| 01.01.1946 |
Die
Zivilverwaltung der Provinz Bozen geht von der Alliierten
Kontrollkommission auf die italienische Regierung über, lediglich das
strittige Territorium der Venezia Giulia mit den Provinzen Triest, Görz
und Udine bleibt unter alliierter Verwaltung; die AMG in Bozen unter dem
britischen Oberst Miller behält nur mehr den Kompetenzbereich Militär
und Sicherheit (Grenzverkehr mit Österreich) und dieser fungiert als
Verbindungsoffizier zur Alliierten Kontrollkommission in Rom. |
| 04.01.1946 |
Als
Gegenäußerung zur österreichischen Note an den Alliierten Rat richtet
De Gasperi an die Botschafter der Alliierten in Rom eine Note, in der er
am Verbleib Südtirols bei Italien festhält; die deutschsprachige Bevölkerung
habe in diesen Territorien seit 1919 abgenommen, die italienische sei ständig
gewachsen, Bozen sei heute eine größere Stadt mit italienischer
Mehrheit, Südtirol zum "unentbehrlichen Hinterland für die
Industrie der Poebene" geworden. |
| 07.01.1946 |
Das
Foreign Office läßt seinen Vertreter in Österreich, William B. Mack,
wissen, daß keine Einwände bestünden, die Bundesregierung über die
"provisorische Entscheidung" zu informieren, daß Südtirol
mit Ausnahme allfälliger "kleinerer Grenzänderungen" nicht
an Österreich abgetreten werde. |
| 08.01.1946 |
Erich
Amonn und Josef Raffeiner fahren nach Rom, um mit De Gasperi das Südtirolproblem
zu besprechen. Am 11.1.1946 werden sie vom Ministerpräsidenten
empfangen. Das Hauptgesprächsthema war die Regelung der Optantenfrage,
v.a. der vom Ministerrat am 24.11.1946 gefaßte Beschluß zur Regelung
der Staatsbürgerschaftsoptionen, Probleme der Zweisprachigkeit,
Aufnahme von Beamten im öffentlichen Dienst, Heimkehr der
Kriegsgefangenen und die Frage einer Mitarbeit der SVP an einer
Kommission zur Regelung der Optantenfrage; De Gasperi erklärt sich zu
einer Revision des Entwurfs bereit und fordert die SVP zur
Zusammenarbeit mit der italienischen Regierung auf, obgleich inzwischen
das AMG den Regierungsentwurf zur Optantenfrage bereits abgelehnt hat,
weil dieser nicht im Einklang mit der italienischen Gesetzgebung steht. |
| 10.01.1946 |
Die
SVP-Delegierten versuchen wegen der schwebenden Optantenfrage bei der
Alliierten Kommission in Rom vorzusprechen, werden dort aber nicht angehört. |
| 11.01.1946 |
Unterredung
des Außenministers Gruber mit dem italienischen Handelsdelegierten in
Wien, Maurillo Coppini, bei dem der Außenminister unmißverständlich
klar macht, daß eine Autonomie für Südtirol keine Lösung des
Problems sei, sondern nur Ausgangspunkt für neue anhaltende Konflikte;
die Leiter der Mitteleuropa- und Südeuropa-Abteilungen im State
Department vertreten den Standpunkt, daß eine Volksabstimmung in Südtirol
in Betracht gezogen werden sollte. |
| 15.01.1946 |
Italien
steht - laut Wiener Zeitung 15.1. - auf dem Standpunkt, daß alle
Optanten die italienische Staatsbürgerschaft verloren haben. Für die
70.000 Abwanderer lehnt Rom einen Rückerwerb der italienischen Staatsbürgerschaft
überhaupt ab, während sie ihn für die in Südtirol verbliebenen
Personen zwar vorsieht, aber hierfür sehr dehnbare Bedingungen stellt.
Jeder in Südtirol befindliche Optant muß ein Gesuch einbringen, über
das eine Kommission entscheidet, in der drei Italiener und zwei Tiroler
sitzen sollen. |
| 16.01.1946 |
Mack
berichtet an das Foreign Office, daß er Gruber über den
Septemberbeschluß (14.9.) informiert hat. |
| 17.01.1946 |
Amtliches
Kommuniqué über den Empfang der SVP-Vertreter bei De Gasperi (11.1.)
in den Dolomiten und im Volksboten, Parteiobmann Amonn verwahrt sich
gegen Gerüchte und Verdächtigungen, wonach das Selbstbestimmungsrecht
von der Partei nicht mehr verfochten werde, ruft zur Ruhe und
Besonnenheit auf und distanziert sich von "nazistischen
Kreisen", die bereits einmal Südtirol "an den Rand des
Abgrunds geführt haben". |
| 21.01.1946 |
Gruber
übergibt dem Alliierten Rat ein Memorandum, in dem Österreich im Falle
der Rückkehr Südtirols anbietet: 1. Verbleib der Wasserkräfte bei
Italien, 2. zukünftige Nutzung der Wasserkraft durch österreichisch-italienische
Gesellschaften, 3. freie Wahl der Staatsbürgerschaft für die Italiener
mit einem privilegierten Sonderstatus, Kultur- und Sprachautonomie, 4.
Unterstellung Südtirols unter den Schutz der Vereinten Nationen, 5.
Italien erhält eine Freihafenzone an der Donau; nach Auffassung des
britischen Vertreters Mack "ein großzügiger und staatsmännischer
Beitrag zur Lösung" des Problems; De Gasperi erklärt in der
Consulta, daß die geplante lokale Autonomie nicht nur den deutschen
Teil der Provinz Bozen betreffen, sondern sich "auf das ganze
tridentinische Venetien beziehen" müsse. |
| 22.01.1946 |
Erteilung
der Agreements für diplomatische Vertreter Österreichs bei den
Regierungen der USA, Großbritanniens und Frankreichs |
| 23.01.1946 |
Bundeskanzler
Figl unterstreicht in einem Telegramm an Bevin die Notwendigkeit der Rückkehr
Südtirols mit Blick auf die zukünftige Stabilität Österreichs;
Besprechung zwischen Eduard Reut-Nicolussi, Josef Muigg und den Pfarren
Falk von Gossensaß und Großgasteiger von Brenner in Gries am Brenner,
um Kontakte zwischen Nord- und Südtirol zu intensivieren;
klarzustellen, daß Verhandlungen mit den Italienern abzulehnen seien
und Demonstrationen und Kundgebungen in Südtirol vorzubereiten sind. |
| 24.01.1946 |
Generalvikar
Pompanin bittet den Obmann des Verbandes der Südtiroler in Tirol,
Reut-Nicolussi, sich dafür einzusetzen, daß die Bundesregierung nachdrücklich
ein Plebiszit für Südtirol verlangt; die Bundesregierung richtet ein
Memorandum an den Alliierten Rat in bezug auf die beabsichtigte Regelung
der Optantenfrage (Gesetzesentwurf) seitens der italienischen Regierung.
Das Hitler-Mussolini-Abkommen von 1939 wird für ungültig erklärt. |
| 25.01.1946 |
Amonn
und Raffeiner sprechen mit dem britischen Beobachter Colonel Miller, der
ihnen vorher schon die Autonomielösung nahezubringen versuchte. Er
fordert sie auf, Memoranden zur Brennergrenze, die Grenze bei Salurn und
zur "napoleonischen Grenze" vorzulegen. |
| 01.02.1946 |
Die
Bundesregierung überreicht laut Wiener Zeitung vom 2.2. dem Alliierten
Rat eine Note zur Südtirolfrage. Für die Territorien, die aufgrund der
beantragten Volksabstimmung an Österreich zurückfallen würden, wäre
Wien bereit, die von Italien errichteten Elektrizitätswerke in
italienischen Händen zu belassen; der Stromexport nach Italien würde
devisenfrei erfolgen; den im Rückgliederungsgebiet verbleibenden
Italienern die Wahl zwischen österreichischer und italienischer Staatsbürgerschaft
freigestellt und volle kulturelle Autonomie, Niederlassungsfreiheit und
die Freiheit der wirtschaftlichen Betätigung gewährt; Österreich ist
bereit, das Rückgliederungsgebiet unter den besonderen Schutz der
Vereinten Nationen zu stellen, um somit den strategischen Befürchtungen
der Italiener voll Rechnung zu tragen. Ferner wird Italien die
Errichtung einer Freihandelszone an der Donau vorgeschlagen. |
| 02.02.1946 |
Übermittlung
eines "Vorentwurfs" für einen Vertrag "Zur
Wiederherstellung" der Rechtsstellung Österreichs von Gruber an
die alliierten Vertreter in Wien, William B. Mack (UK) und John G.
Erhardt (USA). |
| 03.02.1946 |
Ministerpräsident
De Gasperi erklärte laut NZZ einem Vertreter des Giornale del Mattino,
eine Volksabstimmung in Südtirol wäre "ein Hohn und eine
Dummheit". Es bestehe kein Grund, die Grenze von 1919 zu ändern.
Bozen sei eine hauptsächlich von Italienern bewohnte Stadt. De Gasperi
sagte u.a.: "Wir sind glücklich, daß sich Österreich von
Deutschland loslöst und wir wünschen ihm ein Gedeihen, zu dem wir
beitragen möchten, indem wir die besten kommerziellen und kulturellen
Beziehungen mit Österreich wiederaufnehmen. Aber wer bietet eine
Garantie dafür, daß die österreichische Republik, die sich bereits
1920 auf den Anschluß hin orientierte und bis zum Kriegsschluß an der
Aggression Deutschlands teilnahm, nicht von neuem in den Bereich des
Pangermanismus gerät? Zu glauben, daß die Deutschen in Südtirol eine
Verstärkung für die Unabhängigkeit Österreichs bedeuten würden, ist
eine Illusion, zunächst deshalb, weil es nur wenige sind, und dann,
weil sie während des Krieges und vorher dem Hitlerischen Mythos zu sehr
zugänglich waren." |
| 07.02.1946 |
Italienische
Note an die Außenminister der Großmächte mit Zahlenangaben zur
Bedeutung der Südtiroler Energieerzeugung für die italienische
Wirtschaft |
| 09.02.1946 |
Die
SVP läßt Innocenti wissen, daß sie zur Mitarbeit bei der Regelung der
Optantenfrage bereit sei, eine Zusammenarbeit mit Blick auf die
Autonomie jedoch ablehne (Beschluß vom 8.2.). |
| 20.02.1946 |
Höhenfeuer
in ganz Tirol, Sprengung des Sockels des Andreas-Hofer-Denkmals in Meran,
organisiert von Nordtiroler Südtirolaktivisten. Der Anschlag wurde von
allen Parteien und der gesamten Presse Südtirols verurteilt. Die
Dolomiten hierzu: "Die Wirkung des Anschlages dürfte allerdings
eine ganz andere sein, als seine Urheber in ihrem kurzsichtigen
nationalistischen Wahn sich erwarten mögen: Die Detonation von Meran hört
man voraussichtlich auch in London!" |
| 20.02.1946 |
Der
Generalsekretär des Quai d'Orsay hält intern fest: Bevor die
Brennergrenze verändert wird, muß sichergestellt sein, daß dieser
nicht in die Hände der Russen fällt. Italien ist für das Mächtespiel
der zukünftigen französischen Politik in Europa ein viel wichtigeres
Element als Österreich. |
| 21.02.1946 |
Außenminister
Bevin gibt im Unterhaus einen Überblick über die gesamte Außenpolitik:
Er wünsche, Italien im Friedensvertrag Gerechtigkeit widerfahren zu
lassen. Bei Behandlung der Grenzfragen bestehe ein Gegensatz zwischen
den sogenannten ethnographischen Grenzen und den wirtschaftlichen Bedürfnissen.
