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Pressearbeit
Im folgenden sind die Presseartikel dokumentiert, die sich mit Nazis
in Treptow beschäftigen bzw. Reaktionen auf Pressemitteilungen der
Treptower Antifa Gruppe beinhalten.
1997 1998
1999 2000 2001
2002 2003 2004
2005 2006

2002
Berlin: Gewaltorgie aus Langeweile > Junge Welt 6.2.2002
Heldengedenken
in Halbe geplant
>
Junge Welt 6.11.2002
Antifa macht mobil gegen Nazi-Aufmarsch in Halbe >
ND 7.11.2002
Tausende von Menschen sinnlos geopfert > Maerkische
Allgemeine 8.11.2002
Gericht gestattet Nazi-Marsch in Halbe > Neues Deutschland
16.11.2002
Junge Welt
6.2.2002
Berlin:
Gewaltorgie aus Langeweile
Die alltägliche Grausamkeit einer Berliner Skin-Gang. Gerichtsbericht
Harald Mühle
War son richtiger Scheißtag, dieser 12. August 1999. Keine Fidschis
zum Abziehen, keine Negerweiber zum Vergewaltigen und keine Juden zum
Verbrennen der Hand. Die zwei Kästen Bier waren fast alle, der Apfelkorn
auch. Gerade noch rechtzeitig fiel da Hans-Dieter O., damals 27, ein,
daß Desdemona A. ihm ja noch 300 DM schulde. Also setzte sich die
ganze Skin-Clique aus Berlin-Oberschöneweide in die Bahn, ab nach
Adlershof, wo die damals 35jährig Heim für betreutes Wohnen
der Bürgerhilfe Hebron GmbH lebte. Die Clique: Das war ihr Führer
Hans-Dieter O., geborener Kölner, Glatze, groß, massig, Springerstiefel
und Brillengläser dick wie eine Lupe. Marcel K. damals 21 Jahre alt,
Glatze, schlank, mit verschlagenen Augen. Ferner David K., mit gerade
18 der jüngste im Bunde, der Adlatus, mit Glatze und komplette Montur,
klein, schmächtig, kindliches Gesicht. Und schließlich Mandy
W., eine damals 19jährige, Mutter, stämmig, gepierct und mit
kurzem Strubbelkopf. Alle kannten sich seit vier Jahren. An diesem Tag
wollte noch einer dazugehören: Daniel B., zur Tatzeit knapp
20, ebenso arbeitslos wie die anderen, dem es in Hellersdorf zu langweilig
geworden war. Nicht gerade ein Skin. Zufällig traf er auf die vier
anderen, der zuvor nie gesehen hatte. Mandy hatte es ihm wohl angetan,
ihretwegen vor allem wollte er mit von der Partie sein. Das Opfer: Das
war Desdemona A., eine Frau auf der Schattenseite des Lebens. Sie ist
geistig behindert und von erheblicher Leibesfülle. Ihr Leben kann
sie nicht allein bestreiten, ist auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen.
Ihre wichtigste Vertrauensperson ist Detlef P., der Heimleiter. Der teilt
auch ihr Geld ein. An diesem Augustabend war er gerade nach Haus gefahren,
als die Bande so gegen 18 Uhr im Heim eintraf. In der Gemeinschaftsküche
fanden sie ihr Opfer. O. brüllte gleich nach seinem Geld, schlug
die verängstigte Frau, die sich nicht an Schulden bei O. erinnern
konnte. Mandy W. griff schlichtend ein, redete mit ihr allein, bekam auch
kein Geld. So schleiften die Männer Desdemona in ihr Zimmer, begannen
auf der Suche nach Geld alles zu durchwühlen, beschimpften und bespuckten
ihr Opfer. Das Machtgefühl gegenüber der wehrlosen, behinderten
Frau führte zu einer Orgie des Grauens. Aufgefordert von O., verging
sich David K. brutal an Desdemona. Er nötigte sie unter Schlägen
zum Oralverkehr, nur, um dem Anführer und der Gruppe zu imponieren.
