Das Jahr 1914

 

 

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Weltgeschichte

Deutschland und England verständigen sich in der Bagdadbahn-Frage.
In China löst Yuan Shikai die Nationalversammlung auf und regiert diktatorisch.
Der Erste Weltkrieg bricht aus mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien vom 28.7., Deutschlands an Rußland vom 1.8. und an Frankreich vom 3.8., Kriegszustand zwischen Deutschland und Belgien ab 4.8., Kriegserklärung Englands an Deutschland am 4.8., Österreich-Ungarns an Rußland am 5.8., England und Frankreich an Österreich-Ungarn am 12.8., Japan an Deutschland (nach Ultimatum vom 19.8.) am 23.8.; Japan erobert am 7.11. mit Tsingtau die deutsche Kolonie Kiautschou. Das Osmanische Reich (Türkei) provoziert durch einen Feuerüberfall auf russische Häfen am 29.10. die Kriegserklärung der Entente-Mächte. Das eigentlich dem Pakt der Mittelmächte zugehörige Italien erklärt sich (u.a. auf Druck Mussolinis) für neutral.
Anlaß ist das tödlich verlaufende Attentat des serbischen Studenten Princip auf das österreichische Thronfolgerpaar (Franz-Ferdinand von Habsburg-Este und seine Gemahlin Sophie Gräfin Chotek Herzogin von Hohenburg) in Sarajewo vom 28.6., dem wenige Minuten vorher ein erstes erfolglos vorausging. Österreich, das sich der deutschen Unterstützung sicher ist ("Blankoscheck": deutsche Erklärung der Bündnistrue vom 6.7.), stellt dem unter russischen Garantien stehenden Serbien unannehmbare Forderungen in einem undurchführbar kurzen Ultimatum, erklärt Serbien am 28.7. den Krieg und beginnt am Folgetag mit der Beschießung von Belgrad. Beim darauffolgenden Feldzug gegen Serbien stoßen die Österreicher auf unerwartet erbitterten Widerstand und müssen sich zum Jahresende aus Serbien zurückziehen.
Nachdem der russische Vorstoß nach Ostpreußen (s.u.) bei Tannenberg aufgehalten werden konnte, beginnt im Dez. die bis April und Dez 1915 andauernde erfolgreiche deutsch-österreichische Offensive an der Ostfront.
Die Türken halten den englischen Vormarsch in Mesopotamien auf.
Belgien gerät unter deutsche Militärregierung.
Nach 20jährigem Aufenthalt in Südafrika (seit 1894) kehrt der Rechtsanwalt Mahatma Gandhi in seine indische Heimat zurück.

 

Kulturgeschichte

Der erste technisierte Krieg beginnt: Luftkämpfe, mehrtätiges Trommelfeuer aus unzähligen Kanonen, Tankschlachten, U-Boote, Funktechnik und Kampfgasgranaten sind die neuen Techniken, auf welche weder die strategischen Heeresleitungen noch die eingesetzten Soldaten ausreichend eingestellt sind.
Flugzeuge und Fesselballons werden zu Kriegsbeginn beinahe ausnahmslos für die Luftaufklärung eingesetzt (der erste Flugzeug- Bombenabwurf der Geschichte findet am 29.8. durch Hermann Dreßler über Paris statt; Abwurf aus der Hand).
15.8. Eröffnung des Panama-Kanals. Er verkürzt den Seeweg vom Pazifik in den Atlantik um über 8´000 Seemeilen (ca 15´000 km). Die USA sind Hoheitsträger der Kanalzone.
24.6. Die Eröffnung des erweiterten Nord-Ostsee-Kanals mit einer neuen Tiefe von 11 m gestattet es der deutschen Marine, ihre Schiffe innerhalb des eigenen Hoheitsgebietes von der Nord- zur Ostsee zu verlegen.
Die Technik des Hochsee-Fischfangs wird durch Treib- und Schleppnetze derart verbessert, daß noch in diesem Jahrhundert weite Bereiche der Weltmeere leergefischt sein werden.
Das Yale Bowl Stadium im amerikanischen Connecticut wird das größte Stadion der Welt. Diesen Rekord hat bislang das im Jahre 80 fertiggestellte Kolosseum in Rom gehalten.
Oskar Kokoschka malt die Windsbraut, August Macke ein Mädchen unter Bäumen und einen Abschied, Wassily Kandinsky die Improvisation Nr. 35, Piet Mondrian eine Komposition in Oval, Emil Nolde eine Tropensonne und Robert Delaumay den Eiffelturm.
Gestorben: Paul Heyse (*1830), Christian Morgenstern (*1871), Georg Trakl (Selbstmord angesichts des Kriegsbeginns), Bertha von Suttner (*1843 als Gräfin Kinsky); Hermann Löns (*1866) und August Macke (*1887) fallen im Krieg.