Leseprobe: Bis ins Mark
Mark Craddock schritt in seinem Arbeitszimmer langsam, fast bedächtig, hinter seinem Schreibtisch auf und ab. Von Zeit zu Zeit warf er einen Blick auf die mit Intarsien verzierte Uhr auf dem Kaminsims. Die Kinder nahmen sich viel Zeit, um zu einer Übereinkunft zu gelange, aber er würde sie nicht stören. Mehr als zwanzig Jahre hatte er auf diesen Tag gewartet; auf ein paar Minuten kam es nun nicht mehr an.
Die Bediensteten im Hause Craddock nannten diesen Raum die Höhle des Löwen, zum einen, weil die Rückenlehne des Schreibtischstuhls mit dem Kopf eines Löwen verziert war, zum anderen, weil Craddock mit dem vollen, lohfarbenen Haar, der flachen Nase und dem grimmigen Blick, den er duch kleine, runde, blinkende Brillengläser auf seine Umwelt richtete, selbst an einen Löwen erinnerte. Der Raum schien ideal auf die große, stämmige Erscheinung Craddocks abgestimmt: Die Decke war hoch, die Möbel aus Mahagoniholz waren wuchtig. Jedes Detail zeigte, dass er es bei der Einrichtung an Geld und Sorgfalt nicht hatte fehlen lassen: die Tintenfässer aus Sèvres-Porzellan, die in Saffianleder gebundene Schreibmappe, das elegante Portrait seiner verstorbenen Frau, das über dem offenen Kamin aus Marmor hing.
Im Augenblick bereitet Saraht Portrait Craddock einiges Unbehagen. Ihre Augen schiene ihn bekümmert und vorwurfsvoll anzusehen. Sosehr er sich bemühte, er konnte ihrem Blick nicht ausweiche. Er überlegte sich gerade, ob er das Bild nicht mit dem Gesicht zur Wand hängen sollte, als ein Diener das Zimmer betrat: "Mr. Fontclair möchte sie sprechen, Sir."