Tiefe Menschenverachtung
Als die fünf nun, am 29. Januar und 1. Februar, vor Gericht standen,
hatte zumindest David K. sein Aussehen gründlich verändert.
Er trug, lässig verknotet, eine Krawatte und einen dunkles, viel
zu großes Sakko über dem sch Hemd. Die Springerstiefel hatte
er mit Nike-Turnschuhen vertauscht, dazu eine modisch-kurze Frisur. In
den Pausen spreizte er sich wie ein Pfau, vermutlich, um sein Unsicherheit
zu verbergen. David K. wurde als Erster vernommen. Er sprach mit weinerlicher
Stimme. Mehrfach mußte ihn die Vorsitzende Richterin Gabriele Eschenhagen
auffordern, lauter zu sprechen. Auf der Anklagebank gelang es ihm nur
mühsam, die Worte
"orale Befriedigung" auszusprechen, seine Tat zu beschreiben.
Er beschuldigte Hans-Dieter O., ihn unter Androhung von Schlägen
zum Oralverkehr gezwungen zu haben. Das veranlaßte diesen zu dem
Zwischenruf "du kleener Wichser". Als dan alle anderen das Gegenteil
ausgesagt hatten, widerrief David K. am Ende des
ersten Verhandlungstages einen Teil seiner Aussagen. So richtig Mitleid
hat er offenbar nur mit sich selbst. Mandy W. erzählte dem Gericht,
an jenem Augusttag den Ort der Quälerei frühzeitig verlassen
zu haben: "Weil mir das ein bißchen zu blöde war."
Ausgerechnet Mandy, die nach eigenen Worten mit zehn Jahren eine ähnliche
Vergewaltigung erleben mußte, unternahm nichts gegen die rasende
Bande. Auch voller Angst gewesen vor O. "Wer den richtig kennt, mußte
Angst vor ihm haben versuchte sie, ihr Verhalten zu erklären. Besonders
aggressiv sei er im Rausch das bestätigten auch andere über
ihren Anführer. Und das passierte oft, bei einem Alkoholiker wie
ihm. Der Rest der Gang tobte sich am Tattag weiter aus. Marcel K., angeblich
sturzbesoffen und, wie er selbst sagt, in diesem Zustand unberechenbar,
griff sich eine umherliegende Sprayflasche, drückte deren Kopf und
entzündete das austretende Gas mit seinem Feuerzeug. Mit der Stichflamme
verbrannte er der F den Bauch. David K., der kleine, um Anerkennung bemühte
Mann, setzte noch eins drauf. Er vergewaltigte Desdemona A. und mißhandelte
sie sexuell. Erst nach vier Stunden ließ die Meute von ihrem Opfer
ab. Bevor sie gingen, streute Hans-Dieter O. Salz aus einem Salzstreuer
über die Wunden von Desdemona. Als wäre nichts geschehen, zog
die Clique von dannen. Am nächsten zeigte Desdemona A. ihre Peiniger
an. Es ist bezeichnend für die Situation, daß Frau A. vor Gericht
nur Hans-Dieter O. wiedererkannte. In einem Gemisch aus Wut und Angst
blickte sie wieder zu dem Kopf der Bande. Der lachte höhnisch, als
sie den Zeugenstand verließ. Aufgebracht rief sie ihm durch den
Gerichtssaal zu: "Dir wird im Kna das Lachen noch vergehen."
O. präsentierte eine "perfekte" Vorstellung. Cool und gelangweilt
ließ er den Prozeß über sich ergehen. Gelassen bestätigte
er das Geschehen, wohl wissend, daß der Hauptvorwurf David K. trifft.
Ja, den Salzstreuer habe er "o
Ziel, einfach so über Frau A. ausgestreut." Er habe sich so
"aggressiv gefühlt", wegen des Alkohols. Außerdem
behauptete er, Drogen konsumiert zu haben.
