Treptower Antifa Gruppe (T.A.G.)
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Matzigkeit GmbH, Berlin Drontheimer Str. 5, 13359 Berlin


Sehr geehrter Herr Ralf Matzigkeit,
Sehr geehrter Herr Jürgen Matzigkeit,

mit Erschrecken mussten wir feststellen, dass Ihr Unternehmen in Geschäftsbeziehungen zum Lokal „Spreehexe“ in Berlin (Schnellerstr.24) steht. Sie stellen dieser Lokalität die Räumlichkeiten in der Schnellerstr. 24 in Berlin-Treptow zur Verfügung. Wir fordern Sie hiermit auf diese umgehend zu kündigen.

Bereits im Dezember 2004 wurde in der „Spreehexe“ eine Weihnachtsfeier von Mitgliedern der rechtsextremen Szene aufgelöst. Am Ende erhielten die 64 Feiernden Neonazis einen Platzverweis. 13 Strafverfahren wurden eingeleitet - überwiegend wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Die Beamten fanden Kleidungsstücke
mit verbotenen Aufdrucken. In einer Schreibmappe lagen Texte mit rechtsextremistischem Liedgut und Hakenkreuzen. Die Kleidungsstücke und Texte wurden konfisziert,ebenso rechtsextremistische Musik. Die Polizisten trafen hier auf Mitglieder der verbotenen Kameradschaften „Berliner Alternative-Süd Ost“ (BA-SO), „Kameradschaft Tor“, der „Mädelgruppe Tor“ sowie der noch nicht verbotenen Neonazi- Kameradschaft „Märkischer Heimatschutz“. Unter den Anwesenden waren auch 14 polizeibekannte „Lokalgrößen“ der
rechten Szene, darunter der Chef der verbotenen „BA-SO“, René Bethage, sowie Daniel Meinel und Björn Wild, Mitglieder der verbotenen „Kameradschaft Tor“ und weitere Szenegrößen
wie der wegen versuchtem Mord verurteilte Brandstifter Sebastian Dahl. Das Lokal „Spreehexe“ wurde anschließend wegen Fehlens einer Schankgenehmigung geschlossen. Es
eröffnete jedoch bald wieder und entwickelte sich zu einem ständigen Treffpunkt für Berliner Neonazi-Organisationen. Nazi-Funktionäre aus ganz Berlin geben sich hier die Klinke in die Hand und halten hier ihre Treffen ab. Im Umfeld des Lokals kommt es seit dem gehäuft zu Bedrohungen, die verbal oder als Grafitti, die Nachbarschaft oder andere politische Akteure einschüchtern sollen und zu Übergriffen auf alternative
Jugendliche, Nichtdeutsche und Juden aufrufen.

