GSM Sendersuche ist nichts anderes wie eine Freizeitbeschäftigung, ein Hobby eben. Wie alle Hobbys wird auch dieses nur aus rein persönlichem, in diesem Fall auch technischem Interesse betrieben. Der Sinn dieser Freizeitbeschäftigung ist es, die Standorte der GSM Basisstationen ( BTS ) ausfindig zu machen. Viele bezeichnen dieses Hobby als unnütz und als blöd, allerdings erhält man dadurch eine Einsicht in die komplexe Netzarchitektur eines GSM Netzes und versteht wie so ein Komunikationssystem überhaupt funktioniert. Für manche Menschen wie mich ist es einfach interessant zu wissen wie nun so eine Basisstation aussieht und wo sie von den Netzbetreibern installiert wird. Bisher wurden noch alle Sendersucher von Freunden und Bekannten als Spinner bezeichnet, und das wird sich wohl auch nie ändern, aber damit kann man ja leben.
Jeder Sendersucher sollte auch über Grundkentnisse des GSM Systems verfügen. Diese Grundkentnisse sind die einzigen Voraussetzungen um den Monitormodus richtig zu interpretieren und somit neue Sender zu finden

Omnitel verwendet im Großraum Bozen und überhaupt in ganz Südtirol ( ja, eigentlich in ganz Italien ) ausschließlich direktionale Antennen ( auch Sektorstrahler genannt ), meistens in Diversity - Konfiguration, d.h. eine Sendeantenne in der Mitte und zwei Empfangsantennen außen. Meistens verfügen nur die im ländlichen Bereich installierten BTSen über Richtfunkanbindungen. In Bozen ist keine Omnitel BTS mit Richtfunk ausgestattet, dadurch können die Basisstationen kleiner gehalten werden. Mir ist keine omnidirektionale Omnitel Sendeantenne bekannt

Tim verfügt in Italien nicht nur über ein GSM, sondern auch über ein analoges E-TACS ( Extended Total Access Communication System ) Netz. Deßhalb sind die meisten Tim BTSen mit GSM und E-TACS Sende- und Empfangsantennen ausgestattet. Die zwei Empfangsantennen in der Diversity Konfiguration werden für GSM und E-TACS gleichzeitig verwendet, während sich in der Mitte jeweils eine Sektor-Sendeantenne für jedes System befindet. Das erklärt, warum die meisten Tim BTSen im Vergleich zu Omnitel eine direktionale Antenne mehr aufweisen, also vier direktionale Antennen pro Funkzelle. Tim verwendet häufig Richtfunkanbindungen, nicht nur im ländlichen Bereich. Alte Tim BTSen verfügen oft über sehr große Richtfunkantennen, das macht die Basisstationen natürlich sehr auffällig. Um dies zu vermeiden verfügen auch die neuen Tim Sender i.d.R. nicht über richtfunkantennen
Wichtiger Hinweis : Nicht alle Tim Basisstationen werden für beide Systeme verwendet. Es giebt natürlicherweise auch Sendeanlagen die entweder nur nach dem GSM oder nach dem E-TACS Standard arbeiten. Diese Sendeanlgen verfügen dann auch nur über drei direktionale Antennen ( die neuen GSM Basisstationen haben oft auch nur zwei oder eine Antenne pro Funkzelle ). Da das analoge TACS Netz in einigen Jahren deaktiviert wird, arbeiten alle neuen Tim Basisstationen ausschließlich nach dem GSM Standard.