Dies treffe sowohl für Südtirol als auch für Triest zu. Er stellt die
Frage, warum es nicht Arrangements geben sollte, die trotz
ethnographischer Grenzen beiden Teilen die wirtschaftlichen Vorteile
geben. |
| 26.02.1946 |
Im
britischen Oberhaus treten Lord Vansittart und Lord Perth in einer
Debatte über Südtirol dafür ein, daß dieses mit Österreich
vereinigt werde, das Trentino jedoch bei Italien verbleiben solle, da
der nördliche Teil Südtirols deutschsprachig sei und seine Vereinigung
mit Österreich wünsche. Sie sprechen sich gegen eine Volksabstimmung
aus. Lordkanzler Jowitt erklärt, die Alliierten hätten die
italienische Regierung wissen lassen, sie würden Südtirol unter
italienischer Verwaltung belassen, ohne das künftige Schicksal des
Landes, über das sie sich freie Hand behielten, zu präjudizieren. |
| 27.02.1946 |
Mack
berichtet dem Foreign Office, daß Österreich keine Forderungen
hinsichtlich "kleinerer Grenzberichtigungen" erhebe, weil man
damit "die Aufmerksamkeit von dem viel wichtigeren Anspruch auf Südtirol
ablenken würde". |
| 01.03.1946 |
Beginn
der Beratungen der stellvertretenden Außenminister in London. Der
britische Delegierte legt die Note der Bundesregierung vom 5.11.1946
vor, worauf der sowjetische Delegierte Fedor Gusew erklärt, daß die
vorliegende österreichische Forderung (Rückgliederung) über den
Rahmen "geringfügiger Grenzberichtigungen" hinausginge. |
| 04.03.1946 |
Außenminister
Bevin beendet die interne Diskussion über die Südtirolfrage im Foreign
Office und entscheidet für Italien, obwohl Österreich "die
besseren Argumente" habe. Bevin weist seine Diplomaten an, nicht
die Initiative zu ergreifen und nur die Forderung nach kleineren
Grenzberichtigungen zwecks besserer Verbindung hinsichtlich des
Pustertals zu unterstützen; die westlichen Vertreter auf der
stellvertretenden Außenministerkonferenz schließen sich der Auffassung
Gusews an; der amerikanische Delegierte James Dunn, der von Byrnes
angewiesen worden war, die Memoranden der Bundesregierung 5.11.45 und
21.1.46 den anderen Delegation vorzulegen und die Abhaltung eines
Plebiszits als Lösung der Südtirolfrage vorzuschlagen, hält sich
bemerkenswerterweise nicht an die Instruktionen aus Washington und
stimmt Gusew zu. |
| 05.03.1946 |
Rede
Churchills in Fulton/Missouri, der von einem Eisernen Vorhang spricht,
der sich nun von Stettin bis Triest durch Europa ziehe. |
| 08.03.1946 |
Ankunft
der ersten Lebensmittelsendung der UNRRA in Österreich |
| 11.03.1946 |
Rede
Grubers in Innsbruck: "Südtirol muß zu Östereich zurückkehren". |
| 15.03.1946 |
Der
Alliierte Rat beschließt, daß Österreich die Erlaubnis erhält,
politische Vertreter mit dem Ausland, ausgenommen Deutschland und Japan,
auszutauschen. |
| 15.03.1946 |
Gruber
überreicht dem Alliierten Rat ein Memorandum über das Kanaltal, in dem
dieses als "kleinere Grenzberichtigung" und auch für dieses
Gebiet eine Volksabstimmung gefordert wird. |
| 18.03.1946 |
Infolge
Verzögerungen der UNRRA-Hilfslieferungen müssen in Österreich die
Lebensmittelrationen für die Normalverbraucher von 1550 auf 1200
Tageskalorien reduziert werden. |
| 23.03.1946 |
Wiederaufnahme
des Fernsprechverkehrs Österreich-Frankreich. |
| 28.03.1946 |
Rede
Grubers in der Akademischen Vereinigung für Außenpolitik der Österreichischen
Liga der Vereinten Nationen an der Universität Wien. |
| 29.03.1946 |
Außenpolitische
Rede Grubers zu ÖVP-Funktionären, in der er die Rpckgliederung Südtirols
als Ziel erklärt. U.a. führt er aus: "Während die Südtiroler
Bauern im Staatsverband Italiens ein Element der Anarchie darstellen,
tragen sie in Österreich in hervorragendem Maße zur politischen
Stabilität bei (...). Es handelt sich nicht um etwas, was den
Italienern genommen werden soll, sondern um ein absolut österreichisches
Gebiet und um einen Bestandteil seines ältesten Kronlandes. Bei der
Behandlung dieser Frage in London mußten wir erkennen, daß die
Bereitschaft der Westmächte, Österreich zu helfen, nicht so groß ist,
wie aus Reden und Erklärungen vermutet wird. Bis jetzt hat man sich
weder die Mühe gemacht, eine österreichische Delegation in dieser
Frage zu hören, noch eine Untersuchungskommission nach Südtirol selbst
zu entsenden. Keine der Mächte hat sich auch nur die Mühe genommen,
den Eingang der Note der österreichischen Regierung formell zu bestätigen.
Die Friedensmacher des Jahres 1946 sind anscheinend nicht viel besser
vorbereitet als jene des Jahres 1919." |
| 02.04.1946 |
Die
italienische Botschaft deponiert in London, daß Italien eine
"liberale und demokratische Politik" betreiben und ein
"Programm lokaler Autonomien" durchführen werde. |
| 04.04.1946 |
Gruber
wendet sich im Auftrag Figls an den Alliierten Rat in Wien und bittet um
Anhörung einer österreichischen Delegation durch den Rat der
stellvertretenden Außenminister in London und um Einsetzung einer
Kommission, die die Verhältnisse in Südtirol vor Ort untersuchen soll. |
| 05.04.1946 |
Feierliche
Unterzeichnung des UNRRA-Vertrages von Außenminister Gruber und General
Parminter im Bundeskanzleramt; Großkundgebung in Bruneck für das
Selbstbestimmungrecht Südtirols |
| 06.04.1946 |
Massenwallfahrten,
um für Südtirols Anliegen zu beten, setzen in der Diözese Brixen ein,
so um Säben zum Fest Mariens Kreuzgänge. |
| 07.04.1946 |
Großkundgebung
in Innichen für das Selbstbestimmungrecht Südtirols |
| 10.04.1946 |
Wiedereinführung
eines beschränkten Postpaketverkehrs in Österreich; Gruber weist den
österreichischen Vertreter in Paris, Norbert Bischoff, an, daß Österreich
als "geringere Grenzberichtigung" eine Grenze südlich von
Brixen vorschlage. Am 13.5. wird Bischoff diese Information zusammen mit
5 Landkarten schriftlich nachgereicht. |
| 11.04.1946 |
Auf
dem Parteitag der italienischen Sozialisten in Florenz tritt der
Parteisekretär der Kommunistischen Partei Minister Togliatti, für eine
straffe Zusammenarbeit der beiden marxistischen Parteien während des
Wahlkampfes ein. Der sozialistische Parteisekretär und stellvertretende
Ministerpräsident Pietro Nenni umreißt das sozialistische
Parteiprogramm unter anderem mit den Forderungen nach einer
demokratischen Republik und einer autonomen Gemeindeverwaltung. Als
Grenze der Venezia Giulia befürwortet er die Wilson-Linie. Ohne
Anerkennung des italienischen Anspruches auf Triest und die Städte
Westistriens sei eine Verständigung mit Belgrad unmöglich. Weiter
tritt er für den Schutz der deutschsprachigen Minderheit in Südtirol
ein und bestreitet die Existenz mit Frankreich zu bereinigender
Grenzfragen. |
| 12.04.1946 |
Überreichung
eines geheimen Memorandums von Gruber (ohne Namensnennung) betreffend
die "Bozner Lösung" der Südtirolerfrage an den britischen
Vertreter in Wien, William B. Mack (UK): im wesentlichen sollte demgemäß
Südtirol einschließlich Bozens, aber ohne Industriezone und Teile des
Unterlands zu Österreich kommen. |
| 13.04.1946 |
In
Trens findet eine Bittwallfahrt statt, die Ausmaße einer Großdemonstration
von 8000 bis 10.000 Personen annimmt. |
| 17.04.1946 |
Wiederaufnahme
des Briefpostverkehrs Österreichs mit Deutschland |
| 22.04.1946 |
Südtirol-Großkundgebung
in Innsbruck für die Wiedervereinigung mit dem südlichen Landesteil,
die von der französischen Besatzungsmacht erneut genehmigt wird:
155.000 in Südtirol und unter den Südtirol-Optanten in Österreich
gesammelte Unterschriften werden Figl unter dem Jubel der Bevölkerung
überreicht. Er führt u.a. aus: "Am 9. 03 1938 hielt der letzte
Bundeskanzler (Schuschnigg), der selbst ein Südtiroler war, seine
letzte große politische Rede in Tirol. Niemals seit 1918 hat irgendeine
Regierung Österreichs unseren Anspruch auf unser Südtirol aufgegeben.
Es war dem barbarischen Usurpator Hitler vorbehalten, diesen schwersten
Verrat an unserem Land zu begehen und durch die gewaltsame Deportation
Tausender von Südtiroler Familien unendliches Leid über unsere Südtiroler
Landsleute zu bringen. Ganz Österreich steht heute hinter uns, wenn ich
als der erste Kanzler, der nach acht Jahren wieder vor euch steht,
wiederhole: Wir wollen unser Südtirol wieder! (...) Das neue Europa,
das sich die Gerechtigkeit gegenüber allen Völkern und Nationen als
oberstes Programm gesetzt hat, kann dieses Programm nur verwirklichen,
wenn es das erste und schwerste Unrecht, das auf diesem Gebiet gesetzt
wurde, wieder gutmacht, denn gerade in der Südtiroler Frage handelt es
sich darum, daß ein seit Jahrhunderten ungeteiltes Land, das stets ein
Bollwerk freier demokratischer Entwicklung war, willkürlich, ohne jede
Berechtigung, es sei denn aus strategischen oder imperialistischen Plänen
eines Nachbarlandes zerstückelt wurde." Angesichts der ihm überreichten
Unterschriften "von Österreichern aus Südtirol" betont Figl,
daß dies "eine eindeutige Sprache der Zahlen" sei.
Landeshauptmann Weißgatterer führt aus: "Man bleibe uns mit
Autonomieversprechungen für Südtirol vom Leibe. Wir glauben an die
Atlantikcharta, die Selbstbestimmung vorsieht. Laßt Südtirol sprechen,
es wird für Österreich sprechen. Hitler wollte die Brennergrenze. Wir
können nicht glauben, daß die Alliierten die Hitler-Grenze wollen. Die
Welt höre uns." An die Kundgebung schließt sich ein Festzug, an
dem über 20.000 Personen in Trachten und 102 Musikkapellen teilnehmen.
Der ausländischen Presse wird auf der Seegrube ein Empfang gegeben, bei
dem Reut-Nicolussi um Unterstützung bittet. |
| 25.04.1946 |
Gruber
schreibt an den Alliierten Rat, daß eine Unterschriftenaktion in Südtirol
durchgeführt worden sei, die den Wunsch der Südtiroler zum Ausdruck
bringe, wieder mit Österreich vereinigt zu werden. Die Unterschriften
lagern in Innsbruck. |
| 25.04.1946
bis 16.05.1946 |
1.
Session der Vier Mächte-Außenministerkonferenz in Paris zur
Vorberatung der Friedensverträge mit den "Satellitenstaaten"
des Deutschen Reiches; auf dieser Konferenz fordert Österreich
neuerlich die Rückgliederung Südtirols und schlägt eine
Volksabstimmung vor, am 16.5. wird die Konferenz bis zum 15.6. vertagt. |
| 26.04.1946 |
Die
Beamten des State Departments legen sich fest, daß die Grenze zwischen
Österreich und Italien unverändert bleiben soll. |
| 27.04.1946 |
Laut
Neues Österreich enthält der Vertragsentwurf für Österreich folgende
Hauptpunkte: 1. Die Wiederherstellung der österreichischen Unabhängigkeit
mit einer Viermächtegarantie unter der Autorität des Sicherheitsrates
der UNO. 2. Beendigung der Besetzung, sobald der Vertrag in Kraft tritt.
