Chronologie faschistischer Übergriffe in Treptow/ Köpenick.
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2008

04.01.2008 In der NPD-Zentrale in Köpenick findet eine Veranstaltung mit Eckhard Bräuniger als Referent zum Thema "Volk und Staat - Die Gestaltung der deutschen Schicksalsgemeinschaft" statt. Die Resonanz ist jedoch gering, lediglich 20 Teilnehmer kommen, größtenteils aus dem Kameradschaftsspektrum. Mit dabei waren Robert Marilow und Stefan Lux.
13.01.2008 Als die Polizei am 13. Januar zu einer Nazifeier in Marzahn-Hellersdorf wegen einer Ruhestörung gerufen wurde, traf diese 14 alkoholisierten Gäste an, die offensichtlich der „rechten“ Szene angehörten. Durch einen 26-jährigen Adlershofer kam es zu Beleidigungen gegenüber den Polizisten. Als diese ihn aus der Einzimmerwohnung führten, kniff er zunächst einem Beamten in den Oberarm und leistete dann Widerstand. Danach wurde die Party beendet.
17.01.2008 In Oberschöneweide wurde gegen 14 Uhr 30 in der Klarastraße ein 20-jähriger Paktbote von zwei alkoholisierten Männern im Alter von 42 und 50 Jahren wegen seines südländischen Aussehens beschimpft und eingeschüchtert. Da der Betroffene Angst bekam, flüchtete er sich in sein Fahrzeug. Die Männer versuchten die Fahrzeugtüren zu öffnen und forderten ihn immer wieder auf, aus dem Auto zu steigen. Vom Opfer alarmierte Polizisten nahmen die beiden alkoholisierten Männer noch in der Nähe fest. Der jüngere Täter wehrte sich zunächst, wurde aber überwältigt.
24.01.2008 Ein Enkel des während der Köpenicker Blutwoche Juni 1933 ermordeten Sozialdemokraten Paul von Essen entdeckte am Straßenschildmast Schmausstraße Ecke Essenplatz in Köpenick ein 30x30 cm großes Schild mit der Aufschrift „An dieser Stelle wurden am 21. Juni 1933 die Hilfspolizisten Robert Gleuel, Wilhelm Klein und Walter Apel Im Alter von 23 Jahren kaltblütig niedergeschossen und erlagen ihren Verletzungen wenige Tage danach“ Verschwiegen wird dabei, das es sich bei den drei genannten Personen um Mitglieder der SA handelte, die damals von Anton Schmaus in Notwehr erschossen wurden, als sie in dessen Haus eindrangen und ihn in ein SA-Lokal verschleppen wollten.
25.01.2008 Eine 6-köpfige Gruppe Neonazis versucht gegen 23.30 Uhr vor einem Konzert in dem Jugendclub "Café" in der Seelenbinderstraße zu provozieren. Sie zogen z.T. mit Hitlergrüßen und grölend die Seelenbinderstraße entlang.
29.01.2008: In der NPD-Zentrale findet erneut eine rechtsextreme Veranstaltung statt. Diesmal handelt es sich um einen "Zeitzeugenvortrag zum 30.01.1933". Laut "Jungen Nationaldemokraten" nehmen 30 Nazis teil. Damit zeigt sich, dass die NPD-Zentrale und ihr so genanntes "Nationales Bildungszentrum" vermehrt für Schulungsveranstaltungen genutzt werden.
03.02.2008 Zwei angetrunkene 17- und 18-Jährige pöbelten zunächst eine 26-jährige Türkin und ein 31-jähriger Iraker, die in in einem Hotel in der Grünauer Straße arbeiten, gegen 5:20 Uhr an. Als der 17-Jährige einen Teleskopschlagstock zog, flüchteten die Reinigungskräfte von den Angreifern verfolgt in die Empfangshalle, wo der 42-jährige Portier ihnen zur Hilfe kam. Er verwies die Jugendlichen des Hauses, erhielt aber einen Faustschlag ins Gesicht und einen Hieb mit dem Schlagstock gegen den Arm, wobei einer ihm drohte, ihn umzubringen. Dann flüchteten die Täter, zerschlugen aber zuvor die Verglasung einer Tür. Die alarmierte Polizei konnte beide in der Glienicker Ecke Rudower Straße festnehmen.
07.02.2008 50 CDs mit dem Titel „Der Volksverhetzer“ mit volksverhetzendem Inhalt und einen nicht genehmigten Elektro-Schocker fand die Polizei in der NPD-Bundeszentrale in der Seelenbinderstraße in Köpenick. Das Gebäude wurde im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens der Staatsanwaltschaft Münster wegen Veruntreuung des NPD-Bundesschatzmeisters Erwin Kemna durchsucht.