Hier sieht man eine typische TIM BTS, die auf einem Telecom Gebäude installiert GSM und E-TACS Kanäle zur Verfügung stellt
Beide Netzbetreiber verfügen über eine gewisse Anzahl von mobilen Basisstationen. Diese BTSen sind LKW Anhängern montiert und können jeder Zeit wieder ohne Aufwand entfernt werden. Diese besonderen BTSen werden entweder verwendet um momentan die Netzkapazität zu steigern (z.B. bei größeren Veranstaltungen) oder wenn eine BTS innerhalb von wenigen Tagen installiert werden muss. Mobile BTSen werden nur sehr selten verwendet
Bie bereits erwähnt werden Richtfunkantennen nicht mehr besonders häufig verwendet, man findet sie aber trozdem noch auf alten und auch neuen BTSen. Eine Richtfunkantenne ist eine im Prinzip eine ganz normale Antenne, sie sendet aber nur in eine bestimmte Richtung. Diese Eigenschaft ermöglicht es, mit Richtfunk große Distanzen zu überbrücken, auch bei geringer Sendeleistung und schlechten Witterungsverhältnissen. Zwischen Sender- und Empfänger besteht immer Sichtkontakt. Richtfunkantennen funktionieren gleichzeitig als Sende-und Empfangsantennen. Alle Gespräche werden von der BTS zu einem Vermittlungsknoten, dem Mobile Services Switching Center ( MSC ) weitergeleitet. Die Verbindung der BTS mit dem MSC erfolgt entweder über Kabel oder eben über Richtfunk. Bei Richtfunkverbindungen besteht nicht immer Sichtkontakt zum MSC, also muß das Gespräch über richtfunk zuerst zu einer anderen BTS weitergeleitet werden, die es dann wiederum weiterleitet, bis das Gespräch endlich zu einer BTS gelangt, die Sichtkontakt zu dem MSC hat. Deßhalb zeigt eine Richtfunkantenne immmer genau auf eine andere, ebefalls mit Richtfunk ausgestattete, BTS oder in wenigen Fällen direkt auf das MSC. Man muß also nur der Richtung der Richtfunkantenne folgen und kommt früher oder später zu der nächsten BTS.

Eine Mobilstation kann sich innerhalb einer Funkzelle frei bewegen. Folglich befinden sich alle Mobilstationen in unterschiedlicher Entfernung zur Basisstation, manche sind sehr nahe, andere hingegen weit weg. Eine Folge dieser Mobilität ist, daß jeder Funkspruch beim Eintreffen an der BTS eine verschiedene Laufzeit hinter sich hat, da sich alle MS in unterschiedlicher Nähe zur BTS befinden. Wenn eine MS z.B. weit von der Basisstation entfernt ist, wird der Datenburst dieser MS zeitlich versetzt an der BTS empfangen. In einem System, das wie GSM das TDMA Vielfachzugriffverfahren verwendet, senden mehrere Teilnehmer auf derselben FDMA Frequenz jedoch auf einem unterschiedlichen Timeslot ( im GSM System verfügt jeder FDMA Kanal über 8 Timeslots ). Die MS sendet also nur auf dem ihr zugewiesenen Timeslot, und wartet dann wieder 7 Zeitschlitze ab, bis sie wieder auf ihrem Timeslot senden darf. Auserhalb des zugewiesenen Timeslots darf nicht gesendet werden, sonst würden die Verbindungen anderer Teilnehmer gestört werden. Wenn sich eine MS aber in großer Entfernung von der BTS aufhält, trifft der Datenburst unter Umständen zeitlich so stark versetzt ein, daß er bereits den nächsten Timeslot ( der einer anderen MS zugewiesen wurde ) überlappt. Um eine derartige Überlappung zu vermeiden, befindet sich zwischen zwei Zeitschlitzen eine guard period, die zu keinem der beiden Timeslots gehört. Bei normalen Entfernungen zur BTS ereignet es sich aber oft, daß die MS so weit entfernt ist, daß der empfangene Datenburst nicht nur die guard period, sondern auch Teile des nächsten Timeslots überlappt. Um eine Störung anderer Teilnehmer zu vermeiden, wird der Sendezeitpunkt entfernter Mobilstationen so weit vorverlegt, daß der Datenburst beim Eintreffen an der Basisstation höchstens die guard period überlappen kann. Die Basisstation teilt der MS deßhalb über den SACCH Downlink mit, um wieviel sie zeitlich vorgezogen senden muß um nicht den nächsten Teilnehmer zu stören. Die MS stellt diesen Timind Advance ( TA ) Wert ein, und sendet ihn der BTS über den SACCH Uplink. TA kann Werte zwischen 0 und 63 einnehmen, wobei jede Stufe einer bitperiode entspricht. Stufe 0 bedeutet natürlicherweise keine Zeitverschiebung, also kein vorgezogenes Senden.