3. Die vier Großmächte empfehlen Österreichs Zulassung zur UNO. 4. Österreichs
Grenzen sollen die vom 31.12.1937 sein, mit Ausnahme der österreichisch-italienischen
Grenzen mit Südtirol, vorausgesetzt, daß Grenzberichtigungen in diesem
Punkt von Österreich in Erwägung gezogen werden. |
| 30.04.1946 |
In
der Sitzung der Außenministerkonferenz legen laut United Press Bidault,
Byrnes, Bevin und Molotow Vorschläge für die Grenzziehung in der
Venezia Giulia vor, die den Grenzziehungsvorschlägen ihrer Vertreter in
der Untersuchungskommission entsprechen. Nach anfänglicher Ablehnung
durch Bevin und Byrnes wird ein Vorschlag Molotows auf Einladung von
Vertretern Italiens und Jugoslawiens zwecks Stellungnahme zum Bericht
der Untersuchungskommission angenommen. Byrnes beantragt sodann, eine österreichische
Delegation zwecks Begründung der Forderungen auf Südtirol anzuhören,
was von Molotow abgelehnt wird. Der Außenministerrat bestätigt seinen
im 09 1946 gefaßten Beschluß, keine größeren Grenzveränderungen
zwischen Österreich und Italien vorzunehmen, und leitet die
Angelegenheit an die Stellvertreter der Außenminister mit der Weisung
weiter, die Vertreter Österreichs, sofern dies angezeigt sei, in der
Frage von Grenzkorrekturen anzuhören. |
| 30.04.1946 |
Gruber
gibt laut Neues Österreich bekannt, daß die Bundesregierung anläßlich
des Beginns der Außenministerkonferenz in Paris an die Mitgliedstaaten
der UNO ein ausführliches Memorandum über die Südtiroler Frage
gerichtet habe, das folgende Vorschläge enthält: 1. Ein Sonderstatut für
die durch Italien errichteten elektrischen Kraftwerke in Südtirol, die
in italienischem Besitz verbleiben und ihre elektrische Energie nach
Italien exportieren können. 2. Der Ausbau der in Südtirol zu erschließenden
Wasserkräfte wird durch gemischte italienisch-österreichische
Gesellschaften erfolgen. 3. Österreich ist bereit, Italien eine
Freihafenzone an der Donau für die Förderung des italienischen Handels
in Mitteleuropa einzuräumen. Da Italien befürchtet, der Verlust der
Brennergrenze würde seine strategische Stellung erschweren (ein
Argument, das unter den gegenwärtigen Verhältnissen wohl nicht mehr
durchschlagend scheint), hat sich die österreichische Regierung bereit
erklärt, das Gebiet von Südtirol mit dem Brennerpaß unter die
Kontrolle der Vereinten Nationen zu stellen. Österreich lehne es ab, in
eine Kampagne von wechselseitigen Beschuldigungen einzutreten, die von
italienischer Seite in dieser Frage begonnen wurde. Welche Leistungen
und Opfer die Österreicher selbst während der ganzen Hitler-Herrschaft
für ihre eigene Befreiung gebracht haben, wird der Weltöffentlichkeit
in Form eines mit Tatsachenmaterials belegten "Rotbuches"
bekanntgegeben werden; Österreich wird erst jetzt offiziell
bekanntgegeben, daß die Großmächte am 14.9.1946 bereits für einen
Verbleib Südtirols bei Italien votiert haben. |
| 01.05.1946 |
Die
Außenminister bestätigen ihren Beschluß vom 14.9.: Südtirol bleibt
bei Italien; das von Österreich geforderte Plebiszit wird abgelehnt,
dagegen die Möglichkeit von "minor rectifications" eingeräumt;
der Außenministerrat nimmt laut Reuter (30.4.1946) eine Empfehlung der
Stellvertreter der Außenminister an, wonach die österreichische
Forderung auf Südtirol nicht als Grenzkorrektur zugunsten Österreichs
in dem eingeschränkten Sinne betrachtet werden könne, wie sie von den
Großmächten als allein diskutabel betrachtet worden ist. Die
Bundesregierung soll hievon sowie von den diesbezüglichen Beschlüssen
der Sitzung des Außenministerrates vom 09 1946 in London in Kenntnis
gesetzt werden. Byrnes gibt sodann bekannt, daß die amerikanischen
Truppen aus Österreich und Italien nach Inkrafttreten der betreffenden
Friedensverträge zurückgezogen würden und schlägt eine Reduktion der
Besatzungstruppen der vier Mächte in Österreich auf je 15.000 Mann
schon vor diesem Zeitpunkt vor. |
| 01.05.1946 |
Die
Außenminister bekräftigen ihren Beschluß vom 14.9.1945. |
| 02.05.1946 |
Die
Bekanntgabe des Beschlusses des Außenministerrates, Südtirol bei
Italien zu belassen, bewirkt in Tirol einen allgemeinen fünfstündigen
Proteststreik sowie Demonstrationen. Das gesamte Verkehrswesen, die öffentlichen
Dienste, Post, Telegraphen und Telephon, Strom- und Gasversorgung sowie
die Industrie liegen seit 7 Uhr früh still. Zehntausende versammeln
sich vor dem Landhaus und fordern in Sprechchören den Landeshauptmann
zur Stellungnahme auf; um 9 Uhr hält dieser eine Rede vom Balkon und
fordert die Anwesenden auf, ihm und der Landesregierung zum Berg Isel zu
folgen, um am Denkmal Andreas Hofers "der Stimme des Volkes
Ausdruck zu verleihen". Sämtliche Glocken Tirols werden zum
Zeichen der Trauer geläutet. Auch in Südtirol, so in Bozen, Meran und
Brixen, kommt es zu Protestkundgebungen, im Pustertal zu Zusammenstößen
zwischen der Bevölkerung und Carabinieri. |
| 02.05.1946 |
Die
Tiroler Landesregierung veröffentlicht folgenden Aufruf: "Trotz
dem einmaligen Willen der gesamten Tiroler Bevölkerung nördlich und südlich
des Brenners, trotz den von der Bevölkerung Südtirols gesammelten
150.000 Unterschriften, obwohl hervorragende Persönlichkeiten erklärt
haben, daß die Zerstückelung Tirols nach dem ersten Weltkrieg eine
schwere Ungerechtigkeit und eine Quelle dauernder Mißverständnisse
darstelle, obwohl die ganze Welt weiß, daß das Recht auf unserer Seite
ist, ist Südtirol wieder Italien zugeteilt worden, ohne daß man uns
auch nur angehört hatte (...) Wir erheben einen leidenschaftlichen
Protest gegen diesen neuen Gewaltakt. Tirol wird seine gerechten Ansprüche
auf Südtirol nie aufgeben. Es wird sich nie eine Tiroler Regierung
finden, die sich nicht gegen die Trennung Südtirols von Nordtirol
wendet"; eine Tiroler Delegation fliegt nach Wien, um sich mit Außenminister
Gruber zu beraten; Gruber bestätigt, daß die Bundesregierung an
"kleineren Grenzberichtigungen" nicht interessiert sei,
empfiehlt friedliche Demonstrationen und schließt für die Zukunft
gewaltsame Aktionen nicht aus. |
| 02.05.1946
bis 03.05.1946 |
Kanonikus
Gamper veröffentlicht im Volksboten (2.5.1946) und den Dolomiten
(3.5.1946) eine Stellungnahme, wonach der negative Entscheid der Außenminister
lediglich eine "Vorentscheidung" und "keineswegs das
letzte Wort" über Südtirol gesprochen worden sei. |
| 05.05.1946 |
Am
Kassian-Sonntag strömen am Vormittag in Brixen größere Menschenmassen
zusammen; die Festpredigt hält der Regens des Kassianeums Joseph
Gargitter, der spätere Bischof; Friedl Volgger und Otto von Guggenberg
sprechen zu den ca. 12.000 Anwesenden; Großkundgebung der Südtiroler für
die Selbstbestimmung auf Schloß Sigmundskron am Nachmittag: Vor ca.
20.000 Personen hält SVP-Obmann Amonn eine Rede, die mit den Worten
"Herr mach' uns frei!" schließt. |
| 05.05.1946 |
Am
Salzburger Residenzplatz nehmen ca. 30.000 Personen an einer Südtirolkundgebung
teil, an der Spitzenvertreter der Landesregierung, Ernst Fischer (KPÖ)
und Reut-Nicolussi, sprechen. |
| 08.05.1946 |
Am
Jahrestag der Kapitulation des Deutschen Reiches (aus der Sicht der
Alliierten der "V-Day") hält der französische Gouverneur
Pierre Voizard eine vielbeachtete öffentliche Rede, die das Klima
zwischen Besatzungsmacht und Bevölkerung günstig beeinflußt. |
| 08.05.1946 |
Reichskonferenz
der britischen Dominions (Australien, Kanada, Neuseeland und Südafrika)
in London. Der Südafrikaner Jan Christian Smuts fordert dort als Wortführer
der Dominions mit einstimmigem Beschluß die Rückgliederung Südtirols
an Österreich. |
| 08.05.1946 |
Mack
wird von Bevin darauf hingewiesen, daß eine Voraussage unmöglich sei,
was die Außenminister als "kleinere Grenzberichtigung"
betrachten würden. Falls Österreich Anspruch auf das Pustertal erhebe,
sei er bereit, diese Forderung zu unterstützen. |
| 09.05.1946 |
Die
französische Besatzungsmacht geht gegen die Initiatoren des
Generalstreiks in Tirol vor und führt Verhöre mit Fritz Würthle und
Josef Ronczay durch. |
| 11.05.1946 |
Österreichs
Gesandter in Paris, Norbert Bischoff, überreicht im Auftrag der
Bundesregierung eine Note vom 10.5. an den Außenministerrat, in der die
Rückgliederung des Pustertals, des oberen Eisacktales und der Stadt
Brixen als "kleinere Grenzberichtigung" mit der Begründung
der Wiederherstellung einer direkten Eisenbahnverbindung zwischen Nord-
und Osttirol verlangt wird. |
| 11.05.1946 |
Österreich
fordert die Rückgabe des Pustertales; die Außenminister lehnen das am
24.6. ab. |
| 12.05.1946 |
Rede
De Gasperis in Trient; Reut-Nicolussi wird zum Obmann des
"Verbandes der Südtiroler" gewählt. |
| 14.05.1946 |
Massenveranstaltung
für Südtirol auf dem Wiener Rathausplatz, an der ca. 100.000 Personen
teilnehmen, "Wiens einziger Schrei: Südtirol! Riesenkundgebung auf
dem Rathausplatz" titelt die Wiener Zeitung am 15.5.1946; Figl
weist Weißgatterer an, die Beziehungen zur französischen
Besatzungsmacht in Tirol zu festigen; Der Außenministerrat beschäftigt
sich mit dem österreichischen Memorandum, und Bevin stellt den Antrag,
daß Österreicher und Italiener von den Stellvertretenden Außenministern
gehört werden sollten. Molotow stimmt dem zu, meldet aber Zweifel an,
ob die österreichische Forderung als "geringfügige
Grenzberichtigung" im Sinne des 09-Beschlusses aufzufassen sei. |
| 15.05.1946 |
Eine
Tiroler Abordnung wird von Bundeskanzler Figl empfangen, der erklärt,
"weiterhin mit allen Kräften um die Rückgliederung Südtirols zu
kämpfen". Die ca. 155.000 Südtiroler Unterschriften werden von
Legationsrat Schöner dem Vertreter des Alliierten Rats, Oberstleutnant
Pomeroy, für die Konferenz in Paris überreicht. |
| 17.05.1946 |
Einladung
nach Paris für Außenminister Gruber |
| 18.05.1946 |
Grubers
Pustertalvorstoß kommt durch einen Artikel in der New Times vorzeitig
an die Öffentlichkeit. |
| 19.05.1946 |
Am
Linzer Hauptplatz versammeln sich zehntausende Menschen um
"Gerechtigkeit für Südtirol" (Tagblatt, 20.5.1946) zu
fordern. Landeshauptmann Heinrich Gleißner fordert die Rückkehr Südtirols
zu Österreich. |
