3.1 Geschichtliche Entwicklung
Als erster elektromechanischer Energiewandler wurde der
Gleichstrommotor
entwickelt. Die Energieversorgung erfolgte über die in
den Anfängen der Elektrotechnik entwickelten galvanischen Elemente,
die nur Gleichspannung lieferten. Die Entwicklung des Gleichstrommotors
ist eng mit dem Namen A.Pacinotti verbunden, der im Jahre 1860 einen Motor
mit Ringwicklung und vierteiligem Stromwender (siehe Kapitel 3.3)
fertigte.
Auf Pacinotti folgte Gramme, der den Ringanker erfand. Dieser
Anker arbeitete allerdings mit erheblichen Leistungsverlusten, da die Spulenhälften
innerhalb des Läufers nicht genutzt werden konnten. Eine entscheidende Verbesserung der Funktionsweise des
Gleichstrommotors erreichte Friedrich von Hefner Alteneck. Der deutsche
Konstrukteur umwickelte im Jahre 1872 einen zylinderförmigen Anker
vollständig mit Draht und hatte somit den heute noch gebräuchlichen
Trommelanker
(siehe Kapitel 3.5.2.1) erfunden.
Etwa um das Jahr 1890 verlor der Gleichstrommotor mit
der Einführung des Drehstroms seine Vormachtstellung an die Induktionsmotoren
(siehe Kapitel 5).
3.2 Leistungs- und Anwendungsbereich
Der Gleichstrommotor ist eine elektrische Maschine, die
sehr einfach in der Drehzahl und im Drehmoment verstellbar ist und deshalb
in allen Größenordnungen gebaut wird. So gibt es Motoren mit
unter einem Watt Leistung für die Feinwerktechnik oder Großmaschinen,
die bei einer Spannung von 1500 V Leistungen von über 10.000 kW aufnehmen.
Weit verbreitet sind dauermagneterregte Motoren bis zu ca. 100 W, die in
großer Stückzahl für die Kfz-Elektrik gefertigt werden.
Dort werden sie als Scheibenwischer-, Gebläse- und Stellmotoren eingesetzt.
In der Industrie kommen Gleichstrommotoren vor allem in Werkzeugmaschinen,
Förderanlagen und Walzstraßen vor. In Nahverkehrsbahnen werden
sie als Fahrmotoren verwendet.
3.3 Aufbau eines Gleichstrommotors
Der Gleichstrommotor ist eine Außenpolmaschine,
d.h. im Erregerfeld des Hauptpols ist eine sich drehende Leiterschleife
gelagert. Vereinfacht man seinen Aufbau wie in Bild 3.1 (nächste Seite)
wesentlich, so besteht der Gleichstrommotor aus zwei grundlegenden
Bauteilen: erstens aus einem Hauptmagneten, der am Ständer
(Stator) befestigt ist und an dem sich die Erregerwicklungen (Spulen)
befinden; zweitens aus dem als Leiterschleife bereits erwähnten Anker
(Rotor), an dessen geblecht ausgeführtem Ankerkern die
Ankerwicklungen
aufgebracht sind.
Bei den beiden erwähnten Teilen handelt es sich um
Magnete,
die miteinander in Wechselwirkung treten und so die Rotationsbewegung des
Ankers verursachen.
In Bild 3.1 können wir erkennen, daß es sich
bei den Erregerwicklungen nicht immer um Spulen handeln muß. Auch
dauermagneterregte Motoren sind möglich. Wir haben es hier mit einem
zweipoligen Gleichstrommotor mit der Polpaarzahl p = 1 zu tun, weil Nord-
und Südpol die Feldkomponenten eines Magneten sind.
Der abgebildete Anker heißt Doppel-T-Anker.
Er hat die einfachste Form, die für den Anker einer Gleichstrommaschine
möglich ist. Seinen Namen hat er von seiner Form erhalten, die an
zwei zusammengesetzte "T`s " erinnert.