Schuldig
durch Unterlassen
Der zweite Verhandlungstag am 1. Februar begann mit einer Überraschung.
Auf Antrag des Staatsanwaltes Frank-Ulrich Eichhorn wurden die Verfahren
gegen Mandy W. und Daniel B. nacheinander abgetrennt, weil ihnen eine
aktive Tatbeteiligung nicht nachzuweisen war. Es blieb nur der Vorwurf
unterlassener Hilfeleistung. In separaten Verhandlungen stellte das Gericht
die Verfahren vorläufig unter Auflagen ein. Beide müssen sich
ein Jahr lang unter die Aufsi eines Betreuungshelfers stellen. Mandy W.,
die inzwischen in Strausberg wohnt
eine Ausbildung absolviert und später als Einzelhandelskauffrau arbeiten
will muß wegen ihres geringen Einkommens eine Geldbuße von
50 Euro leisten. Daniel B., der unterdessen als Arbeitsvermittler arbeitet,
hat ein Bußgeld von 1500 Euro zu zahlen. Von sich aus bot er dem
Gericht an, Desdemona A. einen neuen
Fernseher zu spendieren. Der
Prozeß wird am 12. Februar fortgesetzt. Die Verteidigungsstrategie
von
Hans-Dieter O. und Marcel K. läuft erkennbar darauf hinaus, wegen
des hohen Alkoholpegels und Drogengenusses eine verminderte Schuldfähigkeit
bescheinigt zu bekommen, was sich strafmildernd auswirken könnte.
David K. wird angesicht seiner zu erwartenden Haftstrafe ein mildes Urteil
gegen O. wohl nicht
verstehen.
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Junge Welt
vom 6.11.2002
Heldengedenken
in Halbe geplant
Neonazis
wollen Wehrmachtssoldaten und SS ehren. Antifaschisten protestieren dagegen
Nachdem am
17. August diesen Jahres zum zweiten Mal in Folge Neofaschisten aus der
gesamten Bundesrepublik im bayrischen Wunsiedel aufmarschierten, um den
Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß zu ehren, soll nun auch am 17.
November im brandenburgischen Halbe versucht werden, rechtes Heldengedenken
zu reanimieren. Ziel des geplanten Aufzuges ist der Waldfriedhof Halbe.
Hier liegen über 22000 Menschen begraben, darunter 20000 Angehörige
von Wehrmacht, Hitlerjugend, SS, Waffen-SS und Volkssturm. Auf dem Friedhof
sind aber auch die Gräber von Flüchtlingen, von Einwohnern aus
Halbe und Umgebung sowie sowjetischer Zwangsarbeiter zu finden, die unter
anderem in Mahlow, Kleinmachnow, Luckenwalde, Waltersdorf und im Reichsbahnlager
Halbe Sklavenarbeit leisten mußten. Im "Kessel von Halbe"
wurde das letzte Aufgebot Hitlers durch die Rote Armee vernichtend geschlagen.
Diesem erbitterten Kampf fielen in den letzten Kriegswochen auch Tausende
Flüchtlinge zum Opfer. Nach Angaben der Treptower Antifa Gruppe (TAG)
gegenüber junge Welt marschierten bereits 1990 und 1991 bis zu 1000
Rechtsextreme mit einer "martialischen Prozedur von Fackelmärschen,
Trommelwirbeln und Kranzniederlegungen" zu den Gräbern ihrer
"Helden" in Halbe. Bisher verhinderten die Behörden jedoch,
daß der Mummenschanz zur Tradition wurde. Ob es auch in diesem Jahr
zu einem vollständigen Verbot kommt, ist noch nicht klar. Unter dem
Motto "Ruhm und Ehre dem deutschen Frontsoldaten!" wollen sich
die Neonazis am Sonntag, dem 17. November, dem "Volkstrauertag",
versammeln. Die Friedhofsverwaltung sprach ein Verbot gegen die Friedhofsbegehung
aus, das aber von der zuständigen Polizeidirektion wieder aufgehoben
wurde. Nach Aussage eines Sprechers des Polizeiabschnitts Königs
Wusterhausen gegenüber jW ist in den nächsten Tagen mit einer
Entscheidung zu rechnen, ob das "Heldengedenken" stattfinden
kann. Bei einem Verbot ist mit der üblichen juristischen Prozedur
vor den Gerichten zu rechnen.