| 20.05.1946 |
Herbert
Thalhammer übersendet drei "mögliche Kompromißvorschläge"
plus Karten an Außenminister Gruber. |
| 21.05.1946 |
Außenminister
Gruber wird laut Reuter von der Regierung ermächtigt, mit Italien über
kleine Grenzberichtigungen (im Sinne des Beschlusses der Außenministerkonferenz)
zu verhandeln, wobei sich Österreich jedoch seinen Anspruch auf Südtirol
vorbehält. Bei den Grenzberichtigungen handelt es sich um das in der Nähe
der Dreiländerecke zwischen Österreich, Italien und Jugoslawien
gelegene Kanaltal, das 1918 Italien zugesprochen wurde. |
| 22.05.1946 |
Brixens
Fürstbischof Geisler und SVP-Organisationsleiter Volgger richten ein
Schreiben an Bevin, in dem sie die Selbstbestimmung für Südtirol
fordern. |
| 23.05.1946 |
Stellungnahme
Bevins zur Südtirolfrage im britischen Unterhaus auf die Anfrage
konservativer Abgeordneter, ob er sich nicht bewußt sei, daß jeder
Historiker die Ungerechtigkeit von Südtirol hervorhebe: Südtirol sei
keine rein ethnische Frage, wirtschaftliche Faktoren gelte es zu berücksichtigen,
die Frage des Selbstbestimmungsrechtes sei auf bestimmte Gebiete in
Europa schwer anzuwenden, weil die Völker Europas "rassisch so
vermischt" seien. |
| 23.05.1946 |
De
Gasperi schreibt einen persönlichen Brief an Truman, in dem er auf die
katastrophalen Folgen hinweist, falls im Friedensvertrag zu große Opfer
von Italien gefordert würden. Er bittet den US-Präsidenten, keine
"ungerechten Lösungen" zuzulassen, wozu auch die
Brennergrenze gehöre. |
| 25.05.1946 |
Gruber
begibt sich zur Außenministerkonferenz nach Paris; Das "Committee
on South Tyrol" protestiert in einem Schreiben an Gruber, daß sich
Österreich auf eine Teillösung einläßt, wodurch die rechtliche und
moralische Stellung in nicht wieder gut zu machender Weise geschwächt würde. |
| 26.05.1946 |
Großkundgebung
der Pustertaler in Toblach für das Selbstbestimmungsrecht für ganz Südtirol. |
| 27.05.1946 |
Gruber
erklärt laut New York Times, daß er nur kleinere italo-österreichische
Grenzberechtigungen verlangen werde. Die Forderung nach Rückkehr Südtirols
sei jedoch nicht aufgegeben. Die Entscheidung der Außenminister
anerkennt er als bindend für den gegenwärtigen Zeitpunkt. |
| 28.05.1946 |
Die
NZZ meldet, daß Fürstbischof Geisler und der SVP-Obmann an die Außenminister
Bevin, Byrnes, Molotow und Bidault ein Gesuch um Entsendung einer
Untersuchungskommission nach Südtirol gerichtet haben. |
| 30.05.1946 |
Als
Vertreter Österreichs legt Außenminister Gruber und als Delegierter
Italiens, der italienische Botschafter in London Graf Nicolò Carandini,
die Auffassungen ihrer Regierungen über die Grenzziehung zwischen Österreich
und Italien vor dem Rat der Stellvertreter der Außenminister in London
im Sinne des Beschlusses der Außenministerkonferenz dar. |
| 30.05.1946 |
Gruber
trägt die Forderung nach "kleineren Grenzberichtigungen" (Pustertallösung)
vor; eine Rechtsverwahrung hinsichtlich der Selbstbestimmung für Südtirol
wird eingebracht, wobei Gruber betont, daß Österreich "auf jeden
Fall" beabsichtigt, "zu einem späteren Zeitpunkt das Thema
Volksentscheid in Südtirol vor einem zuständigen, internationalen
Gremium aufzuwerfen". Gruber führt u- a. aus, die österreichischen
Forderungen bezögen sich auf ein Gebiet von 3.200 Quadratkilometer mit
einer Bevölkerungszahl von rund 70.000. Es handelt sich dabei vor allem
um das Pustertal und das obere Eisacktal mit den Städten Brixen,
Bruneck und Sterzing: auch der Brenner gehöre dazu. Die vorgeschlagene
Grenze würde fünf Kilometer nördlich von Cortina d'Ampezzo und weiter
westlich rund 20 Kilometer nördlich von Meran verlaufen. Bozen würde
bei Italien bleiben. Das beanspruchte Gebiet gehöre zu Südtirol. Wenn
es aber bei Italien belassen würde, ergäben sich für Österreich
Verkehrsschwierigkeiten, die sich auf die österreichische Wirtschaft
nachteilig auswirken müßten. Die Bundesregierung sei bereit, die
Festsetzung der genauen Grenzlinie bei Brixen Experten zu überlassen
und Italien umfassende Erleichterungen für den Bezug von Strom aus dem
Kraftwerk von Brixen einzuräumen. |
| 30.05.1946 |
Graf
Carandini erklärt, wenn Italien auch bereit sei, die Verantwortung für
den Krieg zu übernehmen, so könne es doch nicht zugeben, daß sich
diese Verantwortung auch auf die Beziehungen zu Österreich erstrecke.
Italien sei bereit, Österreich alle Erleichterungen zuzugestehen, wenn
das ganze Gebiet bei Italien bleibe. |
| 30.05.1946 |
Churchill
führt laut Wiener Zeitung (5.6.) anläßlich der Debatte im Unterhaus
über die Südtirolfrage aus: "Ich kenne keinen Fall in ganz
Europa, auf den die Atlantik Charta und die Charta der Vereinten
Nationen besser angewandt werden könnte, als das österreichische
Tirol. Warum erlaubt man den Bewohnern dieses Landes nicht, ein Wort über
ihre eigene Zukunft zu sagen? Warum können wir nicht ein faires und
freies Plebiszit unter Überwachung durch die Großmächte haben? Ist es
nicht unlogisch, zu sagen, daß es im Falle Triest den Standard des
ethnologischen Ausgleichs gibt, für Südtirol jedoch andere
Gesichtspunkte Geltung haben? Die Sowjetunion ist bereit, in beiden Fällen
das ethnologische Prinzip zu mißachten." Er sprach den Wunsch aus,
daß Großbritannien die freundschaftlichsten Beziehungen zu Italien
anknüpfen möge, das bald wieder seinen Platz in der Gemeinschaft der Völker
Europas einnehmen solle; zwischen Gruber und dem italienischen
Botschafter Carandini kommt es in London auf Rat der britischen
Diplomatie zur Kontaktaufnahme; die gleichen Vorstellungen trägt Gruber
auch dem britischen Vertreter Mack in Wien am 13.6. vor. |
| 01.06.1946 |
Außenminister
Gruber führt ein Gespräch mit Carandini in Paris unmittelbar vor
seiner Abreise nach London; auf einer Pressekonferenz erklärt Gruber,
Österreich hoffe, "ein Land des Friedens wie die Schweiz zu
werden"; Le Monde hebt im Anschluß an die Pressekonferenz mit
Gruber hervor, daß hinsichtlich des Tourismus das Pustertal und
Nordtirol eine Einheit bilden würden und veröffentlicht eine Karte mit
den "Rectifications mineurs". |
| 02.06.1946 |
Der
Alto Adige veröffentlicht eine römische Meldung, wonach der
Andreas-Hofer-Bund, die Organisation der Südtiroler
Widerstandsbewegung, durch seinen Obmann Hans Egarter ein Telegramm an
die Außenminister gerichtet habe, worin gegen die Forderung nach
kleineren Grenzberichtigungen Protest eingelegt wird; die Echtheit des
Telegramms bleibt umstritten; Wahlen zur Verfassungsgebenden
Nationalversammlung in Italien: Niederlage des Partito d'Azione. |
| 03.06.1946 |
Der
britische Außenminister Bevin hatte laut Reuter eine Zusammenkunft mit
Außenminister Gruber, bei der Fragen der italienisch-österreichischen
Grenzberichtigungen besprochen wurden. Gruber unterbreitete folgende
Vorschläge: 1. Die Mächte sollen mit Österreich einen
Feststellungsvertrag schließen, nicht aber einen Friedensvertrag, denn
Österreich sei das Opfer der Angriffspolitik Deutschlands gewesen und
habe niemals Krieg erklärt. 2. Die Teilung Österreichs in vier Zonen
soll mit sofortiger Wirkung aufgehoben und die Besatzungstruppen
etappenweise abgezogen werden. 3. Grenzberichtigungen in Südtirol
sollen Österreich zugestanden werden. 4. Freiheit des Schiffsverkehrs
auf der Donau und Zugang zu Triest. 5. Die Ansprüche an Österreichs
Industrie, im Zusammenhang mit den deutschen
Wiedergutmachungsleistungen, sollen fallen gelassen werden. 6. Österreich
soll in die Vereinten Nationen aufgenommen werden; De Gasperi war über
den Besuch Grubers bei Bevin in heller Aufregung. |
| 04.06.1946 |
Gruber
erläutert in London gegenüber Gladwyn Jebb seine Vorstellungen zur Lösung
der Südtirolfrage: Die beiden Regierungen sollten eine gemeinsame
italienisch-österreichische Verwaltung für ganz Südtirol unter
UNO-Aufsicht errichten. Italien sollte sämtliche wirtschaftlichen
Rechte behalten und Truppen am Brenner stationieren können, während Österreich
für kulturelle Fragen und Verkehrsangelegenheiten zuständig sein
sollte, mit dem Recht Südtirols, Abgeordnete in den Nationalrat nach
Wien entsenden zu können. |
| 06.06.1946 |
Bevin
erklärt sich laut Wiener Zeitung einverstanden, daß kleine
Grenzberichtigungen zugunsten Österreichs vorgenommen werden könnten
und in diesem Sinne mit Italien zu sprechen. Er gibt seiner Hoffnung
Ausdruck, daß Italien und Österreich in der Grenzfrage zu einer vernünftigen
Lösung kommen und den Friedensschluß erleichtern werden. |
| 10.06.1946 |
Besprechung
von Vertretern Nord- und Südtirols in Innsbruck, die ihre Vorbehalte
gegen die Politik des Außenministers zum Ausdruck bringen. |
| 11.06.1946 |
Ing.
Amann und Thalhammer begeben sich als Experten zur Außenministerkonferenz
nach Paris, um dort entsprechende Angaben über die Wasserkräfte und
Elektrizitätswerke in Südtirol zu machen. |
| 15.06.1946 |
In
der New York Times wird der Plan eines Kondominiums für Südtirol durch
den Österreich-Korrespondenten John MacCormac veröffentlicht. |
| 15.06.1946
bis 12.07.1946 |
Fortsetzung
der Vier Mächte-Außenministerkonferenz (vom 25. 04-16. 05 1946) in
Paris; der Anspruch Österreichs auf Südtirol wird neuerdings
abgelehnt; Versuche, die Staatsvertragsverhandlungen in Gang zu bringen
werden infolge interalliierter Differenzen (sowjetisches Veto)
fallengelassen. |
| 18.06.1946 |
Proklamation
der Republik Italien nach den Wahlen zur Nationalversammlung und
Volksabstimmung. |
| 18.06.1946 |
Amonn
und Volgger richten ein Privatschreiben an Innocenti und nehmen
"inoffiziell" und mit Vorbehalten gegen dessen vor Monaten
entwickelten Autonomieentwurf Stellung (keine Regionalautonomie Südtirol-Trentino). |
| 18.06.1946 |
Das
Foreign Office spricht sich in einer Weisung für den britischen
Botschafter in Paris, für die Abtretung des Pustertales an Österreich,
jedoch ohne Brixen, aus. Die Delegation wird angewiesen, einen
"modifizierten Vorschlag" einzubringen; falls keine Einigung
erzielt werden könnte, sollte Italien militärische Durchzugsrechte und
die Möglichkeit erhalten, Truppen am Brenner zu stationieren.
