III. Kompanie der Lauenburger Schützengilde von 1666

 

Wie die Verbrüderung entstand

Es ist einer jener Zufälle, die zwar nicht Geschichte schreiben aber dennoch Geschichte wieder lebendig werden lassen:

186 Jahr nachdem 268 Tiroler Scharfschützen im Lützower Freikorps in Lauenburg an der Elbe gegen die Truppe des napoleonischen Marschalls Davoust kämpften, um die Stadt der Eroberung und Brandschatzung zu bewahren wurde am 12. September 1999 einer von ihnen, Joseph Ennemoser (1787-1854), in Süd-Tirol von Lauenburger Schützen geehrt.

Wiederentdeckt wurde die alte Waffenbrüderschaft zwischen Lauenburger Schützen und Tirolern vom Hauptmann der 3. Kompanie der Lauenburger Schützengilde von 1666, Herbert Godyla M.A.

Die Lauenburger waren im Jahre 1995 zu einer Fahnenweihe nach Lana in Südtirol eingeladen worden. Dort hatte Godyla in seinen Grußwort auch Lützows wilde, verwegene Schar und ihren Kampf gegen Napoleons Truppen erwähnt, der dem der Tiroler ähnelte. 1998 waren Schützen aus Meran und dem Passeiertal einer Einladung nach Lauenburg gefolgt und zum Schützenfest gekommen.

Um sie würdig begrüßen zu können, hatte Hauptmann Herbert Godyla, Hobby-Heimatforscher und Mitglied des Stiftungsrates der Stiftung Herzogtum Lauenburg, nach geschichtlichen Spuren Lützower Jäger geforscht.

In einen Buch aus dem Jahre 1839: „Geschichte des Krieges an der Nieder-Elbe im Jahre 1813“ von C.L.E. Zander , Leutnant im ersten Bataillon der Lützowschen Freischar fand er die Beschreibung des Gefechtes vom 17. bis 19. August 1813. Und dann kam die faszinierende Nachricht, die in 185 Jahre verloren gegangen war. In dem Plan der Truppenaufstellung war unter Punkt d. angeführt „Die Tiroler Jäger - Compagnie“.

Im Bericht wurden die Tiroler besonderes hervorgehoben: „Auf dem äußersten Flügel standen die Tiroler Scharfschützen - Compagnien und die Kosacken...“ und an anderer Stelle: „Indessen mag der Feind nicht wenig eingebüßt haben, da an jenem Tage Tiroler vornehmlich thätig waren und sich größtentheils als vorzügliche Schützen auszeichneten“.

Für die Gäste aus Südtirol war diese historische Nachricht eine große Neuigkeit, die Staunen und Bewunderung für die kämpferischen Vorfahren auslöste, die im Sinne Andreas Hofers den Kampf gegen die Eroberer in ganz Deutschland fortgesetzt hatten.

So beschlossen die Lauenburger  und Südtiroler Schützen, die vor 186 Jahren begründete Freundschaft zu pflegen.

Recherchen in Deutschland und Tirol ergaben folgendes Bild:

Im Gefecht bei Lauenburg  kämpften zwei Bataillone Lützower Jäger, unter ihnen die 268 Tiroler, russische Kosaken und Preußen gegen eine zigfache Übermacht der Franzosen.

Unter den Tirolern war auch der Geheimsekretär des Tiroler Freiheitshelden Andreas Hofer: Joseph Ennemoser aus Rabenstein im Passeiertal. Er kämpfte gemeinsam mit dem Lauenburger von der Leutnant von der Heyde und weiteren Lauenburger Schützen als Premierleutnant im Lützower Freikorps.

Ennemoser war ein enger Freund des Mitkämpfers und Freiheitsdichters Theodor Körner, von dem das Gedicht und Lied (Carl Maria von Weber) „das ist Lützows wilde, verwegene Jagt“, stammt.

Der Tiroler ( später berühmte Medizin-Professor in Bonn) war zugleich der einzige Wundarzt der Schar. In seinen Armen starb der erst 21 jährige Theodor Körner in der Schlacht von Stocknitz bei Gadebusch in der Göhrde am 26. August 1813.