Neonazis
aus dem freien Kameradschaftsspektrum treten als Organisatoren und Anmelder
des "Heldengedenkens" auf. Besonders tritt der hartgesottene
Berufsneonazi Christian Worch in Erscheinung, der sich sicher ist, daß
sich das "Heldengedenken" in Halbe "wieder etablieren"
wird. Kundgebungen in Halbe seien auch schon für die kommenden Jahre
angemeldet.
Ein unabhängiges Bündnis antifaschistischer Gruppen sowie die
Antifaschistische Aktion Berlin (AAB) wollen diesen Plan jedoch zunichte
machen. Auf einer Kundgebung unter dem Motto "Nie wieder Faschismus!
Nie wieder Krieg!" wollen sie der ermordeten sowjetischen Zwangsarbeiter
und der 57 deutschen Wehrmachtsdeserteure gedenken, die ebenfalls auf
dem Waldfriedhof begraben liegen. Der Vorsitzende der Bundesvereinigung
Opfer der NS-Militärjustiz e.V., der Wehrmachstsdeserteur Ludwig
Baumann, wird auf der Kundgebung sprechen (jW berichtete über sein
politisches Engagement u.a. am 22. Juli diesen Jahres und am 13.12.2001
aus Anlaß seines 80. Geburtstages). Die Antifaschisten planen darüber
hinaus mehrere Blockadekundgebungen sowie eine Demonstration unter dem
Motto "Strammstehen heißt untergehen - Kein Naziaufmarsch in
Halbe!".
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Neues Deutschland
vom 7.11.2002
Antifa
macht mobil gegen Nazi-Aufmarsch in Halbe
Ab heute
Infoabende in Berlin und Brandenburg Von Andreas Fritsche Bis zu 1000
Neonazis wollen am 17. November am Zentralwaldfriedhof Halbe aufmarschieren.
Sie rufen auf unter dem Motto "Ruhm und Ehre dem deutschen Frontsoldaten!"
Damit würde die unrühmliche Tradition des so genannten "Heldengedenkens"
von 1990 und 1991 weitergeführt. Anmelder ist der Hamburger Lars
J., einst Aktivist der inzwischen verbotenen Neonazi-Partei FAP. Eigentlich
sollte die Genehmigung für den Aufzug bereits am vergangenen Wochenende
nach Hamburg verschickt werden. Doch dann nahm sich das zuständige
Polizeipräsidium Frankfurt (Oder) noch Bedenkzeit- zunächst
bis Montag, zuletzt noch einmal bis zum heutigen Donnerstag. "Zu
besonderer Eile besteht kein Anlass", sagte Polizeisprecher Matthias
Kühnel dem ND.
Doch selbst
wenn die Polizei die Genehmigung überraschend doch noch verweigert,
ist das letzte Wort nicht gesprochen. Der Organisator des Nazi-Aufmarsches,
Christian Worch, kündigte an, notfalls vor Gericht zu ziehen. Worch
will das "Heldengedenken" in Halbe wieder etablieren. Kundgebungen
der Nazis für den Volkstrauertag in den kommenden Jahren seien bereits
angemeldet, lässt er wissen.
Die Antifa bereitet sich schon auf Gegenmaßnahmen vor. Sie will
"den Nazis in Halbe den Marsch blasen..." Bereits heute ab 19
Uhr gibt es dazu einen Informationsabend beim Stadtjugendring in der Erich-Weinert-Straße
9 in Königs Wusterhausen. Vorgesehen sind weitere Veranstaltungen
am 8. November in Forst im Bunten Haus, Parkstraße 7, am 13. November
in Bernau im Dosto, Breitscheidstr. 43a, und am 14. November in Neuruppin
im MittenDrin, Schinkelstr. 15a. In Berlin sind solche Infoabende für
den 10., 11. und 16. November geplant: jeweils 19 Uhr im Kato, U-Bhf.
