Pressearbeit
Im folgenden sind die Presseartikel dokumentiert, die sich mit Nazis in Treptow beschäftigen bzw. Reaktionen auf Pressemitteilungen der Treptower Antifa Gruppe beinhalten.

1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005
2006

2006

Naziparolen an Schulhofwänden > 17.02.2006 Berliner Zeitung
Randalierer schlagen Scheiben ein und schmieren Hakenkreuze >
17.02.2006 Berliner Morgenpost
Rechter Anschlag in Treptow > 17.02.2006 TAZ
Radikale feierten Hitlers Geburtstag > 22.04.2006 Tagesspiegel
Randale und Beschädigungen > 01.09.2006 Tagesspiegel
Radikale aus der Neonazi-Szene stören SPD-Wahlkampf > 02.09.2006 Die Welt
Nach der Wahl - "Eine gescheiterte Existenz" > 22.09.2006 Welt
Jung, männlich ohne Bildung > 26.09.2006 Berliner Zeitung
Gefahr von ganz Rechts - Hinter der Fassade > 28.09.2006 Rheinischer Merkur
Antisemitismus - Nazi-Parolen in der Kreisliga > 06.10.2006 Tagesspiegel
Brandsätze auf Gedenkstätte > 26.10.2006 Polizeiticker
Berliner Bezirk schützt NPD vor Medien > 26.10.2006 Spiegel-Online
Rechtsextremisten in Polizeiuniform > 26.10.2006 Berliner Zeitung
Einigkeit über Anti-Nazi-Demo, Niederlage für NPD > 18.11.2006 Berliner Zeitung

Der rechte Kauz von Köpenick > 30.11.2006 TAZ
Zivilcourage – Paar verhindert Nazi-Überfall in S-Bahn > 03.12.2006 Tagesspiegel


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17.02.2006 Berliner Zeitung
Naziparolen an Schulhofwänden

Die Wände eines Schulhofs im Römerweg in Karlshorst sind in der vergangenen Nacht mit Hakenkreuzen und Naziparolen besprüht worden. Der Hausmeister der Oberschule hatte die großflächigen Schmierereien gestern um sechs Uhr bemerkt und die Polizei alarmiert. Die Polizei weiß noch nicht, wer die Täter sind. Auch in der Karl-Kunger-Straße in Treptow sind von Unbekannten Hauswände mit Nazisymbolen beschmiert worden. Zeugen sagten später der Polizei, dass sie vier flüchtende junge Männer gesehen hätten. (ls.)

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17.02.2006 Berliner Morgenpost
Randalierer schlagen Scheiben ein und schmieren Hakenkreuze

Vier Unbekannte haben gestern gegen 1.20 Uhr drei Fensterscheiben des Versammlungsraumes der Künstlerinitiative Loesje an der Karl-Kunger-Straße in Alt-Treptow eingeschlagen. Die Täter, die vermutlich der Neonazi-Szene angehören, sprühten außerdem ein Hakenkreuz auf eine Hauswand. Ein Anwohner hatte wegen der Randalierer die Polizei gerufen, die Flüchtenden konnten aber entkommen.

Der Hausmeister einer Oberschule am Römerweg in Karlshorst hat gestern gegen 6.10 Uhr auf dem Schulhof gesprühte Naziparolen und Hakenkreuze entdeckt und die Polizei alarmiert. Sämtliche Wände waren großflächig mit Schmiereien versehen worden. Sie wurden umgehend entfernt. In beiden Fällen ermittelt der Polizeiliche Staatsschutz.
tz

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17.02.2006 TAZ
Rechter Anschlag in Treptow

Angehörige der rechten Szene haben in der Nacht zu Donnerstag einen Anschlag auf die linksalternative Kreativwerkstatt "Loesje" in Alt-Treptow verübt. Nach Angaben der Treptower Antifa schlugen die vier Täter Fensterscheiben ein und sprühten "smash abso" und ein Hakenkreuz an die Fassade. Ein Anwohner hatte die Täter bemerkt und daraufhin die Polizei alarmiert. Am Vorabend hatte das Antifaschistische Bündnis Süd-Ost (ABSO) im Versammlungsraum des Loesje einen Vortrag über Nazistrukturen in Berlin gehalten. "Neonazis haben eben keine Argumente, sondern können nur mit Terror reagieren", sagte eine Sprecherin der Antifa. Zu rechten Schmierereien kam es in derselben Nacht auch an einer Oberschule in Karlshorst. Dort sprühten die Täter Hakenkreuze und Naziparolen an die Wände. Nach Polizeiangaben entdeckte der Hausmeister der Oberschule morgens die großflächigen Schmierereien. In beiden Fällen hat der Staatsschutz des Landeskriminalamtes die Ermittlungen übernommen. TAZ


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22.04.2006 Tagesspiegel
Radikale feierten Hitlers Geburtstag

Polizei sprengte Fest in Treptow

Der polizeiliche Staatsschutz hat zusammen mit der Staatsanwaltschaft am Donnerstagabend das Lokal „Spreehexe“ in der Schnellerstraße in Treptow durchsucht: Dort hatten sich Rechtsradikale versammelt, um den Geburtstag von Adolf Hitler am 20. April zu feiern. Die Ermittler überprüften 32 Personen. Der Einsatz soll nach Polizeiangaben „störungsfrei und ruhig“ verlaufen sein. Bei der Razzia fanden die Beamten bei einer Person einen Schlagring und leiteten ein Verfahren wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz ein. Die Durchsuchung steht in Zusammenhang mit einem laufenden Ermittlungsverfahren. Einzelheiten wollte der Sprecher der Staatsanwaltschaft aber nicht nennen.

Zuvor war die Polizei gegen 17 Uhr in die Mansfelder Straße in Wilmersdorf gerufen worden. Passanten hatten dort gesehen, wie ein Mann in brauner Uniform auf seinem Balkon stand und den „Hitlergruß“ zeigte. Die Beamten durchsuchten die Wohnung des 50-Jährigen und beschlagnahmten dort mehrere Uniformteile, darunter auch eine rote Armbinde mit Hakenkreuz. Gegen den Mann wird wegen Verwendens verfassungsfeindlicher Symbole ermittelt. Tabu


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01.09.2006 Tagesspiegel
Randale und Beschädigungen
Rechtsextremisten attackieren andere Parteien im Wahlkampf immer brutaler

Rechtsextremisten gehen zunehmend zu Wahlveranstaltungen der anderen Parteien, um zu provozieren und zu stören. Am Mittwochabend etwa musste der SPD-Kandidat für Lichterfelde, Georg Siebert, eine Veranstaltung „Gegen Rassismus und Rechtsextremismus“ noch vor Beginn abbrechen, nachdem 20 gleichförmig schwarz gekleidete Neonazis in den Saal marschierten. Darunter waren auch die bekannten Rechtsextremisten René Bethage und Sebastian Schmidtke. Die Rechten verließen daraufhin den Saal, ohne dass die Polizei einschreiten musste. Anschließend meldete Bethage eine Spontandemo an – und zog mit 30 Kameraden zum Entsetzen vieler Anwohner zum S-Bahnhof Lichterfelde Ost. „Da fehlten nur die Fackeln“, sagte SPD-Kandidat Siebert. Die Jungsozialisten in der SPD wollen jetzt eine Veranstaltung organisieren, „die nicht mehr von Rechten gestört werden kann“.