So sammelten sich am 16.04.2005 hier etwa 60 Neonazis um ein antifaschistisches Konzert in der Alten Feuerwache Schöneweide anzugreifen. Ca. zehn Neonazis griffen nahe der „Spreehexe“ einen jungen Punk an.
Am 01.05.2005 sammelten sich Neonazis der verbotenen Kameradschaften BA-SO und der Kameradschaft-Tor nach der Teilnahme an Neonazi-Aufmärschen in Leipzig und Neubrandenburg im Lokal Spreehexe, um ihre neonazistischen Aktivitäten auszuwerten und zu feiern.
Der verurteilte rechte Schläger Markus Loszczynski führte im Juli 2005 seine Geburtstagsfeier mit über 50 neonazistischen Gästen durch.
Am 29.07.2005 versammelten sich etwa 30 Neonazis in der „Spreehexe“ um die Wahlkampfauftaktveranstaltung der PDS/Linkspartei mit Gregor Gysi in der Brückenstrasse
zu stören. Nachdem sie aus der Veranstaltung rausgeflogen waren riefen sie Parolen wie „Tötet die Kommunisten“.
Am 15.08.2005 kam es am Bahnhof Schöneweide nach einem Aufmarsch von Rechten zu einer Auseinandersetzung zwischen Neonazis aus der „Spreehexe“ und der Polizei.
Das Vorgehen der Polizei nahmen ca. 60 von ihnen,um den Neonazi-Führer René Bethage, zum Anlass eine nächtliche Spontandemonstration gegen die Berliner Polizei in Schöneweide durchzuführen. Entgegen der Auflagen wurden trotz der nächtlichen Uhrzeit lautstark Sprechchöre gerufen, in denen die anwesenden Polizeibeamten bedroht wurden.
Am 17.08.2005 sammelten sich 35 Neonazis nach einem Aufmarsch erneut in der „Spreehexe“. Nach einer Festnahme und mehren Platzverweisen gegen Neonazis am Bahnhof Schöneweide versuchte René Bethage wiederum eine Spontandemonstration durch Schöneweide
durchzuführen. Diese wurde zwar nicht zugelassen, doch die Neonazis versammelten sich in der „Spreehexe“. Auch hier musste die Polizei eingreifen und eine Person wegen
Beleidigung festnehmen.
Am 31.08.2005 trafen sich in den Morgenstunden sogar 60 Neonazis, darunter der Stellvertretender Parteivorsitzender der NPD, Holger Apfel, in der Spreehexe, um von dort aus gemeinsam zu ihrer Demonstration gegen den SPD-Parteitag in Neukölln zu fahren. Danach kehrten etwa 35 von ihnen zur „Spreehexe“ zurück um „den Erfolg“ zu feiern. Am späteren Abend versuchten sie noch eine Spontandemo in Schöneweide abzuhalten, die ihnen jedoch von der Polizei untersagt wurde.
Der 03.09.2005 kann als bisheriger Höhepunkt der Neonaziaktivitäten rund um die „Spreehexe“ und den S-Bahnhof Schöneweide angesehen werden. Ein auf dem Bahnhofsvorplatz stattfindendes „Fest für Demokratie und Toleranz“ wurde bereits morgens von mehreren Nazis wie René Bethage und Markus Loszczynski gestört. Direkt vor der „Spreehexe“ hatte der NPD Treptow-Köpenick Vorsitzende Eckhard Bräuninger einen NPD Wahlkampfstand angemeldet. Dort und in der Kneipe sammelten sich die Nazis um zu einer Demonstration in Friedrichshain und
Lichtenberg zu fahren. Nach dieser kamen etwa 70 DemonstrationsteilnehmerInnen
nach Schöneweide zurück, und versuchten auf das Fest zu gelangen. Die BesucherInnen
wurden provoziert, angepöbelt, beschimpft und abfotografiert.
Bis spät in die Abendstunden feierten die Nazis in der „Spreehexe“ ungestört weiter während viele Andere die Bahnhofsumgebung aus Angst vor den Nazis mieden.

Aus dieser Auflistung wird deutlich, dass die „Spreehexe“ mittlerweile Anlauf- und Vernetzungsstelle der Berliner und teilweise der bundesweiten Neonazi-Szene
geworden ist. Sie ist mit dafür verantwortlich, dass der ohnehin von Rechten dominierte Kiez Schöneweide,noch weniger zugänglich wird für alle potenziellen Opfer rechter Gewalt. Rechte Strukturen, die offen mit dem Nationalsozialismus sympathisieren, sozialdarwinistische und rassistische Ideologien vertreten, sollten nirgendwo
geduldet werden. Die Betreiberin der „Spreehexe“ weiss sehr wohl, wer ihre Gäste sind und hat kein Problem damit.

Wir gehen davon aus, dass sie bisher von dieser Entwicklung keine Kenntnis hatten und geben Ihnen daher hiermit die Möglichkeit zu einer Stellungnahme zu Ihren Geschäftsbeziehungen zu der Spreehexe und ihrer Vermietung der Räumlichkeiten an diese. Das Thema "Spreehexe" beschäftigt gerade in Form einer Anfrage den Berliner Senat und wird auch in zukunft in den Medien präsent sein. Daher halten wir ein deutliches Zeichen und eine eindeutige Reaktion ihrerseits für angebracht.

Mit freundlichen Grüßen

Silvia Kurz