Die Laufzeit des Funkspruches von der MS zur BTS entspricht dem Weg den das Funksignal inklusiver aller Reflektionen an Gebäuden usw. nimmt bevor es empfangen wird. Dank TA kann also die ungefähre Entfernung der MS zur BTS ermittelt werden. Wenn man den TA Wert mit 547 multipliziert erhält man einen Wert, der Entfernung der MS zur BTS ( Achtung, wie ich bereits erwähnte inklusiver aller Reflektionen ) in Metern veranschaulicht. Die Genauigkeit dieses Wertes hängt von den Reflektionen ab, die das Funksignal hinter sich hat, bevor es von der BTS empfangen wird. In ländlichen, ebenen Gebieten treten nur wenige Reflektionen auf, und TA multipliziert mit 547 nimmt deßhalb einen meist sehr realisitischen Wert ein. In dicht besiedelten Gebieten reflektiert sich das Funksignal hingegen unzählige Mahle an Häusern und anderen hindernissen, bevor es schließlich von der Basisstation empfangen wird. Deßhalb ist die durch TA ermittelte Entfernung zur BTS in Städten immer sehr ungenau, und deßhalb indikativ zu betrachten.
Zu Beginn sollte man einmal alle Sender, deren Standort man schon kennt, in eine Senderliste eintragen. Bei den meisten BTSen handelt es sich um segmentierte Basisstation in clover Konfiguration, d.h. daß jede Baisstation drei Funkzellen versorgt. Die meisten segmentierten Basissationen verfügen über drei direktionale Antennengruppen, die jeweils 120° abdecken. Deßhalb muß man einen Kreis um den Sender herumfahren, um alle drei ( oft sind es bei segmentierten BTSen auch nur zwei ) und nicht nur eine Funkzelle zu erfassen.
Als Senderliste bietet sich am besten eine Excel Tabelle an. Eine Senderliste sollte die wichtigsten Daten über die jeweiligen Sender enthalten, diese Daten identifizieren jede einzelne BTS und schließen somit Verwechslungen aus. Eine gute Senderliste sollte folgende Paramter enthalten:
In Bezug auf die Senderlsiten ist es wichtig zu wissen, daß die GSM Netzbtreiber von Zeit zu Zeit die Kanäle wechseln. Meistens ist der Kanalwechsel die Folge davon, daß irgendwo eine oder mehrere neue BTSen installiert wurden. Es ist deßhalb ratsam immer zu kontrollieren ob die in der Senderlsite angegebenen Kanäle auch noch stimmen. Mir ist es z.B. einmal passiert, daß ich mehrere Tage einen Sender gesucht habe, dessen Standort ich eigentlich schon kannte, Omnitel hatte aber die Kanäle und somit auch die Frequenz des BCCH geändert und ich dachte ich würde einen mir unbekannten, neuen Sender suchen.
Der aufregenste Teil der Sendersuche ist natürlicherweise das Suchen eines unbekannten Senders. Wenn man im Auto ( oder auf dem Fahrrad ) herumfährt um einen neuen Sender zu finden, sollte man immer die Senderliste bei sich haben, um zu wissen wo man einen bekannten und wo man einen unbekannten Sender empfängt. In Gebieten, in denen sich nur wenige Hindernisse befinden reflektieren sich die Funkwellen nur gering. In derartigen Gebieten kann man mit der TA Suchtechnik bereits gute Resultate erziehlen.
Mit Hilfe der durch TA geschätzten Entfernung zum Sender lässt sich dessen Standort leicht ausfindig machen. Man wählt einen Ort aus, indem man den noch unbekannten Sender empfängt. Dann beginnt man ein Gespräch und liest vom Monitormodus den zugewiesenen TA Wert ab. Das Gespräch sollte möglichst gebührenfrei sein, die Hotlines der Netzbtreiber eignen sich hier aus zweiGründen besonders. Erstens sind sie gebührenfrei, und zweitens hört man die längste Zeit sowieso nur irgendeine automatische Stimme. Den abgelesenen TA Wert rechnet man dann in Meter um und notiert ihn sich mit der Position in der die Messung durchgeführt wurde. Diesselbe Prozedur soll dann in drei oder vier Orten, die natürlicherweise vom selben Sender abgedeckt werden, wiederholt werden. In einer möglichst detaillierten Landkarte zeichnet man dann für jede Messung einen Kreis ein, wobei der Standpunkt natürlich dem mittelpunkt, und der TA Wert umgerechnet in Meter dem Radius entspricht.
In dem Punkt, in dem sich die drei Kreise schneiden, müßte sich der GSM Sender befinden. Diese Sendersuchtechnik wird um so genauer, je mehr Meßpunkte man in die Landkarte einträgt.