Bereits am vergangenen Wochenende hatten Rechtsextremisten in Rudow einen Wahlstand der PDS attackiert. Auch daran soll nach Angaben der PDS der Gründer der von Innensenator Ehrhart Körting (SPD) verbotenen Kameradschaft „Baso“, René Bethage, beteiligt gewesen sein. Wie berichtet, war dabei in Rudow der bekannte Nazischläger Timo L. festgenommen worden, der eine Bierflasche auf einen PDS-Fotografen geworfen haben soll. Timo L. hatte bereits im Juni dieses Jahres in Schönefeld einen 15 Jahre alten Jungen aus Äthiopien krankenhausreif geprügelt. Aus der U-Haft war L. aber nach zwei Wochen wieder entlassen worden. Nach Darstellung der PDS seien zehn bis 15 Rechte an dem Angriff mit Flaschen und Knallkörpern beteiligt gewesen. Wenige Tage später waren am gleichen Ort erneut etwa 30 Rechtsextremisten anwesend, als der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit bei einer Kundgebung am U-Bahnhof Rudow sprach.

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02.09.2006 Die Welt
Radikale aus der Neonazi-Szene stören SPD-Wahlkampf
Partei vermutet gezielte Aktionen - Innenverwaltung will bei weiteren Aktionen der Gruppen Strafverfahren einleiten.

Die Berliner SPD wird im Wahlkampf offenbar gezielt von Rechtsextremisten gestört. "Wir haben den Eindruck, es gibt eine abgesprochene Taktik", sagte der SPD-Landes- und Fraktionsvorsitzende Michael Müller dieser Zeitung. Auf der gestrigen Sitzung des geschäftsführenden Landesvorstandes wurde von einem "massiven Auftreten" der Rechtsextremisten im Wahlkampf berichtet.

Anlass für Müllers Vermutungen sind gleich mehrere Störaktionen von Neonazis. So musste eine Veranstaltung der SPD-Nachwuchsorganisation Jusos nach dem Aufmarsch von mehr als 30 schwarz gekleideten Männern mit kurz geschorenen Haaren abgebrochen werden. Die Juso-Diskussion in Lichterfelde-Süd sollte zum Thema Rechtsextremismus geführt werden. "Uns war ganz schön mulmig. Die Situation war angespannt", sagte der SPD-Kandidat für den dortigen Wahlkreis und Augenzeuge Georg Siebert. Auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit wurde Opfer eines solchen massiven Auftretens von Rechtsextremen. Beim sogenannten Spinnefest der Rudower SPD am vergangenen Wochenende, an dem Wowereit teilnahm, tauchten etwa 20 Neonazis auf und mischten sich unter die Besucher. Auch beim Wahlkampfauftritt des Regierenden Bürgermeisters und SPD-Spitzenkandidaten in Treptow-Köpenick am S-Bahnhof Schöneweide waren 20 Neonazis der lokalen Szene anwesend. "Dort war die Polizei in ausreichender Stärke vorhanden", sagte Hönemann. Zu Ausschreitungen oder Störaktionen kam es nicht. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) hat den Verdacht, dass die Mitglieder zweier verbotener rechtsextremer Kameradschaften (BASO und Tor) im Süd-Osten Berlins weiterhin tätig sind. Der Staatsschutz ermittelt. Das vermehrte öffentliche Auftreten von Neonazis und Rechtsextremisten bei Wahlveranstaltungen hat auch die Gewerkschaft Ver.di alarmiert. "Wir sind entsetzt, mit welcher Selbstverständlichkeit und Frechheit sich die Neonazis in die Öffentlichkeit trauen", erklärte der stellvertretende Ver.di-Landesbezirksleiter Andreas Köhn. "Sollten die Kameradschaften verbotenerweise weiterhin aktiv sein, dann werden Strafverfahren eingeleitet", kündigte eine Sprecherin der Innenverwaltung an.

Georg Siebert, SPD-Kandidat in Lichterfelde kündigte eine Wiederholung der gestörten Diskussionsveranstaltung für diesen Sonntag an. "Wir wollen den Rechtsextremen keinen Raum geben." Der SPD-Landesvorsitzende Müller ergänzte: "Die Auseinandersetzung mit den Neonazis muss noch intensiver geführt werden - auch nach dem 17. September."

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22.09.2006 Welt
Nach der Wahl - "Eine gescheiterte Existenz"
Fritz Liebenow zieht für die NPD in die BVV. Er sagt, Hitlers Terror spiele heute keine Rolle mehr.
von Sabine Flatau

Wie ist so einer, der für die NPD in die Treptow-Köpenicker Bezirksverordneten-Versammlung (BVV) einzieht? Nehmen wir Fritz Liebenow. Ehemaliger Fleischermeister, 57 Jahre alt, Vater von fünf Kindern, arbeitslos. Fritz Liebenow kennt man in Köpenick. Das ist der, der die Touristen durch die Altstadt führt. Fritz Liebenow mag es, sich in Uniform zu zeigen. In denen aus der Kaiserzeit. Er ist ein Anhänger der Monarchie. "Eine Regierungsform, die dem Menschen Glauben an die Zukunft gibt", schwärmt er.
Einmal hat Liebenow bei einer Veranstaltung vor dem Köpenicker Rathaus alle drei Strophen des Deutschlandliedes abgespielt. Das war das erste Mal, dass Fritz Liebenow als rechtsradikal auffiel. Es kostete ihn auch prompt seinen Job in der Köpenicker Hauptmann-Garde. Fortan durfte er nicht mehr im Gleichschritt mit den anderen in den Uniformen der Kaiserzeit marschieren.
Liebenow ist ein wenig beleibt, hat kurze weiße Haare. Er lächelt viel. Der Eklat mit dem Deutschlandlied zog damals weite Kreise. Liebenow entschuldigte sich und beteuerte, so etwas werde nicht wieder vorkommen. Aber er beschaffte sich auch Gerichtsurteile, die besagen, dass er sich nicht strafbar gemacht habe. Es nützte ihm nichts. Der ehemals Langzeitarbeitslose war wieder ohne Job. 640 Euro bekam er vom Staat.
Doch seine Liebe zu den alten Zeiten lässt ihn nicht los. Er lebt sie weiter als Stadtführer aus und verdient sich ein paar Euro dazu. Er begleitet Touristen durch die Straßen und Gassen der Altstadt, auch ins Rathaus, in die Räume, die dem Hauptmann von Köpenick gewidmet sind. Dabei trägt er Gardisten-Uniform und macht aus seiner Begeisterung für die Kaiserzeit kein Hehl.
Er habe unbedingt in die Politik gehen wollen, um seinen Traum von der Monarchie zu verwirklichen. Deshalb ließ er sich als Parteiloser in die NPD-Liste aufnehmen. Deutschland könne erst Kaiserreich werden, wenn die NPD an der Macht sei, sagt er tatsächlich.
Was sich in Deutschland während der Naziherrschaft zugetragen hat, sagt Fritz Liebenow, "das kommt weg aus der Betrachtung". All das, was Hitler angerichtet hat, einfach ausblenden? "Was vor 70 Jahren passiert ist", sagt Liebenow, "spielt heute keine Rolle mehr." Er wirkt bei diesen Worten gefährlich-naiv. "Wir haben nichts gegen Ausländer", tönt er weiter, "aber wenn sie hier leben wollen, sollen sie von ihren Heimatländern und nicht von Deutschland finanziert werden."
Im Oktober konstituiert sich die neue Bezirksverordneten-Versammlung. Dann sitzt er für die NPD im Rathaus Köpenick. In der Altstadt reagieren viele entsetzt auf die Nachricht, für welche Partei er ins Rathaus einzieht. "Das Schlimme ist, dass ich das mit meinen Steuern noch bezahle", schimpft ein Gastwirt. Liebenow erzählt dann doch, dass er auf offener Straße schon mal beschimpft worden sei. Ein Geschäftsmann habe ihm gesagt, er wolle nichts mehr mit ihm zu tun haben. Die ehemaligen Kollegen der Hauptmann-Garde distanzieren sich. "Er hat gefragt, ob er wieder mitmachen kann", erzählt einer. "Nicht, so lange du diese Gesinnung hast", sei die Antwort gewesen.
Der Mann, der für Liebenows Rauswurf aus der Hauptmann-Garde sorgte, der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Siegfried Scheffler, sieht sich in seiner damaligen Entscheidung bestätigt. "Man hat mir damals Vorwürfe gemacht, dass meine Entscheidung unsozial sei." Doch Scheffler räumt auch ein, dass Liebenow seinen Job als Gardist gut gemacht habe.
Eine gescheiterte Existenz sei Fritz Liebenow, meint die Sozialdemokratin Gabi Schöttler, die voraussichtlich als neue Bürgermeisterin ins Rathaus einziehen wird. "Er braucht das Geld", vermutet sie. "Es ist die Parole der NPD, solche Leute für ihre Zwecke zu nutzen." Doch ihr Mitleid halte sich in Grenzen. "Jeder muss sich gut überlegen, wofür er sich engagiert."

