das Geschehen, wohl wissend, daß der Hauptvorwurf David K. trifft. Ja, den Salzstreuer habe er "o
Ziel, einfach so über Frau A. ausgestreut." Er habe sich so "aggressiv gefühlt", wegen des Alkohols. Außerdem behauptete er, Drogen konsumiert zu haben.

Schuldig durch Unterlassen
Der zweite Verhandlungstag am 1. Februar begann mit einer Überraschung. Auf Antrag des Staatsanwaltes Frank-Ulrich Eichhorn wurden die Verfahren gegen Mandy W. und Daniel B. nacheinander abgetrennt, weil ihnen eine aktive Tatbeteiligung nicht nachzuweisen war. Es blieb nur der Vorwurf unterlassener Hilfeleistung. In separaten Verhandlungen stellte das Gericht die Verfahren vorläufig unter Auflagen ein. Beide müssen sich ein Jahr lang unter die Aufsi eines Betreuungshelfers stellen. Mandy W., die inzwischen in Strausberg wohnt
eine Ausbildung absolviert und später als Einzelhandelskauffrau arbeiten will muß wegen ihres geringen Einkommens eine Geldbuße von 50 Euro leisten. Daniel B., der unterdessen als Arbeitsvermittler arbeitet, hat ein Bußgeld von 1500 Euro zu zahlen. Von sich aus bot er dem Gericht an, Desdemona A. einen neuen
Fernseher zu spendieren.
Der Prozeß wird am 12. Februar fortgesetzt. Die Verteidigungsstrategie von
Hans-Dieter O. und Marcel K. läuft erkennbar darauf hinaus, wegen des hohen Alkoholpegels und Drogengenusses eine verminderte Schuldfähigkeit bescheinigt zu bekommen, was sich strafmildernd auswirken könnte. David K. wird angesicht seiner zu erwartenden Haftstrafe ein mildes Urteil gegen O. wohl nicht
verstehen.

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Junge Welt vom 6.11.2002
Heldengedenken in Halbe geplant

Neonazis wollen Wehrmachtssoldaten und SS ehren. Antifaschisten protestieren dagegen