Hinsichtlich der Wasserkräfte müßten Italien Garantien gegeben werden
ebenfalls Minderheitenrechte. Die Briten wollten somit die
Kondominiumsidee lediglich für das Pustertal angewendet sehen. |
| 20.06.1946 |
Die
US-Delegation nimmt zum Kondominiumsplan Grubers Stellung und lehnt in
einer Stellungnahme für das State Department dieses Konzept aufgrund
der ungeklärten Souveränitätsfrage und des Fehlens angemessener
Polizeikontrollen als nicht praktikabel ab; der Wasserkraft-Ausschuß
kommt in Paris zum Ergebnis, daß die von Österreich Italien
angebotenen Garantien hinsichtlich der Wasserkraft den Schaden nicht
ausgleichen würden, der Italiens Wirtschaft und v.a. seiner Elektrizitätswirtschaft
entstehen würde, sollte das gesamte Pustertal an Österreich abgetreten
werden. Die stellvertretenden Außenminister legen den Expertenbericht
ohne eigene Empfehlung vor. |
| 22.06.1946 |
Ein
Amnestiegesetz, ausgearbeitet von Justizminister Palmiro Togliatti, zur
"Befreiung und Versöhnung aller guten Italiener" tritt in
Kraft. |
| 23.06.1946 |
Schreiben
des Fürstbischofs Geisler an Bevin, daß weder die Pustertallösung
noch der italienische Autonomievorschlag eine Regelung der Südtirolfrage
bewirken würden. Trotz des demokratischen Charakters der neuen
italienischen Regierung erscheine der Faschismus in diesem Teil der Welt
bereits wieder. Der Brief wurde am 11.8. in der Wiener Zeitung
auszugsweise abgedruckt. |
| 24.06.1946 |
Der
Außenministerrat lehnt nach Vorlage eines Entschließungsantrags von
Molotow die Pustertallösung als "kleinere
Grenzberichtigungen" ab, die übrigen Außenminister stimmen dieser
Auffassung zu; die Entscheidung der Alliierten, daß Österreich Südtirol
nicht erhalten werde (14.9.1946) wird erneut festgeschrieben, Gruber ist
schwer enttäuscht. |
| 25.06.1946 |
Die
Londoner Times urteilt: "Ein rein politischer Beschluß: Südtirol
als Teilentschädigung für die Kolonien." U.a. heißt es über die
Entscheidung der Außenminister: "Sie scheinen stillschweigend übereingekommen
zu sein, Südtirol bei Italien zu belassen als eine Teilentschädigung für
jene Gebiete, welche es wahrscheinlich in den Kolonien, in Venezia
Giulia außer den kleinen französischen Grenzforderungen in den
Seealpen verlieren werde. Die Entscheidung war im Grunde eine
politische." |
| 26.06.1946 |
Rede
Grubers anläßlich des ersten Jahrestages der Gründung der UN im Großen
Konzerthaussaal in Wien, veranstaltet von der österreichischen Liga der
Vereinten Nationen. Er betont laut Wiener Zeitung vom 27.6., Österreich
wolle nichts anderes erreichen, als Gewährung des
Selbstbestimmungsrechts "für den österreichischen Volksstamm der
Südtiroler"; |
| 26.06.1946 |
Die
Tiroler Landesregierung beschließt folgende Resolution: "Das
Tiroler Volk kann und will nicht glauben, daß in Paris das letzte Wort
schon gesprochen ist. Es erwartet, daß der österreichische Außenminister
zunächst bei den alliierten Regierungen vorstellig wird, dann die
Angelegenheit in der Friedenskonferenz unterbreitet und, wenn Österreich
kein Gehör findet, eine Entscheidung durch die Organisation der
Vereinten Nationen erwirkt. Das Ziel aller unserer Anstrengungen ist die
Durchführung einer freien Volksbefragung in Südtirol, um in diesem
Teil der Welt eine Ordnung zu erreichen, welche der moralischen Grundsätzen
entspricht." Landeshauptmannstellvertreter Franz Hüttenberger (SPÖ)
kritisiert, daß "von den für Österreichs Außenpolitik
verantwortlichen Männern in der Behandlung des Südtiroler Problems
Ungeschicklichkeiten begangen wurden, welche die gerechte Sache Südtirols
ungünstig beeinflussen". |
| 26.06.1946 |
Der
stv. US-Außenminister Dean Acheson schreibt an den in Paris weilenden
Byrnes, daß Grubers Kondominiumsplan eine Grundlage für
Direktverhandlungen zwischen Italien und Österreich bilden könnte. Die
ethnische Frage sei nach wie vor offen, die Polizeiaufsicht könnte auf
lokaler Ebene gelöst werden und in einem Südtirolstatut enthalten
sein. |
| 28.06.1946 |
Zweites
Alliiertes Kontrollabkommen für Österreich (Rechte und Pflichten des
Alliierten Rates und der Bundesregierung werden festgeschrieben, das
Abkommen garantiert deren Unabhängigkeit und Gebietshoheit;
Verfassungsgesetze bedürfen der einstimmigen Genehmigung des Alliierten
Rates, während die übrigen Gesetze bei mangelnder Stimmeneinheit nach
31 Tagen in Kraft gesetzt werden können; Ermächtigung mit allen
Regierungen der Vereinten Nationen diplomatische und konsularische
Beziehungen einzugehen. |
| 29.06.1946 |
"Treueschwur"
der Tiroler Jugend anläßlich der 150jährigen Wiederkehr des
"Herz-Jesu-Bündnisses" (1796), an der auch Bischof Paulus
Rusch teilnimmt. |
| 30.06.1946 |
Herz-Jesu-Prozessionen
werden landesweit durchgeführt und dabei demonstrieren zehntausende
Tiroler für das Selbstbestimmungsrecht Südtirols; Innocenti schließt
einen weiteren (überarbeiteten) Autonomieentwurf ab, der eine
gemeinsame Region Trient-Bozen vorsieht. |
| 03.07.1946 |
Zur
Südtirolfrage gibt Gruber eine Erklärung vor dem Nationalrat ab, in
der er u.a. ausführte: Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges habe die
Bundesregierung unter Berufung auf das in der Atlantikerklärung
verankerte Selbstbestimmungsrecht der Völker sofort ein Plebiszit in Südtirol
angemeldet (...) Nachdem auf der 09konferenz in London beschlossen
worden sei, hinsichtlich der italienisch-österreichischen Grenze nur
kleine Berichtigungen zuzulassen, habe der britische Außenminister bei
der Konferenz vom 05 1946 in Paris die Frage zur Diskussion gestellt.
Molotow habe aber eine Erörterung ebenso abgelehnt wie den Vorschlag
Bevins, die Bundesregierung einzuladen, die Forderung auf "kleinere
Grenzberichtigungen" - ein Begriff, der nicht näher definiert
worden sei - vorzubringen. Das State Department habe die Bundesregierung
hierzu wissen lassen, daß es den Zeitpunkt für eine Aufrollung des Südtirolproblems
für ungünstig halte. Als dann kurz darauf doch ein österreichischer
Vertreter nach Paris eingeladen worden sei, habe er die Forderung auf
das Pustertal mit Einschluß von Brixen und das Kanaltal eingebracht und
erklärt, daß sich Österreich vorbehalte, die Südtirolfrage zu einem
späteren Zeitpunkt aufzurollen. Während die Sowjetunion dieser
Forderung ablehnend gegenübergestanden sei und Jugoslawien nur bereit
gewesen wäre, sie zu unterstützen, wenn Österreich seinerseits die
jugoslawische Forderung auf Triest unterstütze, hätte Frankreich sie
befürwortet, Bevin wie McNeil hätten im Unterhaus erklärt, daß man
Österreich das Recht auf kleinere Grenzberichtigungen zubilligen müsse.
Trotzdem sei die Entscheidung gegen Österreich gefallen, wobei
wirtschaftliche, in keiner Weise stichhaltige Beweggründe den Vorwand für
eine rein politische Entscheidung abgegeben hätten. Trotzdem werde Österreich
nie davon abgehen, die Forderung nach einem Plebiszit in Südtirol zu
stellen, und werde ebensowenig auf dieses Land verzichten, wie sich Großbritannien
mit der Abtrennung der Grafschaft Kent oder Frankreich mit der
Abtrennung Lothringens einverstanden erklären würde. |
| 04.07.1946 |
Erich
Amonn und Josef Raffeiner wenden sich an Innocenti, um ihm zu erklären,
daß die SVP angesichts der Entscheidungen der Außenministerkonferenz -
abgesehen von der bereits erfolgten Mitarbeit über die Staatsbürgerschaftsfrage
der Optanten - auch zur Mitarbeit in der Autonomiefrage bereit sei.
Amonn und Raffeiner dementieren allerdings später eindeutig und klar,
daß sie sich nicht dem Autonomieprojekt Innocentis (u.a. gemeinsam mit
dem Trentino) einverstanden erklärt hätten, was Innocenti und De
Gasperi so in der Öffentlichkeit darstellten. |
| 05.07.1946 |
Der
sowjetische Oberbefehlshaber in Österreich Generaloberst Kurassow
befiehlt die Übergabe des gesamten "deutschen Eigentums" in
der Sowjetzone an die Sowjetunion ("Befehl Nr.17"). |
| 07.07.1946 |
Entschließung
des Österreichischen Gewerkschaftsbundes für die Selbstbestimmung Südtirols;
Figl erklärt, daß Österreich wie die Resolution des ÖGB nach wie vor
den Gedanken der Rückgabe Südtirols weiterverfolgt. |
| 08.07.1946 |
Der
stv. Undersecretary of State Oliver Harvey hält fest, daß die
Anwendung des ethnischen Prinzips - so richtig dieses im Grunde sei - im
Falle Südtirols nicht in Frage komme. |
| 10.07.1946 |
Die
USA kündigen den Verzicht auf das "deutsche Eigentum"in ihrer
Zone an; Amonn und Raffeiner appellieren an den Ministerpräsidenten der
Südafrikanischen Union, Jan Smuts, auf der kommenden Friedenskonferenz
ihr Recht auf Selbstbestimmung zu vertreten. |
| 12.07.1946 |
Gruber
deponiert via erstem Botschaftssekretär der italienischen Botschaft in
Wien, Roberto Gaja, die Idee eines Treffens mit De Gasperi, auch in
Italien, um einen Gesprächsaustausch über freundschaftliche
Beziehungen und der Zusammenarbeit" zu führen. Gruber erwähnt
nicht die Südtirolfrage. Seiner Ansicht nach sollte über
wirtschaftliche Erleichterungen und eventuell über eine italienisch-österreichische
Zollunion gesprochen werden. |
| 16.07.1946 |
Der
Vorsitzende des Außenpolitischen Ausschusses des US-Senats, Artur
Vandenberg, erklärt zu der von den Außenministern beschlossenen
Belassung Südtirols bei Italien, "dies sei von allen auf
ethnischer Grundlage getroffenen Entscheidungen die am wenigsten zu
rechtfertigende. Die UNO wäre das geeignete Forum, um solche
Fehlentscheidungen auszuzgleichen". |
| 17.07.1946 |
Die
SVP betont in einem Telegramm an das House of Lords den Anspruch auf
Selbstbestimmung und bittet, die Südtiroler dabei zu unterstützen. |
| 18.07.1946 |
Der
Vertragsentwurf für die Friedenskonferenz ist von den Außenministern
fertiggestellt worden, Artikel 10 des italienischen Friedensvertrages
sieht die Regelung der Verkehrsverhältnisse im Pustertal auf dem Wege
direkter Verhandlungen zwischen Italien und Österreich vor. |
| 19.07.1946 |
Die
italienische Nachrichtenagentur ANSA meldet laut Presseagentur des
Ministerpräsidenten, die Bereitschaft der SVP-Vertreter an der
Schaffung einer tridentinischen Regionalautonomie mitzuarbeiten. |
| 20.07.1946 |
Die
Dolomiten sehen sich außerstande mitzuteilen, welche Bedeutung dem
ANSA-Kommuniqué zukommt, da keiner der führenden SVP-Vertreter für
sie erreichbar war. Die Volkspartei hatte jedoch zu diesem Zeitpunkt
noch keine offizielle Stellungnahme zu dem von Innocenti am 30.6.