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26.09.2006
Jung, männlich und ohne Bildung
Alt-Glienicke ist NPD-Hochburg - ein Ortstermin


Miriam Müller

Die Straße ist das, was ihnen geblieben ist: Hier sind sie wer. Wenn Jens, Matthias und Michael (Namen geändert) breitbeinig durch die Hochhausschluchten von Alt-Glienicke gehen, werden sie von anderen Jugendlichen mit Handschlag begrüßt. Das hilft ein wenig gegen die Langeweile, gegen die sie täglich anschlendern und antrinken. Der Arbeitsmarkt braucht sie nicht - von den drei jungen Männern hat nur einer die Hauptschule geschafft. Der Jugendclub will die selbst ernannten Neonazis nicht. In die Döner-Läden, Pizzerien und Cocktail-Bar wollen sie nicht gehen - das seien ja alles nur Ausländer, sagen sie. Die Wohnungen sind ihnen zu klein. Bleibt die Straße. Zwischen den elf-geschossigen grauen Plattenbauten hören sie Musik von rechtsgerichteten Bands und trinken ihr Nachmittags-Bier.

Hier, im Stimmbezirk 326, am südöstlichsten Rand von Berlin, hat die NPD ihr bestes Ergebnis erzielt: 19,8 Prozent. Mit drei Bezirksverordneten zieht die NPD ins Bezirksparlament von Treptow-Köpenick ein. Von 751 Wahlberechtigten gaben nur 202 eine gültige Stimme ab, 40 haben NPD gewählt, fast jeder Fünfte. Die NPD hatte in ihrem Wahlkampf Flugblätter gegen Hartz IV verteilt, fuhr mit Lautsprecherwagen durch den Kiez und verschenkte CDs mit stramm rechtem Inhalt auf Schulhöfen.

Keinen ausländischen Freund


Michael macht derzeit eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme als Tischler. Er ist 17 Jahre alt, bei der Wahl zur Bezirksverordnetenversammlung durfte er schon wählen - und er wählte NPD. "Die kümmern sich wenigstens", meint er. Seine beiden 19- und 21-jährigen Kumpels mit den raspelkurzen Haaren nicken. Beide haben keine Arbeit, dafür aber einen "tiefen Hass" auf Ausländer. "National sein ist echtes Deutsch sein", formulieren sie. Ihre Parolen hören sich einstudiert ein. Seit wann sie rechts sind, können sie nicht sagen. Persönlich kennen sie keinen Ausländer. Aber dass Türken Machos sind, das wüssten sie genau, behaupten sie. Im Ausland waren sie noch nie. Und da wollen sie auch gar nicht hin. Ihr größter Traum ist es, mal in die Münchner Allianz-Arena zu fahren. Die drei sind laut Forschungsgruppe Wahlen typische NPD-Wähler: jung, männlich und ohne Bildung.

Bei ihren Rundgängen durch den Kiez treffen sie durchaus auch andere NPD-Wähler. Eine 39-jährige arbeitslose Frisörin zum Beispiel. Sie zeigt stolz eine schwarz gebrannte CD des rechtsextremen Sängers Frank Rennicke auf der "Ich bin nicht modern - ich fühle deutsch" steht. Der singe human, sagt sie. Und dann kommt sie ins Jammern - gemeinsam mit den drei jungen Männern - darüber, dass an einer Hauswand "Fuck Nazis" stehe, dass sie immer die Bösen seien, und dass sie vor lauter Döner-Buden nicht mehr deutsch essen können. Überhaupt, Ausländer gäbe es hier zu viele. Dass die Quote im Bezirk aber gerade einmal 3,4 Prozent beträgt, das wollen sie nicht wahr haben.

Politik mit Häkelkrawatte

Das haben sie mit Eckart Bräuninger, der mit zwei anderen NPD-Verordneten in das Bezirksparlament einzieht, gemein. "Das sind sicher mehr", behauptet er. Der 35-jährige Landesvorsitzende der NPD Berlin sitzt auf einer Bierbank im Hinterhof der NPD-Bundesgeschäftsstelle in Köpenick. Das gelbe Haus ist mit Stacheldraht und Kameras gesichert. Vor der Gewalt der Antifa müsse man sich schützen, sagt er. Der gelernte Außenhandelskaufmann aus Pankow hat einen Bürstenschnitt, trägt Anzug und Häkelkrawatte. Bianca Klose von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus bezeichnet Bräuninger als "gewaltbereiten Führungsaktivist", mehrmals wurde über ihn berichtet, er sei Söldner im Kroatienkrieg gewesen - aber dazu sagt Bräuninger nichts. Er will es aber auch nicht dementieren. Er spricht lieber über Wellness und Trimm-dich-Pfade in Treptow-Köpenick . Er sagt, er wolle den Tourismus stärken. Touristen aus dem Ausland seien ihm willkommen. Alle anderen Ausländer allerdings - auch die Wissenschaftler in Adlershof - sollten nur befristet in Deutschland arbeiten dürfen. Und wer keine Arbeit habe und kein Deutscher sei, solle das Land verlassen.

Kommunalpolitische Erfahrung hat Bräuniger nicht. Er bemüht sich um ein biederes Image, sagt, wie wichtig "sachliche Arbeit" und Sportstätten seien. So richtig hinterm Berg halten, kann er seine wahre Gesinnung aber nicht: Wenn er könnte, wie er wollte, fährt er fort, würde er das Holocaust-Mahnmal aus dem Stadtzentrum verbannen. Und dann sagt er noch, die Waffen-SS habe "genauso Pflicht wie andere Frontsoldaten" getan.

Richard Stöss, Parteien-Forscher an der Freien Universität, nimmt der NPD nicht ab, dass sie in den Bezirken tatsächlich Parlamentsarbeit leisten wolle. "Es geht denen um ihre rechtsextreme Ideologie und um Einfluss im Kiez."

Was Udo Voigt, NPD-Bundesvorsitzender und auch Bezirksverordneter in Treptow-Köpenick, vorhat, bestätigt dies. Ein Programm für den Bezirk hat er nämlich noch nicht. Aber den Aufbau von NPD-Beratungsstellen plant er schon mal - angeblich für Hartz-IV-Empfänger. Bei Voigt, der den Parlamentarismus "nicht als Endstadium" begreift, klingt das bedrohlich.
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28.09.2006 Rheinischer Merkur
Gefahr von ganz Rechts - Hinter der Fassade

von Ramon Schack und Daniel Schmidt

Familienfeste, Hilfe für Arbeitslose und Hartz-IV-Empfänger: Die NPD versucht, sich volksnah zu geben, und setzt auf junge Wähler. Zur Werbung von Nachwuchs arbeitet sie mit Gruppierungen aus der Neonazi- Szene zusammen. Was plant die Partei noch? Ein Besuch in der Bundeszentrale in Berlin-Köpenick.