Doch zurück zur Gegenwart: Anfang September 1999 war eine Abordnung der 3. Kompanie der Lauenburger Schützengilde auf Einladung des Bezirksmajors für das Burggrafenamt und Passeier, Hans Staffler, und der Schützenkompanie „Andreas Hofer“ Meran in Südtirol.

Am 12. September wurde in Rabenstein, dem Geburtsort Ennemosers, im Rahmen eines Festaktes von den Lauenburger am Denkmal des Freiheitskämpfers eine von ihnen gestiftete Gedenktafel enthüllt.

Die Inschrift der von dem bekannten norddeutschen Bildhauer Hans Werner Könecke geschaffenen Bronze - Tafel lautet:

„Dr. Joseph Ennemoser 1787-1854 gewidmet, der vom 17. bis 19. August 1813 mit 276 Tiroler Schützen und unseren Vorfahren in „Lützows wilder, verwegener Schar“ unsere Heimatstadt Lauenburg an Elbe gegen die Truppen Kaiser Napoleons verteidigte.

In dankbarer  Erinnerung die Lauenburger Schützengilde v. 1666, 3. Kompanie.“

Zuvor hatten die Meraner Schützenbrüder der Kompanie „Andreas Hofer“ mit den Schützenbrüdern er 3. Kompanie offiziell die Verbrüderung gefeiert.

 

Aus der Geschichte der Lauenburger Schützengilde von 1666 e.V.

Erste Erwähnung  vom 1. Dezember 1509, als der Herzog von Askanien, Magnus I, mit seiner 16jährigen Gattin Catharina von Braunschweig-Lüneberg in das Lauenburger Schloß einzog und die Gilden und Schützen auf den Wällen standen und dem jungen Herzogspaar zujubelten. (Damit ist klar, dass die Schützen- bzw. Goiengilde – man schoß auf einen bunten Papageien aus Holz – bereits vorher existierte – vermutete Gründung zum Schutz und Trutz der Stadt um 1450).

Zweite Erwähnung von 1525 als der König von Dänemark, Christian III, nach Lauenburg kam, kam die älteste Tochter von Magnus I und Catharina zur Frau zu nehmen und die Schützen wiederum auf den Wällen standen, um den Herrschern zuzujubeln.

Dritte Erwähnung von 1642, als die Lauenburger Schützen die Stadt im dreißigjährigen Krieg (1618-1648) erfolgreich gegen den schwedischen Heer verteidigten.

1966 Erstes erhaltenes Dokument: Die erste Satzung der Schützengilde (deshalb von 1666), die Herzog Franz Erdmann von Askanien (Herzog von Lauenburg, Sachsen, Engern und Westfalen) gab. In ihr wurden die Privilegien der Lauenburger Schützen niedergeschrieben: das Recht zu schießen, zu feiern, die Steuerfreiheit des Schützenkönigs für das Königsjahr und die Verpflichtungen der Stadt gegenüber den Schützen. Davon heute noch in Kraft: der Bürgermeister ist Patron der Gilde, der König erhält einen silbernen Löffel und einen silbernen Becher.

Von 1799 an sind die Namen aller Könige der Lauenburger Gilde auf Ehrentafeln im Schützenhaus zu sehen.

1913 Lauenburger Schützen kämpfen in Lützows Freischaren vom 17. bis 19. August mit einer Tiroler!!! Scharfschützenkompanie, Kosaken und Preußen gegen den französischen Marschall Davoust.

1815 wird Lauenburg dänisch

1820 König Frederik VI von Dänemark wird Lauenburger Schützenkönig.

1842 König Christian VIII von Dänemark schenkt den  Schützen zu Besuch in Lauenburg eine Schützenscheibe  (im Schützenhaus zu besichtigen).

1851 König Christian VIII von Dänemark schießt sich zum Schützenkönig.

1866 Lauenburg wird Preußisch, 1867 König Wilhelm I von Preußen, der spätere deutsche Kaiser, wird Schützenkönig.

Bis heute besteht die Gilde weiter. Sie hat 3 Kompanien und zählt insgesamt mehr als 300 Mitglieder. Damit ist sie einer der größten Gilden im Norddeutschen Schützenbund.