Nachdem am 17. August diesen Jahres zum zweiten Mal in Folge Neofaschisten aus der gesamten Bundesrepublik im bayrischen Wunsiedel aufmarschierten, um den Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß zu ehren, soll nun auch am 17. November im brandenburgischen Halbe versucht werden, rechtes Heldengedenken zu reanimieren. Ziel des geplanten Aufzuges ist der Waldfriedhof Halbe. Hier liegen über 22000 Menschen begraben, darunter 20000 Angehörige von Wehrmacht, Hitlerjugend, SS, Waffen-SS und Volkssturm. Auf dem Friedhof sind aber auch die Gräber von Flüchtlingen, von Einwohnern aus Halbe und Umgebung sowie sowjetischer Zwangsarbeiter zu finden, die unter anderem in Mahlow, Kleinmachnow, Luckenwalde, Waltersdorf und im Reichsbahnlager Halbe Sklavenarbeit leisten mußten. Im "Kessel von Halbe" wurde das letzte Aufgebot Hitlers durch die Rote Armee vernichtend geschlagen. Diesem erbitterten Kampf fielen in den letzten Kriegswochen auch Tausende Flüchtlinge zum Opfer. Nach Angaben der Treptower Antifa Gruppe (TAG) gegenüber junge Welt marschierten bereits 1990 und 1991 bis zu 1000 Rechtsextreme mit einer "martialischen Prozedur von Fackelmärschen, Trommelwirbeln und Kranzniederlegungen" zu den Gräbern ihrer "Helden" in Halbe. Bisher verhinderten die Behörden jedoch, daß der Mummenschanz zur Tradition wurde. Ob es auch in diesem Jahr zu einem vollständigen Verbot kommt, ist noch nicht klar. Unter dem Motto "Ruhm und Ehre dem deutschen Frontsoldaten!" wollen sich die Neonazis am Sonntag, dem 17. November, dem "Volkstrauertag", versammeln. Die Friedhofsverwaltung sprach ein Verbot gegen die Friedhofsbegehung aus, das aber von der zuständigen Polizeidirektion wieder aufgehoben wurde. Nach Aussage eines Sprechers des Polizeiabschnitts Königs Wusterhausen gegenüber jW ist in den nächsten Tagen mit einer Entscheidung zu rechnen, ob das "Heldengedenken" stattfinden kann. Bei einem Verbot ist mit der üblichen juristischen Prozedur vor den Gerichten zu rechnen.
Neonazis aus dem freien Kameradschaftsspektrum treten als Organisatoren und Anmelder des "Heldengedenkens" auf. Besonders tritt der hartgesottene Berufsneonazi Christian Worch in Erscheinung, der sich sicher ist, daß sich das "Heldengedenken" in Halbe "wieder etablieren" wird. Kundgebungen in Halbe seien auch schon für die kommenden Jahre angemeldet.
Ein unabhängiges Bündnis antifaschistischer Gruppen sowie die Antifaschistische Aktion Berlin (AAB) wollen diesen Plan jedoch zunichte machen. Auf einer Kundgebung unter dem Motto "Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!" wollen sie der ermordeten sowjetischen Zwangsarbeiter und der 57 deutschen Wehrmachtsdeserteure gedenken, die ebenfalls auf dem Waldfriedhof begraben liegen. Der Vorsitzende der Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz e.V., der Wehrmachstsdeserteur Ludwig Baumann, wird auf der Kundgebung sprechen (jW berichtete über sein politisches Engagement u.a. am 22. Juli diesen Jahres und am 13.12.2001 aus Anlaß seines 80. Geburtstages). Die Antifaschisten planen darüber hinaus mehrere Blockadekundgebungen sowie eine Demonstration unter dem Motto "Strammstehen heißt untergehen - Kein Naziaufmarsch in Halbe!".

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Neues Deutschland vom 7.11.2002
Antifa macht mobil gegen Nazi-Aufmarsch in Halbe

Ab heute Infoabende in Berlin und Brandenburg Von Andreas Fritsche Bis zu 1000 Neonazis wollen am 17. November am Zentralwaldfriedhof Halbe aufmarschieren. Sie rufen auf unter dem Motto "Ruhm und Ehre dem deutschen Frontsoldaten!" Damit würde die unrühmliche Tradition des so genannten "Heldengedenkens" von 1990 und 1991 weitergeführt. Anmelder ist der Hamburger Lars J., einst Aktivist der inzwischen verbotenen Neonazi-Partei FAP. Eigentlich sollte die Genehmigung für den Aufzug bereits am vergangenen Wochenende nach Hamburg verschickt werden. Doch dann nahm sich das zuständige Polizeipräsidium Frankfurt (Oder) noch Bedenkzeit- zunächst bis Montag, zuletzt noch einmal bis zum heutigen Donnerstag. "Zu besonderer Eile besteht kein Anlass", sagte Polizeisprecher Matthias Kühnel dem ND.