abgeschlossenen zweiten Autonomieentwurf verlautbart. |
| 20.07.1946 |
De
Gasperi läßt Gruber via Gaja mitteilen, daß er zu Gesprächen bereit
sei, wenn territoriale Fragen nicht zur Diskussion stehen und deutet die
Möglichkeit einer italienisch-österreichischen Zollunion aufbauend auf
einem Projekt aus dem Jahre 1926 an. |
| 24.07.1946 |
Die
Dolomiten bringen eine "Äußerung der SVP zur
Autonomiefrage": das endgültige Schicksal Südtirols werde erst
auf der Friedenskonferenz besiegelt, mit Blick auf das durch die Außenminister
geschaffene Präjudiz wäre es jedoch unverantwortlich, "in der
Autonomiefrage völlig abseits zu stehen". |
| 25.07.1946 |
Rede
De Gasperis vor der Verfassunggebenden Nationalversammlung, in der er,
veranlaßt durch Bevins Erklärungen im Unterhaus, auch auf die Südtirolfrage
zu sprechen kommt und die Ausarbeitung eines Autonomieprojekts erwähnt,
welches im Einvernehmen mit allen Parteien aus dem Trentino und der
Provinz Bozen "auch unter Einschluß jener, die bisher die Fahne
des Separatismus hoch gehalten habe", entwickelt werde. |
| 25.07.1946 |
Im
Volksboten erklärt Amonn, daß man in der Autonomiediskussion und
Optantenfrage nicht mehr abseits stehen könne und man - im Falle einer
Ablehnung der Selbstbestimmungsforderung - eine Autonomie für Südtirol
einer Regionalautonomie vorziehen würde. |
| 25.07.1946 |
Im
britischen Unterhaus erklärt der Konservative Boothby bei Begründung
eines von 150 Unterhausmitgliedern unterzeichneten Protestantrages gegen
die Entscheidung der Außenministerkonferenz in Paris über die
Belassung Südtirols bei Italien u.a., die Abtrennung Südtirols von Österreich
im Friedensvertrag von Saint Ger05n sei die ernsthafteste Verletzung des
von Wilson aufgestellten Grundprinzips der Selbstbestimmung der Völker
gewesen und habe die moralische Grundlage des Vertrages von Versailles
unterminiert. Sie habe die Alliierten mit jenem Schuldkomplex erfüllt,
der schließlich Hitler erlaubt habe, zur Macht aufzusteigen. Die
Italienisierung Südtirols sei brutal durchgeführt worden. Boothby
fragt, "ob Großbritannien den schmutzigen Schacher, den der
Berliner Pakt zwischen Hitler und Mussolini über Südtirol dargestellt
habe, unterschreiben wolle?" Außenminister Bevin sagt in seiner
Antwort u. a., das Problem Österreich sei 1943 in Moskau zur Sprache
gekommen und entschieden worden, daß Italiens Boden nicht angetastet
werden solle. Österreich sei noch nicht frei, und man wisse nicht
einmal, ob Ostösterreich nicht vom Westen ganz abgeschnitten werde. Die
Entscheidung über Südtirol sei im 09 in London gefallen. Er habe sich
einverstanden erklärt und trage dafür die Verantwortung. |
| 29.07.1946 |
Am
Tag des Zusammentritts der Pariser Friedenskonferenz organisiert die
Landesstelle für Südtirol eine Massenkundgebung von Exilsüdtirolern
in Innsbruck. Reut-Nicolussi hält vor einer großen Menschenmenge vor
dem Goldenen Dachl eine Rede; die namhaftesten Südtiroler Politiker
fordern ein freies Plebiszit für Südtirol in einem öffentlichen
Appell. |
| 29.07.1946
bis 15.10.1946 |
Im
Palais Luxembourg in Paris beginnt die Friedenskonferenz, Teilnehmer
sind: Frankreich (Außenminister Bidault), Sowjetunion (Außenminister
W. M. Molotow), Großbritannien (Premierminister Clement Attlee),
Vereinigte Staaten (Außenminister James F. Byrnes), Australien (Außenminister
Herbert v. Evatt), Belgien (Außenminister Paul Henri Spaak), Brasilien
(Außenminister Joso Neves de Pontoure), Weißrussische Sowjetrepublik
(M. A. Kisselew), Kanada (W. L. Mackenzie King), China (Wang-Shih-Tschieh),
Tschechoslowakei (Außenminister Jan Masaryk), Abessinien (Ato Aklilou
Ahte-Wold) Griechenland (Außenminister Constantin Tsaldaris), Indien
(Sir Samuel Runganachan), Niederlande (Baron van Boetzelaer van
Oosterhout), Norwegen (Außenminister Halvard Lange), Neuseeland (Außenminister
H. G. Mason), Ukrainische Sowjetrepublik (Dimitri Manuilskt), Südafrikanische
Union (Generalmajor Frank Theron), Jugoslawien (Außenminister Kardelj).
Der Konferenz liegen die Entwürfe des Rates der Außenminister der Großen
Vier in Paris, beziehungsweise der von ihnen beauftragten Stellvertreter
zu den Friedensverträgen mit Italien, Finnland, Bulgarien, Rumänien
und Ungarn sowie die von dieser nicht geklärten Fragen der
Friedensverträge und der Donauschiffahrt vor. Die von der Moskauer Außenministerkonferenz
vorgeschlagenen Friedensvertragsentwürfe haben laut britischen Weißbüchern
folgenden Inhalt: Italien soll Österreich freien Frachten- und
Personenverkehr zwischen Nord- und Südtirol zusichern. |
| 30.07.1946 |
Dänische
Hilfsaktion für österreichische Schulkinder |
| 04.08.1946 |
Den
21 Delegationen der Pariser Friedenskonferenz werden vier Memoranden
vorgelegt, in denen eine Volksabstimmung verlangt wird. Das erste
Memorandum stammt von der Bundesregierung, das zweite von der SVP und
der Sozialdemokratischen Partei Südtirols, das dritte von den Ladinern
und das vierte vom Weihbischof von Brixen Geisler. |
| 04.08.1946 |
Die
New York Herald Tribune betont: "Die Südtiroler Frage ist wichtig
für den Frieden" und schreibt, die USA hätten "eine ganz
besondere Verantwortlichkeit in der Sache, denn die ursprüngliche
Abtretung Südtirols an Italien erfolgte nach dem letzten Kriege durch
Woodrow Wilson, welcher später darüber sagte: 'Ich bedauere diesen
Entscheid. Ich kannte die Verhältnisse nicht, als die Entscheidung
getroffen wurde'". |
| 05.08.1946 |
Besprechung
zwischen Amonn und Innocenti über das Autonomieprojekt vom 30. 06; der
SVP-Obmann gibt zu erkennen, daß die Partei ein solches Statut ablehne,
allerdings eine kleine Gruppe diesem nicht gänzlich abgeneigt sei. |
| 07.08.1946 |
Die
SVP gibt die Instruktionen für die Südtiroler Delegation in Paris aus:
falls kein Plebiszit durchsetzbar ist werden drei Alternativen
festgelegt: 1. Internationalisierung (Südtirol unter internationaler
Kontrolle), 2. Liechtensteinlösung, 3. Autonomie (diese allerdings nur
unter den Bedingungen einer internationalen Garantie und ausschließlich
für Bozen). |
| 07.08.1946 |
Friedl
Volgger verläßt den Parteisitz Bozen-Gries und begibt sich gemeinsam
mit Otto von Guggenberg über das Schnalstal/Similaun/Ötztal
"illegal" nach Österreich, um von dort mit dem
Arlberg-Express nach Paris zur Friedenskonferenz zu gelangen. |
| 09.08.1946 |
Der
Fürstbischof von Brixen Geisler richtet laut Reuter ein Schreiben an
Bevin, in dem er die Außenminister der vier Großmächte um Revision
ihres Beschlusses bezüglich Südtirols ersucht. Gleichzeitig wird laut
United Press ein vom SVP-Obmann Ammon und dem Vorsitzenden der
Sozialdemokratischen Partei Südtirols, Lorenz Unterkircher, und vier Südtiroler
Mitgliedern des letzten gewählten italienischen Parlaments und sieben
Mitgliedern des letzten gewählten Südtiroler Landtages unterzeichneter
Appell von Parlamentariern für eine Volksabstimmung in Südtirol der
Pariser Friedenskonferenz unterbreitet. Ein drittes Memorandum mit der
gleichen Forderung wird von der österreichischen Regierung abgesandt. |
| 10.08.1946 |
In
der Zeitung Die Österreichische Furche erscheint ein Artikel über eine
Kondominiumslösung für Südtirol, vermutlich inspiriert von Gruber. |
| 10.08.1946 |
De
Gasperi tritt vor die Pariser Friedenskonferenz, um die Anliegen
Italiens zu vertreten. Der Friedensvertragsentwurf sei hart und
strafend. Die militärischen Bestimmungen würden das Land wehrlos
machen, die geplante Grenze zu Jugoslawien und der vorgesehene
"Freistaat Triest" viele Italiener vom Mutterland abtrennen.
In bezug auf Südtirol erklärt De Gasperi, daß im "Alto Adige"
eine weitreichende Autonomie vorbereitet werde und die Südtiroler
Vertreter einer Regionalautonomie bereits zugestimmt hätten. |
| 14.08.1946
bis 15.08.1946 |
Erklärung
der SVP-Landesleitung zu der von De Gasperi in Paris am 10.8. gemachten
Äußerung, daß seitens der italienischen Regierung in Südtirol
bereits eine Einigung über eine weitgehende Autonomie erzielt worden
sei. In der Stellungnahme der SVP (Dolomiten, 14.8.1946; Volksbote,
15.8.1946) wird festgehalten, daß zwischen Volkspartei und
italienischer Regierung keinerlei Verhandlungen über eine Autonomie
stattgefunden hätten und von einer "Einigung" in keiner Weise
die Rede sein könne. |
| 17.08.1946 |
Der
Antrag auf Anhörung Österreichs auf der Friedenskonferenz wird vom
britischen Staatssekretär Hector McNeil vorgebracht und mit 15 zu 6
Stimmen (Rußland, Ukraine, Weißrußland, Polen, Jugoslawien und die
CSR stimmten dagegen) - angenommen. Die Konferenz beschließt damit, Österreich
einzuladen, zu dem Friedensvertrag mit Italien nach den gleichen
Bedingungen wie sie für die Einladungen Albaniens, Kubas und Ägyptens
niedergelegt wurden, seine Ansichten darzulegen. |
| 19.08.1946 |
Die
Dolomiten verkünden "Österreich wird angehört werden" auf
der ersten Seite. |
| 21.08.1946 |
Außenminister
Gruber vertritt nochmals den Standpunkt Österreichs in der Südtirolfrage;
seine Rede vor der Vollversammlung der Pariser Außenministerkonferenz
(29. 07 - 15. 10) wurde in Absprache mit Kanzler Figl entworfen; das der
Konferenz vorgelegte Südtirol-Memorandum Österreichs (25.8.) ändert
nichts am Standpunkt der Außenminister, Südtirol bei Italien zu
belassen. |
| 22.08.1946 |
Unterredung
Grubers mit Carandini, Bidault und Gruben; die belgischen Delegierten
versuchen die Österreicher zu einer direkten Einigung mit Italien zu
bewegen; Otto von Guggenberg und Hans Schoefl treffen in Paris ein. |
| 23.08.1946 |
Die
Südtiroler Delegierten legen auf Verlangen Grubers ihre
Autonomievorstellungen fest. |
| 24.08.1946 |
Der
österreichische Botschafter Schmid macht gegenüber Carandini deutlich,
Österreich werde auf die Forderung nach einer Provinzautonomie für
Bozen und die zugehörigen Gemeinden des deutsch- und
ladinischsprachigen Gebietes "niemals verzichten", zumal eine
Zusammenlegung zu einer Majorisierung der deutschsprachigen Bevölkerung
durch das italienische Element führen würde. |
| 24.08.1946 |
Die
SVP-Delegierten werden von Smuts empfangen. |
| 25.08.1946 |
Im
neuen Memorandum der Bundesregierung wird eine Verwaltungsautonomie
gefordert, wie sie durch Italien den Bewohnern des Aostatals gewährt
wurde. Das Memorandum bringt den Vorschlag zur Abänderung des Artikels
10 des italienischen Friedensvertragsentwurfs. |
| 26.08.1946 |
Gruber
überreicht dem Generalsekretariat der Friedenskonferenz ein 34 Seiten
langes Memorandum zur Südtirolfrage, welches 4 Abschnitte enthält: die
Rede Grubers, die Skizzierung der politischen Forderungen, das Exposé
über die Südtirolfrage und Konklusionen zur Südtirolfrage sowie
Vorschläge zur Wahrung der österreichischen Interessen in Triest. |
| 26.08.1946 |
Die
Südtiroler Delegation bringt ihr Mißfallen zum Ausdruck, daß
"vorzeitig alle Karten aufgedeckt" werden und
"offenkundig" wurde, "wie weit nachzugeben die österreichische
Regierung bereit war". Die vergleichsweise Heranziehung der
Aostatal-Autonomie wurde als Muster "für verunglückt und gefährlich"
angesehen; Gruber schwebt jedoch kein detaillierter Vertrag vor. Er
macht deutlich, daß es v.a. darum gehe, "in den Friedensvertrag
einen Artikel hineinzubringen, der den Italienern ständig ihre
Verpflichtung zum Abschluß eines Vertrages in Erinnerung bringen würde". |
| 26.08.1946 |
Gegenüber
Carandini deutet Gruber Bereitschaft an, die Vorschläge Innocentis zur
Grundlage der Autonomie zu machen, allerdings nur unter der Bedingung,
daß sie in einigen Punkten modifiziert würden, u.a. keine gemeinsame
Autonomie mit dem Trentino. |
| 30.08.1946 |
Die
im italienischen Gegenvorschlag genannte Bedingung Grubers wird nicht
berücksichtigt bzw. erfüllt. De Gasperi läßt sich auf die von Österreich
gewünschte eindeutige territoriale Abgrenzung des autonomen Gebietes
nicht ein. |
| 30.08.1946 |
Volgger
hat mit dem jugoslawischen Delegationsmitglied Marusic eine Unterredung. |
| 01.09.1946 |
Carandini
kehrt aus Rom mit Instruktionen De Gasperis und einem Vorschlag für
Artikel 10 des italienischen Friedensvertrags nach Paris zurück. |
| 02.09.1946 |
Heftige
Diskussion zwischen Gruber, Schmid, Wimmer und Bischoff auf der einen
und Guggenberg, Volgger und Schoefl auf der anderen Seite, weil die Südtiroler
Delegierten den Carandini-Vorschlag als ungenügend bezeichnen und glatt
zurückweisen. |
| 02.09.1946 |
Der
italienische Ministerpräsident De Gasperi erklärt laut Wiener Zeitung,
daß die Autonomie Südtirols das ethnische Problem dieser Region nicht
lösen könne, wenn sich diese nicht auch auf das Trentino erstrecke.