Schlesisches Tor, im Potsdam AL Globe, Charlottenstraße 31, bzw.
im Muvuca, Gneisenaustr. 2a.
Am 17. November soll von 11 bis 18 Uhr der sowjetischen Zwangsarbeiter
gedacht werden, die in Halbe begraben liegen. Ort der Kundgebung ist der
Parkplatz am Haupteingang des Friedhofes in Halbe. Das Wort ergreifen
der ehemalige Wehrmachtsdeserteur Ludwig Baumann und Lothar Eberhardt
von der Interessengemeinschaft ehemaliger Zwangsarbeiter. Veranstalter
sind der Bedingungslose Kapitulation e.V. und ein Bündnis unabhängiger
Antifagruppen.
Die Antifas fürchten allerdings ein Verbot oder eine Verlegung der
Kundgebung. Sprecher Silvio Kurz kommentiert: "Es wäre mehr
als ein politischer Skandal, wenn die Überlebenden des Nazi-Terrors
SS-verherrlichenden Neonazis weichen müssten." Die Antifaschistische
Aktion Berlin will um 10 Uhr demonstrieren und trifft sich deshalb bereits
um 9 Uhr am Bahnhof Berlin-Schöneweide.
Der
Waldfriedhof Halbe ist der größte deutsche Soldatenfriedhof.
In der Gegend tobte im April 1945 die letzte Kesselschlacht des Zweiten
Weltkriegs. Auf dem Friedhof ruhen 22000 sowjetische und deutsche Soldaten,
darunter Angehörige der Waffen-SS, aber auch 57 zum Tode verurteilte
Wehrmachtsdeserteure.
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Maerkische
Allgemeine vom 8.11.2002
Tausende
von Menschen sinnlos geopfert
TEILNEHMER
DER KESSELSCHLACHT VON HALBE ERINNERT SICH: SOLDATEN, FRAUEN UND KINDER
STARBEN IN DER FEUERHÖLLE
Erneut wollen
Neonazis am Volkstrauertag die Toten auf dem Soldatenfriedhof in Halbe
für ihre Ziele missbrauchen. Dagegen protestiert der heute in Berlin
lebende Heinz Maether auf seine Weise. Als 17-Jähriger war er bei
der Kesselschlacht von Halbe dabei. Maether berichtet darüber, wie
es zu diesem Massengrab kam.
Wir
waren verlaust und verdreckt. Viele hatten die Krätze, auch ich.
In einer Kampfpause meldete ich mich daher von meiner Einheit ab, um das
Lazarett aufzusuchen. Aber es gab so viele Verwundete, dass eine Behandlung
nicht möglich war. Ich bekam daher auch nicht die übliche Bestätigung,
dass ich tatsächlich im Lazarett gewesen war.
Bevor ich zu meiner Truppe zurückkehren konnte, setzten wieder heftige
Kämpfe ein. Kompanien, ja ganze Regimenter gingen zugrunde oder wurden
in alle Himmelsrichtungen versprengt. Jeder versuchte, in Autos und Pferdewagen
unterzukommen, um der anrückenden Roten Armee zu entkommen. Auch
meine Kompanie war nicht mehr auffindbar. In Steinsdorf (Oder) erfuhr
ich schließlich, dass sich Reste der aufgelösten Kompanie sowie
der Regimentsstab im nächsten Dorf befanden.
Ein
verwundeter Soldat, dem ich mich anschloss, ging in Richtung dieses Dorfes.
Der Weg wurde unterbrochen, weil eine entgegenkommende Wagenkolonne hielt.