Doch selbst wenn die Polizei die Genehmigung überraschend doch noch verweigert, ist das letzte Wort nicht gesprochen. Der Organisator des Nazi-Aufmarsches, Christian Worch, kündigte an, notfalls vor Gericht zu ziehen. Worch will das "Heldengedenken" in Halbe wieder etablieren. Kundgebungen der Nazis für den Volkstrauertag in den kommenden Jahren seien bereits angemeldet, lässt er wissen.
Die Antifa bereitet sich schon auf Gegenmaßnahmen vor. Sie will "den Nazis in Halbe den Marsch blasen..." Bereits heute ab 19 Uhr gibt es dazu einen Informationsabend beim Stadtjugendring in der Erich-Weinert-Straße 9 in Königs Wusterhausen. Vorgesehen sind weitere Veranstaltungen am 8. November in Forst im Bunten Haus, Parkstraße 7, am 13. November in Bernau im Dosto, Breitscheidstr. 43a, und am 14. November in Neuruppin im MittenDrin, Schinkelstr. 15a. In Berlin sind solche Infoabende für den 10., 11. und 16. November geplant: jeweils 19 Uhr im Kato, U-Bhf. Schlesisches Tor, im Potsdam AL Globe, Charlottenstraße 31, bzw. im Muvuca, Gneisenaustr. 2a.
Am 17. November soll von 11 bis 18 Uhr der sowjetischen Zwangsarbeiter gedacht werden, die in Halbe begraben liegen. Ort der Kundgebung ist der Parkplatz am Haupteingang des Friedhofes in Halbe. Das Wort ergreifen der ehemalige Wehrmachtsdeserteur Ludwig Baumann und Lothar Eberhardt von der Interessengemeinschaft ehemaliger Zwangsarbeiter. Veranstalter sind der Bedingungslose Kapitulation e.V. und ein Bündnis unabhängiger Antifagruppen.
Die Antifas fürchten allerdings ein Verbot oder eine Verlegung der Kundgebung. Sprecher Silvio Kurz kommentiert: "Es wäre mehr als ein politischer Skandal, wenn die Überlebenden des Nazi-Terrors SS-verherrlichenden Neonazis weichen müssten." Die Antifaschistische Aktion Berlin will um 10 Uhr demonstrieren und trifft sich deshalb bereits um 9 Uhr am Bahnhof Berlin-Schöneweide.
Der Waldfriedhof Halbe ist der größte deutsche Soldatenfriedhof. In der Gegend tobte im April 1945 die letzte Kesselschlacht des Zweiten Weltkriegs. Auf dem Friedhof ruhen 22000 sowjetische und deutsche Soldaten, darunter Angehörige der Waffen-SS, aber auch 57 zum Tode verurteilte Wehrmachtsdeserteure.

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Maerkische Allgemeine vom 8.11.2002
Tausende von Menschen sinnlos geopfert

