Rückblick der Bruneker Schützen
vom 16. Jahrhundert bis zum Jahr 2000

Eine Unterhaltung, der sich die Brunecker schon früh erfreuten, und die mit Wehrhaftigkeit der Bürgerschaft und ihrer Pflicht zur Verteidigung der Stadt zusammenhängt, war das Schützenwesen.

Schon in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts finden wir die Brunecker “Püxenschützen und Schießgesellen”, die unter einem “Püxenmeister” standen, erwähnt.

Im Jahre 1618 wurden die Schützen einheitlich uniformiert und traten nun auch bei festlichen Gelegenheiten unter ihrem Schützenhauptmann mit Trommler und Pfeifer, sowie mit Fahne auf.
Welche Rolle das Schießwesen in späteren Kriegsjahren spielen sollte, ist bekannt. Im Jahre 1809 war das Leben am Brunecker Schießstande nach Aufschreibung eines alten Bruneckers besonders lebhaft und auch Andrä Hofer öfters als Schütze anwesend.

Nach einigen großen Kämpfen im Pustertal gab es dort einige offizielle Gründungen von Schützenkompanien von denen nur 1844 Mühlwald, 1853 Taisten, 1900 Ahornach und Prettau, 1907 Oberwielenbach, 1909 Pichl, und 1912 Steinhaus erwähnt seien. Zur Tiroler Landes-Jahrhundertfeier in Innsbruck 1909 war auch die Schützenkompanie Bruneck mit dem Fahnenträger Josef Kehl, Gastwirt, aufmarschiert.

Nach dem 1. Weltkrieg und dann auch unter dem Faschismus war das Schützenwesen ja verboten. Erst in den späten 50ger Jahren wurden wieder Schützenkompanien gegründet; wenn auch vereinzelt in verschiedenen entlegenen Dörfern immer Schützenkompanien bestanden haben.

Josef Seyr, Glasermeister in Bruneck bemühte sich Jahrzehnte lang in Bruneck wieder eine Schützenkompanie zu gründen. 1961 war er fast am Ziel. 30 Mann meldeten sich als seine Vereinsmitglieder. Josef Seyr wollte 8 Tage vor dem Herz Jesu Sonntag die offizielle Gründungsfeier festlegen. Dies konnte aber nicht verwirklicht werden, da Hans Baur, einer seiner engsten Mitarbeiter, verhindert war. Es gab aber immer wieder große Hindernisse zu überwinden und Rückschläge zu verkraften, aber er fand in Josef Eisath und Hans Unterfrauner tatkräftige und begeisterte Mitarbeiter und Mitstreiter.

So marschierte man 1973 mit geliehenen Trachten mit Schützen aus St. Lorenzen, Pfalzen und Oberwielenbach zur Heldengedenkfeier in den Waldfriedhof. Mit diesem Aufmarsch wollte man die Reaktion der Brunecker Bevölkerung einer Schützenkompanie gegenüber erkunden und man stellte fest, dass viele Bürger der Rienzstadt eine Wiedergründung gutheißen würde. Und so konnte man beim Hirschenwirt in der Stadtgasse am 19.01.1974 die offizielle Gründungsversammlung abhalten. Es haben sich dort ungefähr 42 Mann eingefunden.

Die Schützenkompanie Bruneck hatte die Ehre, 1980 das 5. Pustertaler Bezirksfest auszurichten. Ein Höhepunkt dieses Festaktes war die Umbenennung der Schützenkompanie Bruneck in:

SCHÜTZENKOMPANIE ANTON STEGER BRUNECK.

Anton Steger wurde am 16.06.1768 in Bruneck geboren und verteidigte zur Zeit der Tiroler Freiheitskämpfe als Hauptmann der Schützenkompanie von Bruneck mit all seinen Kräften die Lienzer Klause, bis Hilfe eintraf. Daraufhin wurde er zum Oberkommandanten des Pustertales ernannt. Wie beliebt Anton Steger bei seinen Gefolgsherren war, besagt der Ausspruch: “Wir wollen mit dem Steger siegen oder sterben!” Und die Schützenkompanie Anton Steger hat sich ihn zum Vorbild erwählt und will wie er Väterglaube und Heimattreue hochhalten.

