Erinnerungen vom ersten Pastor,
dr.Endre Széky an die Jahre l941-53
Und was geschah seit damals?
Dieses kleine Buch von lokaler Bedeutung erschien
vor 12 Jahren. Als es erschien, sagte der Presbyter István Kasza: Herr Pastor,
sammeln Sie nur das Material und die Photographien um auch über die zweiten 25
Jahre ein Gedenkbuch ausgeben zu können. Ich versuche kurz zusammenfassen, was
seit damals geschah.
Im Herbst l941 überraschte der Pastor das
Presbyterium mit dem nachsten Vorschlag: die Gemeinde sollte die in Gyál
liegenden Felder des Pastors und des Kantors parzelliert verkaufen. Diese
Felder lagen namlich unmittelbar neben einem Gebiet in Gyálliget, das zu
Baugründen parzelliert und feilgeboten wurde. Deswegen dachte unser Pastor,
dass man auch unsere Felder um einen vorteilhaften Preis verkaufen könnte /um
3-5 Pengõ pro Quadratklafter/. /Pengõ war die ungarische Geldsorte vor l947./
Diese Felder waren noch wertvoller, weil
auf ihnen 6-8 Jahre alte fruchtbringende Aprikosenbaume waren. Der Pastor hatte
vorgerechnet, und seinen Kalkulationen nach sollte die Gemeinde von diesem
Verkauf netto l6oooo Pengõ bekommen, und könnte von dieser riesigen Summe
allerlei Schulden bezahlen: 9ooo Pengõ der Staatskasse - den Kaufpreis des
Grundes in Gyál, 25ooo Pengõ - die Anleihe auf den Kirchenaufbau, 3ooo Pengõ -
den staatlichen Steuerrückstand, 5ooo Pengõ - die Anleihe des Kaufpreises des
Kulturhauses. Ausserdem könnte man das Kulturhaus erweitern /für etwa 3oooo
Pengõ/, in der Parochie könnte man neue Sale bauen und eine Wasserleitung mit
motorischer Pumpe zustande bringen /für etwa 13ooo Pengõ/. Es würde etwa 8oooo
Pengõ überbleiben, und für diese Summe könnte man auch einen grösseren und
besseren Grundbesitz kaufen, alsder vorherige war.
Das Presbyterium empfing den Vorschlag des
Pastors begeistert und dankbar. Die nachste Diözesenvollversammlung gab zur
Parzellierung die Erlaubnis.
Die 69 Parzellen wurden in 8 Monaten um
den vorher festgestellten Preis verkauft. Ein Bewohner von Gyál. Mihály Bolváry
erledigte den Verkauf, die Besprechungen mit den Kunden. Die von den
Ratenabzahlungen hervorgegangenen finanziellen Administrationen wurden vom
Kurator Jenõ Kun absolviert. Der Pastor selbst , der
Doktor der Rechtswissenschaften war , erledigte die Eintragungen ins Grundbuch,
die juridischen Probleme, die Probleme der Kontraktabschlüsse, der Gebühren,
usw.
Und im Frühling l944 bezahlte die
kalvinistische Gemeinde von Pestszentimre alle ihren Schulden. Ausserdem kaufte
die Gemeinde einen Grundbesitz zweimal grösser, als vorher. Das Kulturhaus
wurde vergrössert /mit einem Jugendheim und einem Nebensaal/ Der Plan der
Parochieerweiterung wurde genehmigt, die gebrauchten Ziegel wurden gekauft. Die
Gemeinde von Pestszentimre war in solchen geordneten Verhaltnissen, wie nur
wenige Gemeinde, die zahlreiche Mitglieder und eine ruhmvolle Vergangenheit
haben
Aber im Herbst 1944. erreichten uns die
Kampfe des zweiten Weltkriegs, und Pestszentimre wurde Frontgebiet. Die
faschistische Kriegsleitung evakuierte die Einwohnerschaft, unterminierte
unsere Kirche, und am Tag des Auszugs vom Dorf, am 28. Dezember l944. sprengte
sie und auch die katholische Kirche in die Luft.
Es war ein schreckliches Gefühl, als wir
am l8. Januar l945. ins Dorf zurückkehrten, und die völlig zerstörte Kirche
erblickten. Die Kirche war bis zum Fundament zerstört, die Glocken in Stücke
zerrissen, die Orgel völlig vernichtet, die Banke von den herabfallenden
Steinen zerstört, der schöne, neue Ofen unter den Ruinen zerquetscht. Das Dach
der Parochie war von der Explosion zerrissen, die Türe und Fenster
eingebrochen, das Nebengebaude fast zusammengebrochen, die Obstbaume
verstümmelt, die Zaune vernichtet. Alles sprach über Vandalismus. Das alles
wurde verübt, um den Russen keinen Aussichtspunkt zu lassen.
Mein erster Gedanke war: Weg von hier! Weg
von dieser schrecklichen Ruinenstadt!
Spater, als die Tage vergingen, und ich
traf jeden Tag einen anderen und wieder anderen lieben Bekannten, erfüllte mich
ein neues Gefühl: Wir werden alles wieder anfangen! Wir werden alles
wiederaufbauen!