TEILNEHMER DER KESSELSCHLACHT VON HALBE ERINNERT SICH: SOLDATEN, FRAUEN UND KINDER STARBEN IN DER FEUERHÖLLE

Erneut wollen Neonazis am Volkstrauertag die Toten auf dem Soldatenfriedhof in Halbe für ihre Ziele missbrauchen. Dagegen protestiert der heute in Berlin lebende Heinz Maether auf seine Weise. Als 17-Jähriger war er bei der Kesselschlacht von Halbe dabei. Maether berichtet darüber, wie es zu diesem Massengrab kam.
Wir waren verlaust und verdreckt. Viele hatten die Krätze, auch ich. In einer Kampfpause meldete ich mich daher von meiner Einheit ab, um das Lazarett aufzusuchen. Aber es gab so viele Verwundete, dass eine Behandlung nicht möglich war. Ich bekam daher auch nicht die übliche Bestätigung, dass ich tatsächlich im Lazarett gewesen war.
Bevor ich zu meiner Truppe zurückkehren konnte, setzten wieder heftige Kämpfe ein. Kompanien, ja ganze Regimenter gingen zugrunde oder wurden in alle Himmelsrichtungen versprengt. Jeder versuchte, in Autos und Pferdewagen unterzukommen, um der anrückenden Roten Armee zu entkommen. Auch meine Kompanie war nicht mehr auffindbar. In Steinsdorf (Oder) erfuhr ich schließlich, dass sich Reste der aufgelösten Kompanie sowie der Regimentsstab im nächsten Dorf befanden.
Ein verwundeter Soldat, dem ich mich anschloss, ging in Richtung dieses Dorfes. Der Weg wurde unterbrochen, weil eine entgegenkommende Wagenkolonne hielt. In einem offenen Wagen saß ein General mit seinem Stab und fragte, was wir hier auf der Chaussee zu suchen hätten. Der andere Soldat, der einen Armschuss bekommen hatte und im Lazarett medizinisch versorgt worden war, konnte seine Bestätigung vorweisen, ich jedoch nicht. Der General packte mich und zog mich in sein Auto, fuhr mit mir in ein Haus in Steinsdorf. Dieser General war der Kommandierende General der 9. Armee, Theodor Busse. Nachdem ich ihm die Zusammenhänge der Kämpfe und mein Entfernen von diesem Chaos geschildert hatte, antwortete er, dies sei nicht stichhaltig, ich wäre geflüchtet. Der General ging in eine Besprechung, kam wieder raus, sah mich und sagte: "Ich werde Sie erschießen." Er ging zurück in sein Zimmer und telefonierte mit einigen Befehlshabern. Durch sein lautes Organ erfuhr ich den Zustand der Front. Er war erbärmlich. Der General schilderte Generaloberst Heinrici die Lage der Front als in Auflösung begriffen, mit schweren Verlusten, nicht mehr imstande, größere Kampfhandlungen zu führen, und es drohe eine Einschließung der Armee.
Nach diesem Gespräch eilte der General wie ein Wahnsinniger durch mehrere Zimmer, sah mich und sprach zum Adjutanten, sie sollten mich abführen.
Über Nacht war ich in einer Scheune untergebracht. Morgens wurde ich von der Feldgendarmerie - das waren teilweise fliegende Feldgerichte, Zubringer für Todesurteile - zu meinem Regimentsstab geführt, der im nächsten Dorf lag. Der Befehl lautete: Das kriegsgerichtliche Verfahren sei einzustellen, ich soll aber sofort zum Bewährungsbataillon im vordersten Fronteinsatz gebracht werden. Vorher sollte ich 20 Stockhiebe wegen angeblicher Entfernung vom Truppenteil erhalten. Dies unterblieb aber, weil der Adjutant, der mir den Befehl zeigte, das unter den Tisch fallen ließ.
So begann der große Marsch über Guben, Müllrose in Richtung Teupitz. Inzwischen war die 9. Armee eingeschlossen. Wir wurden von der Luftflotte der Roten Armee mit Bomben belegt. Unserem Armeetreck hatten sich Zehntausende von Flüchtlingen angeschlossen: Frauen, Kinder, alte Leute. Wir erfuhren, dass es Aufgabe war, einen Durchbruch zu machen, und wurden dann informiert, dass Berlin fast eingeschlossen wäre und wir zusammen mit der 12. Armee von General Wenck Berlin entlasten sollten. Von dieser Armee hörten wir aber nichts mehr. Wir fanden uns wieder im Wald und erlebten eine Kanonade nach der anderen. Wir verloren immer mehr die Orientierung.
Von Befehlen galt nur einer: Wir müssen durch. Wir haben die Aufgabe, Berlin zu entlasten. Wir müssen aber erst den Kessel aufsprengen, in dem wir uns befanden. Das war der große Kessel, wo sich die 9. Armee befand: Teupitz,
Halbe, Märkisch Buchholz. Ich befand mich hinter den Panzern dieser Armeetruppe. Es hieß auf einmal: Alles Stopp! Parlamentär nach vorn! Es war ein Oberstleutnant, der ausersehen war, Verhandlungen mit dem Stab der Roten Armee zu führen. Die Russen boten uns an, zu kapitulieren und das Leben der Menschen zu schonen. Wir erfuhren das aus einem Gespräch mit einem Begleiter des Parlamentärs.
Nach kurzer Zeit erfolgte die Ablehnung von General Busse und der Feuerzauber begann erneut. Tausende von Menschen wurden sinnlos geopfert. Soldaten, Frauen und Kinder starben in dieser Feuerhölle. SS-Einheiten mit Vierlingsflakgeschützen trieben uns zum Sturmangriff mit der Androhung, uns bei Nichtbefolgung niederzuschießen. General Busse selbst durchbrach mit überschweren Tigerpanzern die Panzersperre bei Halbe. Der einzige Betrieb im Ort, ein Sägewerk, brannte lichterloh. Busses Panzer durchbrachen die Straße, die voll gestopft war mit Menschen und Fahrzeugen aller Art. Menschen wurden wie Briefmarken plattgewalzt. Menschenleiber wurden durch Granaten zerrissen und in die Luft gewirbelt. Busse konnte seine überschweren Panzer zu den amerikanischen Linien durchstoßen und sich dort ergeben.
Die Reste dieser Armee gingen jämmerlich in dieser Schlacht zugrunde. 20 000 deutsche Soldaten sind auf dem Friedhof in Halbe begraben worden. Davon wurden viele Menschen, die nicht mehr identifiziert werden konnten, in Massengräbern beigesetzt. Die Gesamtverluste betrugen weit über 40 000...