Josef Seyr

Josef Seyr hatte sich eine Aufgabe gestellt und das war der Bau einer Kapelle am Kronplatz. Im November 1983 konnte nach unzähligen bürokratischen und finanziellen Hürden der Rohbau fertiggestellt werden und im September 1984 konnte die Sebastiankapelle mit großer Beteiligung der Bevölkerung von Bruneck und in Anwesenheit von Bergfreunden aus nah und fern eingeweiht werden. Seither ist die Bergmesse am Kronplatz, am 1. Sonntag im September, zum festen Termin der Schützenkomapnie Anton Steger geworden.

Beim 15jährigen Wiedergründungsfest am 20.und 21.Mai 1989 wurde auch auf Initiative des damaligen Hauptmanns Josef Eisath die neue Jung-Schützenfahne eingeweiht. Fahnenpatin ist Fräulein Erika Weidacher. Den Beschluß dieser Jungschützenfahne so zu gestalten, faßte die Kommandantschaft und besorgte sich deshalb ein Bild des “Bozner Herz-Jesu” aus Bozen. Angefertigt und gestickt wurde die Fahne von der Firma “Fahnen Gärtner” in Mittersill. Die zweite Seite der Fahne zeigt den Tiroler Adler, das Stadtwappen von Bruneck und die Schießringe. Die Fahne ist vollständig gestickt.

1989 begann man die echte Pusterer-Tracht zu renovieren. Man kaufte neue Hüte und als Hutschmuck kam zu den Hahnfedern noch der Spielhahnstoß. Statt der roten Leibchen nähte man die “Originalen Prusta” und auf der “Rupfenen Pfoat” wurde ein Stehkragen genäht.

Bruneck stand 1990 ganz im Zeichen des 11. Alpenregionsfestes. Der neugewählte Hauptmann Hans Unterfrauner hatte mit der Organisation alle Hände voll zu tun.4000 Schützen besuchten am 1.Juli zum Festakt die Rienzstadt, aber der Festakt mußte wegen eines heftigen Gewitters von der “Schloßwiese” in das Festzelt in Stegen verlegt werden.

Die Brunecker Schützen vestanden und verstehen es aber nicht nur Feste zu feiern, sondern sie sind auch überall dort, wo ihre Hilfe und ihre tatkräftige Hand, in welcher Form auch immer, gebraucht wird. So machen die Schützen alljährlich gemeinsam mit dem Seniorenclub einen Halbtagesausflug mit den betagten Menschen von Bruneck. Weiters stellen sich die Schützen stets für Arbeiten in der Kirche zur Verfügung und restaurieren und renovieren Wegkreuze in der Umgebung von Bruneck.

Die Schützen von Bruneck pflegen auch Freundschaft und Kameradschaft auf vorbildliche Weise und beziehen die ganze Familie in ihr Vereinsleben ein. So wird alljährlich eine Rodelpartie für die ganze Familie unternommen, ein Kompanieschießen und ein Familienkegeln organiesiert, gemeinsame Wallfahrten und Bergwanderungen geplant und sogar das Herz-Jesu-Feuermachen am Kronplatz wird zum familieären Ereignis. Daß die Brunecker Schützen auch viel Humor haben, bezeugten sie bei den großen Faschingsumzügen in Bruneck. Sie wählten stets politische Themen, oder sie setzten sich auf humorvolle Weise mit Umweltproblemen auseinander.

Eiserne Wehrmann 1915 - 16

Beim 1. Weltkrieg kämpften viele Schützen an der Dolomitenfront, in Galizien und in Serbien. 1915 wurde im Tschurtschenthaler Park ein geschnitzter Kaiserjäger aufgestellt. Dieser wurde mit Nägeln, die von der Bevölkerung durch eine Kriegsspende erworben werden konnten, beschlagen und wurde so zum"Eisernen Wehrmann". Das eingegangene Geld wurde an Kriegswitwen und -waisen weitergegeben.
Der sogenannte "Eiserne Mann" befindet sich im Schützenmuseum auf Schloß Prösels und ist Eigentum der Schützenkompanie Anton Steger Bruneck.