Die Anzahl der CDs, gegen die ein allgemeiner Beschlagnahmebeschluss vorlag, lässt den Schluss zu, dass sie zur Verbreitung bestimmt waren. Ermittlelt wird nun wegen Volksverhetzung und Verbreitens von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen sowie einer Zuwiderhandlung gegen das Waffengesetz. Am Nachmittag veranstaltet die NPD eine Pressekonferenz mit Udo Voigt, Carsten Schrank und Frank Schwerdt. Orga-Aufgaben übernahmen Jörg Hänel, Eckhard Bräuniger, Klaus Beier und Lars Beyer.
20.02.2008 Der Gedenkstein von Alfred Grünberg wird mit Marker mit der Parole "Alles Lüge" beschmiert.
29.02.2008 Am S-Bhf Treptower Park werden in größerer Stückzahl Sticker für den Berliner SA-Führer Horst Wessel entdeckt. Als ein engagierter Passant diese am Abend abreist, wird er von zwei Neonazis angepöbelt und bedroht.
14.03.2008: Am S-Bahnhof Plänterwald und in der Umgebung werden Aufkleber der NPD mit den Parolen "Gute Heimreise", "Inländerfeundlich" und "Boykott Israel" geklebt.
30.03.2008 Im Anschluss an ein Fußballspiel des Adlershofer BC gegen TuS Makkabi hat ein 44-Jähriger den „Hitlergruß“ gezeigt und den Spielern von Makkabi Naziparolen zugerufen. Der Täter wurde festgenommen. Ein 38-Jähriger beleidigte zudem eine Betreuerin des TuS Makkabi.
Der Verein TuS Makkabi ist ständig antisemitischen Beschimpfungen ausgesetzt. Bereits am 29.09.2006 musste ein Spiel von Makkabi gegen einen Verein aus Altglienicke wegen antisemitischer Beschimpfungen durch Zuschauer_innen abgebrochen werden.
19./20.4.2008 Eine Gruppe von Neonazis ruft rechte Parolen und verklebt Aufkleber mit rechstextremem Inhalt auf dem Sterndamm.
23.04.2008 Die NPD macht gegen eine Gedenkaktion eines linken Bündnisses eine Kundgebung. Anlass des Gedenkens war die Befreiung Köpenicks am 23. April 1945. Dies wurde mit einer Kundgebung am Platz des 23. April und der Uraufführung des Theaterstücks "Schweigen heißt Zustimmung" begangen. Die NPD wollte die Verbrechen der russischen Soldaten während der Befreiung Berlins in den Vordergrund rücken. ca. 40 Neonazis nehmen an der Kundgebung der NPD teil.
24.04.2008 Eine Sprüherei, bestehend aus den Parolen "köpenick bleibt deutsch" und "seit heut n8" wird in Köpenick Seelenbinder Straße Ecke Bahnhofstraße entdeckt.
02.05.2008 Auf dem Hafenfest treiben sich neben anderen Besuchern auch Neonazis herum. Diese erkennen einen Helfer an einem Getränkestand als politischen Gegner, mobilisieren eine größere Gruppe zu der Stelle und bedrohen den Helfer. Dieser kann unbeschadet flüchten.
09.05.2008: Beim Regionalligaspiel 1. FC Union gegen SG Dynamo Dresden nimmt die Polizei einen 39-Jährigen fest, der den „Hitlergruß“ zeigte.
15.05.2008 In der Nacht wird am Schlossplatz Köpenick ein Mann mit schwarzer Hautfarbe von einem jungen Mann rassistisch beschimpft, geschubst und mehrmals geschlagen. Nach Eingreifen eines Passanten lässt der Angreifer zunächst von dem Mann ab, beschimpft ihn aber weiterhin. Das Eintreffen des Nachtbusses beendet den Vorfall.
17.05.2008 Die NPD ist mit einem Informationsstand auf dem Adlershofer Marktplatz (Dörpfeldstraße) präsent. Der Stand wird unter anderem von den bekannten Neonazis Andreas Thürmann (ehemals Märkischer Heimatschutz-Sektion Berlin) und Markus Loszczinsky (ehemals Berliner Alternative Südost und im JN-Bundesvorstand).
22.05.2008 Ein 16-jähriger Schüler rief gegen 10 Uhr während des Sportunterrichtes im Treptower Park mehrmals „Sieg Heil“ und „Heil Hitler“. Die Schulleiterin erstattete daraufhin bei der Polizei Anzeige.
23.05.2008 In Johannisthal werden am Freitag Abend mehrere dutzend Aufkleber der Vereinten Nationalisten Nord-Ost, die sich thematisch gegen einen linken Jugendclub in Pankow richten, vom Sportplatz über die Stubenrauchstraße bis zur Massante-Brücke geklebt.
21.06.2008 Am Platz des 23. April in Köpenick wird ein Aufkleber mit der Aufschrift "Umweltschutz ist Heimatschutz" entdeckt. In Johannisthal zieht eine Gruppe vermummter Neonazis, im Black-Block-Outfit umher und droht alternativen Jugendlichen Prügel an.