Wie bereits erwähnt, eignet sich die TA Suchtechnik nur für ebene Gebiete, in denen sich die Funkwellen nicht viel reflektieren. Aber wie findet man dann z.B. einen unbekannten Sender in der Stadt, wo sich die Funkwellen wegen der vielen Häuser unzählige Mahle reflektieren? In Gebieten, in denen die TA Technik nur zu unzuverlässigen Ergebnissen führen würde, bleibt einem nichts anderes übrig als das Gebiet, in dem man den unbekannten Sender empfängt, intensiv abzufahren. Während man da dann so herumfährt sollte man dauernd einen Blick auf den Monitormodus werfen, und dem Empfangspegel des BCCH im Auge behalten. Am besten notiert man sich, wo der Empfangspegel die höchsten Werte annimmt und engt damit das Gebiet so weit ein, bis man den Sender schließlich gefunden hat. Meistens nimmt der Empfangspegel des BCCH bei Sichtkontakt zum Sender Werte um -50dBm ein, direkt unter dem Sender -45, -40 oder noch mehr. Wenn man z.B. mit -50dBm empfängt, aber weit und breit keinen Sender sieht sollte man ein Gespräch beginnen und den Wert für TA ablesen. Unter dem Sender oder in direkter Nähe darf TA nicht größere Werte als 000 oder 001 einnehmen, sonst ist der Sender vor dem man steht eindeutig nicht der, den man misst. Ein Empfangspegel des BCCH von -50dBm und ein TA Wert von 001 oder 000 lässt keine Zweifel offen : es muß sich ein GSM Sender in unmittelbarer Nähe befinden, also das Gebiet noch einmal ordentlich inspizieren.

Wenn man den Sender nun endlich gefunden hat, sollte man auch einmal von der Nähe betrachten wonach man da so lange gesucht hat. Also vom Auto aussteigen ( oder, wenn man wie ich Pech hat und noch nicht Auto fahren darf, das Fahrrad auf der Straße liegen lassen ), die für die Senderliste notwendigen Daten festhalten, den Sender ein wenig bewundern und dann noch ein Foto für das Fotoalbum machen ( alternativ kann man das Foto ja auch mir über E-Mail zukommen
lassen ).
Naja, man kann natürlich die Hoteline des Netzbetreibers anrufen, und die freundlichen Damen bitten ob sie einem nicht sagen könnten, wo dieser verdammte Sender steht. Diese Methode bewährt sich allerdings aus zwei Gründen nicht besonders. Erstens geben die Netzbtreiber ( zumindest in Italien ) nicht besonders gerne Auskünfte über die Standorte ihrer Sender, da sie Gründungen von Bürgerinitiativen gegen Mobilfunk befürchten. Zweitens wissen die Gesprächspartner bei der Hoteline des Netzbetreibers meistens nicht, was eine Basisstation überhaupt ist.
Also bleibt einem nichts anderes übrig, als das Problem selbst in die Hand zu nehmen. Wenn man die Basisstation von der Straße aus nicht sehen kann, muß man es eben von einer erhöhten Position aus versuchen. Es eignen sich hier besonders Treppenhäuser, Kaufhäuser, Aussichtstürme und Kirchtürme ( vielleicht bewirkt der Segen Gottes ja auch noch das eine oder andere Wunder und weist einem den richtigen Weg ).
Abschließend kann ich nur noch jedem viel Spaß bei der Sendersuche wünschen, es wäre doch schön wenn sich dieses spaßige Hobby ein wenig mehr verbreiten würde, oder etwa nicht? Jeder, der einen neuen Sender in Südtirol ( oder einfach etwas technisch interessantes ) gefunden hat, ist gebeten mir dies sofort mitzuteilen. Ich bin im voraus jedem für seine Mitarbeit sehr dankbar.
Eine kleine Sache möchte ich bei dieser Gelegenheit auch noch gleich klarstellen. Auf die Idee GSM Sender zu suchen kam ich, nachdem ich mir im Internet die Seite von Norbert Hüttisch angeschaut hatte. Deßhalb stammt fast alles was ich über GSM Sendersuche weis, von diesen Seiten. Meine GSM Seiten sollen nicht als Kopie von Nobbis GSM Seiten interpretiert werden, sicherlich bestehen einige große Ähnlichkeiten, überhaupt in dieser Anleitung zum Sendersuchen, ich habe aber trozdem lediglich detailliert geschildert wie ich persönlich vorgehe, wenn ich einen mir unbekannten GSM Sender suche. Es soll ja nur niemand meinen, daß ich mit der GSM Sendersuche angefangen habe ( ehrlich gesagt, weis ich nicht von wem diese Idee überhaupt stammt ), ich habe nur eine weitere Sendersuchseite im Internet veröffentlicht ( hoffentlich werden es immer mehr...).