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Neues Deutschland 16.11.2002
Gericht gestattet Nazi-Marsch in Halbe

Antifaschistische Kundgebung ins Abseits verbannt / Antifa wehrt sich juristisch

Die Neonazis um den bekannten rechtsextremen Funktionär Christian Worch aus Hamburg dürfen am Sonntag zum Soldatenfriedhof von Halbe marschieren. Das Verwaltungsgericht in Frankfurt (Oder) hob am Freitag ein Verbot der Polizei auf.
Allerdings begrenzte die Kammer den Aufmarsch auf zwei Stunden und untersagte das Mitführen von Trommeln und Fahnen. Das Frankfurter Polizeipräsidium hatte die Veranstaltung wegen Störung der Feiertagsruhe am "Volkstrauertag" verboten. Gegen die Gerichtsentscheidung legte das Polizeipräsidium noch am selben Tag Beschwerde beim brandenburgischen Oberverwaltungsgericht ein, das voraussichtlich am Sonnabend entscheiden will.
Zur Begründung der Marsch-Erlaubnis führten die Richter an, dass ausreichende Anhaltspunkte für eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit nicht gegeben seien. Daran änderten auch der "Schutzzweck" des Volkstrauertags und die Widmung des Friedhofes" nichts.
Ebenfalls aufgehoben wurde das Verbot einer antifaschistischen Gedenkveranstaltung. Diese wurde allerdings mit strengen Auflagen belegt: Die Kundgebung unter dem Motto "Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!" soll nach dem Richterspruch vom Freitag statt unmittelbar vor dem Haupteingang zum Friedhof an einer abgelegenen Kreuzung (Lindenstraß=/Hammerscher Weg / Kirchstraße) stattfinden. Auf der Kundgebung wird unter anderen der ehemalige Wehrmachtsdeserteur Ludwig Baumann sprechen. Silvio Kurz, Sprecher des mitveranstaltenden "Unabhängigen Antifa-Bündnisses", will gegen die "schikanöse Behinderung" juristisch vorgehen. Zu dem Neonazi-Aufmarsch unter dem Motto "Ruhm und Ehre dem deutschen Frontsoldaten" werden bis zu 1000 Angehörige der rechten Szene erwartet. Auf dem Friedhof sind rund 22000 Menschen begraben. Die meisten waren in den letzten Kriegstagen ums Leben gekommen, als eingekesselte SS-Divisionen, Wehrmachtsverbände und Angehörige des so genannten Volkssturms gegen die Rote Armee kämpften. Neben Deutschen wurden auch Rotarmisten und Zwangsarbeiter in Halbe beerdigt. Treffpunkt für alle Nazigegner, die am Sonntag per Bus oder Zug nach Halbe fahren wollen, ist um 9 Uhr der S-Bahnhof Schöneweide.

Infos: www.inforiot.de oder Tel.: (0173) 1070626


Treptower Antifa Gruppe (T.A.G.)
c/o Infoladen Daneben, Liebigstr.34, 10247 Berlin
treptowerantifa@no-log.org

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