In einem offenen Wagen saß ein General mit seinem Stab und fragte,
was wir hier auf der Chaussee zu suchen hätten. Der andere Soldat,
der einen Armschuss bekommen hatte und im Lazarett medizinisch versorgt
worden war, konnte seine Bestätigung vorweisen, ich jedoch nicht.
Der General packte mich und zog mich in sein Auto, fuhr mit mir in ein
Haus in Steinsdorf. Dieser General war der Kommandierende General der
9. Armee, Theodor Busse. Nachdem ich ihm die Zusammenhänge der Kämpfe
und mein Entfernen von diesem Chaos geschildert hatte, antwortete er,
dies sei nicht stichhaltig, ich wäre geflüchtet. Der General
ging in eine Besprechung, kam wieder raus, sah mich und sagte: "Ich
werde Sie erschießen." Er ging zurück in sein Zimmer und
telefonierte mit einigen Befehlshabern. Durch sein lautes Organ erfuhr
ich den Zustand der Front. Er war erbärmlich. Der General schilderte
Generaloberst Heinrici die Lage der Front als in Auflösung begriffen,
mit schweren Verlusten, nicht mehr imstande, größere Kampfhandlungen
zu führen, und es drohe eine Einschließung der Armee.
Nach diesem Gespräch eilte der General wie ein Wahnsinniger durch
mehrere Zimmer, sah mich und sprach zum Adjutanten, sie sollten mich abführen.
Über Nacht war ich in einer Scheune untergebracht. Morgens wurde
ich von der Feldgendarmerie - das waren teilweise fliegende Feldgerichte,
Zubringer für Todesurteile - zu meinem Regimentsstab geführt,
der im nächsten Dorf lag. Der Befehl lautete: Das kriegsgerichtliche
Verfahren sei einzustellen, ich soll aber sofort zum Bewährungsbataillon
im vordersten Fronteinsatz gebracht werden. Vorher sollte ich 20 Stockhiebe
wegen angeblicher Entfernung vom Truppenteil erhalten. Dies unterblieb
aber, weil der Adjutant, der mir den Befehl zeigte, das unter den Tisch
fallen ließ. So
begann der große Marsch über Guben, Müllrose in Richtung
Teupitz. Inzwischen war die 9. Armee eingeschlossen. Wir wurden von der
Luftflotte der Roten Armee mit Bomben belegt. Unserem Armeetreck hatten
sich Zehntausende von Flüchtlingen angeschlossen: Frauen, Kinder,
alte Leute. Wir erfuhren, dass es Aufgabe war, einen Durchbruch zu machen,
und wurden dann informiert, dass Berlin fast eingeschlossen wäre
und wir zusammen mit der 12. Armee von General Wenck Berlin entlasten
sollten. Von dieser Armee hörten wir aber nichts mehr. Wir fanden
uns wieder im Wald und erlebten eine Kanonade nach der anderen. Wir verloren
immer mehr die Orientierung.
Von
Befehlen galt nur einer: Wir müssen durch. Wir haben die Aufgabe,
Berlin zu entlasten. Wir müssen aber erst den Kessel aufsprengen,
in dem wir uns befanden. Das war der große Kessel, wo sich die 9.
Armee befand: Teupitz,
Halbe, Märkisch Buchholz. Ich befand mich hinter den Panzern dieser
Armeetruppe. Es hieß auf einmal: Alles Stopp! Parlamentär nach
vorn! Es war ein Oberstleutnant, der ausersehen war, Verhandlungen mit
dem Stab der Roten Armee zu führen. Die Russen boten uns an, zu kapitulieren
und das Leben der Menschen zu schonen. Wir erfuhren das aus einem Gespräch
mit einem Begleiter des Parlamentärs.
