Wir kennen ihn alle, jenen kleinen König im weiten Russland, der auch das Zeichen sieht und sich auf den Weg macht. Aber er kommt nie an, weil er nicht richtig bei der Sache ist.  Er kommt  nicht an. Weil ihm  ständig etwas dazwischen kommt.

Auf dem Weg zu diesem Menschenkind trifft er immer wieder Menschen, die weinen und leiden, die sich nicht wehren, die sich aus eigener Kraft nicht helfen können, die angewiesen sind, dass sich jemand um sie kümmert. Es passt  diesem kleinen König überhaupt nicht, dass er dauernd aufgehalten wird. Seine Unruhe, zu spät zu kommen, wird immer größer.

Aber er bringt es einfach nicht fertig, an dem Elend vorbeizureiten. Wie oft hat er sich schon vorgenommen: “Jetzt ist Schluss!" Sollen sich doch andere darum kümmern. Er kann ja nicht alles regeln! Aber solche Vorsätze halten nicht lange. Wenn er wieder einen vor sich sieht, armselig und hilflos, hält er an und verschenkt etwas von dem, was er jenem Kind hatte mitbringen wollen.

So ist er dreißig Jahre lang unterwegs. Längst hat er nichts mehr zu verschenken. Längst sieht er von dem Stern nichts mehr, längst findet er sich  selbst nicht mehr zurecht. Seine Kräfte sind erschöpft, seine Sehnsucht  verbraucht, sein Herz ist leer. Was habe ich davon gehabt, denkt er. Hungernde speisen. Kranke versorgen. Arme beschenken ... Ich bin vom Weg abgekommen, das ist alles. Jetzt bin ich selber einer, um den man sich kümmern müsste. Ich habe alles vertan.

Aber am Ende kommt er doch an - als die drei Kreuze aufgerichtet werden. Zum Schenken hat er nichts in Händen - wohl aber sein Herz. Dieser König auf seinem langen Weg, dessen Hände am Ende so leer sind und dessen Herz doch so voll ist, hat viele Brüder und Schwestern.