Berlin-Köpenick. Beschaulich und kleinbürgerlich wirkt der Platz vor dem S-Bahnhof. Die schicken Flaniermeilen der Hauptstadt scheinen Lichtjahre entfernt. Nach einer No-go-Area allerdings sieht es auch nicht aus. Dicht an dicht reihen sich Marktstände und Imbissbuden. Bouletten und Döner finden ebenso ihre Abnehmer wie die Kleidung eines indischen Textilienhändlers und die Gurken eines brandenburgischen Gemüsebauers. Am Ausgang hat sich eine Gruppe von vietnamesischen Zigarettenhändlern platziert. Die Spuren des gerade zu Ende gegangenen Wahlkampfes sind noch überall sichtbar. Am häufigsten sind die Plakate der NPD vertreten: „Familie, Arbeit, Heimat“ ist der Dreiklang, mit dem die Partei erfolgreich auf Wählerfang ging.

„Früher war es hier schlimmer“, erzählt Mustafa, der deutsch-türkische Inhaber eines Schnellrestaurants auf die Frage nach dem Rassismus vor Ort. Seit 14 Jahren ist sein Familienunternehmen in Köpenick etabliert. „Fast täglich kam es damals zu Pöbeleien, gelegentlich auch zu Übergriffen“, fügt der gebürtige Berliner hinzu. Der Gastronom hofft, dass sich die Lage mit dem Einzug der NPD ins Bezirksparlament nicht verschlechtern wird. 5,3 Prozent der Wähler im Bezirk Treptow-Köpenick haben für die Rechtsradikalen votiert. Im Stimmbezirk 433, zu dem die Seelenbinderstraße gehört, waren es 11,2 Prozent. Dort, nur wenige Gehminuten vom S-Bahnhof entfernt, liegt seit dem Jahr 2000 die Bundeszentrale der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands.


Auf gute Nachbarschaft

„Die Partei gibt sich im Umfeld ihrer Geschäftsstelle bieder und volkstümlich“, stellt Bianca Klose von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus (MBR)fest. „Sie sägt nicht auf dem Ast, auf dem sie sitzt. Man macht auf gute Nachbarschaft.“ Danach sieht das unscheinbare Haus Nummer 42 nicht aus. Die Jalousien sind heruntergelassen, die Tür mit Stahlplatten armiert, das Gelände mit Stacheldraht gesichert. Klaus Beier, Pressesprecher der NPD, öffnet persönlich die Tür. Dass er auch die Rolle des Pförtners übernehmen muss, erklärt er entschuldigend mit dem Personalmangel der Partei. „Der Vorsitzende steht Ihnen sofort zur Verfügung. Bitte bedienen Sie sich doch mit dem Kaffee“, bittet Beier. Der Raum versprüht den Charme einer Mitropa- Gaststätte, auch die Ästhetik der Wahlplakate erinnert an die untergegangene DDR .

Der Vorsitzende lässt nicht lange auf sich warten, Udo Voigt begrüßt die Gäste mit einem kräftigen Handschlag, ist um joviales Auftreten bemüht. Sein Lachen wirkt professionell. Es ist sein Territorium hier, das sich nach seiner Darstellung auch außerhalb der festungsartig gesicherten Zentrale erstreckt: „Die Leute klopfen mir schon mal auf die Schulter, wenn ich zum Mittagessen gehe.“ Längst sucht man den Kontakt zur Bevölkerung, veranstaltet Familienfeste und bietet Hilfe für Arbeitslose und Hartz-IV-Empfänger an. Und die Partei verjüngt sich. Im Wahlkampfspot für Berlin gibt Udo Voigt die Vaterfigur, die einer Jugendlichen auf der Suche nach Arbeit, Sicherheit und Heimat den Weg weist.

Deutlicher können die Signale nicht sein: Die NPD möchte sexy wirken. Das kommt an bei den jungen Wählern. Gerade bei den unter Dreißigjährigen hat die Partei den größten Stimmenanteil zu verzeichnen. „Wissen Sie, wenn die Linken die Parole ausgeben, ,Kein Sex mit Nazis‘, dann sind viele doch erst recht neugierig, wie denn der Sex mit Nazis ist“, damit bringt Voigt das neue Selbstbewusstsein auf den Punkt.

Auf den ersten Blick überrascht es, wie bewundernd sich Udo Voigt über die DDR der Fünfzigerjahre äußert. Doch dahinter steckt Kalkül. Die neue NPD ist dabei, eine Ostpartei zu werden. Der Traum vom Sozialismus, gepaart mit Globalisierungsängsten und Ausländerhass, gedeiht prächtig auf dem Boden, den die PDS und zuvor sechs Jahrzehnte Totalitarismus dort in den Jahren nach der Wende bereitet hat.

Das neue Selbstbewusstsein der Rechten äußert sich auch im Umgang mit den Medien. Souverän werden diese zur Zielgruppenaktivierung genutzt. Die Schulhof-CD gab es auch zum Download auf der Homepage. Noch am Wahlabend wandte sich der Vorsitzende per Videobotschaft aus der Zentrale an seine Wähler und Sympathisanten. Der Feldherr in seiner Festung spricht nach gewonnener Schlacht den Parteisoldaten seinen Dank aus und ruft dazu auf, „den Kampf um Deutschland zu Ende zu führen“.

Interessant daran ist nicht nur der Inhalt, sondern auch die Form – per Videobotschaft wenden sich sonst etwa häufig islamistische Gruppierungen an die Öffentlichkeit. Gruppierungen wie beispielsweise die Hisb ut-Tahrir, die Voigt zusammen mit Horst Mahler im Jahr 2002 auf einer Veranstaltung aufsuchte und auf der beide Nationalisten ihre ausdrückliche Solidarität beim Kampf gegen den gemeinsamen Feind, den US-Imperialismus und den Zionismus, zum Ausdruck brachten. Hisb ut-Tahrir ist inzwischen als verfassungsfeindliche Gruppierung verboten worden, aus ihren Reihen entstammt auch einer der beiden mutmaßlichen Kofferbomber. Voigt aber betont die Notwendigkeit der Zusammenarbeit, mit dem „Feind im Inneren und Freund im Äußeren“, wie der militante Islamismus im NPD-Jargon genannt wird.

Die Doppelstrategie – bürgernah und militant – bestätigt auch Bianca Klose von der MBR. „In Berlin kooperieren NPD und die militanten aktionsorientierten Kameradschaften sehr intensiv. Das lässt sich anhand personeller Überschneidungen, Schulungen und Wahlkampfunterstützung zeigen. Aufgrund fehlender personeller Ressourcen greift die NPD auf das gewaltbereite Personal zurück, um den Wahlkampf zu bestreiten und Veranstaltungen von demokratischen Parteien zu stören.“

In unmittelbarer Nachbarschaft der NPD-Zentrale fällt das bunt bemalte Haus des Café Seelenbinder, eines Jugendklubs, auf. „Bunt statt Braun“ nennt sich eine Initiative von rund 20 verschiedenen öffentlichen und privaten Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit im Bezirk Köpenick, an der auch dieser Jugendclub beteiligt ist. Wie die MBR hat auch dieser Club nur ein Thema: Wie lässt sich der Vormarsch der NPDaufhalten?„Wir versuchen Alternativen und die Vorzüge einer offenen, demokratischen und vielfältigen Gesellschaft zu präsentieren“, sagt Jan Bloch, Leiter des Jugendclubs. „Auf diesem Wege sind wir bemüht, der Einflussnahme der NPD auf die örtliche Jugend entgegenzutreten.“


Achse Schwerin-Dresden


Ihr bürgerliches Gesicht will die NPD in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) zeigen. Komplexe Themen vermeiden, dort agieren, wo sich Bürgernähe am einfachsten erzeugen lässt. Für die anderen Parteien eine Herausforderung. „Die CDU-Fraktion wird kommende Anfragen, Ersuchen oder Empfehlungen der NPD öffentlich nicht kommentieren und auch nicht unterstützen“, betont Ulrich Stahr, Bezirksverordneter der CDU und stellvertretender BVV-Vorsteher der kommenden Wahlperiode im Bezirk Treptow-Köpenick.