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| Bild 3.1 |
3.4 Funktionsweise eines Gleichstrommotors
Wie wir bereits in 3.3 gehört haben, setzt sich ein
Gleichstrommotor im Prinzip aus einem feststehenden Stator, an dem
die Feldmagneten angebracht sind, und einem rotierenden Anker,
zusammen. In Bild 3.2 (nächste Seite) sind die Pole des Feldmagneten
durch N = Nordpol und S = Südpol gekennzeichnet. Der Anker, der sich
im Luftspalt des Feldmagneten dreht, wird in der Abbildung mittels eines
Balkens und zweier Kreise dargestellt, die in Bild 3.2 a) die beiden Spulenhälften
der Ankerwicklung und in den Bildern 3.2 b), c) und d) die jeweilige Stromrichtung
symbolisieren sollen.
Unter 1.1 haben wir das elektrodynamische Gesetz kennengelernt.
Es besagt, daß auf eine stromdurchflossene Leiterschleife im Magnetfeld
die Kraft F=I l B wirkt. Außerdem konnten wir in Bild 1.1 erkennen,
daß ein stromdurchflossener Leiter von einem kreisförmigen Magnetfeld
umgeben ist. Kombinieren wir nun das Magnetfeld des Feldmagneten mit dem
Magnetfeld der Leiterschleife, so können wir eine Überlagerung
der beiden Felder sowie eine daraus resultierende Kraftwirkung feststellen.
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| Bild 3.2 a) b) c) d) e) |
3.5 Die wichtigsten Bauteile eines Gleichstrommotors
In Kapitel 3.3 haben wir die grundlegende Funktion des
Ständers
oder Stators bereits angedeutet. Er dient zum einen als Halterung
für die verschiedenen erforderlichen Wicklungen (Erregerwicklung,
Kompensationswicklung, Wendepolwicklung), die an ihm angebracht sind,
zum anderen gewährt er den äußeren
magnetischen Rückschluß
der Hauptpole, in deren innerem Feld (Luftspalt) sich der drehbar
gelagerte Anker befindet.
Den magnetischen Rückschluß (siehe Kapitel
3.4) können wir uns folgendermaßen erklären, falls wir
uns die Feldlinien des Hauptmagneten, die am Nordpol des Magneten "beginnen
", als einen durchgehenden Feldlinienkreis vorstellen: Ausgehend vom Nordpol
gehen die Feldlinien durch den Anker zum Südpol, um sich dort aufzuteilen
und über den Ständer zum Nordpol zurückzugelangen. Hier
beginnt der Kreis von neuem. Unter magnetischem Rückschluß versteht
man also das "Rückleiten" der Feldlinien an ihren "Ausgangspol".
Außer diesen beiden wichtigen Funktionen hat der
Ständer natürlich auch die Aufgabe, den Motor vor mechanischen
Einwirkungen von außen zu schützen bzw. die Standfestigkeit
des Motors zu gewährleisten. Motoren größerer Bauart können
an einem am Ständer angeschweißten Ring aus ihrer Verankerung
gehoben werden, um transportiert zu werden.
Wir haben uns bereits in 3.3 und 3.4 mit den wichtigsten
Eigenschaften des Ankers auseinandergesetzt und erfahren, daß er
ein gelagertes Bauteil eines Motors ist, das im Magnetfeld eines
Elektro- bzw. Dauermagneten eine Drehbewegung ausführt. Nun
wollen wir den Anker von seinem Aufbau her betrachten.
Der Anker besteht aus einer Welle aus Stahl, die
ein Blechpaket aus einzelnen zusammengepreßten Dynamoblechen
trägt. Diese Dynamobleche sind auf jeweils einer Seite isoliert, weisen
eine Stärke von 0,5 mm auf und haben eine bestimmte Form: Stellt man
sich eine gestanzte kreisförmige Blechscheibe vor, von der man in
einem bestimmten Abstand Kreissegmente abschneidet, so erhält man
ein sternförmiges Gebilde. Preßt man nun eine Menge solcher
sternförmiger Scheiben aneinander, erhält man einen Zylinder,
der mehrere längsseitige Einkerbungen aufweist. Diese Einkerbungen
liegen sich genau gegenüber. Sie werden Nuten genannt und dienen
der Aufnahme der Ankerwicklungen. Nach dem Einfügen der Anker-wicklungen
in die Nuten werden diese mit einem Keil verschlossen. Bei Maschinen mit
kleineren Leistungen verwendet man halbgeschlossene, konische Nuten mit
parallelen Zahnflanken und einer Runddrahtwicklung. Für große
Leistungen sind parallele Nutflanken mit Schwalbenschwanzkeil und einer
Profildrahtwicklung üblich. Nun bringt man das gesamte Blechpaket
mit seinen Wicklungen noch auf eine Welle auf und preßt es mit Hilfe
von Preßringen fest aneinander. Als Ergebnis erhält man einen
Anker einer Gleichstrommaschine.