Die italienische Regierung hätte nichts dagegen einzuwenden, daß die
Klausel über den Schutz der Minderheiten im Friedensvertrag auch durch
die Vereinten Nationen garantiert werde. |
| 04.09.1946 |
Gruber
verlangt die Unterdrückung des Begriffs "circumscription", um
über die Ausgestaltung der Autonomie keinen Zweifel aufkommen zu
lassen; die Italiener wollen diesen Begriff, weil er ihnen die Möglichkeit
zur Ausdehnung der Autonomie auf das Gebiet von Trient gestattet. Gruber
lehnt diesen Standpunkt ab, worauf das Wort "frame" an Stelle
von "circumscription" gewählt wird. |
| 05.09.1946 |
Gruber
ist bereit, die Frage der Nennung des territorialen Geltungsbereichs der
Autonomie offenzulassen und keine Formel zu verlangen, die das autonome
Gebiet unbedingt auf die Provinz Bozen beschränkt. Er bittet Carandini,
das Gleiche zu tun, und nicht direkt auf die Vereinigung der beiden
Provinzen hinzuweisen: Damit ist der Weg für die Unterzeichnung der
Vereinbarung zwischen Alcide De Gasperi und Karl Gruber in der
italienischen Gesandtschaft geebnet, die als "Pariser
Abkommen" im Artikel 10 Bestandteil des italienischen
Friedensvertrags werden und Rechte der Südtiroler sichern soll: Mit
diesem als "Pariser Vertrag" in die Geschichte eingehenden
Abkommen wird den deutschsprachigen Südtirolern Gleichberechtigung mit
den Italienern und ein bestimmtes Maß an Autonomie zugesprochen. Ergänzt
wurde das Abkommen durch einen Briefwechsel zwischen De Gasperi und
Gruber vom selben Tag. In der Antwort des Ministerpräsidenten heißt
es, daß die italienische Regierung bereit sein werde, alle Vorschläge
der österreichischen Regierung genau zu prüfen ("give careful
attention"), die auf die beste Lösung der in Artikel 10 sowie der
im Text der Vereinbarung enthaltenen Punkte abzielen. |
| 05.09.1946 |
Unterzeichnung
des Gruber-De Gasperi-Abkommens in Paris ("Pariser Abkommen",
"Pariser Vertrag"). |
| 06.09.1946 |
US-Außenminister
Byrnes kündigt in einer Rede in Stuttgart eine Wende der amerikanischen
Außen- und Deutschlandpolitik an. |
| 06.09.1946 |
Rede
Grubers für den Londoner Rundfunk BBC. |
| 06.09.1946 |
Nach
einer "schlaflosen Nacht" teilt De Gasperi den Österreichern
mit, daß die italienische Delegation das "amendment to article
10" nicht selbst bei der Friedenskonferenz einbringen könne. Als
sich herausstellt, daß die Briten Österreich nicht unterstützen würden,
wenn es auf der Version vom 5.9. insistieren würde, wird die Seite 1
des Schriftstücks auf neutralem Papier und ohne Titel neu geschrieben,
während Seite 2 mit den Unterschriften unverändert bleibt. |
| 07.09.1946 |
De
Gasperi gibt bei einer Pressekonferenz auf der italienischen Botschaft
die Erklärung ab, daß die Frage des territorialen Umfangs der
vereinbarten Autonomie für Südtirol noch offen geblieben sei, was
massive Kritik bei der SVP-Delegation in Paris auslöst; nur mit Mühe
kann diese von einem öffentlichen Protest abgehalten werden. |
| 08.09.1946 |
In
der Wiener Zeitung erscheint eine Art "Einverständniserklärung"
der SVP-Delegierten zum Gruber-De Gasperi-Abkommen, worin es u.a. heißt:
"Die erzielten Vereinbarungen bedeuten zwar in einigen Punkten
Opfer, wir glaubten aber, dieselben als Beitrag zur Befriedung dieses
Teiles der Welt bringen zu sollen. Auf alle Fälle bekommt Südtirol
seine eigene Autonomie, und es wurden die Voraussetzungen geschaffen, daß
die von Hitler und Mussolini vertriebenen Südtiroler in absehbarer Zeit
in ihre Heimat zurückkehren können." Der Bundesregierung wird
"als uneigennütziger Anwalt" gedankt; ein von Innocenti im
Auftrag von De Gasperi ausgearbeitetes restriktiv gehaltenes
Autonomiestatut, welches das Aufgehen Bozens in einer Region mit Trient
vorsieht, wird veröffentlicht. |
| 09.09.1946 |
Die
SVP-Delegierten wenden sich nach dem Interview De Gasperis an Gruber und
bezeichnen das Abkommen aufgrund der Aussagen des Ministerpräsidenten
als "ungültig" und "Verrat" an den Vereinbarungen. |
| 10.09.1946 |
Gruber,
der von Wien eingeflogen kommt, beruhigt in einer mehr als einstündigen
Unterredung die Südtiroler, mit der zentralen Argumentation, daß das
Abkommen eindeutig das Autonomiegebiet bezeichne und es von der
Zustimmung der Südtiroler selbst abhänge, ob es zu einem Zusammengehen
mit dem Trentino kommen würde. Er betont, daß mit der Vereinbarung die
Südtirolfrage zu einer internationalen Angelegenheit und auch zu einem
international anerkannten österreichischen Anliegen geworden ist.
Sollte Italien den Vertrag nicht einhalten, würde man gemeinsam,
"eine Campagne [sic!] gegen Italien aufziehen, an der schon alles
daran sein wird". |
| 10.09.1946 |
In
der Tiroler Tageszeitung erscheint eine Erklärung Grubers, wonach die
nur für Südtirol geltende Autonomie von den Vertretern Südtirols
selbst ausgearbeitet werde. |
| 13.09.1946 |
Pressekonferenz
Grubers über das Abkommen |
| 14.09.1946 |
Gruber
hält in einer internen Lagebesprechung fest, daß "für eine
definitive Bereinigung" der Südtirolfrage "ein Vertrag mit
ausgearbeiteten Details notwendig" sei, der allerdings "jetzt
gar nicht ausgearbeitet werden könne". |
| 14.09.1946 |
Die
Prawda kritisiert, daß in der Vereinbarung die Grenzen des Gebietes
nicht angegeben sind. |
| 17.09.1946 |
Bundeskanzler
Figl erklärt im Ministerrat bezüglich der territorialen Abgrenzung des
Autonomiegebiets, daß die Einbeziehung des Trentinos "alles umstoßen"
würde. |
| 19.09.1946 |
Rede
Churchills in Zürich, in der er zum Zusammenschluß Europas aufruft. |
| 19.09.1946 |
Carandini
bespricht sich laut einem Schreiben an den Generalsekretär des
italienischen Außenministeriums, Renato Prunas, mit Volgger und
Guggenberg und erhält deren Zustimmung, daß die Frage des
territorialen Umfangs offenbleiben soll, handle es sich hierbei doch um
ein Element jener Autonomie, die die italienische Regierung in freier
Ausübung ihrer Souveränität zu gewähren bereit ist. Volgger und
Guggenberg erklären sich zur Zusammenarbeit bereit und lehnen es nicht
ab, eine Verwaltungseinheit zwischen Bozen und Trient in Betracht zu
ziehen, unter der Bedingung, daß dabei ein effektiver Schutz der Rechte
der deutschsprachigen Minderheit realisiert werden könne. Carandini erläutert
das Innocenti-Projekt und wie dieses im legislativen wie exekutiven
Bereich ein Auseinanderfallen der tridentinischen Einheit vorsehe, was
der deutschen Minderheit einen effektiven Schutz und eine weitgehende
Autonomie garantiere. Guggenberg und Volgger bezeichnen das
Innocenti-Projekt für prinzipiell akzeptabel mit Ausnahme der Änderungen
einzelnen Bestimmungen (Trient als einzige Hauptstadt, die Frage der
Steuerhoheit, der Ausschluß der drei ladinischen Gemeinden), die sie wünschen. |
| 21.09.1946 |
Von
der Politischen und Territorialen Kommission für Italien wird mit 13
gegen 6 Stimmen (Weißrußland, Polen, CSR, Ukraine, Rußland,
Jugoslawien) bei Stimmenthaltung Äthiopiens die Einbeziehung des
italienisch-österreichischen Abkommens über Südtirol (welches auf
Antrag der belgischen und niederländischen Delegation vom 13.9.
eingebracht worden war) in den Artikel 10a des italienischen
Friedensvertrages beschlossen. Der vom belgischen Delegierten Dehousse
vorgelegte Artikel hat folgenden Wortlaut: "Die alliierten und
assoziierten Mächte haben von den Bestimmungen (deren Text diesem
Vertrage angeschlossen ist) Kenntnis genommen, über die von der österreichischen
und italienischen Regierung am 5. 09 Einigung erzielt worden ist und
durch welche den deutschsprachigen Bewohnern der Provinz Bozen und der
benachbarten gemischtsprachigen Gemeinden der Provinz Trient gewisse
Garantien zugesichert werden." |
| 22.09.1946 |
Bundeskanzler
Ing. Figl erklärt laut Weltpresse in Klagenfurt auf einer Kundgebung u.
a.: "Es ist uns gelungen, die Frage Südtirols noch auf die
Friedenskonferenz zu bringen, wobei sich unsere Delegation, der auch
Vertreter von Südtirol angehören, bemüht hat, das Menschenmögliche
aus der gegebenen Situation herauszuholen. Außenminister Gruber hat
sich bemüht, besonders die Eigenart des Südtiroler Volkes für Österreich
zu erhalten, und zwar in Form eines eigenen Autonomievertrages. Ich bin
überzeugt, daß das Übereinkommen wirklich in die Tat umgesetzt wird,
wobei das autonome Statut nur für die Provinz Bozen und die
angrenzenden zweisprachigen Gemeinden ohne Trient Anwendung findet.