Sowohl innerhalb als auch außerhalb der BVV werden die demokratischen Parteien jeglichen Kontakt mit den Nationalisten vermeiden, erklärt der Kommunalpolitiker. Im sogenannten „Bündnis für Toleranz“, einem Zusammenschluss verschiedener Initiativen und Gruppen, sind auch die CDU und andere politische Parteien vertreten. Stahr betont den Konsens der Demokraten und hofft, dass die NPD den Bezirk nicht für politische Propaganda missbrauchen kann. Der Kommunalpolitiker verweist auf die Geschäftsordnung der BVV, die kaumSpielraum lasse für die Instrumentalisierung landes- oder bundespolitischerThemen.

Zurück in der NPD-Parteizentrale in Köpenick. Zusammen mit dem DVU-Vorsitzenden Gerhard Frey, dessen Partei zusammen mit der NPD den sogenannten Deutschlandpakt bildet, präsentiert Voigt hier nach dem Wahlerfolg vor den in- und ausländischen Journalisten sein Konzept von der „Achse Schwerin-Dresden“. Nun wolle man den Westen der Republik erobern, um schließlich 2009 in den Reichstag – wie Voigt den Bundestag nennt – einzuziehen. Der Vorsitzende, selbst frisch gewählter Abgeordneter in der BVV von Treptow-Köpenick, macht an diesem Tag aus seiner Feindschaft zum Grundgesetz keinen Hehl. Dabei werden Risse im rechtsextremen Block deutlich, sieht doch Frey sich und seine Partei auf dem Boden der Verfassung.

Für seinen Protest gegen das „System“ hat Udo Voigt ein literarisches Vorbild gefunden – den Hauptmann von Köpenick. Bei einem Besuch im Rathaus raunte er dem Bezirksbürgermeister zu: „Ich komme hier rein, aber anders als mein berühmter Namensvetter auf legalem Weg.“

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06.10.2006 Tagesspiegel
Antisemitismus - Nazi-Parolen in der Kreisliga

Am 26. September brüllten Zuschauer Nazi-Parolen bei einem Kreisligaspiel in Altglienicke. Als ein Spieler des jüdischen Sportklubs TuS Makkabi Berlin den Schiedsrichter um Hilfe bat, soll dieser ihm Gelb-Rot gezeigt haben. (05.10.2006, 18:07 Uhr)

Berlin - Der Berliner Fußball-Verband (BFV) zieht Konsequenzen aus den antisemitischen Ausschreitungen bei einem Kreisligaspiel am 26. September.
Spieler des jüdischen Vereins TuS Makkabi waren bei der VSG Altglienicke von Zuschauern beschimpft, beleidigt und bedroht worden. Nun erarbeitet der BFV bis Ende Oktober Handlungsanweisungen für Schiedsrichter und Vereine, um solche Vorfälle künftig zu verhindern. "Hier muss jetzt gehandelt werden", sagt BFV-Präsident Bernd Schultz, "es sollen ja Straftaten begangen worden sein.“

Der Fall ist nun auch Chefsache beim Deutschen Fußball-Bund (DFB). Am 2. Oktober hat Schultz DFB-Präsident Theo Zwanziger über den Vorfall informiert. Der Staatsschutz ermittelt wegen Volksverhetzung und Beleidigung gegen Unbekannt. Makkabi-Spielmacher Vernen Liebermann zufolge haben rund zehn Zuschauer bereits vor Spielbeginn antisemitische Lieder gegrölt. Bei Anpfiff hätten sich die Störer direkt neben der Bank der Gastgeber postiert und dort weiter gepöbelt. "Ich hatte den Eindruck, Spieler und Störer kannten sich“, sagt Liebermann. Altglienickes Trainerin Kerstin Forchert hatte dagegen angegeben, die Störer noch nie gesehen zu haben.

Vorwürfe gegen den Unparteiischen

Vorwürfe erhebt Liebermann gegen Schiedsrichter Klaus Brüning: "Schon vor dem Spiel habe ich den Schiedsrichter gebeten, die Zuschauer im Auge zu behalten“. Im Verlaufe des Spiels habe Brüning die Beschimpfungen gehört, aber nicht reagiert. Einem Makkabi-Spieler zeigte er die Gelbe Karte, als dieser einen Zuschauer zurechtwies. Das Spiel wurde abgebrochen, als die Mannschaft von TuS Makkabi in der 78. Minute beim Stand von 1:4 vom Feld ging. Die Spieler wollten sich nicht länger beleidigen lassen und fühlten sich von den Zuschauern bedroht. Der Spielabbruch zieht automatisch eine Sportgerichtsverhandlung und Berichte beider Mannschaften und des Schiedsrichters nach sich. Diese Berichte liegen dem BFV inzwischen vor, Verbandspräsident Schultz bezeichnet die Aussagen als "nicht unbedingt deckungsgleich“. Schultz möchte die für den 13. Oktober angesetzte Verhandlung vorverlegen und selbst an der Sitzung teilnehmen. Außerdem wollte er sich gestern Abend mit Verantwortlichen von TuS Makkabi treffen, um "Missverständnisse“ auszuräumen.

Unter den Teppich kehren?


Der Vorsitzende von TuS Makkabi, Tuvia Schlesinger, hatte dem Verband Passivität vorgeworfen, sowie den Versuch, "Gras über die Sache wachsen zu lassen“. BFV-Präsident Schultz sagt dazu: "Ich wollte zunächst alle Berichte abwarten. Bei solchen Dingen geht es um eine sorgfältige Betrachtung und darum, alle Seiten zu hören". Auf keinen Fall habe man die Angelegenheit "unter den Teppich kehren wollen". Auch die Fußballabteilung der VSG Altglienicke wollte sich gestern Abend in einer Sitzung mit den Vorfällen beschäftigen. Auf der Homepage der Vereins hatten sich kurz nach dem Spiel einige Vereinsmitglieder beim TuS Makkabi entschuldigt und die Pöbeleien bedauert. Diese Eintragungen im Forum der Homepage sind inzwischen gelöscht.
Untätig war der Verein nicht. "Wir haben zwei Personen ermittelt, die dabei gewesen sein sollen", sagt der Altglienicker Jugendkoordinator Sven Klebe, "gegen diese Leute haben wir ein Stadionverbot verhängt". Bis zur Sportgerichtsverhandlung will sich der Verein aber nicht mehr zum Spiel gegen TuS Makkabi äußern.

Gelb-Rote Belohnung

Laut Spielern des Tus Makkabi hat die Altglienicker Mannschaft versucht, die Lage zu beruhigen und zum weiterspielen zu überreden: "Das ist hier jede Woche so, macht Euch nichts draus". Türkische Mannschaften würden ähnlich behandelt. Makkabi-Spieler Vernen Liebermann sieht einer Sperre entgegen.
Der 23-Jährige berichtet, er habe kurz vor dem Abbruch des Spiels zu Schiedsrichter Brüning gesagt: "Wenn Sie eine Funken Anstand haben für die Geschichte in diesem Land, dann müssen Sie uns jetzt helfen". Daraufhin habe ihm Brüning Gelb-Rot gezeigt. (Tsp)

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26.10.2006 Polizeiticker
Brandsätze auf Gedenkstätte

Brandsätze auf Gedenkstätte
Treptow - Köpenick
# 2345

Unbekannte Täter haben in der vergangenen Nacht gegen 23 Uhr 50 in der Britzer Straße in Treptow zwei Brandsätze auf das Gelände des Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit Berlin-Schöneweide geworfen. Ein Anwohner sah zwei Stichflammen und alarmierte die Feuerwehr. Die Besatzung eines zuerst eintreffenden Funkwagens löschte die Flammen mit einem Feuerlöscher. Es ist nur geringer Sachschaden an einer Baracke entstanden. Der Polizeiliche Staatsschutz ermittelt.