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| Bild 3.3 Trommelanker |
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| Bild 3.4 |
3.5.2.3 Der Dreifach-T-Anker
Im Unterschied
zum Doppel-T-Anker können Motoren mit
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| Bild 3.5 |
Der Stromwender (auch Kollektor oder Kommutator,
siehe Kapitel 3.3) wird heute überwiegend aus Preßstoff gefertigt.
In die Preßstoffmasse sind keilförmige Kupfersegmente,
man nennt sie auch Stege oder Lamellen, eingelassen, die durch eine 0,5
bis 1 mm starke Isolierschicht voneinander getrennt sind.
Die Stromwenderlamellen sind mit der Ankerwicklung durch
Löten oder Punkt-schweißen verbunden. Der Anfang einer Wicklung
ist dabei an eine bestimmte Lamelle gelötet, während das Ende
der Wicklung genau an einem dieser Lamelle gegenüberliegenden
Segment angebracht ist.
Am Ständer der Gleichstrommaschine sind Halter angebracht,
damit Bürsten aus Kohle oder Graphit am Umfang des Stromwenders
gleiten können. Die Bürstenhalter sitzen meist auf Bürstenbolzen
und sind an einer drehbaren Bürstenbrücke befestigt.
Wird über Bürsten und Kollektor ein elektrischer
Gleichstrom in die Ankerspulen geleitet, üben Ankermagnetfeld und
Ständermagnetfeld eine Wechselwirkung aufein-ander aus, d.h. am Anker
greift eine mechanische Kraft an. Mit dem ektrodynamischen Gesetz gilt
folgende Gleichung: F = I l B.
Für die Drehbewegung des Ankers ist allerdings nicht
die wirkende Kraft, sondern das am Umfang des Ankers angreifende Drehmoment
ausschlaggebend, welches den Betrag M=F r cos a
hat. Bei horizontaler Lage der Leiterschleife (a
= 90°) ist M = 0, da der Winkel a immer
senkrecht zur Schleife gemessen wird.
Um eine Weiterdrehung der Schleife zu ermöglichen,
muß die Stromrichtung im Moment des Durchgangs des Kommutators durch
den Totpunkt umgekehrt werden. Mit der Stromrichtung dreht sich auch die
auf die Schleife wirkende Kraft sowie das Drehmoment um. Bei der in 3.3
beschriebenen zweipoligen Maschine muß die Stromumkehr also alle
180° erfolgen.
3.6 Die magnetischen Felder
beim Gleichstrommotor
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| Bild 3.6 |
3.6.1 Das magnetische Hauptfeld
Das magnetische Hauptfeld wird vom Erregerstrom in den
auf den Hauptpolen angeordneten Erregerwicklungen erzeugt. Zum Verstärken
des magnetischen Hauptfeldes sind um die Erregerwicklungen sogenannte Polschuhe
(in
Bild 3.7 einfach als Hauptpole bezeichnet) angebracht, die
eine möglichst große Anzahl an Ankerwicklungen erfassen sollen.
Falls die Erregerwicklung vom Ankerstrom durflossen wird, nennt man diese
Maschine Reihenschlußmotor, falls die Erregerwicklung von
einem unabhängig vom Ankerstrom einstellbaren Erregerstrom durchflossen
wird, Nebenschlußmotor.