21./22.06.2008 Das Büro der Linkspartei in der Brückenstraße wird zum wiederholten male angegriffen. Durch Steinwürfe wurde am Wochenende eine Scheibe beschädigt. In Weißensee wurde in der Nacht zu Sonntag ebenfalls die Scheibe eines Parteibüros der Linken eingeschlagen.
28./29.06.2008 Gegen Mitternacht steigt eine Gruppe Jugendlicher in eine TRAM am S-Bahnhof Mahlsdorf. Während der Fahrt beschädigen sie die Inneneinrichtung und rufen rechte Parolen. Am Bahnhof Köpenick und am Rathaus Köpenick verlassen sie die TRAM und entkommen unerkannt.
29.06.2008 Im Imbiss am S-Bahnhof Plänterwald wird das EM-Finale geguckt. Dabei werden lautstark rechte Parolen gerufen.
06.07.2008 Gegen 5 Uhr Früh wird ein Mann aufgrund seiner Hautfarbe rassistisch beleidigt und geschlagen. Die Täter können unerkannt flüchten.
Mitte Juli 2008: Auf der Abteibrücke zur Insel der Jugend am Treptower Park werden mehrere Aufkleber der seit 2005 verbotenen Berliner Kameradschaft Tor entdeckt.
29.07.2008: An der Bulgarischen Straße Ecke Neue Krugallee kleben etwa 10 Aufkleber mit verschiedenen Motiven von "widerstand.info".
14.08.2008: Im Dammweg in Plänterwald wird ein Aufkleber mit der Aufschrift "Ich stehe zu meinem Land" mit einem weißen Herz vor schwarz-rot-goldenem Hintergrund entdeckt. Der Aufkleber ist von der NPD.
27.09.2008: In Köpenick findet der Bundeskongress des Ring Nationaler Frauen (RNF) statt. Dabei handelt es sich um den Frauenverband der NPD, der im Herbst 2006 gegründet wurde. Der RNF zeichnet sich dadurch aus, dass eine Mitgliedschaft in der NPD nicht Voraussetzung für eine Mitgliedschaft im RNF ist, sodass sich Frauen aus unterschiedlichen Lagern der rechtsextremen Szene dort einbringen können. In Berlin gibt es bereits eigene Bezirksverbände des RNF. Am Bundeskongress nahmen 60 Frauen teil.
11.10.2008: In Baumschulenweg beleidigt ein 35-jähriger Mann vier Jugendliche im Alter von 14, 15, 16 und 20 Jahren rassistisch. Die Jugendlichen waren am Nachmittag auf der Baumschulenstraße an dem alkoholisierten Mann vorbeigelaufen, der ihnen zunächst rassistische Parolen hinterherrief und dann versuchte den 20-Jährigen mit einer Bierflasche zu schlagen. Nachdem er den 20-Jährigen auf die Fahrbahn getrieben hatte schlug er dem 15-Jährigen mit der Faust. Der Täter wurde durch die Polizei festgenommen.
13.10.2008: In Baumschulenweg werden zwei 15- und 20-jährige Geschwister aus Serbien von einem 35-jährigen Nachbarn in ihrem Wohnhaus rassistisch beschimpft und mit einem Stein beworfen. Der Polizei gegenüber gaben sie an, den Mann wegen derartiger Delikte bereits mehrfach angezeigt zu haben.
20.10.2008: Am Anfahrtstor des Krematoriums in Baumschulenweg in der Südostallee wurden die Buchstaben "KZ" in der Größe von 10 mal 10 cm eingekratzt. Laut Polizeiangaben hat ein Zeuge angeben, dass dazu eine NPD-Fahne am Tor gehangen hat.
08.11.2008: Am Marktplatz Adlershof findet vormittags ein Infotisch der NPD statt. Er ist Teil eines bundesweiten Aktionstags der Partei, der als Auftakt des Wahlkampfs dienen sollte. Ziel dieser Stände ist es ein friedliches und bürgernahes Image zu suggerieren. In Berlin hat die NPD weitere Infostände in Lichtenberg, Prenzlauer Berg und Pankow durchgeführt.
09.11.2008: Aus einer Gruppe von 5 bis 6 Fans des Fußballclubs Hertha BSC zeigt ein junger Mann am S-Bahnhof Plänterwald den Hitlergruß und "begrüßt" Passant_innen mit "Sieg Heil!".
06.12.2008: Nazis demonstrieren in Karlshorst "Für ein nationales Jugendzentrum". Die angemeldeten Proteste in Treptow-Köpenick sorgen dafür, dass die Nazis ihre Demo nach Karlshorst verlegen. Das Verbot aller Gegenveranstaltungen durch die Polizei führt dazu, dass die Gegendemonstranten durch Lichtenberg und Karlhorst ziehen und die Straßen blockieren. Trotz Einsatz von Wasserwerfern und Knüppeln, wird eine Blockade in der Sewanstraße über 2 Stunden aufrecht erhalten und kann nur nach hinten gedrängt werden. Die Demoroute der Nazis wird umgeleitet und kann nicht durch die Weitlingstraße ziehen.




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