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26.10.2006 Spiegelonline
Berliner Bezirk schützt NPD vor Medien

Von Marina Mai
Heute zieht NPD-Bundeschef Voigt mit zwei anderen Rechtsextremen ins Stadtteilparlament von Berlin-Köpenick ein. Doch der SPD-Bezirksvorsteher will Medien an Aufnahmen der Versammlung hindern - wegen "schlechter Erfahrungen mit Journalisten".
Berlin - Heute ist es so weit: Die zwölf Berliner Stadtteil-Parlamente konstituieren sich an diesem Donnerstag, und in vier Fällen werden NPD-Politiker in die Bezirksverordnetenversammlungen (BVV) einziehen. Wie soll man mit ihnen umgehen? Im Bezirk Treptow-Köpenick hat man auf diese Frage eine ganz eigene Antwort gefunden: Dort will man sich nicht vor Kameras und Mikrofonen mit den Rechtextremen auseinandersetzen - sondern sich lieber mit Medien vor Gericht streiten.
In Treptow-Köpenick ist das Interesse der Medien deshalb am größten, weil dort mehrere NPD-Prominente in die BVV einziehen: der Bundesvorsitzende Udo Voigt, der Landesvorsitzende Eckart Bräuniger und ein gewisser Fritz Liebenow, der in kaiserlicher Militäruniform Touristen durch die Köpenicker Altstadt führt. Am liebsten wäre es dem Vorstand der BVV, man könnte sich gegen die Medien abschotten. Vorsteher Winfried Blohm von der SPD will keinerlei Tonaufnahmen für Hörfunk und Fernsehen gestatten. "Ich habe schlechte Erfahrungen mit unseriösen Journalisten gemacht", sagt er. "Da haben Reporter unsere Veranstaltung so schlecht geschnitten, dass ein völlig anderes Bild entstand."
Deshalb nun ein Ton-Totalverbot? Presserechtler Johannes Eisenberg hält das für klar rechtswidrig: "Eine BVV ist eine öffentliche Veranstaltung. Hier haben die Medien das Recht und die Pflicht, die Öffentlichkeit zu informieren. Die BVV missbraucht ihr Hausrecht, um die Pressefreiheit zu kolportieren." Es brauche schon eine besondere Begründung, um Tonaufnahmen zu untersagen. "Wenn man sich auf Erfahrungen mit unseriösen Journalisten bezieht, ist das einfach lächerlich." Selbst Andreas Schmidt von Puskas, Jurist in der Berliner Innenverwaltung, schüttelt den Kopf. "Den Köpenickern sitzt eben ihr Hauptmann noch im Nacken." Die Entscheidung liege aber im Bezirk, nicht bei der Landesregierung.

"Dann lassen wir das durch ein Gericht prüfen"
Die Berliner Abendschau des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) wird das Verbot nicht hinnehmen. "Wenn die BVV bei ihrer Position bleibt, lassen wir das durch ein Gericht prüfen", sagt Abendschau-Chef Peter Laubenthal zu SPIEGEL ONLINE. Der RBB-Hörfunk und private Hörfunkwellen haben noch nicht entschieden, wie sie mit dem Aufnahmeverbot umgehen wollen.
Problematisch ist in Treptow-Köpenick auch die Platzfrage. Ganze zwölf Journalistenarbeitsplätze stehen im Saal für Berichterstatter zur Verfügung. Normalerweise reichen sie. Außer der "Berliner Morgenpost" und zwei lokalen Anzeigenblättern berichtet kaum jemand kontinuierlich, wenn Bezirksverordnete über die Zukunft des Vergnügungsparkes "Spreepark" oder die Verkehrsführung in der Köpenicker Altstadt streiten. Doch nun dämmert den Verantwortlichen im Bezirk, dass es diesmal durch die NPD-Premiere keine reine Provinzveranstaltung sein wird. Vor einer Woche noch wollte Treptow-Köpenick nur jene Journalisten in den Saal lassen, die sich angemeldet hatten. Das Problem: Journalisten melden sich nicht an. Sie kommen.
"Wir überlegen gerade, acht zusätzliche Stühle ohne Schreibtische in den Saal zu stellen," sagt Vorsteher und Alterspräsident Winfried Blohm zu SPIEGEL ONLINE. Acht Stühle wären wohl zu wenig. Nach dem Berliner Pressegesetz darf aber Journalisten der Zugang zu öffentlichen Veranstaltungen nicht verwehrt werden. Blohm sagt dazu, für mehr Journalisten biete der gerade mit öffentlichen Mitteln sanierte Große Rathaussaal einfach keinen Platz. Er weiß, dass er die Öffentlichkeit nicht einfach von einer öffentlichen Veranstaltung ausschließen darf - wobei er unter Öffentlichkeit auch die Bürger und Antifa-Gruppen aus dem Bezirk versteht, die sich angekündigt haben. Blohm will die Veranstaltung nun ins Foyer übertragen: "Da können dann auch Journalisten zuhören, die sich nicht angemeldet haben."

Andere Bezirke hängen Plakate auf: "Berlin bleibt bunt"
Mancher Verantwortliche würde die BVV offensichtlich nur zu gern ohne allzu große öffentliche Anteilnahme konstituieren. "Wenn Sie jetzt alle wegen der NPD kommen, werten Sie die doch unnötig auf", sagte der BVV-Büroleiter Holger Liebe zur Mitarbeiterin eines Berliner Stadtmagazins.
In Treptow-Köpenick hatte bisher keiner die Idee, das überregionale Interesse zu nutzen, um den Imageschaden für den Bezirk durch Signale gegen die NPD wettzumachen. Da ist man in Marzahn-Hellersdorf weiter, wo die NPD ebenfalls in die BVV einziehen wird (wie auch in Lichtenberg und Neukölln). Dort wird im Foyer des BVV-Saales ein Banner mit der Aufschrift "Berlin bleibt bunt" hängen. Vorsteherin Petra Wermke von der Linkspartei mobilisiert gerade unter russlanddeutschen Spätaussiedlern und Vietnamesen, damit sie ihre Projekte im Foyer ausstellen. "Wir wollen zeigen, dass unser Bezirk nicht nur braun ist", sagt Wermke.
Das hält man in Treptow-Köpenick nicht für nötig. Das Angebot einer multikulturellen Musikgruppe, bei der BVV aufzutreten, wurde abgelehnt, sagt Vorsteher Blohm. "Wir machen unsere Arbeit und kein Medienschauspiel. Wir wollen an diesem Abend ein arbeitsfähiges Bezirksamt wählen. Ein Kulturprogramm würde unnütz Zeit kosten." Die Linkspartei-Abgeordnete Jutta Matuscheck aus Köpenick sagt dazu: "Die Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus gehört an die Öffentlichkeit."