3.6.2 Das magnetische Wendefeld
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| Bild 3.7 Wendepole |
3.6.3Die Kompensationswicklungen
Die von einem konstanten Gleichstrom durchflossene Ankerwicklung
erzeugt ebenfalls ein magnetisches Feld, welches sich mit dem Hauptfeld
überlagert, sodaß ein resultierendes Feld entsteht. Dieser Vorgang
wird als Ankerrückwirkung bezeichnet. Der Scheitelpunkt des
resultierenden Feldes ist zur Polkante verschoben. Die Polspitze wird magnetisch
gesättigt. Infolge der Sättigung tritt eine Schwächung des
nutzbaren magnetischen Flusses ein. Aus diesem Grund ist bei Belastung
des Motors für den gleichen Nutzfluß mehr Erregung je Pol erforderlich
als bei Leerlauf. Ist die Erregerwicklung konstant, steigt beim Motor infolge
der Ankerrückwirkung bei hoher Belastung die Drehzahl an. Außerdem
werden in den einzelnen Wicklungen des Ankers verschieden große Spannungen
induziert. Das hat zur Folge, daß die zwischen den Kommutatorsegmenten
herrschenden Segmentspannungen verschieden groß werden. Diese Segmentspannung
muß also sehr klein gehalten werden. Wird sie zu groß, bilden
sich Funken oder ein Lichtbogen aus, der sich zum Rundfeuer erweitern kann.
Die Ankerrückwirkung wird durch die sogenannten Kompensationswicklungen
beseitigt, die das Ankerfeld unter den Polen der Wicklung aufhebt.
3.7 Erregung der Gleichstrommaschine
Ein Elektromotor, der seine Felder aus einer Energiequelle
speist, die unabhängig vom Ankerstromkreis ist, nennt man ihrer Erregungsart
nach Fremderregung. Diese Erregung kann mittels eines Dauermagneten
(siehe Bild 3.8 a)) oder eines Elektromagneten erfolgen.
Falls die elektrische Energie, die für die Erregung
des Hauptfeldes notwendig ist aus dem Läuferkreis in die Wicklungen
des Hauptpols geleitet wird, spricht man von einer Selbsterregung
eines Gleichstrommotors (siehe Bild 3.8 b)). Hier unterscheiden wir zwei
verschieden Typen:
Einmal kann die Erregerspule parallel zum Anker geschaltet
werden. Man nennt eine solche Maschine Gleichstromnebenschlußmotor.
Wenn Anker und Erregerwicklung in Serie geschaltet sind, spricht man hingegen
von einem Gleichstromreihenschlußmotor. Der Gleichstromreihenschlußmotor
zeichnet sich durch eine hervorragende Regelbarkeit der Drehzahl sowie
optimaler Drehzahlkennlinien aus. Er findet deshalb große praktische
Anwendung.
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| Bild 3.8 a) fremderregter Motor b) selbsterregter Motor |
3.8 Der Gleichstromnebenschlußmotor
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| Bild 3.9 Gleichstromnebenschlußmotor |
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| Bild 3.9 Ersatzschaltbild eines fremderregten Gleichstrommotors |
3.8.1 Herleitung des Drehmoments
Damit die Erregerwicklung zum Elektromagneten wird und den magnetischen
Fluß F erzeugt, muß eine Spannung UE angelegt werden. Sie bringt den notwendigen Strom IE zum Fließen, der durch die Wicklungen der Spule fließt, die ihm den ohmschen Widerstand RE entgegensetzt. Für den Erregerkreis gilt: UE = IE RE. Das 2. Kirchhoffsche Gesetz (Maschenregel) ergibt für den Ankerkreis U = E + IA RA.
Nach dem Induktionsgesetz ist die induzierte Spannung
dem Fluß F und der Winkel-geschwindigkeit
W
proportional: E=c FW ; wobei c die Maschinenkonstante
ist. Sie wird von der Maschinenausführung bestimmt.
Die Welle des Motors führt eine Rotationsbewegung
aus. Man kann deshalb an ihr eine mechanische Leistung PMECH
=
W M abnehmen. M ist dabei das vom Motor ent-wickelte
Drehmoment.
