Pfarrkirche Maria im Moos
Die Pfarrkirche Maria im Moos wird nicht zu Unrecht als die größte
Kirche im deutschsprachigen Alpenraum bezeichnet. Ihre Ausmaße sind
dementsprechend: Die Höhe an der Außenfassade beträgt etwas mehr als 32
m, im Inneren ist das Kirchenschiff 38 m lang, 23 m breit und 22 m
hoch. Das Gotteshaus wurde auf den Resten einer alten romanischen
Kirche (1981 freigelegt) errichtet, die vermutlich wiederum hier erbaut
wurde, um ein altes römisches Gräberfeld zu sakralisieren. Vom
römischen Friedhof zeugt der sog. Victorinastein an der Nordfassade der
Kirche aus dem 2. oder 3. Jh. nach Christus. 1233 wurde das Gotteshaus
erstmals urkundlich erwähnt. Damals wurde ein Dominus Hartmannus als
Pfarrer zur Hl. Maria im "Wiptal" genannt.
Um 1417 wurde mit dem Umbau des Chores der Kirche begonnen. Die
Arbeiten dauerten bis 1451 und wurden von Hans Feur durchgeführt. Mit
der gotischen Innenausstattung der Marienkirche wurde kein geringerer
beauftragt als der Ulmer Künstler Hans Multscher. 1458 wurde der damals
12 m hohe Altar in sechsmonatiger Arbeit aufgebaut. Diese Arbeiten
wurden noch von den angestammten Bürgern finanziert, während die
künftigen Bauten von den sog. "Neureichen" durchgeführt wurden.
Der Reichtum in der Fuggerstadt Sterzing wuchs wegen des Bergbaus in
Ridnaun und wegen der Handelstätigkeit an der Nord-Südroute rasch, und
bald baute man auch an der Pfarrkirche weiter. Das Langhaus kam
zwischen 1497 und 1525 an die Reihe. Mit der Errichtung der
gigantischen Säulen wurde Hans Lutz von Schussenried, der Architeckt
des Bozner Pfarrturms, betraut. Die Säulen wurden aus weißem
Ratschinger Marmor angefertigt und von verschiedenen Bürgern gestiftet,
wovon noch heute die Wappen auf den Säulen zeugen. Der Glockenturm
wurde ebenso riesig geplant. Der Bau kam aber zweimal zum Stillstand,
weil das Geld knapp wurde. Dass der Turm wegen des Geldmangels so klein
ausgefallen ist, wie wir ihn heute sehen, gilt als unwahrscheinlich;
der Bau musste wohl eher wegen des moosigen Untergrundes frühzeitig
eingestellt werden. Im Jahre 1568 ging der Turm in Flammen auf und
wurde bis 1608 mit einem Notdach versehen. Im Inneren der Kirche gab es
zum Glück keine Schäden.
Im Jahre 1753 wurde mit der Barockisierung des Kircheninneren begonnen.
Die gotischen Gewölberippen wurden entfernt, die Rundpfeiler durch
Gipskapitelle erhöht, der Raum von Adam Mölckh ausgestaltet und - ein
aus heutiger Sicht wohl unverzeihlicher Frevel - der gotische
Flügelaltar von Multscher abgetragen und durch einen billigen
Barockaltar ersetzt. Lediglich die Madonna mit dem Kind verblieb an
ihrem Platz. Die Barockisierung unbeschadet überstanden haben die Tür
zum Turm mit einem Steinrelief (Jesus betet im Ölgarten), die
Sakristeitür und die Außenportale, von denen das Südportal besonders
reich gestaltet ist. Der Inschrift im Tympanon zufolge soll Kaiser
Maximilian 1497 bei der Grundsteinlegung des Langhauses anwesend
gewesen sein.
Um 1860 wurde das Presbyterium wieder regotisiert, der Barockaltar
durch einen neugotischen Altar ersetzt, die Statuen der HIl. Ursula,
Barbara, Katharina und Apollonia des Multscher kamen wieder auf den
Altar zurück. Weitere Reste des ursprünglichen gotischen Altares
befinden sich heute im Multschermuseum, etwa die berühmten Öltafeln mit
Szenen aus dem Leben Jesu und der Gottesmutter Maria.
Die Fresken des Adam Mölckh stellen folgende Szenen dar: Im
Mittelschiff von vorne beginnend Maria Himmelfahrt, Blumenornamente;
die Gottesmutter vor der Dreifaltigkeit; - König David beim
Psalmensingen über der Sängerempore. In den Jochen sind Heilige
dargestellt: im Norden Johannes der Täufer, Notburga, Barbara,
Sebastian, Jakobus der Ältere als Reiter; in den südlichen Jochen Franz
Xaver, lsidor, Margareth, Florian und Georg als Fürbitter für Sterzing,
das der Maler mit der Umgebung dargestellt hat.
Das Weltgericht an der Chorwand stammt von einem unbekannten Meister
aus dem ausgehenden 16. Jh.
Die Kreuztragung an der Nordfassade stammt wohl vom Meister Multscher
selbst oder geht auf dessen Einfluss zurück. Die Apostelbüsten mit dem
Christus im Chorraum fertigte vermutlich der Sterzinger Meister Matheis
Stöberl. Auch die Kreuzigungsgruppe im Chor dürfte aus der Hand dieses
Meisters sein. Von ihm stammt auch der Entwurf des Südportals.
Die Kirchenbänke stammen aus der Zeit um 1755. Sie tragen die Wappen
ihrer Inhaber, der Bürger, Adeligen und Handwerker.
Die pneumatische Orgel ist ein Werk der Orgelbaufirma Mayr aus
Vorarlberg. Sie stammt aus dem Jahr 1910.
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