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26.10.2006 Berliner Zeitung
Rechtsextremisten in Polizeiuniform
Beamte nutzten Symbole und Lieder der Szene / Gericht bestätigt fristlose Entlassung

Thomas Rogalla
Beim jährlichen Neonazi-Aufmarsch auf dem Schlachtfeld in Halbe fiel die militärisch formierte Gruppe am Rande kaum auf: Sie trug Skinhead-Frisuren und unter den Uniformen T-Shirts, die vorn den Bundesadler und hinten gekreuzte Schlagstöcke mit einem zähnefletschenden Hundekopf zeigten. Zum Wechseln hatten die Uniformierten Hemden mit dem Aufdruck "Unsere Heimat, unsere Liebe, unser Stolz" dabei. In den Händen trugen sie Schlagstöcke mit den Namen nordischer Götter, ein Anführer hatte für seinen Stock "Odin" gewählt.
Die Männer gehörten nicht zur NPD. Es waren Polizisten aus Berlin, Angehörige der "Mobilen Kontroll- und Überwachungseinheit" (MKÜ) der Bundespolizei in Schöneweide. Die meisten von ihnen tun weiter Dienst, bis auf zwei Beamtenanwärter, die das Bundespolizeipräsidium Ost in Berlin Ende 2005 wegen Verbreitung rechtsradikalen Gedankenguts aus dem Dienst warf. Der 26-jährige Beamtenanwärter Björn S. klagte dagegen vor dem Berliner Verwaltungsgericht, das die Entlassung jedoch gestern im einstweiligen Rechtsschutzverfahren bestätigte.
Björn S. wurde vorgeworfen, dass er zwei CDs mit Programmen des rechtsradikalen "Radio Wolfsschanze" aus dem Internet gebrannt und unter Kollegen weitergereicht hatte. Außerdem hatte er nach eigenem Eingeständnis eine Kollegin lange Zeit sexuell belästigt, was er bedauerte. Dem Gericht reichte der erste Punkt als Kündigungsgrund aus. Mindestens so sehr wie für das individuelle Dienstvergehen des Entlassenen interessierten sich die Richter für die Frage, wie sich in Teilen der Berliner Bundespolizei öffentlich zur Schau getragenes rechtsextremes Verhalten mit Billigung von Vorgesetzten ausbreiten konnte. Ein ums andere Mal fragte der Vorsitzende der 7. Kammer, Johann Weber, die Prozessvertreter der Bundespolizei, warum niemand an der nazi-mäßigen Uniformierung eines ganzes Zuges Anstoß genommen habe, und warum es in Berlin keine Sensibilität gegen rechte Umtriebe gebe.
Der gestern anwesende MKÜ-Zugführer, der auf seinen Schlagstock "Odin" gemalt hatte, reagierte mit Schulterzucken auf die Frage, welche Gesinnung der Zug denn damit zum Ausdruck bringen wollte. Seine Berliner Dienststelle hat ihn danach offenbar nie gefragt. Diese wurde erst mit Ermittlungen aktiv, nachdem sich aufmerksame Kollegen des Bundespolizeipräsidiums West in Essen nach einer gemeinsamen Fortbildungsveranstaltung in Berchtesgaden im März 2004 über rechtsex- tremes Auftreten der MKÜ von Björn S. beschwert hatten. Den Essener Kollegen war unter anderem aufgefallen, dass der Berliner Zug "an die Verhaltensweise der rechtsradikalen Szene erinnert". Die Berliner trügen Skinhead-Frisuren, Tarnhosen und T-Shirts mit Frakturschrift, die man nur von der NPD kenne, außerdem hätten sie in Berchtesgaden rechtsextreme Lieder gesungen.
So stieß die Berliner Dienststelle auch auf die CDs von Björn S. von "Radio Wolfsschanze". Sie enthielten unter anderem antisemitische Lieder. In einem wird offen über den Tod des ehemaligen Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Deutschlands frohlockt: . "am Tag als Ignaz Bubis starb . wir pissen auf dein Judengrab". Der Vorsitzende Richter glaubte Björn S.s Darstellung nicht, er habe "Radio Wolfsschanze" für "Deutschrock" gehalten.
Offen blieb, was es mit den anderen Mitgliedern der MKÜ auf sich hat, die in Berchtesgaden bei einer Art Andacht einem Deckenbalken des 1937 errichteten Nazibaus huldigten. Auf diesem weist eine Schrift auf das "tausendjährige Reich" hin. Das ergaben die Ermittlungen der Bundespolizei Berlin. Man sei ja tätig geworden, betonte der zuständige Inspektionsleiter Thomas Hoffmann gestern. Er räumte ein, die Einheit gebe "äußerlich tatsächlich ein unansehnliches Bild ab". Äußerungen der weiter in der MKÜ dienenden Polizisten, die auf weiteres rechtes Gesinnungspotenzial schließen ließen, seien ihm aber nicht bekannt. Der Personalrat des Berliner Präsidiums sieht das ausweislich der Akten anders. Er hatte 2005 empfohlen, die offenbar braun durchwirkte MKÜ aufzulösen.

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18.11.2006 Berliner Zeitung
Einigkeit über Anti-Nazi-Demo
Niederlage für NPD

TREPTOW-KÖPENICK. Einen ersten Punktsieg gegen die rechtsextremistische NPD haben am Donnerstagabend die Vertreter der demokratischen Parteien im Bezirksparlament von Treptow-Köpenick verbucht. Bei der Abstimmung über Protestaktionen gegen einen geplanten Neonazi-Aufmarsch im Bezirk versuchte die NPD-Fraktion, Stimmung für ihre Gesinnung zu machen. Parteichef Udo Voigt warb für die - wie er sagte - jungen Nationaldemokraten, die auf die Straße gehen würden. Schließlich beantragte er die namentliche Abstimmung, um "ein Zeichen zu setzen". Doch dieses Zeichen ging für die NPD nach hinten los: Es stellte sich nämlich heraus, dass eines ihrer drei Fraktionsmitglieder ausscherte. Der Verordnete Fritz Liebenow stimmte nicht wie die übrigen beiden gegen die Protestaktionen, er enthielt sich der Stimme.

Unter dem Motto "Für Demokratie und Toleranz! Keinen Fußbreit Boden den Neonazis!" ruft das Bezirksparlament zu Protesten gegen den NPD-Aufmarsch am 9. Dezember auf. Er findet voraussichtlich im Raum Schöneweide statt. (sk.)

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30.11.2006 TAZ
Der rechte Kauz von Köpenick
von Marina Mai

