Schießwesen

 

 Die Waffen

 

Im Zeitalter der Armbrust haben sich schon Schützengesellschaften gebildet. Vor allem in den Städten Tirols wurden damals Zielstätten oder Schießstände errichtet. Das entwickelte  sich zum Zwecke der Einübung der Bürger zur Verteidigung ihrer Stadt, aber gleichermaßen auch immer mehr als sportlicher Wettkampf. Es bestand also von Anfang an ein ein enger Zusammenhang zwischen Wehrverfassung und Schützen bzw. Schießstandwesen. Um 1335 finden wir die erste Urkundliche Erwähnung des Begriffes Schützen in der Verordnung der Grafen von Görz.  1410 wird der Begriff "Schütze"  in den Musterregistern der Stadt Lienz verwendet; man bezeichnete damit die mit Armbrust bewaffneten "Stachelschützen". Diese Armbrust- oder Stachelschützen (Stachel = Stahl, aus dem der Bogen bestand) hatten den Hl. Sebastian zum Patron. 

Meraner Schießstand vor dem Ultner TorDas erste bekannte größere Schiessen fand1432 satt, damals waren Zielbüchsen, also Feuerwaffen beteiligt. Aber auch in der damaligen Landeshauptstadt Meran sind Schießstände und Schützengesellschaften seit dem 15.Jh. nach- weisbar. Erzherzog Sigmund bewilligte den Meraner Armbrustschützen eine Schießstätte außer- halb der Stadt,  vor dem Vinschger Tor. Einige Jahrzehnte später (um 1508) wurde der Schießstand vor das Ultner Tor verlegt, wo er bis zur Mitte des 19.Jh. blieb und erst dann in der heutigen Schießstandstraße entstand.

Die Landesfürsten förderten das Schützenwesen durch Stiftung von Preisen, die man "Beste" nannte. Lange Zeit wurde im 15. und 16.Jh. auf den Schießstände, sei es mit Armbrust, als auch mit Feuerwaffe geschossen. Von Seiten der Obrigkeit förderte man die Feuerwaffen, welche darin die bessere Waffe für Verteidigungszwecke sah. Der Anschlag beim Schießen war immer stehend frei, erst nach dem 1. Weltkrieg kam auch das Schießen in liegender Stellung auf. 

In organisatorischer Hinsicht hat man schon Mitte des 17.Jh. Ober- und Unterschützenmeister sowie Schützenräte eingeführt. Eine besondere Rolle spielte der "Zieler" welcher die Aufgabe hatte, neben der Scheibe in Schusssicherer Deckung zu warten, bis der Schuß gefallen war, um dann demselben mit der "Zielkelle" so auf der Scheibe anzuzeigen, dass der Schütze verstand, ob der Schuss hoch oder tief, links oder rechts vom Zentrum lag. Beim Zentrumstreffer brachte der Zieler einen Böller zur Entladung oder führte einen Tanz um die Scheibe auf. Fehlschüsse wurden mit einem Besen, der über die Scheibe gewischt wurde, angezeigt.

Der Historiker Johann Jakob Staffler schreibt in seinem Werk "Tirol und Vorarlberg" aus dem Jahre 1839 folgendes. "Allgemein verbreitet ist das Vergnügen des Scheibenschießens. Kein Tal, ja kaum ein Dorf gibt es, wo nicht solche Übungen an Sonn- und Feiertagen gehalten werden. Jugendliche lebhafte Greise und männlich tuende Knaben und Jünglinge sieht man da, unter rüstigen Männern im edlen Wetteifer, kämpfend um die Bescheidenen "Beste", doch mehr noch um den größeren Preis der Ehre. Die Kunst- haftigkeit der Tiroler Schützen ist allgemein anerkannt."

Auf einem Tiroler Schießstand um 1860

Die Schützen wurden in der Landesverteidigung meist an den Flanken der Truppe und in gedeckten Gebäuden eingesetzt und konnten bei eigener Übung den angreifenden Feind schon vor dem Zusammenstoss schwere Verluste zufügen, vor allem aber die Anführer abschiessen. Die wiederholten erfolgreichen Verteidigungen des Landes, beispielsweise im Boarischem Rummel  von 1703 wären ohne die Schützen nicht möglich gewesen. 

Heute nach Zieten des Verbotes unter dem Italienischen Staat wird diese Tradition weitergeführt. Es werden Bezirks- und Landesschiessen sowie Übungs-, Freundschafts- und Kompanieschiessen im ganzen Land abgehalten. Geschossen wird traditionell in Tracht. Bei den Landes- und Bezirkssiessen messen sich die Schützen in Mannschafts- und Einzelwertungen. In den Einzelwertungen kann jeder Schütze die Leistungsabzeichen des SSB herausschiessen.

   
Zum Erwerb der Bundesleistungsmedaille und der Jahresspange sind folgende Mindestringe erforderlich:
 
  Medaille in Medaille in Medaille in Gold mit Gold mit
  Bronze Silber Gold Silberkranz Goldkranz
Schützenklasse          
K.K. liegend 60 75 87 90 277
K.K. stehend 50 60 75 80 256
Senioren          
K.K. liegend 60 75 85 88 271
K.K. stehend 50 62 73 78 250
Altschützen, Jungschützen u. Marketenderinnen          
K.K. liegend 55 70 83 86 268
K.K. stehend 40 50 66 75 232
Veterane u. Versehrte             
Sitzend aufliegen 63 78 90 93 283
           
Zum Erwerb der Tiroler Schützenschnur sind folgende Mindestringe erforderlich:
           
  Grün Silber Gold    
Schützenklasse   Die Goldene Schützenschnur
K.K. liegend

123

132 138
K.K. stehend 90 105 120
Senioren  
K.K. liegend 122 131 137
K.K. stehend 88 103 118
Altschützen, Jungschützen u. Marketenderinnen  
K.K. liegend 118 128 135
K.K. stehend 85 100 115
Veterane u. Versehrte   
Sitzend aufliegen 128 137 142
 

Auf die Schützenschnur darf nur einmal im Jahr, ohne Unter- brechung und unter Aufsicht geschossen werden.