Nach
kurzer Zeit erfolgte die Ablehnung von General Busse und der Feuerzauber
begann erneut. Tausende von Menschen wurden sinnlos geopfert. Soldaten,
Frauen und Kinder starben in dieser Feuerhölle. SS-Einheiten mit
Vierlingsflakgeschützen trieben uns zum Sturmangriff mit der Androhung,
uns bei Nichtbefolgung niederzuschießen. General Busse selbst durchbrach
mit überschweren Tigerpanzern die Panzersperre bei Halbe. Der einzige
Betrieb im Ort, ein Sägewerk, brannte lichterloh. Busses Panzer durchbrachen
die Straße, die voll gestopft war mit Menschen und Fahrzeugen aller
Art. Menschen wurden wie Briefmarken plattgewalzt. Menschenleiber wurden
durch Granaten zerrissen und in die Luft gewirbelt. Busse konnte seine
überschweren Panzer zu den amerikanischen Linien durchstoßen
und sich dort ergeben.
Die
Reste dieser Armee gingen jämmerlich in dieser Schlacht zugrunde.
20 000 deutsche Soldaten sind auf dem Friedhof in Halbe begraben worden.
Davon wurden viele Menschen, die nicht mehr identifiziert werden konnten,
in Massengräbern beigesetzt. Die Gesamtverluste betrugen weit über
40 000...
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Neues Deutschland
16.11.2002
Gericht gestattet Nazi-Marsch in Halbe
Antifaschistische
Kundgebung ins Abseits verbannt / Antifa wehrt sich juristisch
Die Neonazis
um den bekannten rechtsextremen Funktionär Christian Worch aus Hamburg
dürfen am Sonntag zum Soldatenfriedhof von Halbe marschieren. Das
Verwaltungsgericht in Frankfurt (Oder) hob am Freitag ein Verbot der Polizei
auf.
Allerdings begrenzte die Kammer den Aufmarsch auf zwei Stunden und untersagte
das Mitführen von Trommeln und Fahnen. Das Frankfurter Polizeipräsidium
hatte die Veranstaltung wegen Störung der Feiertagsruhe am "Volkstrauertag"
verboten. Gegen die Gerichtsentscheidung legte das Polizeipräsidium
noch am selben Tag Beschwerde beim brandenburgischen Oberverwaltungsgericht
ein, das voraussichtlich am Sonnabend entscheiden will.
Zur
Begründung der Marsch-Erlaubnis führten die Richter an, dass
ausreichende Anhaltspunkte für eine Gefährdung der öffentlichen
Sicherheit nicht gegeben seien. Daran änderten auch der "Schutzzweck"
des Volkstrauertags und die Widmung des Friedhofes" nichts.
Ebenfalls aufgehoben wurde das Verbot einer antifaschistischen Gedenkveranstaltung.
Diese wurde allerdings mit strengen Auflagen belegt: Die Kundgebung unter
dem Motto "Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!" soll nach
dem Richterspruch vom Freitag statt unmittelbar vor dem Haupteingang zum
Friedhof an einer abgelegenen Kreuzung (Lindenstraß=/Hammerscher
Weg / Kirchstraße) stattfinden. Auf der Kundgebung wird unter anderen
der ehemalige Wehrmachtsdeserteur Ludwig Baumann sprechen. Silvio Kurz,
Sprecher des mitveranstaltenden "Unabhängigen Antifa-Bündnisses",
will gegen die "schikanöse Behinderung" juristisch vorgehen.
Zu dem Neonazi-Aufmarsch unter dem Motto "Ruhm und Ehre dem deutschen
Frontsoldaten" werden bis zu 1000 Angehörige der rechten Szene
erwartet. Auf dem Friedhof sind rund 22000 Menschen begraben. Die meisten
waren in den letzten Kriegstagen ums Leben gekommen, als eingekesselte
SS-Divisionen, Wehrmachtsverbände und Angehörige des so genannten
Volkssturms gegen die Rote Armee kämpften. Neben Deutschen wurden
auch Rotarmisten und Zwangsarbeiter in Halbe beerdigt. Treffpunkt für
alle Nazigegner, die am Sonntag per Bus oder Zug nach Halbe fahren wollen,
ist um 9 Uhr der S-Bahnhof Schöneweide.
Infos: www.inforiot.de
oder Tel.: (0173) 1070626
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