Fritz Liebenow verehrt die Monarchie und das preußische Militär. In historischer Gardistenuniform führt der Mann mit Berliner Schnauze durch die Köpenicker Altstadt - zur Freude der Touristen. In der Bezirksverordnetenversammlung sitzt er in der NPD-Fraktion. Er ist ein Mann der einfachen Töne.
Samstag elf Uhr. Fünf Laienschauspieler spielen vor dem Köpenicker Rathaus das historische Schauspiel vom Hauptmann von Köpenick nach. "Melde gehorsamst: Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit", ruft abschließend ein Mittfünfziger in alterpreußischer Gardistenuniform in sein Mikrofon. Er schiebt einen kleinen Wagen mit einem Plakat vor sich her. Darauf wirbt der Mann, Fritz Liebenow, für Führungen durch die Altstadt zum Preis von 3 Euro. "Wer die wahre Geschichte des Hauptmanns von Köpenick erfahren möchte, kommt mit mir."
15 Touristen, die meisten von ihnen im Rentneralter, nehmen das Angebot an. Des Hauptmanns Geschichte, Spreeufer, Schloss, Fischerdorf und das historische Rathause stehen auf dem Programm.
Mit Rathäusern kennt sich der 57-Jährige aus. Am 18. September wurde Liebenow auf der Liste der NPD in die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) von Treptow-Köpenick gewählt. 5,3 Prozent der Wählerstimmen holten die Rechten in dem Bezirk. Liebenow sitzt nun als Abgeordneter neben dem Führungspersonal der NPD, Parteichef Udo Voigt und Landesvorsitzenden Eckart Bräuniger, ganz rechts in der letzten Reihe.
"Is det nich herrlich?", fragt Liebenow rhetorisch im historischen Rathaussaal. Er meint den Blick vom Erker und lädt die Touristen ein, von dort aus den Passanten zu winken. Sie haben freie Sicht auf die Spree - auf den Fluss, der Köpenick und damit auch Berlin über Jahrhunderte mit Lebensmitteln, Baustoffen und Kohlen versorgt hätte, wie Liebenow erläutert. Und auf dem man heute so schöne Touren machen könne. "Bis nach Ostpreußen. Könichsberg und so. Det kostet natürlich 'ne Stange Jeld."
Während er die historische Entwicklung der Einwohnerzahlen von Köpenick streift, erwähnt Liebenow, dass er selbst fünf Kinder hat. "Wir Köpenicker sin eben en fruchtbares Völkchen. Wer hier nich fruchtbar is, is selber schuld." Solche Stammtischsprüche einer Berliner Schnauze kommen gut an. Und Liebenow freut sich sichtlich, wenn die Touristen über seine Witze lachen.
Wenn er in der Bezirksverordnetenversammlung zu Wort kommt, gibt es auch Gelächter - allerdings eher über ihn. Als die demokratischen Parteien einen Aufruf zu einer Demo gegen den Aufmarsch rechter Kameradschaften als dringlich auf die Tagesordnung setzen wollten, sprach Fritz Liebenow in seinem bisher einzigen Diskussionsbeitrag im Treptower Rathaus dagegen. Am Ende seiner inhaltsleeren Begründung rief er: "Gott segne und schütze unser deutsches Vaterland." Die anderen Abgeordneten lachten nur.
Bei seiner Führung durch Köpenick teilt "der berühmte Gardist", wie es auf seiner Visitenkarte steht, kräftig aus in Richtung Politik und Wirtschaft. Die traditionelle Textilreinigungsfirma Rewatex aus Köpenick sei pleite gegangen, "weil die Hotels heute alle in Polen waschen lassen". Ein Multifunktionsgebäude, das gerade in der Dahmebucht entsteht, sei "völlich unnütz, weil noch nich ma feststeht, ob hier überhaupt mal een Schiff ankommt. Aba Berlin hat ja det Jeld." Und wer in Zeiten leerer Stadtkassen wie Wilhelm Voigt mit einem Coup reich werden wolle, der "muss Politiker werden", gibt sich Liebenow überzeugt.
Als Altstadtführer ist der gelernte Fleischermeister, der die Erfahrung Langzeitarbeitslosigkeit aus eigener Erfahrung kennt, noch nicht lange unterwegs. Einst gehörte er der Hauptmannsgarde, einem aus öffentlichen Mitteln geförderten Projekt, an. 2004 wurde ihm dort gekündigt: Liebenow hatte vor Touristen das "Deutschlandlied" abgespielt - einschließlich der ersten Strophe "Von der Maas bis an die Memel". "Da haben sich Gäste und Bürger bei uns beschwert", erinnert sich Michael Diehl vom Tourismusverein Köpenick-Treptow e. V., seinem früheren Arbeitgeber. "Der Mann hatte gelegentlich eine sehr einfache Weltsicht mit teilweise nationalen Tönen zum Ausdruck gebracht. Darüber ist mit ihm auch kritisch diskutiert worden", sagt Diehl. "Aber dass er dann für die NPD kandidierte und auch noch gewählt wurde, hat mich schon sehr überrascht."
Wird Liebenow vor Touristen auf seine NPD-Aktivitäten angesprochen, ist ihm das ausgesprochen peinlich. Die Fassade des fröhlichen Kauzes, der Touristen seine Liebe zur Heimat nahe bringen will und freundlich zeigt, wo man in Köpenick gut essen kann, zerfällt. "Ich bin nicht in der NPD. In ganz Köpenick hat kein einziges Wahlplakat von mir gehangen", ruft er laut im besten Hochdeutsch. Auf Nachfrage bestätigt er, "auf deren Liste kandidiert" zu haben. Er sei Anhänger der Monarchie - "eine Staatsform, die den Deutschen Hoffnung gibt und den Bundespräsidenten überflüssig macht".
Um die Monarchie zu errichten, hat Liebenow die "Neue Reformpartei" mitgegründet. Weil die Splitterpartei chancenlos war - von einem "Scheitern" will er jedoch nichts wissen -, hat er mit seinen Monarchieträumen bei der NPD Unterschlupf gefunden. Und ganz falsch fühlt er sich dort nicht. "Mein Neffe wurde von Russen niedergeschlagen. Darüber hat keine deutsche Zeitung berichtet", erzählt er. Dem Sohn seines Vermieters sei Ähnliches von Türken widerfahren. Liebenow: "Ich weiß nicht, was das ganze Gerede über angebliche Fremdenfeindlichkeit soll. Ich kenne keine Fremdenfeindlichkeit. Oder wollen die die Hütchenspieler agieren lassen?"
Das Bezirksamt Treptow-Köpenick hatte ein Hausverbot gegen Liebenow für seine touristischen Programme erwogen. Begründung: "Weil er immer so viel Unsinn redet. Das dient nicht der seriösen Tourismuswerbung", erläutert der stellvertretende Bürgermeister Michael Schneider von der Linkspartei. Doch so ein Verbot wäre rechtlich nicht durchsetzbar gewesen.
Kurz vor dem Ende seiner Tour erzählt Liebenow noch eine Geschichte aus der DDR: Am Dahmeufer hätte es "zu Ostzeiten" eine nicht einsehbare Dornenhecke gegeben. "Sie hätten ma erleben solln, wie viele Leute da reinjegangen sin un ihre Freude hatten. Die konnte ja keener sejen." Die Mischung aus historischem Halbwissen, Lokalpatriotismus und frivolen Bemerkungen kommt an bei den Touristen. Und viele geben dem Altstadtführer gern etwas Trinkgeld.

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03.12.2006 Tagesspiegel
Zivilcourage – Paar verhindert Nazi-Überfall in S-Bahn

Zwei Treptower haben am Sonntagmorgen einen Angriff von rechtsgerichteten Männern gegen zwei Ausländer verhindert. Ein 26-jähriger Mann wurde dabei leicht verletzt.
Berlin – Ein mutiges Paar hat am Sonntagmorgen Zivilcourage in der S-Bahn bewiesen. Am Bahnhof Ostkreuz pöbelten zehn Männer kurz nach 4 Uhr zwei Schwarze an, die in den Zug stiegen. Sie wurden rassistisch beleidigt; nahezu alle hätten nach Polizei-Angaben ein volksverhetzendes Lied gesungen. Daraufhin meldete sich das Paar energisch zu Wort: Der 26-Jährige verbat sich das Verhalten, woraufhin ein 20-jähriger ihn und die Frau beleidigten.
Zeugen sowie einer der Männer konnten den einschlägig durch Staatsschutzdelikte in Erscheinung getretenen Angreifer beruhigen. Am S-Bahnhof Treptower Park stiegen das Paar, aber auch die Männer aus. Dabei stießen gleich drei den 26-Jährigen zu Boden und beleidigten ihn. Der 20-Jährige trat gegen seinen Kopf. Ein Komplize versuchte, auf den am Boden Liegenden einzuschlagen, jedoch konnte dieser die Schläge abwehren.
Weitere Tätlichkeiten wurden von der 31-Jährigen, weiteren Zeugen und Begleitern des Angreifers verhindert. Die alarmierten Polizisten konnten den 20-Jährigen schnell festnehmen. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen wegen Volksverhetzung, gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung aufgenommen. Der 26-Jährige wurde leicht verletz - er trug eine Beule mit Abschürfungen am Kopf davon. (Tsp/tso)



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