Elektromotoren sind elektrisch-mechanische Energiewandler,
folglich gibt es einen Zusammenhang zwischen ihren elektrischen Größen
(IA) und ihren mechanischen Größen
(M). Multipliziert man die Größe für die Spannung im Ankerkreis
mit IA, erhält man eine
Leistungsbilanz: U IA = E IA
+
I²A RA
U IA ist eine Summe, die sich aus zwei Teilen zusammensetzt: Der Leistungsanteil I²A RA wird allerdings nur in Joulsche Wärme umgesetzt; für die Erbringung einer mechanischen Leistung ist E IA verantwortlich. Diese mechanische Leistung setzt sich ihrerseits wieder aus zwei Komponenten zusammen: Zum einen aus der Leistung, die benötigt wird die Lager- und Lüfterreibung des Motors zu überwinden, zum anderen aus der eigentlichen Arbeitsleistung für den Betrieb der an den Motor gekoppelten Arbeitsmaschine. Es ergibt sich für die Leistungsbilanz:
E IA=PANTRIEB +PREIBUNG= W M+W MR.
In der Praxis ist die Antriebsleistung natürlich viel größer als die Leistung, die an die Reibung verlorengeht, sodaß PANTRIEB >>PREIBUNG und E IA = W M ist. Für E kann man c F W einsetzen. Man erhält M = c F IA.
Die vorherigen Gleichungen beschreiben das stationäre
Verhalten des Gleichstromnebenschlußmotors, welches sich in seiner
stationären Kennlinie äußert. Wichtig, weil von praktischer
Bedeutung, sind hier die Drehzahl-Drehmomenten- kennlinien und die Ankerstrom-Drehmomenten-Kennlinien
(M = c F IA
).
3.8.2 Herleitung der Drehzahl-Drehmomenten-Kennlinie:
U = E + IA RA soll auf E aufgelöst und in (3.0) E = c FW eingesetzt werden:
(3.1) W = U / (c F ) – (IA RA) / (c F )
M= c F IA soll auf IA aufgelöst werden:
(3.2) W = U / (c F ) – (RA / (c F )²) M
Die Drehzahl ist mit n = W / 2p festgelegt:
(3.3) n = U / (2p c F ) – (RA / (2p (c F )²) M) = n0 - D n.
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Bild 3.10 a) Verlauf von n nach Gl.(3.3)
b) Verlauf von I
A nach Gl.(3.0) Die Kurve verläuft sehr flach, der Fachmann würde sagen, sie ist "hart". Das heißt, daß der Drehzahlabfall bei Belastung mit dem Moment M an der Welle relativ klein ist. Dieses Verhalten nennt man "Nebenschlußverhalten". Es ist charakteristisch für die Gleichstromnebenschlußmotoren. |
3.9 Die Drehzahlstellung beim Gleichstromnebenschlußmotor
Mit Gleichstromnebenschlußmotoren werden Arbeitsmaschinen angetrieben, die einen hochpräzisen Antrieb haben müssen und deshalb eine exakte Drehzahlstellung benötigen. Diese Arbeitsmaschinen machen also einen Motor erforderlich, bei dem man problemlos jede beliebige Drehzahl einstellen kann. In folgender Gleichung kann man drei Größen erkennen, über die das möglich ist:
n = U / (2p c F ) – (RA / (2p (c F )²) M) = n0 - D n
Falls der Erregerstrom IE und der magnetische Fluß F konstant gehalten werden sollen, muß der Motor fremderregt werden. Da U eine regelbare Größe (Parameter) ist, ändert sich beim Verstellen der Spannung auch die Nenn- und Bemessungs- spannung UN. In Bild 3.11 entstehen parallel gegeneinander verschobene Geraden. Zu beachten ist, daß sich bei der Umkehrung des Vorzeichens der Spannung auch die Drehbewegung der Welle ändert.
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| Bild 3.11 Kennlinienparameter U |
(3.4) IA = M / (c F ).
Der Strom ist also unabhängig von der angelegten Spannung. Normalerweise würde man bei einem Anstieg der Spannung an den Polen eines Elektrogerätes auch einen Anstieg des Stromes erwarten. Da bei einem Drehzahl anstieg (also einer Vergrößerung der Klemmenspannung U) die in den Ankerwicklungen induzierte (Gegen-) Urspannung UE ansteigt, bleibt die Differenz zwischen U und UE konstant (siehe Gleichung
IA = (U–E) / RA ).