Damit ist erreicht, was möglich war, daß die Südtiroler ihre Schule,
ihre Kirche erhalten und an der Mitverwaltung der Provinz beteiligt
werden, daß der Güterverkehr mit Österreich und der Reiseverkehr ein
unbehinderter wird, daß wir also mit unserer Identitätskarte
unbehindert von Lienz nach Innsbruck und von Innsbruck nach Bozen und
von Bozen nach Klagenfurt und Wien fahren können. Österreich gilt
heute wieder etwas in der Welt und wir wollen diesen Vorteil weiter nützen,
damit wirklich die Zukunft des Landes gesichert sei." |
| 23.09.1946 |
Guggenberg
bittet Gruber seine am 10.9. den Südtirolern gegenüber gemachten
Aussagen schriftlich festzuhalten, um für die zukünftige Entwicklung
allen Anzweifelungen und Irrtümern begegnen zu können. |
| 24.09.1946 |
Gruber
schreibt an Guggenberg, indem er seine Darstellung der Unterredung mit
De Gasperi unterstreicht, wonach gegen den Willen der Südtiroler eine
Ausdehnung der Autonomiegrenzen nicht in Frage komme, d.h. eine
Autonomie gemeimsam mit dem Trentino ihnen nicht aufgezwungen werden könne. |
| 24.09.1946 |
Zu
Ehren Carandinis gibt Gruber ein Frühstück im Restaurant Drouant, bei
dem Schmid, Bischoff und Wimmer zugegen sind. In außerordentlich
freundlicher Stimmung - so Carandini an Prunas - wird Sinn und Wille der
Vereinbarungen nochmals klargestellt. Carandini betont die implizite
Verzichtserklärung Österreichs auf Geltendmachung des Anspruchs auf Südtirol,
worauf Gruber erklärt, daß an dem Tag, an dem die Autonomiefrage
geregelt sei und die Wünsche der Südtiroler befriedigt seien,
"der Fall Südtirol für Österreich abgeschlossen" sein würde.
In bezug auf den Geltungsbereich der Autonomie versichert Gruber, daß
diese Frage "offengelassen" wurde. |
| 24.09.1946 |
Die
Sowjetdelegation bringt Vorbehalte gegen den Einschluß des Abkommens in
den Friedensvertrag zum Ausdruck, da dieses nur im geringsten Grade die
Frage der nationalen Rechte der deutschsprachigen Bevölkerung Südtirols
löst, was in Wirklichkeit nicht der Fall sei. |
| 25.09.1946 |
Carandini
schreibt an Prunas: Gruber bedaure, daß De Gasperi sich in Paris gegenüber
der Presse "mißverständlich" geäußert habe. Wenn diese
Erklärungen in Rom abgegeben worden wären, hätten die Südtiroler,
die in Paris zur Zusammenarbeit bereit waren und das Abkommen
akzeptierten, weniger heftig reagiert. Gruber erklärt laut Carandini am
16.9. "ganz offiziell (...), daß es an der Tatsache keinen Zweifel
gibt, daß die Frage des territorialen Umfanges für jene Lösung offen
bleibt, die sich die italienische Regierung anzuwenden vorbehält, bis
sie sich mit den lokalen Vertretern in gegenseitigem Einvernehmen
beraten hat". (Dok. 58 bei Steininger, Los von Rom?, S. 341). |
| 26.09.1946 |
Besprechung
zwischen Gruber und Vertretern Tirols und Südtirols in Innsbruck |
| 27.09.1946 |
Insultierung
Grubers vor dem Landhaus durch den Obmann des Tiroler
Kriegsopferverbandes Hans Blaas; anschließend erfolgt eine Darstellung
Grubers über die Verhandlungen in Paris vor Pressevertretern im Tiroler
Landhaus. |
| 27.09.1946 |
Im
Alliierten Rat bezeichnet der sowjetische General Kurassow das Vorgehen
Österreichs in Paris als Verletzung des Zweiten Kontrollabkommens. Das
Abkommen mit De Gasperi hätte vor Unterzeichnung vorgelegt werden müssen. |
| 01.10.1946 |
Bericht
Grubers vor dem Ministerrat bzw. vor dem Außenausschuß des
Nationalrats über die Pariser Konferenz und den Stand der Südtirolfrage,
in dem er ausdrücklich betont, daß Österreich nicht auf Südtirol
verzichtet habe; der Auswärtige Ausschuß nimmt eine Resolution an, in
der bedauert wird, daß es nicht gelungen sei, die Freiheitsrechte des Südtiroler
Volkes bei der Friedenskonferenz durchzusetzen. Außenminister Gruber
wird ersucht, "für die Zukunft alle Maßnahmen zu treffen, um den
verfassungsmäßigen Kontakt mit dem Parlament aufrechtzuerhalten".
Die mit Italien vereinbarte Regelung bedürfe "noch mancher
Auslegung, um als Zwischenlösung angesehen werden zu können".
Abschließend heißt es: "Die Haltung Österreichs bedeutet in
keiner Weise einen Verzicht auf die unveräußerlichen Rechte unseres
Staates auf Südtirol". |
| 01.10.1946 |
Der
außenpolitische Ausschuß des Nationalrates nimmt das Abkommen mit Zurückhaltung
zur Kenntnis. |
| 02.10.1946 |
Gruber
bittet den italienischen Vertreter in Wien, Roberto Gaja, De Gasperi
mitzuteilen, daß die Resolution des Außenausschusses "aufgrund
wahlpolitischer Überlegungen" zustandegekommen sei und die
Bundesregierung die Absicht habe, dem Geist treu zu bleiben, in dem mit
De Gasperi in Paris die Gespräche geführt worden seien; Vortrag
Grubers "Österreich und die Pariser Friedenskonferenz" über
Einladung der Österreichischen Liga der Vereinten Nationen im
Konzerthaus, wobei er u.a. erklärt, "daß das in Paris mit Italien
abgeschlossene Abkommen ein Maximum des gegenwärtig Erreichbaren
darstelle". |
| 06.10.1946 |
Die
Zensur der Alliierten über die österreichische Inlandspost wird
aufgehoben. |
| 06.10.1946 |
Die
Verbände der Südtiroler in den österreichischen Bundesländern schließen
sich zu einem Gesamtverband der Südtiroler in Österreich (GSV) mit
Sitz in Innsbruck zusammen. |
| 22.10.1946 |
Außenminister
Bevin erklärt laut The World Today im britischen Unterhaus unter
anderem: Die Alliierten hätten sich in Moskau zur Schaffung eines
freien und unabhängigen Österreichs verpflichtet, und Österreich habe
sich durch die Abhaltung freier und unbeeinflußter Wahlen und durch den
Abschluß seines Vertrages mit Italien über Südtirol als durchaus fähig
erwiesen, seine eigenen Probleme zu lösen. Das schwierigste Problem
stelle Deutschland dar. |
| 30.10.1946 |
Rede
Grubers in New York im Rahmen des Herald Tribune Forums |
| 03.11.1946
bis 12.12.1946 |
Die
Konferenz der Außenminister (Marshall, Molotow, Bevin, Bidault) in New
York tagt, um aufgrund der Empfehlungen der Pariser Friedenskonferenz
die Friedensverträge mit Italien, Rumänien, Ungarn und Finnland endgültig
auszuarbeiten, beziehungsweise um die Punkte, die anläßlich der
Friedenskonferenz unentschieden geblieben waren, zu klären. An der
New-Yorker Konferenz nehmen Byrnes, Bevin, Molotow und Couve de Murville
(in Vertretung Bidaults) teil. Außer den Friedensverträgen mit den
Satellitenstaaten der "Achse" wird auch das Problem der freien
Donauschiffahrt, die Frage des Vetorechtes im Sicherheitsrat und das
Deutschlandproblem behandelt; der Vertrag mit Österreich über den
Minderheitenschutz in Südtirol und über den Durchgangsverkehr zwischen
Nord- und Osttirol wird auf Wunsch Molotows mit geringfügigen Änderungen
am 3.12. in den Vertrag aufgenommen (die Konzession des sowjetischen Außenministers
an die Westmächte erfolgte am 2.12.); die Sowjetunion erhält das
Recht, in Ungarn und Rumänien ihre Streitkräfte zum Schutze der
Verbindungslinien nach Österreich zu belassen; Verhandlungen über den
österreichischen Staatsvertrag sollen bei der nächsten Konferenz in
Moskau stattfinden. |
| 04.11.1946 |
Flaggenaffäre
in Kaltern mit einem Todesopfer |
| 10.11.1946 |
Der
Verpflegssatz für Normalverbraucher wird in Österreich von 1200 auf
1550 Tageskalorien angehoben; Gemeindewahlen in Cortina d'Ampezzo
bringen für die "Zent ladina dolimites" über 1700 Stimmen, während
die italienische Liste lediglich 853 Stimmen erhält. |
| 03.12.1946 |
Der
Alliierte Rat setzt die Besatzungskosten von bisher 30 Prozent des österreichischen
Staatsbudgets auf 15 Prozent herab. |
| 11.12.1946 |
Österreich
ist in der Kontrollkommission für den Freihafen Triest; Jugoslawien
meldet territoriale Ansprüche auf Kärnten an und erhebt im folgenden
Jahr schwere Anschuldigungen. Neben Gebietsforderungen werden 11
Milliarden 600 Millionen Dollar Wiedergutmachung verlangt. |
| 22.12.1946 |
General
Mark Clark ist Beauftragter des Außenministers Byrnes für den österreichischen
Staatsvertrag, der am 14. 01 1947 in London behandelt werden soll. |
|
Das
Jahr 1947 |
zum Anfang |
| 10.02.1947 |
Der
Friedensvertrag der Alliierten mit Italien wird unterzeichnet. |
| 10.02.1947 |
Das
später als "europäische Lösung" bezeichnete Gruber-De
Gasperi-Abkommen wird im Annex IV des italienischen Friedensvertrages
verankert. Artikel 85 des Vertrages bestimmt, daß die Annexe als
integrierender Bestandteil des Vertrages anzusehen sind und dieselbe
Bedeutung und dieselben Auswirkungen haben wie der Vertrag selbst. Das
Abkommen läßt sich in der Folgezeit nur eingeschränkt realisieren. |
| 27.06.1947 |
Die
italienische Verfassunggebende Versammlung beschließt ohne Anhörung
der Südtiroler die Errichtung einer "Region Trentino-Tiroler
Etschland". Proteste der Südtiroler gegen den Zusammenschluß mit
Trient bleiben wirkungslos. |
| 27.06.1947 |
Die
Verfassunggebende Versammlung in Rom beschließt die Errichtung
autonomer Regionen, darunter auch "Trentino-Alto Adige". |
| 16.09.1947 |
Der
Friedensvertrag mit Italien tritt nach Hinterlegung der
Ratifikationsurkunden der Signatarstaaten in Kraft. |
| 16.12.1947 |
Sturm
auf die Bozner Präfektur. |
|
Das
Jahr 1948 |
zum Anfang |
| 01.01.1948 |
Italien
stellt mit der Inkraftsetzung der Verfassung die Südtiroler vor eine
vollendete Tatsache, nachdem im Artikel 116 die Bildung einer
Regionalautonomie Trentino-Alto Adige vorgesehen ist. Damit wird das
Pariser Abkommens zumindest aus der Sicht der Südtiroler Interessen in
einem seiner wesentlichen Punkte nicht erfüllt. |
| 28.01.1948 |
Sog.
"Perassi-Brief"; Südtiroler Dankschreiben für die Autonomie. |
| 29.01.1948 |
Die
italienische Kammer erledigt mit großer Eile die 97 Artikel des
Autonomiestatuts Trentino-Alto Adige, das Autonomiestatut tritt mit 14.
03 1948 in Kraft. |
| 29.01.1948 |
Mit
der Autonomie tritt auch das Optantendekret in Kraft, welches die
Grundlage für die Reoption (Rücksiedlung) bildet. |
| 29.01.1948 |
Die
Verfassunggebende Versammlung in Rom verabschiedet das Statut für die
Region "Trentino-Tiroler Etschland" ("Trentino-Alto Adige"). |
| 08.02.1948 |
Das
Dekret über die Rückoption tritt in Kraft. |
|
Das
Jahr 1949 |
zum Anfang |
| 04.02.1949 |
Ende
der Rückoptionsfrist. Die Dolomiten vom 4. Februar 1949 schreibt: Heute
endet die Frist, "die unseren abgewanderten Landsleuten gewährt
ist, um für die Rückkehr in die Heimat zu optieren." |