Wir hatten unseren ersten Gottesdienst am
25. Januar im kalvinistischen Kulturhaus, das relativ wohlerhalten blieb. Wir
luden alle Heimkehrer ein. Wir begrüssten uns weinend, und die Vorsteher der
Gemeinde versicherten mich: Herr Pastor, Sie können auf uns rechnen!
Die neue Führung des politischen Lebens
des Dorfes, das Nationalkomitee war uns beihilflich. Sie schickte Arbeiter, die
die Parochie wiederherstellen halfen. Der Pastor konnte am 15.Marz
in die Parochie einziehen.
Gottesdienste hielten wir ungestört jeden
Sonntag im Kulturhaus, aber die Ruinen unserer Kirche wühlten uns jeden Tag
auf. Unsere Presbyter, die Frauen und die Mitglieder des Chors arbeiteten
unermüdlich. Sie raumten die Ruinen weg, sie sammelten die Materialien, die
noch gebraucht werden konnten. Sie arbeiteten mit der festen Hoffnung, dass die
Kirche wiederaufgebaut würde.
Der Pastor hatte mit Architekten
Besprechungen, bat die Behörden um Hilfe, bat um finanzielle Beihilfen, aber
der Wiederaufbau war wegen der enormen Inflation ganz unmöglich. Die Gemeinde
war hoffnungs- und trostlos.
Und einmal im Sommer 1946 bekamen wir eine
unerwartete Freudenbotschaft: schweizerische Kalvinisten schickten uns eine Holzkirche für 3oo Personen,
die ganz leicht zusammengestellt werden konnte. Wir waren von dieser Hilfe tief
bewegt! Unser Gebet wurde erhört! Wir bekamen Hilfe, woher wir sie gar nicht
erwartet hatten: von unseren auslandischen Glaubensgenossen.
Die von allen bewunderte, in Schweiz
hergestellte Holzkirche wurde am 11. August l946 vom Bischof dr.Ravasz László
geweiht. Auch der Prasident der
Republik, mehrere Mitglieder der Regierung und jeder Einwohner des Dorfes
/ohne Rücksicht auf Religion und Parteiangehörigkeit/ nahmen an der Weihe teil.
Die kalvinistische Gemeinde zog glücklich ein, und sang den schönen 7. Gesang:
"Unser gnadiger Herrgott , wir sind mit Freude in
deine Kirche, in die Gemeinde deiner Heiligen hereingekommen."
Im Herbst nachsten Jahres lauteten auch
die neuen Glocken. Wir liessen eben solche /sowohl ihre Grösse, als auch ihr
Klang waren gleich/ Glocken machen, die wir auch vorher gehabt hatten, und das
konnten wir von den Spenden der Gemeinde machen lassen. Die Glocken wurden im
September l947 vom Senior dr.Ecsedy Aladár geweiht, und die beiden Glocken
machen auch jetzt ihre Arbeit: "Sie rufen die Lebendigen und beweinen die
Toden."
Wir hatten das Gefühl, dass unsere
Gemeinde wieder zu sich kam. Die kirchlichen Vereine begannen wieder zu
arbeiten. Unser Chor sang die neuen Lieder der neuen Zeiten. Unser Frauenverein
arbeitete in der Armen- und Krankenpflege. Unsere Pfadfinder sammelten unsere
Kinder in neue Gruppen. In
unserem Kulturhaus waren teilweise eigene Aufführungen zu sehen, teilweise
wurden die Sale des Kulturhauses den demokratischen Vereinen und ihren
Veranstaltungen angeboten. Die Wohlfahrtsgruppe unterstützte die Arbeit unseren
Frauenvereins mit von Jahr zu Jahr höheren Summen, und erleichterte damit die
gewöhnliche Liebesdienst vor Weihnachten. Die Wohlfahrtsgruppe unterstützte mit
ihren Spenden auch die Kirchengemeinde.
Zweimal in der Woche hatten wir
Gottesdienste in verschiedenen Hausern. An diesen Gelegenheiten waren viele
Gemeindemitglieder anwesend, man studierte Gottes Wort und sang neue Lieder.
Der Pastor lud berühmte Predikanten ein, es wurden Evangelisationen vorgelesen.
Solcherweise wurde es versucht die Gemeinde im Glauben zu befestigen
Die sozialistische Umgestaltung veranderte
einigermassen auch unser Kirchenleben. So zum Beispiel der Grundbesitz der
Gemeinde /51 Katastraljoch/ und unser Kulturhaus wurden verstaatlicht, das
Pflegeheim wurde in Kinderkrippe umgestaltet, die Arbeit des Kulturvereins und
der Wohlfahrtsgruppe wurde eingestellt, das Gesangverein wurde einfacher Kirchenchor. Von unserem Frauenverein wurde ein
einfacher Bibelkreis für Frauen. Anstatt der grossen Kulturabende organisierten
wir damals nur Agapen. Von den 8o gepflegten, bejahrten Leuten blieben nur 18,
die in zwei kleinen Hausern
wohnten, und bildeten eine kleine, familiarische Gemeinschaft. Sie trafen
zweimal wöchentlich mit den alten Geschwistern von anderen Kirchengemeinden.
Im Frühling l948 wurde unsere Filialkirche
in Gyál selbstandig, und der erste
Pastor eingesetzt.