Bei diesem Elektromotor kann man also eine erstaunliche
Eigenschaft feststellen: Falls die Belastung des Motors zunimmt, entnimmt
er den zur Bewältigung der Last notwendigen Strom eigenständig
dem Netz oder dem Speisgerät. Bei einem Verbren-nungsmotor hingegen
muß man bei steigender Belastung (z.B. Kraftfahrzeug an Straßensteigung)
das Gaspedal entsprechend durchtreten.
Die Drehzahlstellung eines Gleichstrommotors erfolgt heute
fast ausschließlich über thyristorgesteuerte Gleichrichter
(siehe
Kapitel 1.4), die eine einfache Änderung der Gleichspannung zulassen.
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| Bild 3.12 Kennlinienparameter F |
Spannung und Fluß sind hierbei konstant. Verändert wird der wirkende Ankerwi-derstand RA Da dieser Widerstand nicht unterschritten werden kann, wird er durch Einschalten zusätzlicher Widerstände Rv (siehe Bild 3.13 a) ). in den Ankerkreis vergrößert (aus Gleichung (3.3) erhält man die Kennlinien für den Ankerwiderstand, die in Bild b) dargestellt ist).
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| Bild 3.13 a) Ankerkreis b) Kennlinien für den Ankerwiderstand |
Diese Methode der Drehzahlstellung wird heutzutage kaum
mehr verwendet, da sie sehr verlustreich ist. Man findet sie noch ab und
zu bei kleineren Antrieben.
Anlassen und Bremsen eines Motors sind dynamische Vorgänge. Sobald der Motor eine konstante Drehzahl erreicht hat, nennt man dein Verhalten stationär.
Gehen wir von einem stillstehenden Motor aus, an dessen
Anker man die Spannung U anlegt (z.B. Nennspannung der Maschine): weil
W
= 0, wird nach Gleichung
E = c F W
auch keine Gegenspannung E in den Erregerspulen induziert, d.h. E = 0.
Der Einschaltstrom beträgt also nach der Gleichung IAein
= U / RA. Da nun im Moment des
Einschaltvorgangs die Urspannung E = 0 ist, kann der Strom das Achtfache
seines "Normalwertes" ( = stationären Wertes) annehmen. Bei kleinen
Gleichstrommaschinen kann ein solcher Stromanstieg hingenommen werden.
Bei Motoren mit mehreren kW Leistung muß man hingegen Hilfsmittel
zur Begrenzung des Stroms im Ankerkreis einfügen. Dies kann auf zweierlei
Art geschehen:
Wenn man die Spannung nicht mit ihrem vollen Nennwert
an den Läuferkreis anlegt, beginnt sich der Anker langsam zu drehen.
Auch bei dieser langsamen Rotationsbewegung wird bereits eine Gegenspannung
in den Erregerwicklungen induziert, sodaß man nun die Spannung U
weiter steigern kann. Diese Spannungssteigerung nennt man "Hochfahren"
eines Elektromotors. Sie erfolgt über einen Thyristorgleichrichter
und
wird solange fortgesetzt, bis die Betriebsdrehzahl des Motors erreicht
ist.
Früher wurde häufig ein sogenannter Widerstandsanlasser
zum
Hochfahren eines Elektromotors benutzt. Dabei hat man im Einschaltmoment
Widerstände in den Ankerkreis zugeschaltet. Mit Erhöhung der
Drehzahl hat man diese Widerstände wieder stufenweise abgeschaltet.
Beim Bremsen des Gleichstrommotors haben wir ähnliche
Verhältnisse wie beim Anlassen. Schaltet man nämlich die Ankerspannung
U abrupt ab, so steigt der Strom in den Ankerwicklungen stark an: IAaus
= - E / RA. Dies ist durch die
sich drehende Leiterschleife im Erregerfeld zu erklären, in welche
eine Spannung -E induziert wird. Da die kompensierende Wirkung der Ankerspannung
U fehlt, steigt der Strom also an, das heißt, die Spannung U muß
vor dem Abschalten schrittweise herabgesetzt werden. Dies kann durch gesteuerte
Gleichrichter
oder mit Ankerwiderständen erfolgen. Die Spannungssteuerung
wird hier allerdings bei weitem bevorzugt, da sie es ermöglicht, die
Bewegungsenergie ins Netz, aus welchem der Motor versorgt wird, zurückzu-speisen
(Nutzbremse).